Adenauer, Konrad als nach dem 2. Weltkrieg wieder eingesetzter Oberbürgermeister von Köln mit dem britischen Gouverneur für das Rheinland, Brigadegeneral John Barraclought (1945 Köln). (Quelle: StBKAH)

Konrad Adenauer als wieder eingesetzter Oberbürgermeister von Köln (1946) mit (v.l.) Frau Lilly Suth (Schwester Adenauers), Bürgermeister Schwering, unbekannt, Adenauer, Oberstadtdirektor Suth (Schwager) vor dem damaligen Ausweichquartier des Kölner Rathauses. (Quelle: Bundesregierung)

Konrad Adenauer, 1947. (Quelle: Bundesregierung/Erich Groote)

Adenauer-Parlamentarischer-Rat.JPGDer erste Vorsitzende der CDU in der britischen Besatzungszone, Konrad Adenauer (M), bei einer konstituierenden Versammlung des Parlamentarischen Rates in der Pädagogischen Akademie in Bonn am 2. September 1948. (Quelle: Bundesregierung/o. Ang.)

Zeittafel
 
Kalendarium Konrad Adenauer Ereignisse
1945 Wiedereinsetzung als Oberbürgermeister von Köln durch die amerikanische Militärregierung

Wahl in den Rat der Vorsitzenden der Christlich-Demokratischen Partei des Rheinlandes

Entlassung aus dem Amt des Oberbürgermeisters von Köln durch den britischen Brigadier Barraclough
Konferenz von Jalta (Churchill, Roosevelt, Stalin)

Kapitulation der deutschen Wehrmacht;
Konferenz von Potsdam (Churchill/Attlee, Truman, Stalin)

Errichtung des Alliierten Kontrollrats in Berlin

Reichstreffen der Gründer der Christlich-Demokratischen Union in Bad Godesberg
1946 Wahl zum Vorsitzenden der Zonenausschusses der CDU der britischen Besatzungszone in Herford

Wahl zum Vorsitzenden des Landesverbandes der CDU Rheinland

Wahl zum Vorsitzenden der CDU der britischen Zone

Mitglied des Zonenbeirats für die britische Besatzungszone in Hamburg

Wahl zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen
Errichtung des Zonenbeirats in Hamburg durch die Britische Kontrollkommission

Plan des Alliierten Kontrollrats über die deutsche Nachkriegswirtschaft

Errichtung der Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein in der britischen Besatzungszone durch die britische Militärregierung

Vereinbarung der amerikanischen und britischen Militärregierung über die wirtschaftliche Vereinigung der beiden Besatzungszonen
1947 Tagung des Zonenausschusses der CDU der britischen Besatzungszone in Ahlen

Teilnahme an der ersten Sitzung der CDU/CSU-Arbeitsgemeinschaft in Königstein/Taunus

Wahl zum Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen im Wahlkreis Siegkreis Süd

Wiederwahl zum Vorsitzenden der CDU der britischen Zone

Vereinigung der amerikanischen und der britischen Besatzungszone zur Bizone

Verabschiedung des "Ahlener Programms"

Scheitern der Konferenz des Rats der Außenminister der Vier Mächte in Moskau über den deutschen Friedensvertrag

Verkündung des Marshall-Plans (ERP)

Treffen aller deutschen Ministerpräsidenten in München

1948

Teilnahme am 2. Kongress der Nouvelles Equipes Internationales in Luxemburg

Tod der Ehefrau Gussie Adenauer

Teilnahme an der Sitzung führender Christdemokraten in Genf

Teilnahme am Europa-Kongress in Den Haag, dabei Treffen mit Winston Churchill

Nominierung als Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen für den Parlamentarischen Rat

Wahl zum Vorsitzender des Parlamentarischen Rates in Bonn

Teilnahme am Kongress der Europäischen Parlamentarischen Union in Interlaken und an der Weltkonferenz der Moralischen Aufrüstung in Caux

Treffen mit Robert Schuman in Bassenheim bei Koblenz

Bildung des Wirtschaftsrates der Bizone

Sechsmächte-Konferenz der drei Westmächte und der Benelux-Staaten in London

Auszug der sowjetischen Delegation aus dem Alliierten Kontrollrat

Währungsreform: Einführung der D-Mark

Blockade der Westsektoren Berlins zu Wasser und zu Lande durch die UdSSR

Einrichtung der Luftbrücke nach Berlin (West) durch die Westmächte

Einigung der drei Westmächte über die "Frankfurter Dokumente" mit der Ermächtigung der Ministerpräsidenten zur Einberufung einer Verfassunggebende Nationalversammlung

