Adenauer in Maria Laach 1933 (Quelle: StBKAH)

Adenauer im Berliner Tiergarten (1934). (Quelle: StBKAH)

Adenauer liest den Völkischen Beobachter (1940) (Quelle: StBKAH)

Adenauer 1938 mit seiner Familie auf dem Balkon in Rhöndorf. (Quelle: StBKAH)

Zeittafel
 
Kalendarium Konrad Adenauer Ereignisse
1933 Letzte Wiederwahl zum Präsidenten des Preußischen Staatsrates

Verbot jeglichen Fahnenschmucks und Entfernung von Hakenkreuzfahnen auf der Deutzer Hängebrücke beim Besuch des Reichskanzlers Adolf Hitler in Köln

Amtsenthebung als Oberbürgermeister von Köln durch die Nationalsozialisten

Dienststrafverfahren u. a. wegen angeblicher Korruption und Amtsmissbrauchs und Entlassung aus den Diensten der Stadt Köln

Asyl in der Benediktinerabtei Maria Laach

Ernennung Hitlers zum Reichkanzler durch Reichspräsident von Hindenburg

Auflösung und Brand des Reichtstags

Außer-Kraft-Setzen von Grundrechten durch eine Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat ("Reichstagsbrandverordnung")

Verabschiedung des Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich im Reichstag (sog. "Ermächtigungsgesetz"), damit Abschaffung der parlamentarischen Demokratie

Bildung der Deutschen Arbeitsfront (DAF)

Verabschiedung des Gesetzes gegen die Neubildung von Parteien

1934 Umzug nach Berlin-Neubabelsberg

Einstellung des Dienststrafverfahrens

Verhaftung durch die Gestapo nach dem "Röhm-Putsch"

Antrag auf Nachprüfung der Entscheidung über die Entlassung aus dem Dienst
Verabschiedung des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit

Verabschiedung des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches

"Röhm-Putsch": Ermordung zahlreicher hoher SA-Führer und anderer der NS-Regierung mißliebiger Persönlichkeiten mit Hilfe der Gestapo und Angehöriger der SS
1935 Umzug von Berlin-Neubabelsberg nach Rhöndorf

Ausweisung aus dem Regierungsbezirk Köln wegen der "Schützen-Affäre" (Fähndelschwenken des Rhöndorfer Junggesellen-Schützenvereins zu Ehren Adenauers)

Aufenthalt in der Abtei Maria Laach, in Freudenstadt/Schwarzwald und im Pax-Erholungsheim in Unkel/Rhein

Aufhebung des Aufenthaltsverbots im Regierungsbezirk Köln
Volksabstimmung im Saargebiet über die Rückgliederung an das Deutsche Reich

Beschluss des Völkerbunds über die Rückgabe des Saargebietes an Deutschland

Wiedereinführung der Wehrpflicht

Verabschiedung des "Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" (sog. "Nürnberger Gesetze") und fortschreitende Ausschaltung und Diskriminierung jüdischer Menschen in Deutschland
1936

Rückkehr zur Familie von Unkel/Rhein nach Rhöndorf

Kauf des Grundstücks im Zennigsweg 8a

Besetzung der entmilitarisierten Zone des Rheinlandes durch die Wehrmacht

XI. Olympische Spiele in Berlin
1937 Baubeginn des Wohnhauses im Zennigsweg 8a in Rhöndorf

Vergleich mit der Stadt Köln über Entschädigungszahlung
Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes um vier Jahre

Veröffentlichung der Enzyklika "Mit brennender Sorge" von Papst Pius XI.
1938 Besuch des ehemaligen Beigeordneten der Stadt Köln, Professor Schumacher, in Rhöndorf

Besuch des amerikanischen Historikers Shuster in Rhöndorf

Besuch des niederländsichen Unternehmers Schmitz in Rhöndorf
Anschluss Österreichs an Deutschland

Beschluss der Münchner Konferenz (Hitler, Chamberlain, Daladier, Mussolini) über Abtretung der sudeten-deutschen Gebiete

