Adenauer als Schüler

Adenauer besuchte von 1882 bis 1885 die Knabenschule an Sankt Aposteln in Köln und ging anschließend auf das Königliche Katholische Gymnasium an der Apostelnkirche, wo er 1894 das Abitur machte. Er war ein guter, aber kein überragender Schüler.

Schulbesuch

Vom fünften bis zum sechsten Lebensjahr erhielt Konrad Adenauer - wie auch seine Geschwister - abends zu Hause Unterricht von seinem Vater. Dieser stellte ihm am 13. April 1881 auch das erste Zeugnis aus. So übersprang Konrad Adenauer das erste Schuljahr und kam 1882 mit dem Besuch der Knabenschule an Sankt Aposteln in Köln gleich in die zweite Klasse. Die Knabenschule besuchte er bis 1885 und wechselte dann auf das Königliche Katholische Gymnasium an der Apostelnkirche. Dort absolvierte er 1894 die Reifeprüfung.

Stundenplan
In der Unter- und Mittelstufe lernte Adenauer vor allem die alten Sprachen Latein und Griechisch, 14 Wochenstunden standen auf dem Stundenplan. Der Unterricht erstreckte sich auf 36 Wochenstunden. Abiturfächer waren Religionslehre, Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Physik, Turnen und Gesang sowie Hebräisch und Zeichnen als Wahlfach.

Mitschüler
Zu seinen Schulkameraden gehörte von der Sexta bis zur Oberprima Hubert Lohmer (Medizinalrat), Sohn des gleichnamigen Hausarztes der Familie Johann Adenauer. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg erster Leiter des Kölner Gesundheitsamtes. Ildefons Herwegen, der spätere Abt von Maria Laach, verließ die Klasse in der Quarta (1888). In der Oberprima gehörten der Klasse 21 Schüler an. Adenauer machte außerdem mit Roland Eilender, Karl Mühlens (später Arzt), Willibald Schellmann (später Regierungsrat) sowie Abels (später Pfarrer), Heusgen (angeblich später Erzbischof), Mauhs (später Gutsbesitzer) Abitur. Die gesamte Klasse bestand die Reifeprüfung, 13 Schüler wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Lehrer
Musikunterricht erhielt er in der Quinta von Herrn Hermann Kipper, der Gesanglehrer und Musikreferent mehrerer Kölner Zeitungen war und durch Karnevalslieder ("Rote-Funken-Marsch") bekannt wurde. In der Prima unterrichteten Professor Brüggemann und Professor Ernst Petit, der in Verbindung zu dem Archäologen Heinrich Schliemann stand und mit in Troja ausgegraben hatte, außerdem die Professoren Müller und Velten.

Schulische Leistungen
Adenauer war ein guter, aber keineswegs ein überragender Schüler. Bevor er die Knabenschule besuchte, stellte sein Vater dem Fünfjährigen Konrad am 13. April 1881 sein erstes Zeugnis aus. Im "Betragen" erhielt er ein "sehr gut", sein "Fleiß" war "in letzter Zeit lobenswert" und im "Lesen" und "Schreiben" bekam er ein "gut". Besonders bemerkte der "Privatlehrer Papa": "Wenn er so fort fährt[,] kommt er nächstes Jahr in die II. Klasse, wird er aber faul[,] dann muss er mit den Köttelchen (!) wieder anfangen".

Seine Leistungen in der Untersekunda (Schuljahr 1890/91) belegen dies. Fleiß und Aufmerksamkeit wurden mit "gut" beurteilt, ebenso die Leistungen in den Fächern Religionslehre, Deutsch, Mathematik, Physik und Gesang. Im Fach Lateinisch waren sie "genügend, teilweise gut", in Griechisch "genügend, im Mündlichen gut", in Französisch und Geschichte/Erdkunde "genügend" und beim Turnen gar "mangelhaft".

Interessen
Mit Alter von 17/18 Jahren schwebte Adenauer vor, nach Südamerika auszuwandern. Er hatte viele Bücher über diesen Kontinent verschlungen, vor allem über Brasilien, wo es größe­re deutsche Kolonien gab, in denen die Schaffner auf der Eisenbahn nur deutsch sprachen.

Abiturprüfung
In der Abiturprüfung standen drei Themen für den Deutschaufsatz zur Auswahl.Thema I lautete: "Warum hat der Deutsche recht, auf seinen Rheinstrom stolz zu sein?" und Thema III "Unglück selber taugt nicht viel; Doch es hat drei gute Kinder: Kraft, Erfahrung, Mitgefühl". Adenauer wählte das Thema II: "Tasso und die beiden Frauengestalten in dem Goetheschen Drama". Adenauer bestand in Deutsch das Abitur mit der Note "Gut". In der Begründung seiner Leistungen heißt es: "Er hat sich in erfreulichem Maße die Fähigkeit erworben, ein in seinen Gesichtskreis fallendes Thema in wohlgeordneter Gedankenfolge und in richtiger und fließender Darstellung schriftlich zu entwickeln. Im mündlichen Vortrag bekundet er dieselbe Fertigkeit. Mit den hervorragendsten deutschen Schriftstellern und ihren Hauptwerken hat er sich in durchaus befriedigender Weise bekannt gemacht. Der Prüfungsaufsatz war nur genügend."

Auch in Physik erhielt er ein "Gut", denn immerhin "hat er sich infolge seiner regen Teilnahme am Unterricht recht erfreuliche Kenntnisse angeeignet". Ebenfalls die Note "Gut" erhielt er in den Fächer "Geschichte" und "Erdkunde", für die eine gemeinsame Note erteilt wurde. Begründung: "Mit den wichtigsten Begebenheiten der Weltgeschichte, namentlich der deutschen und preußischen Geschichte, hat er sich nach Zeit, Ort und ursächlichem Zusammenhang in erfreulicher Weise vertraut gemacht. Auch in der Erdkunde besitzt er den Anforderungen völlig entsprechende Kenntnisse."Seine Leistungen in "Gesang" wurden mit "Eins" bewertet.

Unter "Betragen und Fleiß" steht die Beurteilung: "Sein Betragen war stets ordnungsgemäß und ohne Tadel; er widmete allen Unterrichtsgegenständen rege Teilnahme und angestrengten Fleiß". Als Wunsch für Adenauers weiteren Werdegang hielt die Prüfungskommission fest, "sich dem Studium der Rechtswissenschaft zu widmen".

Das Reifezeugnis erhielt Adenauer am 6. März 1894, beglaubigt von dem Königlichen Kommissarius Direktor Dr. August Waldeyer, der während der gesamten Gymnasialzeit Adenauers Schulleiter war.

Literaturhinweise
Adenauer, Konrad: Tasso und die beiden Frauengestalten in dem Goetheschen Drama. Teilabdruck des Abituraufsatzes als Faksimile in: Staatliches Apostelgymnasium zu Köln. Jahresberichte über die beiden Kurzschuljahre 1966 und 1966/67 mit einer Dokumentation „Konrad Adenauer und das Apostelgymnasium". Köln 1967. S. 11.
Schwarz, Hans-Peter: Adenauer. Der Aufstieg: 1876-1952. Stuttgart 1986.
Weimar, Paul: Konrad Adenauer. Die autorisierte Biographie. München 1955.

 

Hanns Jürgen Küsters

 

Klassenfoto: Adenauer zweiter von links

Liederbuch zur Abiturfeier 1894