Heiligtum der Jungfrau der Armen

Foto: Fabian Delarbre

Kapelle St. Michael in Banneux (li.) und Kapelle Mariä Heimsuchung in Rhöndorf. (Fotos: Fabian Delarbre, Tim B. Peters)

Glockenturm mit Gedenktafel. (Fotos: Fabian Delarbre)

Detail Glockenturm mit Gedenktafel. (Fotos: Fabian Delarbre)

Marienstatue mit Quelle in Banneux. (Foto: Johfrael, CC-BY-SA 3.0)

Im Jahr 1933 hat ein zwölfjähriges Mädchen nach eigenen Berichten mehrere Marienerscheinungen in dem belgischen Ardennendorf Banneux. Eine kleine Quelle, von der die Muttergottes gesagt haben soll, sie sei für alle Nationen und für die Kranken, entwickelt sich fortan zu einem beliebten Wallfahrtsziel mit Pilgerkomplex. Aus den Erscheinungen, die 1949 von der Katholischen Kirche offiziell anerkannt werden, geht zudem eine internationale Gebetsvereinigung für den Weltfrieden hervor.

Kapelle für die deutschen Pilger

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der in Banneux für die deutschsprachigen Pilger zuständige Kaplan Georg Jacob davon überzeugt, dass der kleine Wallfahrtsort unweit der Grenzen zu den Niederlanden, Deutschland, Luxemburg und Frankreich eine nicht unbedeutende Rolle im Rahmen der Völkerverständigung und beim Aufbau Europas spielen könne. Er wendet sich mit diesem Anliegen direkt an Bundeskanzler Konrad Adenauer. Am 8. Januar 1956, drei Tage nach dessen 80. Geburtstag, besuchen Georg Jacob und Louis Jamin, Kaplan von Banneux zum Zeitpunkt der Erscheinungen, den Kanzler in seinem Rhöndorfer Wohnhaus. Dabei überreichen sie ihm eine Statue der Jungfrau der Armen und informieren ihn über die Bedeutung von Banneux. Konrad Adenauer tritt daraufhin spontan der Gebetsvereinigung bei. Auch wird der Bau einer Kapelle insbesondere für die deutschen Pilger angedacht, die als internationales Versöhnungszeichen dienen soll. Auf Wunsch des Kanzlers soll sie dem Erzengel Michael als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches bzw. Deutschlands geweiht werden.

Grundsteinlegung

Segnung des Grundsteins durch Prälat Paul Adenauer am 19. April 1960. (Foto: Heiligtum der Jungfrau der Armen von Banneux)

Die Grundsteinlegung der Michaelskapelle findet am 19. April 1960 (Osterdienstag) in Banneux statt. Ermöglicht wird der Bau durch zahlreiche Spenden von Pilgern. Die Segnung des Grundsteins übernimmt Konrad Adenauers Sohn, Prälat Paul Adenauer. Am Ende der Feier überreichen ihm Kinder zwei kleine Fichten, wie sie für die Gegend von Banneux typisch sind, mit den Worten: "Die sind für Ihren Papa!" Eine dieser Fichten wird im Garten der Familie Adenauer, die andere am Fuß vom Drachenfels gepflanzt.

Rhöndorfer Vorbild

Bereits am 25. September 1960, dem Michaelstag, ist die Kapelle fertiggestellt und wird feierlich eingesegnet. Etwa 13.000 Pilger wohnen dem Ereignis bei.
Das neu errichtete Gotteshaus ist eine Nachbildung der 1716 geweihten Kapelle Mariä Heimsuchung in Adenauers Wohnort Rhöndorf, in der zu Kriegszeiten für Gefangene aller Länder gebetet wurde. Neben dem Erzengel Michael wird Johanna von Orleans, die Schutzpatronin Frankreichs, in der Kapelle verehrt. Deutsche und Franzosen sollen in der neuen Kapelle zu ihren jeweiligen Schutzpatronen beten, um Europa auf den Weg der Versöhnung, des Friedens und der Einheit zu bringen.

Glockenturm mit Gedenktafel

Am Nachmittag des 25. September 1960 wird auch die Glocke ("Konrad-Maria") geweiht. Sie ist eine persönliche Spende von Bundeskanzler Adenauer. Am Michaelstag 1962 wird sie in einem Glockenturm gegenüber der Kapelle angebracht. Nach dem Tod Konrad Adenauers 1967 wird eine Gedenktafel mit Bronzebild in den Glockenturm eingelassen, um an seine Unterstützung für Banneux und an seinen Beitrag für ein geeintes Europa zu erinnern.


Quelle: Angaben und Fotos mit freundlicher Unterstützung durch Leo Palm, Rektor des Heiligtums der Jungfrau der Armen von Banneux.