Die tieferen, die wirkenden Ursachen der Katastrophe liegen klar zutage. Sie reichen weit zurück vor das Jahr 1933. Der Nationalsozialismus hat uns zwar unmittelbar in die Katastrophe hineingeführt, aber der Nationalsozialismus hätte in Deutschland nicht zur Macht kommen können, wenn er nicht in breiten Schichten der Bevölkerung vorbereitetes Land für seine Giftsaat gefunden hätte. Rede über den NWDR am 6.3.1946. Druck: Balduin Pick, Köln o. J., o. S.
Das deutsche Volk hat trotz der Untaten des Nationalsozialismus einen Anspruch darauf, nicht allein nach dieser Epoche seiner Geschichte beurteilt zu werden. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J., S. 22. Dieser Satz steht wörtlich im handschriftlichen Entwurf Adenauers für das Programm der CDU der britischen Besatzungszone vom 1.3.1946 (Neheim-Hüsten).
Geduld ist die stärkste Waffe eines zu Boden geschlagenen, unterlegenen Volkes. Auf der Zonentagung der Jungen Union der CDU in Recklinghausen am 4.8.1946. Druck: Schriftenreihe der Jungen Union, H. 1, Heider Druck, Bergisch Gladbach 1946, S. 3.
Sie alle wissen, daß zur Zeit eine Trennungslinie zwischen Ost und West mitten durch unser Vaterland hindurchgeht. Wir bitten und wir fordern von allen beteiligten Staaten und Faktoren, alles zu tun, damit dieser Trennungsstrich zum Unheil Deutschlands und zum Unglück Europas nicht zu einem Trennungsgraben erweitert wird, der Deutschland in zwei Teile zerreißt. Das deutsche Volk kann den Anspruch auf Einheit niemals aufgeben. Wir wissen wohl, daß wir niemals daran denken können und dürfen, diesen Anspruch mit Gewalt durchzusetzen. Aber auf Grund der Lehren der deutschen Geschichte seit hundert Jahren sind wir doch der tiefen und festen Überzeugung, daß Recht letzten Endes stärker ist als brutale Macht. Auf dem 1. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 14.8.1947. Druck: Erster Zonenparteitag der CDU der britischen Zone, hrsg. v. Zonensekretariat der CDU, Köln o. J., S. 10.
Einmal wird für das deutsche Volk ja doch wieder eine bessere Zeit kommen, wenn es sich nicht selbst aufgibt. Schreiben vom 4.1.1948 an Lucy Millowitsch, Lövenich bei Köln, StBKAH 07.06.
Wir werden uns, meine Freunde, niemals damit abfinden können und abfinden dürfen, daß diese Zweiteilung Deutschlands besteht oder geduldet wird. In Heidelberg auf einer Veranstaltung der CDU und CSU am 21.7.1949, st. N., S. ACDP S. Ad.
Schon als Deutschland eine der ersten Großmächte der Welt war, zu Zeiten Bismarcks, hat dieser sich bemüht, Freunde für Deutschland zu finden, da nach seiner Meinung schon damals Deutschland eben wegen seiner geographischen Lage dauernde Sicherheit nur im Zusammengehen mit anderen Mächten finden konnte. Heute ist die Lage Deutschlands unendlich viel schlechter, als sie damals war, weil es ja doch völlig hilflos mitten in einem Spannungsfeld liegt. Auf dem 3. Bundesparteitag der CDU in Berlin am 18.10.1952, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU, Bonn o. J., S. 28.
Deutschland hat nach dem zweiten Weltkrieg mehr als ein Drittel des Gebietes verloren, das es umfaßte, bevor Hitler seine Annektionen vornahm. Diese Gebietsverluste sind zwar völkerrechtlich nicht gültig, aber faktisch haben wir diese Gebiete zunächst verloren. Für unsere Ernährung unentbehrliche Räume in Ostdeutschland wurden abgetrennt und ihre Bevölkerung ausgetrieben. Wir haben deshalb in der Bundesrepublik nicht weniger als neun Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssen, die infolge der Kriegs- und Nachkriegsereignisse ihren Heimatboden verlassen mußten. Artikel unter der Überschrift „Deutschland und Europa“ („Germany and Europe“) in der amerikanischen Zeitschrift Foreign Affairs, erschienen im April 1953, Nr. 3, 31. Jg., S. 361-366, zitiert nach Bulletin Nr. 61/53, S. 513 f.
