Klassenfoto: Adenauer zweiter von links

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Auszug aus dem 'Westdeutschen Grenzblatt'. Beschuldigung Adenauers als Landesverräter vom 11.07.1933 (Aachen). (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung)

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Konrad Adenauer im Parlamentarischen Rat (Bonn 1949). (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung)

Konrad Adenauer beim Besuch des VW-Werks in Wolfsburg. (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung)

Konrad Adenauer vor dem Brandenburger Tor (Berlin 1961). (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung)

Konrad Adenauer nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages im Élysée-Palast. Bruderkuss mit Charles de Gaulle am 23.01.1963 in Paris. (Quelle: Bundesregierung)

*5. Januar 1876 in Köln †19. April 1967 in Rhöndorf

Jugend

Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Sein Vater Konrad war ein Beamter im mittleren Dienst. Seine Mutter, Helene Scharfenberg, stammte gleichfalls aus einem Beamtenhaushalt. Mit drei Geschwistern, zwei älteren Brüdern und einer jüngeren Schwester, wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf. Er besuchte als Schüler des "guten, unauffälligen Durchschnitts" das humanistische Apostelgymnasium in seiner Heimatstadt.

Studium

Nach dem Abitur 1894 begann er eine Banklehre, die er abbrach, als ihm ein Kölner Bürgerstipendium ermöglichte, an der Universität Freiburg das Jurastudium aufzunehmen. Nach zwei Semestern in München, wo er auch Volkswirtschaft hörte, ging er nach Bonn. Dort legte er 1897 mit gutem Erfolg das Referendarexamen ab. Das Assessorexamen 1901 in Berlin bestand er mit "ausreichend". Nach seiner Assessorenzeit bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Köln trat er 1903 in das Anwaltsbüro des Kölner Justizrats Hermann Kausen ein, der Vorsitzender der Zentrumsfraktion in der Stadtverordnetenversammlung war.

Beigeordneter in Köln

Dass Herkunft und Erziehung den rheinischen Katholiken Adenauer in das Zentrum führten, die Partei des politischen Katholizismus, war selbstverständlich. Seine politische Laufbahn begann, nachdem er 1904 die 24-jährige Emma Weyer, die Tochter einer angesehenen und wohlhabenden Kölner Familie, geheiratet hatte. Durch diese Heirat kam er in Verbindung mit dem gesellschaftlich und politisch tonangebenden rheinischen Bürgertum. 1906 bewarb er sich erfolgreich um die Stelle eines hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt. Die Wahl zum Ersten Beigeordneten machte ihn drei Jahre später zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters Max Wallraf, der ein Onkel seiner Frau war. Mit Geschick und Einfallsreichtum bewährte sich Adenauer in diesem Amt vor allem während des Ersten Weltkrieges als Organisator der Nahrungsmittelversorgung Kölns. Dem beruflichen Erfolg standen Schicksalsschläge im persönlichen Bereich gegenüber. 1916 starb seine Frau, die ihm drei Kinder geboren hatte. Er selbst erlitt bei einem schweren Autounfall Gesichtsverletzungen, die einen monatelangen Krankenhaus- und Kuraufenthalt notwendig machten. Als 1917 durch die Berufung Wallrafs zum Staatssekretär des Innern nach Berlin das Kölner Oberbürgermeisteramt frei wurde, fiel die einstimmige Wahl der Stadtverordneten auf Adenauer als Nachfolger. Er war damit das jüngste Stadtoberhaupt in Preußen. 1919 heiratete er seine zweite Frau Gussie, geb.Zinsser.

Modernisierer Kölns

In der Weimarer Republik gehörte Adenauer zu den stärksten politischen Persönlichkeiten Deutschlands. Er machte sich durch einen fortschrittlichen Ausbau Kölns zur "Metropole des Westens" einen Namen. Die Neugründung der Universität 1919, die Umgestaltung des früheren Festungsgeländes zum Grüngürtel, die Wiederbelebung der Kölner Messe, die Erweiterung des Rheinhafens, der Bau einer weiteren Rheinbrücke, die Ansiedlung von Industriebetrieben, unter anderem der Ford-Werke, fielen in seine Amtszeit. In der "großen Politik" wurde Adenauer eine Schlüsselfigur in der Rheinlandfrage. Um eine Annexion der besetzten linksrheinischen Gebiete zu verhindern, trat er zeitweise für die Schaffung eines rheinischen Bundesstaats ein, um das französische Sicherheitsverlangen zu befriedigen. Diese Mitarbeit in der sogenannten Rheinlandbewegung trug ihm vor allem in der Nazizeit den Ruf ein, "Separatist" zu sein.

Preußischer Staatsrat

Von überregionaler Bedeutung war sein Einfluß im Amt eines Präsidenten des Preußischen Staatsrats, das er von 1921 bis 1933 innehatte. Wiederholt wurde er auch in den Regierungskrisen der Weimarer Republik zum Kreis der möglichen Kanzlerkandidaten gezählt. Sein Republikanertum, das sich mit föderalistischen und christlich-sozialen Grundüberzeugungen verband, machte ihn bei den Gegnern des Weimarer "Systems" verhaßt. Als die Nazis 1933 an die Regierung kamen, wurde er deshalb unverzüglich seines Postens als Oberbürgermeister Kölns enthoben und aus seiner Heimatstadt verbannt.

