Adenauer als Student

Von 1894 an studierte Adenauer Rechtswissenschaften an den Universitäten in Freiburg im Breisgau, München und Bonn, besuchte Lehrveranstaltungen in Geschichte, Literatur und Nationalökonomie und legte 1897 sein erstes juristisches Staatsexamen ab.

Kurze Lehrzeit und Studium in Freiburg (Sommersemester 1894)

Zunächst trat Adenauer am 1. April 1894 in dem Kölner Bankhaus Seligmann eine Lehre an. Nachdem sein Vater die Bewilligung für eine finanzielle Unterstützung aus dem Stipendienfonds für begabte Kölner Bürgersöhne (Krämerstiftung) erhalten hatte, immatrikulierte sich Konrad Adenauer im Frühjahr 1894 als Student der Rechte an der Universität Freiburg im Breisgau. Dort trat er dem Katholischen Studentenverein Brisgovia bei, wo er sich mit Raimund Schlüter anfreundete, der ebenfalls Jura studierte. Adenauer besuchte in Freiburg Vorlesungen von Gustav Rümelin und Konrad Cosack über "Institutionen", "Römische Rechtsgeschichte", "Encyklopädie der Rechtswissenschaften" und "Deutsche Rechtsgeschichte".

Fortsetzung des Studiums in München (1894/95)
Nach dem ersten Semester wechselte Adenauer zum Wintersemester 1894 für zwei Semester an die Universität München, wohin auch Schlüter folgte. Dort trat er dem Katholischen Studentenverein Saxonia bei. Neben den juristischen Kursen nahm er an Lehrveranstaltungen des Nationalökonomen Lujo Brentano zur "Geschichte der wirtschaftlichen Revolution in England seit 1760" teil, hörte die Vorlesungen des Historikers Anton Julius Chroust über "Renaissance, Humanismus und Reformation", des Literaturhistorikers Karl Borinski über "Shakespeare in Deutschland" und des Philosophen Moritz Lavrière über "Goethe's Faust".

In den Semesterferien reiste Adenauer mit Schlüter in die Schweiz, nach Italien und Böhmen. Auf einer sechswöchigen Wanderung durch Oberitalien besuchten sie Venedig, Florenz, Ravenna und Assisi.

Abschluss des Studiums in Bonn (Wintersemester 1895/96-1897)

Zum vierten Semester im Herbst 1895 setzte Adenauer mit seinem Freund Schlüter das Studium an der Universität Bonn fort und schloss sich am 28. Oktober dem Katholischen Studentenverein Arminia an. Dort hörte er auf den Biernamen "Toni". An der Universität besuchte er die Veranstaltung von Rudolf Hübner über "Katholisches und evangelisches Kirchenrecht" und "Handelspolitische Übungen", belegte bei Ernst Zitelmann ein "Civilrechtspraktikum" und "Übungen in der Erklärung des bürgerlichen Gesetzbuches" und bei Hermann Seuffert "Übungen im Strafrecht und Strafprozessrecht". In den beiden Semestern 1895/96 und 1896 wohnte er in der Poststraße 28 in Bonn; im Wintersemester 1896/97 in der Endenicher Straße 47.

Nach sechs Semestern legte er am 22. Mai 1897 das erste juristische Staatsexamen mit der Note "gut" ab.

Literaturhinweise
Paul Weymar: Konrad Adenauer. Die autorisierte Biographie. München 1955.
Hans-Peter Schwarz: Adenauer. Der Aufstieg: 1876-1952. Stuttgart 1986.
Hans-Peter Mensing: Konrad Adenauer und die Universität Bonn (Uniclub Heft Nr. 2, hg. vom Universitätsclub). Bonn 2006.

Hanns Jürgen Küsters

 

Mit Raimund Schlüter