Als die Bundesregierung vor fünf Jahren ihre Arbeit aufnahm, ergaben sich folgende zentrale Probleme: 1) die Herstellung der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Bundesrepublik, 2) die Wiedervereinigung Deutschlands, 3) der Zusammenschlug des freien Europas und die Eingliederung Deutschlands in die europäische Gemeinschaft. So ungewiß es damals war, ob es gelingen würde, diese Ziele in naher, ja selbst in ferner Zukunft zu erreichen, so sicher war es, daß nur ein gangbarer Weg zu ihnen führen würde, nämlich die Zusammenarbeit Deutschlands mit den freien Nationen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 46. Sitzung am 5.10.1954, S. 2233.
Deutschlands Zugehörigkeit zum Westen liegt ja auch viel tiefer als in der politischen Konstellation, nämlich in seiner untrennbaren Zugehörigkeit zum christlich-abendländischen Kulturkreis begründet. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 101. Sitzung am 22.9.1955, S. 5644.
Bei mir ist das Nationalgefühl die Liebe zu seinem Volke, nicht die Liebe zu irgendeinem Herrscherhaus oder die Liebe zu irgendeiner Staatsgrenze; die kommen und gehen. Interview mit George Bailey (The Reporter) am 14.11.1960, st. N., S. 3, StBKAH 02.22.
Unsere Politik muß, um in Übereinstimmung mit unseren realen Möglichkeiten zu bleiben, Schritt für Schritt den einmal eingeschlagenen Weg weitergehen. Wenn wir auch keine Großmacht mehr sind, so können wir doch an der Größe teilhaben, wie sie der Zusammenhalt und der Zusammenschluß der freien Völker zu gewähren vermag. Dazu gehört vor allem, daß wir unseren Freunden gegenüber so treu und so zuverlässig bleiben wie bisher. Soweit die Zukunft in unsere eigene Hand gegeben ist, sehe ich keine andere und keine bessere Politik. Nur wenn wir so fleißig und so gewissenhaft arbeiten wie bisher, können wir unsere wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse bewahren und verbessern: denn auch sie können nur durch unsere eigenen Anstrengungen gesichert werden. Schallplatte „Aus meinem Leben“, Electrola GmbH, Köln 1961.
Das wichtigste Ergebnis der deutschen Politik nach dem Kriege ist darin zu sehen, daß es gelungen ist, für Deutschland das Vertrauen der freien Völker zu gewinnen. Interview mit Hans Wendt (Deutsche Welle) am 4.10.1963, schriftliche Fassung, S. 1, StBKAH 02.31.
Das Grundgesetz mit seinen 146 Artikeln ist in acht Monaten und acht Tagen geschaffen worden. Im Laufe der 15 Jahre, die es nunmehr in Kraft ist, ist manches Wort der Kritik an ihm gefallen. Sicher ist es nicht vollkommen. Aber ich glaube, daß man das Grundgesetz vor allem danach beurteilen muß, was mit ihm erreicht worden ist. Deutsche Vergangenheit und deutsche Zukunft (...) Nun, es war das Fundament des Wiederaufbaus Deutschlands in politischer, in wirtschaftlicher und in außenpolitischer Hinsicht. Dabei ist versucht worden, den Lehren der Vergangenheit Rechnung zu tragen und mit der Ausgestaltung der Bestimmungen über das konstruktive Mißtrauensvotum ein Moment der Stabilität für die Exekutive zu schaffen, das uns gerade angesichts der Größe der vor uns stehenden Aufgaben wichtig erschienen ist. Ich glaube, wir müssen anerkennen, daß dieses Ziel erreicht wurde. Bei den Beratungen über das Grundgesetz war uns vor allem folgender Gesichtspunkt klar: Wenn wir erst ein Parlament und eine Regierung haben würden, könnten wir mit ganz anderer Energie dem Ziele zustreben, das uns bei unserer Arbeit besonders vor Augen schwebte: der Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit. Ansprache aus Anlaß des 15. Jahrestages der Verabschiedung des Grundgesetzes bei einem Abendessen für die noch lebenden Mitglieder des Parlamentarischen Rates in Bonn am 25.5.1964, st. N., S. 4. StBKAH 02.33.