Im Dritten Reich

Die Jahre der Nazi-Tyrannei und des Krieges überlebte Adenauer nach Kurzaufenthalt in der Benediktinerabtei Maria Laach und Berlin-Neubabelsberg ab 1935 mit seiner Familie im Rhöndorfer Haus am Zennigsweg, das er sich nach einem Vergleich mit der Stadt Köln über seine finanziellen Ansprüche baute. Eine gefährliche Situation ergab sich für ihn gegen Kriegsende, als er nach dem gescheiterten Hitlerattentat als Regimegegner für mehrere Monate in Gestapohaft genommen wurde.

Parlamentarischer Rat

Der entscheidende Schritt auf seinem Weg zur Spitze des entstehenden westdeutschen Staatswesens war seine Wahl zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates, der 1948 auf Anweisung der drei Westalliierten geschaffen wurde, um das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auszuarbeiten. In dieser Stellung wurde er sowohl gegenüber den Ministerpräsidenten der Länder als auch gegenüber den Militärgouverneuren zum "Sprecher der werdenden Bundesrepublik" (Heuss) und gewann so in der Öffentlichkeit Ansehen.

Bundeskanzler

Von der CDU/CSU-Fraktion des ersten Deutschen Bundestages wurde der 73-Jährige am 15. September 1949 zum Bundeskanzler gewählt. Er blieb es 14 Jahre. Die von ihm geführten Regierungen legten den Grund für den erfolgreichen Aufbau der neuen Demokratie.

Modernisierer

Epochale Weichenstellungen sind auf immer mit der "Ära Adenauer" verbunden: in der Außenpolitik die Erringung der staatlichen Souveränität, die enge Bindung an den freien Westen, die Aussöhnung mit Frankreich und die europäische Einigung, in der Innenpolitik die Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie der Ausbau der Sozialen Marktwirtschaft als neuartiger Wirtschaftsordnung, in der die Förderung des freien Wettbewerbs und die sozialstaatliche Verantwortung miteinander verknüpft sind. Das "deutsche Wirtschaftswunder" wäre ohne Sicherung des inneren sozialen Friedens nicht möglich gewesen. Die Gesetzgebung zur Mitbestimmung in der Montanindustrie und zur Vermögensbildung für Arbeitnehmer, der Lastenausgleich, der soziale Wohnungsbau, das Kindergeld, der Grüne Plan für die Landwirtschaft und die Dynamisierung der Sozialrente wurden zu Ankerpunkten des vielgerühmten sozialen Netzes der Bundesrepublik Deutschland. Zum ersten Mal wurde in Deutschland kontinuierlich und konsequent Sozialpolitik als Strukturpolitik betrieben.

Absolute Mehrheit

In der Bundestagswahl 1957 errang die CDU/CSU mit Adenauer als Spitzenkandidat die absolute Mehrheit der Stimmen (50,2 %) - ein wohl einmaliger Erfolg. Am Ende der dritten Kanzlerschaft Adenauers überwogen jedoch die Unsicherheiten. Die Veränderung der weltpolitischen Großwetterlage, durch eine andere Prioritätensetzung der USA hervorgerufen, verschärfte den sowjetischen Druck auf Berlin (Berlin-Ultimatum und Drei-Staaten-Theorie). Die Innenpolitik geriet unter den Einfluß des Personalringens um die Nachfolge des "Alten". Ein historischer Schritt gelang mit der politischen Verklammerung Deutschlands und Frankreichs, die auf der Freundschaft Adenauers mit de Gaulle (erstes Treffen 1958) aufbaute. Die Deutschlandpolitik erreichte unterdessen einen Tiefpunkt. Der Berliner Mauerbau am 13. August 1961, wenige Wochen vor der vierten Bundestagswahl, schien die deutsche Teilung auf Dauer zu verfestigen. 1961 noch einmal zum Kanzler einer CDU/CSU-FDP-Koalition gewählt, trat er zur Mitte der Legislaturperiode vereinbarungsgemäß zurück.

Rücktritt

In dem Maße, wie die Generationen der Weltkriege den Kindern des Wiederaufbaus Platz machten, verlor er an Anziehungskraft. 1966 gab er auch sein Amt als Bundesvorsitzender der CDU ab. Sein letzter politischer Erfolg war 1963 die Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages, der über die Konzentration auf die Zusammenarbeit der beiden Nachbarstaaten hinaus auf Europa als große Zielsetzung der Adenauerschen Politik verwies.

Tod und Gedenken

Als er am 19. April 1967 im Alter von 91 Jahren starb, wurde er als Staatsmann, dem die Deutschen in der Bundesrepublik Freiheit, Wohlstand und soziale Sicherheit verdankten, weltweit geehrt. Adenauer liegt in Rhöndorf begraben. Sein Wohnhaus ist durch eine Stiftung als Museum und Forschungsstätte eingerichtet worden. Seine Memoiren, deren 1. Band 1965 erschien, und seine edierten Briefwechsel und Teegespräche sind historische Quellen ersten Ranges.