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Birrenbach, Kurt

* 02.07.1907 in Arnsberg
† 26.12.1987 in Düsseldorf

Jurist, Industriemanager, Dr. jur., Dr. med. h. c., rk.

Übersicht

Jurastudium in Genf, Paris, München, Berlin und Münster

1930 Referendarexamen
1933 Promotion
1934-1939 Finanzberater in Berlin
1939-1950 Tätigkeit für verschiedene Unternehmen - zumeist der Stahlindustrie - in Lateinamerika
1951 stellvertretender Geschäftsführer der Stahlunion Düsseldorf
1954-1978 Generalbevollmächtigter der Gräfin Anita de Zichy-Thyssen
1962-1973 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Thyssen AG
1965-1986 Vorsitzender des Kuratoriums der von ihm mitbegründeten Fritz-Thyssen-Stiftung
1953 CDU
1957-1976 MdB
1957 Mitglied. der Gemeinsamen Versammlung der EGKS
1958-1961 Mitglied des Europäischen Parlaments
1973-1981 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
Biographischer Werdegang

Birrenbach hatte während seiner Berufstätigkeit in Lateinamerika Kontakte zu maßgeblichen Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und politischen Lebens der USA, aber auch Frankreichs und Großbritanniens aufbauen können. Der 1957 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen als Interessenvertreter der Stahlindustrie in den Bundestag eingezogene Birrenbach erwarb schnell Ansehen als Fachmann für außenpolitische Fragen und profilierte sich im Bundestagsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten. Wiederholt wurde er mit besonderen diplomatischen Aufgaben betraut: 1961 klärte er im Auftrag Konrad Adenauers die amerikanische Position nach dem Mauerbau in Berlin, im Auftrag Ludwig Erhards führte er 1965 die Verhandlungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel, für Kurt Georg Kiesinger holte er 1968 Informationen über die amerikanische Haltung nach der militärischen Niederschlagung des „Prager Frühlings" ein, und Anfang der 1970er Jahre sollte er für den Oppositionsführer Rainer Barzel feststellen, wie die westlichen Partner auf die Ostverträge der sozial-liberalen Koalition reagieren würden. Birrenbach erledigte diese Sondierungen zwar exzellent, aber er trat damit nicht in das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Wahrgenommen wurde von außenpolitisch interessierten Kreisen hingegen während der 1960er Jahre sein Eintreten für einen europäischen Zusammenschluss unter Einschluss Großbritanniens sowie sein Engagement für eine Festigung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. So war er zu Anfang 1963 an der Entstehung der Präambel zum Elysée-Vertrag maßgeblich beteiligt, die das deutsch-französische Abkommen in eine transatlantische Partnerschaft einschließlich Großbritanniens einband. Zu seinen Grundsätzen gehörte es, wirtschaftliche Überlegungen der Politik unterzuordnen. Als „heimlicher Außenminister" tituliert, stand Birrenbach in dem Ruf, er wäre „einer jener immer seltener werdenden Menschen, denen das Ganze wichtiger ist als die persönliche Karriere oder das eigene Wohlergehen". („Die Zeit").

Literaturhinweise Die Zukunft der Atlantischen Gemeinschaft (1962); Meine Sondermissionen (1984). - B. Leupold: Kurt Birrenbachs europapolitisches Konzept 1958 1962, in: Geschichte als Verantwortung. Festschrift für Hans Fenske (1996); M. Schulz: Die politische Freundschaft Jean Monnet - Kurt Birrenbach, die Einheit des Westens und die Präambel zum Elysée-Vertrag von 1963, in: A. Wilkens (Hg.), Interessen verbinden: Jean Monnet und die europäische Integration der Bundesrepublik Deutschland (1999); H.-P. Hinrichsen: Der Ratgeber. Kurt Birrenbach und die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland (2000).

Bernd Leupold

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