Die Weimarer Republik ist zugrunde gegangen durch mangelnde Energie, durch Feigheit, Unfähigkeit und Mittelmäßigkeit der verantwortlichen Männer. Gespräch in Cadenabbia 1964, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Der Name, der für den Staat gewählt wurde, weist darauf hin, daß von den Verfassungsgebern an alle Deutschen gedacht wurde: "Bundesrepublik Deutschland". Mit dem Wort Deutschland wird ausgedrückt, daß die Bundesrepublik der Staat für alle Deutschen ist. Die freie Welt, mit der wir durch Verträge und Zuneigung verbündet sind und es bleiben wollen, erkennt an, daß endgültige Grenzlegungen erst durch einen Friedensvertrag getroffen werden können. Es entspricht unserem festen Willen, durch die Verbundenheit mit der freien Welt die Voraussetzungen zu schaffen für die innere Gestaltung Deutschlands. Es gibt für uns nur einen Rechtsstaat, einen demokratischen Staat, der auch die soziale Gerechtigkeit übt. Souveränität ist für uns ein hohes Gut, aber wir sind jederzeit bereit, sie einzubringen in eine übergeordnete Gemeinschaft der europäischen Völker. Auch das ist bereits in unserer Verfassung vorgesehen, die ebenso wie an die Gemeinschaft der Deutschen an die Gemeinschaft der Europäer gedacht hat. Ansprache über den Sender "Freies Berlin" am Tag der Wiedererlangung der Souveränität 5.5.1955, in: "Bulletin".
Jetzt bin ich wieder stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Ich bin so stolz darauf, wie ich es nie zuvor, auch nicht vor 1933 und nicht vor 1914, gewesen bin. Rede vom 24.3.1946 in Köln, in: "Adenauer", Dokumentation von Otto Kopp, Stuttgart 1964.
Vielen fehlt das Bewußtsein unserer trostlosen Ausgangslage von 1945. Sie denken und handeln nur aus den Überlegungen des Tages. Und doch dürfen wir niemals vergessen, daß das Trümmerfeld von 1945 die Folge eines verlorenen Krieges war. Wir dürfen nicht übersehen, daß die Erinnerung an das Verbrechen dieses Krieges bei vielen unserer damaligen Gegner heute noch sehr wach ist. Vorwort in: "Deutschland im Wiederaufbau 1949-1959", Herausgeber: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bonn.
Eine spätere Zeit wird erst voll würdigen können, daß die Bundesrepublik sich entschlossen von falschen Ressentiments freigemacht hat und den Weg des Maßhaltens und der Verständigung mit anderen Mächten gegangen ist. Das Ergebnis dieser Politik ist, daß sich die Beziehungen der Bundesrepublik zu der ganzen freien Welt nicht nur normalisiert, sondern freundschaftlich gestaltet haben. Vor dem Deutschen Bundestag, Rede zum 17. Juni 1953, gehalten am 1.7.1953, Protokoll.
Deutschland gehört zum Westen, nach seiner Überlieferung und Überzeugung. Das ganze Deutschland gehört zum Westen. In dieser Partnerschaft allein liegt unsere Zukunft. In: Konrad Adenauer, "Erinnerungen 1945-1953", Stuttgart 1965.
Wir müssen entschieden Schluß machen mit den nationalistischen Ideen, mit überholten Vorstellungen der Vergangenheit, wir müssen entschlossen und kühn das Tor zu einer neuen Ära des Zusammenlebens der Völker aufstoßen. Vor der Auslandspresse 6.4.1954, in: "Bulletin".