Ausschreitungen gegen Juden und jüdische Einrichtungen in der "Reichskristallnacht"
1939 Gespräch mit General von Kluge während eines Empfangs des Industriellen Klöckner in Haus Hartenfels bei Duisburg Beginn des Zweiten Weltkriegs durch den Angriff deutscher Truppen auf Polen sowie
britische und französische Kriegserklärung
1940 Aufenthalt im Südwesten Deutschlands

Teilnahme an der Beisetzung des Industriellen Klöckner in Duisburg
Besetzung Dänemark und Norwegen, anschließend in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich durch deutsche Truppen
1941 Zurückgezogenes Leben in Rhöndorf und nur wenige Kontakte mit befreundeten Familien und Personen Angriff deutscher Truppen auf die UdSSR und
Kriegserklärung Deutschlands an die Vereinigten Staaten von Amerika
1942

Weiterhin zurückgezogenes Leben und Beschäftigung mit Erfindungen mit kurzem
Aufenthalt in Köln

Beschluss der "Wannseekonferenz" über die "Endlösung der Judenfrage"

Einmarsch deutscher Truppen im unbesetzten Teil Frankreichs
1943

Kontakt zu befreundeten Familien und Personen

Vorschlag der gegen Hitler operierenden Widerstandsgruppe um Graf York von Wartenburg: Ernennung Adenauers nach Kriegsende zum Landeshauptmann für den Mittelrhein

Gespräch mit Dr. Paul Franken in Bonn

Konferenz von Casablanca (Churchill, Roosevelt): Forderung nach bedingungsloser Kapitulation Deutschlands

Kapitulation deutscher Truppen in Stalingrad

Konferenz von Teheran (Churchill, Roosevelt, Stalin)
1944 Hausdurchsuchung und Verhaftung durch Gestapo im Rahmen der Aktion "Gewitter" und
Einlieferung in das "Arbeitserziehungslager" in Köln-Deutz

Entführung aus dem Krankenhaus Köln-Hohenlind und Flucht in den Westerwald

Aufenthalt in Nistermühle bei Hachenburg

Verhaftung durch Gestapo und Einlieferung in die Strafanstalt in Brauweiler

Entlassung aus der Strafanstalt in Brauweiler

Rückkehr nach Rhöndorf
Beginn der sowjetischen Großoffensive gegen die deutschen Truppen

Landung amerikanischer und britischer Truppen in der Normandie

Gescheitertes Attentat auf Hitler

Landung alliierter Truppen in Südfrankreich

Beschluss der Konferenz von Dumbarton Oaks über die Gründung der Vereinten Nationen

Erfolglose Offensive deutscher Truppen in den Ardennen
1945 Wiedereinsetzung als Oberbürgermeister von Köln durch die amerikanische Militärregierung

Wahl in den Rat der Vorsitzenden der Christlich-Demokratischen Partei des Rheinlandes

Entlassung aus dem Amt des Oberbürgermeisters von Köln durch den britischen Brigadier Barraclough
Konferenz von Jalta (Churchill, Roosevelt, Stalin)

Kapitulation der deutschen Wehrmacht;
Konferenz von Potsdam (Churchill/Attlee, Truman, Stalin)

Errichtung des Alliierten Kontrollrats in Berlin

Reichstreffen der Gründer der Christlich-Demokratischen Union in Bad Godesberg

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur hatte Adenauer um sein Überleben zu kämpfen. Verleumdungen und Vorwürfen ausgesetzt, zog er sich zeitweise in die Abtei Maria Laach zurück, lebte dann zwangsweise als Pensionär mit seiner Familie in Rhöndorf. In der Zeit des Dritten Reiches wurde er mehrmals von der Gestapo verhaftet und unter Aufsicht gestellt.

