Adenauer, Auguste („Gussie”) Amalie Julie geb. Zinsser

* 07.12.1895 in Köln

† 03.03.1948 in Rhöndorf

∞ 25.09.1919 in Köln

Zweite Ehefrau von Konrad Adenauer

Biographischer Werdegang

Auguste Amalie Julie Zinsser, genannt "Gussie", wurde als älteste Tochter des Kölner Dermatologen und Hochschulprofessors Ferdinand Zinsser (1865-1952) und Wilhelmine Zinsser, geb. Tourelle (1870-1952) geboren. Der 40jährige Witwer Konrad Adenauer kannte die 19 Jahre jüngere Tochter der Familie Zinsser aus der gemeinsamen Nachbarschaft in Köln. Beide Familien pflegten ein persönliches, freundschaftliches Verhältnis.

Beziehung zu Konrad Adenauer

Liebe zur Natur und Musik brachte sie mit Konrad Adenauer zusammen. Bevor Gussie Zinsser den Oberbürgermeister von Köln am 25. September 1919 heiratete, konvertierte die Protestantin zum katholischen Glauben, was allerdings keine Preisgabe liberaler und toleranter Denktraditionen implizierte. Ökumene und Bereitschaft zur interkonfessionellen Zusammenarbeit im Sinne christlicher Vorstellungen prägten Adenauer.

Für Gussie Adenauer stand stets die Familie im Vordergrund. Nachdem der erste gemeinsame Sohn Ferdinand vier Tage nach der Geburt am 4. Juni 1920 verstarb, wurde am 18. Januar 1923 Sohn Paul geboren. Ihm folgten die Töchter Lotte und Libet am 30. April 1925 und 17. Mai 1928, bevor am 25. August 1931 der Sohn Georg auf die Welt kam.

Während der Zeit ihres Mannes als Kölner Oberbürgermeister arbeitete Gussie Adenauer im Katholischen Deutschen Frauenbund und als Kuratoriumsmitglied der katholischen Vereinigung für Kinder- und Jugendhilfe. Ihr soziales und karitatives Engagement war zugleich ein politisches. In einer kleinen Gruppe der Frauenorganisation der Zentrumspartei kämpfte sie 1933 gegen die Herrschaft Hitlers und erlitt Diffamierungen und Drohungen der Nationalsozialisten. Während der Zeit des Dritten Reiches folgte sie ihrem Mann nach Berlin-Neubabelsberg, wohin die Familie 1934 in die Augustastraße 40 für ein Jahr umzog, bevor Ende April 1935 die Rückkehr ins Rheinland erfolgte. In Rhöndorf, zunächst in der Löwenburgstraße 76, dann ab Dezember 1937 im neugebauten Haus am Zennigsweg 8a fand die Familie Ruhe.

Nachdem Adenauer am 23. August 1944 verhaftet wurde, ihm die Flucht aus dem Gestapo-Gefängis auf dem Messegelände in Köln gelang und er bei Hachenburg im Westerwald untergetaucht war, wurde Gussie Adenauer von den Nationalsozialisten in der Gestapo-Zentrale in Köln derart unter Druck gesetzt, dass sie den Aufenthaltsort ihres Mannes preisgab. Daraufhin wurde Adenauer am 25. September 1944, dem Tag ihrer Silberhochzeit, verhaftet. Sie erlitt einen seelischen Zusammenbruch und unternahm einen Selbstmordversuch. Von den erlittenen Qualen erholte sie sich nicht mehr. Sie verstarb am 3. März 1948 an den Folgen ihrer Verletzungen.

Literaturhinweise


Hans Peter Mensing: Emma, Gussie und Konrad Adenauer. Mit den Töchtern Ria Reiners, Lotte Multhaupt und Libet Werhahn, in: Dieter Zimmer (Hg.): Deutschlands First Ladies. Die Frauen der Bundespräsidenten und Bundeskanzler von 1949 bis heute, Stuttgart 1998, S. 33-62.

Hanns Jürgen Küsters