Ich bin stolz auf das deutsche Volk - ich darf das wohl auch mit dem Blick über unsere Grenzen hinaus heute sagen: Ich bin stolz auf das, was das deutsche Volk in dieser verhältnismäßig kurzen Spanne Zeit geleistet hat. Wir Deutsche dürfen unser Haupt wieder aufrecht tragen, denn wir sind im Bund der freien Nationen ein willkommenes Mitglied geworden. Vor dem Deutschen Bundestag 15.10.1963, Abschied vom Amt des Bundeskanzlers, Protokoll.
Die stärkste Waffe des Besiegten ist und bleibt die Geduld. Die stärkste Waffe ist ein zuverlässiger ethischer Glaube an die Heimat und an das eigene Volk. Schlesiertreffen 1959 in Köln. Bulletin 114/59.
Das Heimatgefühl beruht auf einer ethischen Grundlage, und letzten Endes sind die ethischen Grundlagen, die ethischen Werte, auch beim Ringen der Welt das Stärkste, und sie werden sich als das Stärkste auch in Zukunft erweisen. Schlesiertreffen 1959 in Köln. Bulletin 114/59.
Wir alle sehnen eine dauerhafte europäische Friedensordnung herbei. Eine Friedensordnung von Dauer setzt aber eine allgemeine Gerechtigkeit voraus. Die Annektion der deutschen Ostgebiete und die Vertreibung der deutschen Bevölkerung sind schwere Verletzungen des Völkerrechts. Ansprache vor der Landsmannschaft Ostpreußen, 10.7.1960. Bulletin 126/60.
Wir wollen nicht vergessen, daß das Flüchtlingsproblem ein Weltproblem ist, und daß nicht nur Deutsche ihre Heimat verloren haben. Die Zahl der Flüchtlinge in der Welt ist heute größer als vor zehn Jahren. Auch ihrer Not, ihrer Sorge wollen wir gedenken, wenn wir jetzt von dem Schicksal der Vertreibung sprechen, das vor zehn Jahren über Millionen Deutsche hereingebrochen ist. Erst eine allgemeine Befriedung in der Welt und die Beachtung der allgemeinen Menschenrechte in allen Ländern wird den Flüchtlingsstrom zum Versiegen bringen. Die allgemeinen Menschenrechte müssen nach Auffassung der Bundesregierung auch das Recht auf die Heimat einschließen. Ansprache über den Sender RIAS, 3.4.1955. Bulletin 65/55.
Es gibt kaum eine Familie in Deutschland, die nicht Teil hat an den großen und schweren blutigen Opfern, die unser Volk in seiner jüngsten Geschichte bringen mußte. Als Soldaten oder als politisch Verfolgte, an der Front oder in der Heimat, auf der Flucht oder in der Gefangenschaft haben Millionen den Tod gefunden. Sie sind für uns gestorben. Wir gedenken ihrer in Ehrfurcht. Nicht immer ist es uns vergönnt, an ihren Gräbern zu stehen. Viele liegen in fremder Erde, viele Gräber sind verweht. Die Toten mahnen uns. Sie haben uns Überlebenden die Aufgabe hinterlassen, aus den Erfahrungen und Leiden der Vergangenheit zu lernen, ein besseres Deutschland aufzubauen und für den Frieden zu wirken. Aufruf zum Volkstrauertag 1959. Bulletin 213/59.
Unseren Gegnern im Ausland und den Zweiflern im Ausland sage ich, die Einmütigkeit des gesamten deutschen Volkes in der Verurteilung des Antisemitismus und des Nationalsozialismus hat sich in der denkbar geschlossensten und stärksten Weise gezeigt. (...) Dem Nationalsozialismus hat der größere Teil des deutschen Volkes in den Zeiten des Nationalsozialismus nur unter dem harten Zwang der Diktatur gedient. Keineswegs war jeder Deutsche ein Nationalsozialist. (...) In dem deutschen Volke hat der Nationalsozialismus, hat die Diktatur keine Wurzeln, und die wenigen Unverbesserlichen, die noch vorhanden sind, werden nichts ausrichten. Rundfunkerklärung, 16.1.1960. Bulletin 11/60.
