01.jpgKonrad Adenauer, 1883. (Quelle: StBKAH)

Adenauer (li.) mit seinen Geschwistern Lilli, August und Hans 1883 (Quelle: StBKAH)

Konrad Adenauer als Schüler des Königlichen Katholischen Gymnasiums an der Apostelkirche Köln bei seiner Firmung ca. 1886. (Quelle: StBKAH)

Konrad Adenauer 1894 (StBKAH)

07-ArminiaVorstand2.jpgKonrad Adenauer als Consenior im Vorstand der K.St.V. Arminia zu Bonn 1895 (Quelle: StBKAH)

Verlobung mit Emma Weyer im Juli 1902 (Quelle: StBKAH)

Konrad Adenauer 1903
(Quelle: StBKAH)

Zeittafel
 
  Kalendarium Konrad Adenauer   Ereignisse
1876 Geburt Konrad Adenauers in Köln   Einführung der Mark als Einheitswährung auf der Basis des Goldstandards im Deutschen Reich
1877     Gründung des Reichspatentamtes in Berlin
1878     Verabschiedung des Sozialistengesetzes im Deutschen Reichstag
1879 Geburt der Schwester Lilli Adenauer   Einführung von Schutzzolltarifen durch Beschluss des Reichstags

Errichtung des Reichsgerichts in Leipzig als oberstes Gericht für das Deutsche Reich
1880     Vollendung des Kölner Doms 632 Jahre nach Baubeginn
1881 Erstes Zeugnis, ausgestellt vom Vater
Johann Conrad Adenauer
  Abschluss des geheimen Dreikaiservertrages zwischen Kaiser Wilhelm I., Kaiser Franz Joseph I. und Zar Alexander III. in Berlin
1882 Besuch der Knabenschule an Sankt Aposteln in Köln mit Beginn in der zweiten Klasse

Geburt und Tod der Schwester Elisabeth Adenauer
  Erweiterung des 1879 geschlossenen Abkommens zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn durch den Beitritt Italiens zum Dreibund
1883 Versetzung in die dritte Schulklasse   Verabschiedung des Gesetzes zur Kranken-versicherung im Reichstag, begründet die Pflichtversicherung für Arbeiter und Angestellte
1884 Versetzung in die vierte Schulklasse   Erwerb von Kolonien in Afrika und im Pazifik durch das Deutsche Reich
1885 Besuch des Königlichen Katholischen Gymnasiums an der Apostelnkirche in Köln   Unterzeichnung der Kongoakte als Ergebnis der internationalen Afrikakonferenz in Berlin
1886 Versetzung in die Quinta   Unterzeichnung des Gesetzes betreffend die Förderung deutscher Ansiedlungen in den Provinzen Westpreußen und Posen durch Kaiser Wilhelm I.

Tod von König Ludwig II. von Bayern im Starnberger See
1887 Versetzung in die Quarta   Abschluss des deutsch-russischen Rückversicherungsvertrages in Berlin
1888 Versetzung in die Untertertia   Tod von Kaiser Wilhelm I.

Regierungsantritt und Tod von Kaiser Friedrich III.

Regierungsantritt von Kaiser Wilhelm II.
1889 Versetzung in die Obertertia   Verabschiedung des Gesetzes über die Alters- und Invalidenversicherung durch den Reichstag
1890 Versetzung in die Untersekunda   Entlassung Bismarcks als Reichskanzler sowie als Präsident des Preußischen Staatsministeriums und als Minister der Auswärtigen Angelegenheiten durch Kaiser Wilhelm II.
1891 Versetzung in die Obersekunda  

20. Jahrestag der Gründung des Deutschen Reiches

Proklamation Deutsch-Ostafrikas zur Reichskolonie

1892 Versetzung in die Unterprima   Ausbruch einer schweren Cholera-Epidemie in Hamburg mit mehr als 8.000 Toten
1893 Versetzung in die Oberprima   Erhöhung der Friedenspräsenz des deutschen Heeres von 423.000 auf 749.000 Mann durch Beschluss des Reichstages
1894 Abitur

Beginn des Jurastudiums an der Universität Freiburg/Br. im Sommersemester

Fortsetzung des Studiums an der Universität München im Wintersemester 1894/95
  Gründung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands in Köln als erste christliche Gewerkschaft im Deutschen Reich

