Konrad Adenauer, 1967. (Quelle: Bundesregierung/Engelbert Reinicke)

 

Nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers im Oktober 1963 waren die letzten Lebensjahre Konrad Adenauers von dem Willen geprägt, unverändert Einfluss auf die Tagespolitik zu nehmen. Er sorgte sich um die weitere Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen und sah 1966 seine Zweifel an den Führungs-fähigkeiten seines Nachfolgers Ludwig Erhard bestätigt. Seine Reisen nach Israel 1966 und zuletzt nach Spanien im Februar 1967 nutzte er, um Zeichen im deutsch-israelischen Verhältnis zu setzen und auf die Notwendigkeit hinzuweisen, den europäischen Einigungsprozess politisch voranzubringen. Vor allem lastete auf ihm der Druck, in seinen "Erinnerungen" den Menschen seine politische Erfahrungen vermitteln zu wollen.

CDU-Vorsitzender

Adenauers widerwilliger Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers bedeutete jedoch keineswegs den Rückzug aus der Politik. Als Bundesvorsitzender der CDU versuchte er weiterhin, das tagespolitische Geschehen mit zu beeinflussen. Vermehrt gab er nun wieder Interviews, in denen er nicht nur Rückschau auf sein abwechselungsreiches Leben hielt, sondern immer wieder zu aktuellen Fragen der Außen- und Innenpolitik Stellung bezog. Obwohl schon 1964 auch ein Wechsel im Amte des Parteivorsitzes der CDU diskutiert wurde, ließ sich Adenauer nochmals für zwei Jahre als Vorsitzender wiederwählen. Im März 1966 legte er dann endgültig den CDU-Vorsitz nieder.
 

Sorgen um das deutsch-französische Verhältnis

Besonders trieb ihn die Sorge um, Bundeskanzler Erhard und sein Außenminister Gerhard Schröder könnten durch ihre pro-atlantische Politik das mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnis zu Frankreich und zu de Gaulle im Besonderen vernichten. Daher nutzte Adenauer jede Gelegenheit, in persönlichen Kontakten und Briefen die Beziehungen zu pflegen. Ebenso vehement wandte er sich in den Auseinandersetzungen um den Atomwaffensperrvertrag gegen eine mögliche Diskriminierung der Deutschen, weil er eine weitere Kollision der beiden Supermächte Washington und Moskau auf Kosten Deutschlands und Europas für durchaus möglich hielt.
 

Die „Erinnerungen”

Memoiren schreiben zu müssen, empfand Adenauer zugleich als Pflichterfüllung, aber auch als "Fron". Einerseits wollte er seine politischen Erfahrungen nachfolgenden Generationen als Leitfaden für ihr politisches Handeln an die Hand geben und dabei die Vorgänge so schildern, wie sie sich "wirklich" zugetragen hatten. Andererseits fiel ihm die Niederschrift äußerst schwer. Nur allzu gern ließ er sich von wichtigeren politischen Tagesereignissen ablenken, um sich der Mühe des Schreibens nicht unterziehen zu müssen. Erst als der erste Band seiner "Erinnerungen" erschienen war, wurde ihm bewusst, wie sehr er mit seiner Darstellung auch aktuelle politische Vorgänge beeinflussen konnte. Von den vier geplanten Bänden waren zwei Bände bei seinem Tode erschienen, der dritte Band im Manuskript so gut wie fertig. Der vierte Band erschien posthum dank der Initiative seiner Mitarbeiterin Anneliese Poppinga.
 

Israel-Reise

Im Mai 1966, vier Monate nach seinem 90. Geburtstag, reiste Adenauer zum ersten Mal nach Israel. Nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel ein Jahr zuvor ist das Verhältnis weiterhin gespannt. Mit seinem Besuch im Privathaus von Ben Gurion setzte Adenauer Zeichen für die weitere Verbesserung des historisch belasteten Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden.
 

Besuch in Spanien

Auf seiner letzten Auslandsreise im Februar 1967 traf Adenauer mit General Franco zusammen und nutzte als Kunstliebhaber, der er sein ganzes Leben lang war, den Aufenthalt zum Besuch des Prados. Seine letzte große Rede im Madrider Ateneo-Palast war geprägt von der Mahnung, nicht nachzulassen, den Prozess der europäischen Einigung fortzuführen.
 

Die letzten Wochen

Nach einem Herzinfarkt im Januar 1962 erlitt Adenauer Ende März 1967 erneut einen Herzinfarkt. Dazu kam eine Bronchitis, die sich in den nächsten Wochen zu einer Lungenentzündung verschlimmerte. Anfang April 1967 empfing er den neuen Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger, der im Dezember 1966 das Amt von Erhard übernommen hatte, in Rhöndorf zu einem Gespräch und stand noch in telegraphischem Kontakt zu de Gaulle.
 

Tod und Beerdigung

Ein weiterer Infarkt schwächt ihn, Adenauer verliert in den letzten Lebenstagen zeitweise und dann ganz das Bewusstsein. Von seinen Kindern verabschiedete er sich mit seinen letzten Worten: "Do jitt et nix zo kriesche" ("Da gibt es nichts zu weinen"). Am 19. April 1967 verstarb Konrad Adenauer. Am 25. April 1967 wurde er nach einen Staatsakt im Deutschen Bundestag in Bonn und einen Pontifikalrequiem im Kölner Dom, an denen zahlreiche in- und ausländische Staats- und Regierungschefs teilnahmen, auf dem Waldfried in Rhöndorf in der Familiengruft beigesetzt.
 

Hanns Jürgen Küsters