Das deutsche Volk hat die Untaten, die von einer verblendeten Führung in seinem Namen begangen wurden, mit unendlichen Leiden bezahlt. In diesen Leiden hat sich seine Läuterung und Wandlung vollzogen. Freiheit und Frieden werden - davon darf die Welt überzeugt sein - heute in Deutschland wie in den besten Zeiten seiner Geschichte in allen Schichten und Ständen als das höchste Gut empfunden. Auf der Tagung des Atlantikrates, Paris, 9.5.1955. Bulletin 87/55.
Eine freiheitliche Ordnung ist unserem Volk immer ein wichtiges Element seines gesellschaftlichen Lebens gewesen. Dieser Freiheitssinn hat sich in bedeutenden Ereignissen unserer Geschichte immer wieder manifestiert. Er ist vor allem in der Selbstverwaltung lebendig geblieben. Daran haben auch die zwölf Jahre nationalsozialistischer Gewaltherrschaft nichts grundlegend ändern können. Aufsatz in "Foreign Affairs", April-Ausgabe 1953. Bulletin 61/53.
Bittere Erfahrung hat die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes gelehrt, daß das Leben in einem Staat, der keine Freiheiten für den einzelnen Bürger, keinen Schutz gegen eine Staatsallmacht kennt, menschenunwürdig ist. Begrüßung der UNO-Kommission für freie Wahlen, Bonn, 17.3.1952. Bulletin 32/52.
Wir dürfen unter keinen Umständen in einem Kampf aller gegen alle verfallen und eine politische Schnüffelei treiben, die das gegenseitige Vertrauen zerstört. Es waren zur Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere, als Deutschland in Blut und Feuer unterzugehen drohte, besondere Verhältnisse, die mit besonderen Maßstäben gemessen werden mußten. Wer aus Liebe zum deutschen Volk es unternahm, die Tyrannei zu brechen, wie das die Opfer des 20. Juli getan haben, ist der Hochschätzung und Verehrung aller würdig. Wer damals in die Emigration gegangen ist, verdient keinen Tadel. Er hat in der Emigration, wenn er ein ehrlicher Deutscher war, ebenfalls schwer gelitten. Rede imSüdwestfunk, 6.8.1954. Bulletin 146/54.
Die Bevölkerung der Bundesrepublik und das gesamte Ausland können davon überzeugt sein, daß Deutschland niemals wieder zum Nationalsozialismus zurückkehren wird. Regierungserklärung, 21.5.1953. Bulletin 15/53.
Das deutsche Volk hat in seiner Gesamtheit durch die beispiellose Arbeit, die Geduld, die Zuversicht, das Vertrauen in seine Zukunft, das es gezeigt hat, sich die Achtung aller Nationen erworben. Und diese Achtung, die das deutsche Volk sich wieder erworben hat, die Achtung vor dem deutschen Namen in der Welt, die Achtung vor den Tugenden des deutschen Volkes, sie hat einen großen Anteil an unserem Aufstieg. CDU-Kundgebung, Heidelberg, 1.3.1952. Bulletin 26/52.
Durch den Fleiß und den Arbeitswillen des ganzen deutschen Volkes, durch die Bemühungen der Gemeinden, Kreise und Länder und durch die sorgfältig planende und mutige Politik der Bundesregierung ist in allen Bereichen ein Wiederaufbau verwirklicht worden, den 1945 niemand für möglich gehalten hätte. Die Hilfe des Auslandes hat sich dabei für die Wirtschaft und Ernährung segensreich ausgewirkt. Sie ist zugleich ein Zeugnis für den wachsenden Geist übernationaler Solidarität, für das wiederkehrende wechselseitige Vertrauen zwischen dem deutschen Volk und den übrigen freien Völkern in Europa und in Übersee. Geleitwort zu "Deutschland heute". Bulletin 84/55.