41. Katholikentag in Köln

Fertigstellung des Reichstagsgebäudes in Berlin
1895 Fortsetzung des Studiums im Sommersemesteran der Universität München

Wechsel zur Fortsetzung des Studiums an der Universität Bonn im Wintersemester 1895/96
  Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (Nord-Ostsee-Kanal) zwischen der Elbbucht der Nordsee und der Kieler Förde an der Ostsee
1896 Fortsetzung des Studiums an der Universität Bonn   Verabschiedung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) im Reichstag

I. Olympische Spiele der Neuzeit in Athen
1897 Erstes juristisches Staatsexamen

Beginn des Referendardienstes beim Amtsgericht Bensberg
  Gründung des Caritasverbandes für das katholische Deutschland durch Prälat Lorenz Werthmann in Köln

Besetzung der chinesischen Halbinsel Kiautschou durch das Deutsche Reich
1898 Wechsel im Referendardienst vom Amtsgericht Bensberg zum Landgericht Kön   Gründung des Deutschen Flottenvereins
1899 Wechsel im Referendardienst vom Landgericht Köln zur Staatsanwaltschaft Köln

Tätigkeit in der Kanzlei des Rechtsanwalts Schniewind/Notar Schäfer in Köln
  Verabschiedung der Haager Landkriegsordnung auf der Haager Friedenskonferenz
1900 Fortsetzung des Referendardienstes beim Amtsgericht Köln

Tätigkeit in der Kanzlei des Rechtsanwalts Schniewind/Notar Schäfer in Köln

Fortsetzung des Referendardienstes bei der Zivilkammer des Landgerichts Köln
  Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB)

Ernennung Graf von Bülows zum Reichskanzler (ab 1905 Fürst)
1901

Zweites juristisches Staatsexamen

Tätigkeit als Assessor im Kommissorium bei der Staatsanwaltschaft Köln

Beitritt zur Zentrumspartei

  Erlass der Reichsregierung zur Gewerbeordnung über Sonn- und Feiertagsruhe für Industrie und Bauwesen sowie Schutzregeln für Lohn und Arbeitszeit (u. a. Verbot der Kinderarbeit)

Nach Niederschlagung des Boxeraufstandes wird in Peking das Schlußprotokoll der Friedensverhandlungen zwischen China und den elf Interventionsmächten, darunter das Deutsche Reich, unterzeichnet.
1902 Verlobung mit Emma Weyer

Vertretungsstelle des Justizrats Kausen bei der Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Köln
  Deutscher Kolonialkongress in Berlin mit erstmaliger Teilnahme aller deutschen Kolonialgesellschaften und -vereine
1903 Antritt der Tätigkeit als Vertreter des Rechtsanwalts Kausen beim Oberlandesgericht in Köln   Inkrafttreten der Reform der deutschen Rechtschreibung
1904 Heirat mit Emma Weyer und vierwöchige Hochzeitsreise   Beginn des Herero-Aufstandes in Deutsch-Südwestafrika
1905 Beendigung der Tätigkeit als Vertreter des Rechtsanwalts Kausen beim Oberlandesgericht in Köln

Antritt einer Vertretungsstelle als Hilfsrichter beim
Landgericht Köln
  Streik von 200.000 Bergarbeitern im Ruhrgebiet

Beginn der ersten Marokko-Krise
1906

Beendigung der Tätigkeit als Hilfsrichter beim Landgericht Köln

Tätigkeit als Stadtassessor

Amtseinführung als Beigeordneter der Stadt Köln, zuständig als Dezernent für die Wahlangelegen-heiten, für die Markthallen und die Beaufsichtigung des Statistischen Amtes und für die Steuern

Geburt des Sohnes Konrad

  Affäre um den Schuster Wilhelm Voigt als "Hauptmann von Köpenick" in Berlin
1907 Fehlgeschlagener Versuch des Oberbürgermeisters von Köln, Adenauer mit der weniger bedeutsamen Zuständigkeit für Straßenbau und Hochwasser-angelegenheiten zu beauftragen   Aufruf Kaiser Wilhelms II. zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und der Zentrumspartei