Vorwürfe und Verleumdungen

Vorwürfe, Verleumdungen, Beleidigungen und geplante Terrorakte der Nationalsozialisten gegen seine Person hatten Adenauer am 13. März 1933 veranlasst, nach Berlin zu fahren, um sich bei Göring über das Vorgehen des Regierungspräsidenten Elfgen zu beschweren. Von den Abgeordneten der Zentrumspartei in der Stadtverordnetenversammlung Kölns fühlte er sich hintergangen, da sie ihn nicht gegen die Vorwürfe der Nationalsozialisten in Schutz genommen hatten.
 

Dienststrafverfahren

In Berlin lebte Adenauer zunächst in der ihm zustehenden Dienstwohnung des preußischen Staatsratspräsidenten. Gesperrte Konten, ohne weitere Gehaltszahlungen, von der Familie abgeschnitten, hoffte er nun durch ein selbst eingeleitetes Dienststrafverfahren beim preußischen Innenminister die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entkräften zu können. Eine jahrelange, Nerven aufreibende Auseinandersetzung mit der Stadt Köln um nicht gezahlte Dienstbezüge und Wohnungsgeldentschädigungen begann. Erst am 28. August 1937 erfolgte ein Vergleich, der ihm 150.000 Mark einbrachte, jedoch nicht dem Wert der Immobilien entsprach, die er an die Stadt verkaufte, die dafür die Hypotheken übernahm.
 

Berlin - Maria Laach - Rhöndorf

Von April 1933 an kam Adenauer zunächst in der Benediktinerabtei Maria Laach unter, wo ihn der ehemalige Schulkamerad Abt Alfons Herwegen aufnahm. Im Mai 1934 mietete Adenauer ein Haus in Berlin-Neubabelsberg, wurde dort im Zusammenhang mit der "Röhm-Affäre" für einige Tage verhaftet und befürchtete gar, in diesen Tagen ermordet zu werden. Ende April 1935 zog die Familie Adenauer nach Rhöndorf ins Siebengebirge in ein Mietshaus. Dort wurde er im August 1935 aufgrund einer Regierungsverfügung ("Fähndelschwenken-Affäre") aus dem Regierungsbezirk ausgewiesen. Nach kürzerem Aufenthalt in der Abtei Maria Laach kam er dann für zehn Monate im Pax-Erholungsheim für katholische Priester in Unkel am Rhein unter. In dieser für ihn schweren Zeit hegte er zeitweise Selbstmordabsichten. Als im August 1936 die Ausweisung aufgehoben wurde und sich der Vergleich anbahnte, wurde der Bau des Hauses am Zennigsweg 8a in Rhöndorf in Angriff genommen. Das Haus war im Dezember 1937 bezugsfertig.
 

Innere Immigration

Seit 1933 hatte sich Adenauer aus der Öffentlichkeit vollkommen zurückgezogen und lebte sozusagen in innerer Immigration. Kontakte unterhielt er nur zu wenigen Personen. Anschluss an Widerstandsgruppen gegen das Hitler-Regime lehnte er ab. In die Widerstandskraft des Militärs hatte er wenig Vertrauen. Gleichwohl rechnete die Widerstandsgruppe um den Leipziger Oberbürgermeister Goerdeler mit Adenauer, wenn nach Kriegsende andere politische Verhältnisse einkehren würden.
 

Verhaftung, Flucht und Gefängnis

Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Adenauer im Rahmen der Aktion "Gewitter" am 23. August 1944 verhaftet und in das Auffanglager auf dem Deutzer Messegelände gebracht. Einem möglichen Transport in das KZ Buchenwald entging er mit Hilfe eines Kapos und eines Arztes, der ihn ins Krankenhaus Hohenlind einlieferte. Dort floh Adenauer zur Nistermühle bei Hachenburg im Westerwald. Nachdem die Gestapo den Aufenthaltsort von seiner Ehefrau erpresst hatte, wurde Adenauer am 25. September 1944 in seinem Versteck verhaftet und kam in das Gefängnis Brauweiler bei Köln. Am 25. November 1944 erfolgte auf Intervention seines Sohnes Max beim Reichssicherheitshauptamt die Entlassung. Adenauer kehrte nach Rhöndorf zurück und erlebte dort das Ende des Zweiten Weltkriegs.
 

Hanns Jürgen Küsters