Ich glaube, das sogenannte "Deutsche Wunder" - ich höre den Ausdruck nicht gerne, aber es hat sich ein bestimmter Begriff damit verbunden - beruht in allererster Linie auf der persönlichen Tüchtigkeit aller Deutschen. Auf dem Deutschen Sparkassentag, 27.4.1954. Bulletin 80/54.
Der ganze deutsche Wiederaufbau ist ein Verdienst der Arbeit, der Tüchtigkeit und der Zähigkeit und des Fleißes des gesamten deutschen Volkes, der Männer wie der Frauen. Ansprache im Edelstahl-Werk Gebr. Böhler, Düsseldorf-Oberkassel, 13.5.1954. Bulletin 92/54.
Wenn wir uns heute einer verhältnismäßigen Sicherheit erfreuen, wenn es gelungen ist, die wirtschaftlichen Schäden in etwa zu beseitigen, unserer Bevölkerung Arbeit und Brot zu beschaffen, für 5 Millionen Menschen Wohnungen zu bauen, dann ist das zum größten Teil ein Erfolg der Tüchtigkeit und des Fleißes des deutschen Volkes, der Arbeit, die in den Gemeinden, in den Ländern und dem Bund geleistet worden ist. CSU-Kundgebung, Augsburg, 14.6.1953. Bulletin 110/53.
Wir haben wieder Freunde in der Welt, und das verdankt das deutsche Volk dem Umstand, daß es sich nach dem Zusammenbruch aufgerafft und sich bekannt hat zu Ehrlichkeit, Anstand und Arbeit. Parteitag der Exil-CDU, Bonn, 22.3.1953. Bulletin 56/53.
Die Tatsache, daß es möglich war, einen erheblichen Teil des deutschen Volkes auf einen so verhängnisvollen Weg zu bringen, muß in jedem denkenden Menschen ernste, sehr ernste Fragen aufwerfen, die Frage vor allem, wie das überhaupt möglich war. Man muß sich diese Frage stellen, um alle Kraft dafür einzusetzen, die Wiederkehr eines so tiefen, eines so verhängnisvollen Falles zu verhüten. Feierstunde in der Frankfurter Universität, 30.6.1952. Bulletin 81/52.
Das Grundgesetz der Bundesrepublik gewährleistet eine große Stabilität in der Regierungsarbeit, und diese Stabilität hat sich sowohl in der Außen- wie auch in der Innen- und Wirtschaftspolitik als ein großer Segen für unser Volk erwiesen. Stabilität bedeutet aber nicht das gleiche wie Stagnation oder Sterilität. Unablässig ist in den Ländern und im Bund das politische Leben in Bewegung, und wenn wir uns auch glücklich schätzen können, eine Verfassung zu besitzen, die es unmöglich macht, daß sich diese inneren Bewegungen in der Politik in ständigen Regierungskrisen äußert, so wie wir es in der Weimarer Republik erlebten, so ist es in größeren Zeitabständen doch notwendig, solchen Veränderungen sowohl in der Sache wie in der Person Rechnung zu tragen. Ansprache über den deutschen Rundfunk, 16.10.1956. Bulletin 196/56.
Es wird nach meiner Überzeugung ein geschichtliches Verdienst des deutschen Volkes bleiben, daß es nach der Enttäuschung durch den Nationalsozialismus, nach diesem schrecklichen Kriege, nach diesem Zusammenbruch nicht in das Gegenteil verfallen ist und auf ihn nicht geantwortet hat mit einem wilden, auch nicht mit einem kommunistischen Nationalismus. Schlesiertreffen 1959 in Köln. Bulletin 114/59.
Daß das geistige Leben aller Völker in engem Zusammenhange steht, und namentlich in unserer Zeit, in der der Raum zusammenschrumpft, das haben vor allem wir Deutsche, als wir ausgesperrt waren vom geistigen Austausch mit anderen Völkern, zu unserem Schrecken und Entsetzen empfunden. Darum sind auch gerade wir Deutsche so besonders dankbar dafür, daß das Hauptziel der UNESCO ist, das geistige Leben, das in allen Völkern ist, miteinander in Verbindung und zum gegenseitigen Austausch zu bringen. Anläßlich einer UNESCO-Feier im Bundeshaus, Bonn, 14.1.1952. Bulletin 7/52.