Konferenz der Ministerpräsidenten in Koblenz

Einberufung des Parlamentarischen Rats zur Ausarbeitung eines Grundgesetzes
1949 Rede vor der schweizerischen Gruppe der Interparlamentarischen Union in Bern

Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland

Wahl zum Mitglied des ersten Deutschen Bundestages im Wahlkreis Bonn

Konferenz mit führenden Unionspolitikern über die Bildung der ersten Regierungskoalition

Wahl zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Wahl zum ersten Bundeskanzler

Bildung der ersten Regierungskoalition aus CDU/CSU, DP und FDP

Verkündung des Alleinvertretungsanspruchs der Bundesrepublik Deutschland für ganz Deutschland

Verhandlungen mit der Alliierten Hohen Kommission über das "Petersberger Abkommen"

Vereinbarung der Vier Mächte zur Beendigung der Blockade der Westsektoren Berlins

Genehmigung des Grundgesetzes durch die drei westlichen Militärgouverneure

Tagung des Rats der Außenminister der Vier Mächte in Paris

Verabschiedung der "Düsseldorfer Leitsätze" der CDU (Soziale Marktwirtschaft)

Wahl zum ersten Deutschen Bundestag

Wahl von Theodor Heuss zum Bundespräsidenten

Konstituierung des Deutschen Bundestages und des Bundesrates

Inkrafttreten des Besatzungsstatuts für die Bundesrepublik Deutschland

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone

Am Ende des Zweiten Weltkriegs setzten die amerikanischen Besatzungstruppen Adenauer wieder in das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Köln ein, aus dem er im Oktober wegen angeblicher Unfähigkeit wieder entlassen wurde. Sein politischer Wiederaufstieg begann im Januar 1946 mit der Wahl in den Vorstand der CDU Rheinland für den Zonenausschuss der CDU, in der er fortan eine führende Rolle spielte: bei der Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, bald als Vorsitzender der CDU der britischen Zone, als führende Persönlichkeit des Zonenbeirats und vor allem als Präsident des Parlamentarischen Rats, der von September 1948 bis Mai 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ausarbeitete.

Erneut Kölner Oberbürgermeister

Als amerikanische Truppen gegen Kriegsende im März 1945 das Rheinland eroberten, hatten sie den Auftrag, Kontakt mit dem ehemaligen Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, aufzunehmen und ihn wieder in das Amt einzusetzen. Auf ihrer Weißen Liste unbelasteter und verfolgter Personen der nationalsozialistischen Herrschaft stand Adenauer als Nr. 1. Doch Adenauer lehnte mit Rücksicht auf seine noch im Krieg sich befindenden Söhne zunächst ab und stellte sich als Berater zur Verfügung. Erst am 4. Mai 1945 übernahm er dann wieder das Amt des Oberbürgermeisters.
 

Trümmerstadt Köln

Köln war bei Kriegsende eine Trümmerstadt. Lebten zu Kriegsbeginn 1939 768.000 Menschen in der Stadt, so waren es 1945 gerade noch etwa 100.000 Einwohner. Täglich strömten die Kölner wieder zurück, etwa 1000 Menschen pro Tag. Verbesserung der Versorgungslage, Wohnraumbeschaffung, Wiederaufbau von Stadt und Verwaltung und vor allem die Heimholung der aus Köln stammenden KZ-Häftlinge sah Adenauer als seine vorrangigsten Aufgaben an.
 

Wiederaufbau

Neben dem In-Gang-Setzen des Wirtschaftslebens hatte Adenauer die künftige Stadtplanung im Blick. Er wollte der Innenstadt wieder ihr einzigartiges historisches Gepräge zurückgeben. Zugleich nahm er alte Pläne aus der Zeit Ende der 1920er Jahre zur Eingemeindung des Kreises Köln-Land wieder auf.
 

Entlassung wegen "Unfähigkeit" und Rehabilitierung

War das Verhältnis zu den amerikanischen Militärmachthabern recht gut, so änderte sich das mit den nachfolgenden Vertretern der britischen Besatzungszone. Konflikte waren die Folge. Anlass für seine Entlassung als Oberbürgermeister am 6. Oktober 1945 durch den britischen Brigadier Barraclough war die Auseinandersetzung über das Verbot der britischen Militärregierung, Brennmaterialien an die Bevölkerung abzugeben. Adenauer wurde "Unfähigkeit" und "mangelnde Tatkraft" vorgeworfen. Vermutlich spielten auch seine indirekten Kontakte zu Vertretern der französischen Militäradministration eine Rolle. Denn ihm wurden alle politische Betätigung und das Betreten der Stadt Köln verboten. Doch schon im Dezember 1945 wurde Adenauer durch die britische Regierung rehabilitiert.
 