Offizielle Beendigung des Kriegszustands in Deutsch-Südwestafrika durch Erklärung Kaiser Wilhelms II.
1908 Reformen bei der Aufstellung von Haushaltsplänen   Demonstrationen für die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts und gegen das Dreiklassenwahlrecht in Berlin

"Daily-Telegraph-Affäre" um strittige Äußerungen Kaiser Wilhelms II. in einem Interview mit der englischen Zeitung
1909 Wahl zum Ersten Beigeordneten der Stadt Köln und damit ersten Stellvertreter des Oberbürgermeisters, zuständig für das Steuerdezernat, das Finanzdezernat und die Personalangelegenheiten   Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mittels Postscheck im Deutschen Reich

Neuer Reichskanzler von Bethmann Hollweg
1910 Geburt des Sohnes Max   Vorstellung der Reform des Dreiklassenwahlrechts im Preußischen Landtag mit Aufstiegsmöglichkeiten in eine höhere Wahlrechtsklasse der Wähler mit Hochschulabschluss, ehemaligen Offizieren und "Kulturträgern", aber weiterhin ohne Berücksichtigung von Frauen
1911 Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Köln zu einer Anleihe in Höhe von 79 Millionen Mark zur Finanzierung von Großprojekten   Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung durch den Reichstag
1912 Geburt der Tochter Maria (genannt "Ria")   Streik von 170.000 Bergarbeitern im Ruhrgebiet um 15-prozentige Lohnerhöhung
1913 Weitere Reformen der Finanzverwaltung der Stadt Köln   Vergabe der VI. Olympischen Spiele 1916 an Berlin

Billigung der Erhöhung der Friedenspräsenzstärke des Heeres um 117.267 auf 661.478 Mann bis 1915 durch den Reichstag
1914 Abgabe des Steuerdezernats, zuständig für die Lebensmittelversorgung   Beginn der Ersten Weltkriegs
1915 Bemühungen um die Sicherung der Ernährungsversorgung der Bevölkerung Kölns   Bewilligung neuer Kriegskredite von 10 Milliarden Reichsmark durch den Reichstag
1916 Tod der Ehefrau Emma Adenauer   Einführung der Reichsfleischkarte (250 g pro Woche) im Deutschen Reich und aufgrund von Engpässen in der Versorgung Inkrafttreten der Verordnung für die Kartoffelversorgung (750 g pro Tag)
1917 Schwerer Autounfall in Köln

Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Köln auf 12 Jahre
  Friedensresolution des Reichstags, angeregt von dem Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger

Rücktritt von Reichskanzler v. Bethmann Hollweg

Adenauer wuchs in seiner Geburtsstadt Köln auf, bestand 1894 am Königlichen Katholischen Gymnasium an der Apostelnkirche das Abitur und studierte anschließend Rechtswissenschaften an den Universitäten in Freiburg/Breisgau, München und Bonn.
Nach sechs Semestern legte er 1897 das Referendarexamen ab und bestand 1901 das Assessorexamen. Nach einer zweijährigen Tätigkeit bei der Staatsanwaltschaft Köln, währenddessen er 1904 Emma Weyer heiratete, vertrat er 1903 für zwei Jahre den beim Oberlandesgericht tätigen Rechtsanwalt Kausen, der zu den führenden rheinischen Zentrumspolitikern gehörte. 1905 übernahm er die Stelle eines Hilfsrichters beim Landgericht Köln und bewarb sich auf Empfehlung Kausens 1906 erfolgreich um die Stelle eines Beigeordneten der Stadt Köln. In der Zeit bis 1917 war er zunächst für Wahlangelegenheiten zuständig, dann in der Steuerverwaltung und im Finanzdezernat tätig. Im Ersten Weltkrieg wurde ihm die gesamte Lebensmittelversorgung der Stadt übertragen, die er in den harten Kriegsjahren mit großem Erfolg meisterte.

Elternhaus

Konrad Adenauer, als drittes von fünf Kindern geboren, stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater, Johann Conrad Adenauer, war Appellationsgerichtssekretär
und die Mutter, Helena Christiane, geb. Scharfenberg, verrichtete zur Aufbesserung des Einkommens Näharbeiten. Sparsamkeit, Geduld, Pflichtbewusstsein, Energie und Fleiß waren wesentliche Eigenschaften, die die Eltern den Kindern vorlebten und vermittelten.