Aufstieg in der CDU

Adenauer hatte sich bei Kriegsende von der Zentrumspartei abgewandt. Mitglieder der in Köln neu gegründeten Christlich-Demokratischen Union gewannen den zur einer neuen parteipolitischen Orientierung bereiten Kölner Oberbürgermeister zur Mitarbeit und wählten ihn am 2. September 1945 in Abwesenheit bei der Gründung der CDU Rheinland in den Vorstand. Nach dem politischen Betätigungsverbot begann Adenauers parteipolitische Karriere erst im Januar 1946 mit seiner Wahl für den Zonenausschuss der CDU durch den Vorstand der CDU Rheinland. Auf der ersten Tagung des CDU-Zonenausschusses am 22./23. Januar 1946 in Herford wurde er zum vorläufigen Vorsitzenden gewählt. Am 5. Februar 1946 folgte in Krefeld-Uerdingen die Wahl zum ersten Vorsitzenden der CDU Rheinland. Mit dieser politischen Rückenstärkung setzte er sich auf der zweiten Tagung des CDU-Zonenausschusses am 1. März 1946 in Neheim-Hüsten endgültig zum Vorsitzenden gegen den westfälischen Landesvorsitzenden Friedrich Holzapfel durch und hatte damit alle wichtigen parteipolitischen Schlüsselstellungen inne.
 

Maßgebliche Arbeit am CDU-Programm

Das am 1. März 1946 verabschiedete CDU-Programm trug ganz wesentlich Adenauers Handschrift. "Alles wird aus der Freiheit der menschlichen Persönlichkeit entwickelt: Staat, soziales Leben, Wirtschaft, Kultur", war eine der grundlegenden Aussagen. Damit stellte er Verfechter des "christlichen Sozialismus" ideologisch ins Abseits und baute eine geistige Front gegen jegliche Spielart von Sozialismus und Materialismus auf.

Konzept der „Sozialen Marktwirtschaft”

Vor allem an der Entwicklung der wirtschafts- und sozialpolitischen Leitsätze der CDU hatte Adenauer maßgeblich Anteil. Besitzerwerb sah er als wesentliches Element zur „Sicherung des demokratischen Staates" an und befürwortete eine „möglichst breite Streuung des Besitzes" aus „sozialen wie politischen Gründen". An der programmatischen Erklärung zur „Neuordnung unserer Wirtschaft", die am 1. März 1947 vom CDU-Zonenausschuss in Ahlen/Westfalen verabschiedet wurde (Ahlener Programm), wirkte er ebenso mit. Eine wichtige Grundsatzentscheidung für die Soziale Marktwirtschaft fiel im Wirtschaftsrat der Bizone, als am 24. Juli 1947 nur Kandidaten von CDU und CSU zu Direktoren der fünf Hauptverwaltungen gewählt wurden, unter ihnen Ludwig Erhard. Sie übernahmen nun die Verantwortung für die Wirtschaftspolitik, schafften es, die Versorgungs- und Hungersnöte zu bekämpfen, und stellten die Weichen für die Währungsreform 1948, mit der die Deutsche Mark die Reichsmark als neues offizielles Zahlungsmittel ablöste.
 

Arbeit im Zonenbeirat

Die Empfehlungen des Zonenbeirats, eingerichtet von der britischen Kontrollkommission, hatten zwar keinen verbindlichen Charakter. Doch stellte das Gremium eine wichtige Klammer für die Deutschen zur Besatzungsmacht dar. Adenauer unterhielt darüber direkten Kontakt mit dem britischen Militärgouverneur und versuchte, Einfluss auf die Besatzungspolitik zu nehmen, weil hier über alle Fragen vom Ernährungsnotstand bis zur Steigerung der Kohlenförderung, von der Jugenderziehung bis zur Umsetzung der alliierten Befehle gesprochen wurde.
 

Parlamentarischer Rat

Als die drei Westmächte in Absprache mit den Beneluxstaaten auf ihrer Sechsmächte-Konferenz in London "Empfehlungen" zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung beschlossen, die zur Gründung eines westdeutschen Staates führen sollte, wurde er als Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen in den Parlamentarischen Rat entsandt. Dieser trat am 1. September 1948 in Bonn zusammen und wählte Adenauer zu seinem Präsidenten. Damit erlangte er einen entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, das er als Ergebnis der Arbeiten nach Genehmigung durch die drei Westmächte am 23. Mai 1949 verkündete.
 

Hanns Jürgen Küsters