Schule und Studium

Von 1882 bis 1885 besuchte er die Knabenschule an Sankt Aposteln in Köln und wechselte dann auf das Königliche Katholische Gymnasium an der Apostelnkirche. Dort legte er 1894 das Abitur ab. Er war ein guter, aber kein überragender Schüler. Zunächst trat Adenauer am 2. April 1894 in dem Kölner Bankhaus Seligmann eine Lehre an. Nachdem sein Vater die Bewilligung für eine finanzielle Unterstützung aus dem Stipendienfonds für begabte Kölner Bürgersöhne (Krämerstiftung) erhalten hatte, immatrikulierte sich Konrad Adenauer im Frühjahr 1894 als Student der Rechte an der Universität Freiburg im Breisgau. Nach dem ersten Semester wechselte Adenauer zum Wintersemester 1894 für zwei Semester an die Universität München und ging dann zum Wintersemester 1895/96 an die Universität Bonn.

Referendariat und Assessor

Nach bestandenem Examen im Mai 1897 trat Adenauer in den Vorbereitungsdienst beim Landgericht in Köln ein, wo er in der Folgezeit in verschiedenen Kammern eingesetzt wurde. Am 30. Mai 1901 beantragte er die Zulassung zur großen Staatsprüfung. Nach vierjähriger Referendarausbildung legte Adenauer im Oktober 1901 in Berlin sein Assessorexamen mit dem Prädikat "Ausreichend" ab. Der junge Assessor wurde nun dem Oberlandesgerichts-präsidenten in Köln zugewiesen, wo er Mitte Januar 1902 eine befristete Vertretung bei der Staatsanwaltschaft erhielt. Im 11. Oktober 1903 ließ er sich beurlauben, um die Vertretung des Justizrates Hermann Kausen am Oberlandesgericht zu übernehmen. Vom 1. Dezember 1905bis Ende März 1906 übte er die Tätigkeit als Hilfsrichter beim Landgericht Cöln aus.

Beigeordneter der Stadt Köln

Auf Empfehlung des Rechtsanwalts und führenden rheinischen Zentrumspolitikers Hermann Kausen erwarb sich Adenauer, der Mitglied der Zentrumspartei war, 1906 die Stelle des Beigeordneten der Stadt Köln. Damit begann seine politische Karriere. Zunächst war er für Angelegenheiten der Reichs-, Staats- und Provinzial- sowie Stadtwahlen zuständig, bald oblag ihm die Beaufsichtigung der Markthallen und die Steuerverwaltung. Während seiner Finanztätigkeit setzte er eine große Anleihe von fast 80 Millionen Mark durch, die in den Jahren 1912, 1913 und 1918 erteilt wurde. Davon sollten Großprojekte wie die Hängebrücke über den Rhein nach Deutz, die Stadterweiterung und der Hafenausbau finanziert werden.

Erster Weltkrieg

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges fielen Adenauer neue Aufgaben zu. Er war nun für die Lebensmittelversorgung der Stadtbewohner verantwortlich. Ende 1914 forderte er eine höhere Mehlbereitstellung, die Einführung eines Einheitsbrotes und befasste sich mit der Möglichkeit, Fleischvorräte einzufrieren und über längere Zeit zu lagern. Für eine Wurst aus Sojamehl meldete er ein Patent an, sie fand aber keinen sonderlichen Anklang bei den Verbrauchern. Angesichts der katastrophalen Kartoffelversorgung in Folge der zentralen Bewirtschaftung übte er heftige Kritik an den Bewirtschaftungsstellen, befürwortete wegen des Kohlrübenwinters 1916/17 den Anbauzwang und plante die Einrichtung von Großküchen zur Massenspeisung.

Wahl zum Kölner Oberbürgermeister

In diesen Jahren erwarb er sich den Ruf eines fähigen Verwaltungsfachmanns, der in Notzeiten zupackt und richtige Entscheidungen trifft. So empfahl er sich trotz seines schweren Unfalls im März 1917 für die Nachfolge des frei gewordenen Amtes als Oberbürgermeister von Köln.
 

Hanns Jürgen Küsters