Forschung und Wissenschaft sind ihrem inneren Wesen nach international, und daher erblicke ich gerade in der Forschungsarbeit und in der wissenschaftlichen Arbeit der deutschen Forscher und der deutschen Wissenschaftler einen ganz wesentlichen Beitrag zur internationalen Verständigung und zur Schaffung des Friedens auf der Erde. Auf der Festversammlung der 5. ordentlichen Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft, Wiesbaden, 11.6.1954. Bulletin 109/54.
Ich glaube, es wird ein Ruhmesblatt bleiben in der Geschichte der deutschen Hochschulen, auf dem in goldenen Lettern verzeichnet steht, was damals Professoren und Studenten unter schwierigsten Verhältnissen hungernd und frierend in zerstörten Gebäuden und mit zerstörten Einrichtungen gearbeitet haben. Ansprache in der Technischen Universität Berlin, 19.7.1954. Bulletin 133/54.
Es ist nicht leicht, die Leistung der deutschen Studentenschaft in den Jahren, die seit 1945 verflossen sind, zu würdigen. Mit verbissener Energie, unter größten Schwierigkeiten haben die deutschen Studenten, als sie aus dem Kriege zurückkamen, sich ihren Studien gewidmet. Immer wieder habe ich in den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch von Professoren, die ich fragte, Worte höchster Anerkennung gehört über den Fleiß, den Eifer, die Energie, mit der sich die Studenten, die zum Teil nicht mehr jung waren, ihrer Arbeit gewidmet haben. Ansprache in der Technischen Universität Berlin. 19.7.1954. Bulletin 133/54.
In der Weimarer Republik trat etwas ein - das war nicht die Schuld der Weimarer Republik, die überhaupt besser war als ihr Ruf -, was auf die Deutschen außerordentlich gewirkt hat. Das war die erste große Inflation. Durch diese erste große Inflation sind in Deutschland namentlich die mittleren Schichten getroffen worden. Diese Schichten verarmten bei uns vollkommen. (...)
Und nur, weil nun dieses deutsche Volk durch den verlorenen Krieg, durch den Wegfall der Autoritäten, durch die Schaffung neuer Autoritäten, die aber noch nicht den Einfluß und das Ansehen hatten, durch den Wegfall dieser bürgerlichen Schichten so durcheinander geraten war, konnte der Nationalsozialismus Wurzel schlagen. Wenigstens erblicke ich darin die Hauptursache des Nationalsozialismus.
Interview mit Columbia Broadcasting System, 21.-23.08.1962.
Das Rheinland muß mehr wert sein als ein oder zwei oder selbst drei neue Währungen! Bei einer Sitzung von Mitgliedern des Reichskabinetts und Politikern aus den besetzten Gebieten am 14.11.1923.
Die Alliierten übernahmen die volle Regierungsgewalt in Deutschland. Sie teilten Deutschland in Zonen und später in Länder. Sie setzten den Kontrollrat als oberste Instanz für alle ganz Deutschland betreffenden Angelegenheiten ein und übertrugen in jeder Zone dem jeweiligen Oberbefehlshaber die ganze Gewalt für die die Zone betreffenden Angelegenheiten.
Es wurden Landtage in den Ländern eingesetzt. Aber diese Landtage und die von ihnen eingesetzten Länderregierungen hatten nur beschränkte Rechte und waren in allen gesetzgeberischen Arbeiten von der ausdrücklichen Zustimmung der Alliierten abhängig.
Im Potsdamer Abkommen war ausdrücklich gesagt, daß Deutschland als wirtschaftliche Einheit zu behandeln sei. Die Verwirklichung dieser Bestimmung erwies sich als Illusion, da die Siegermächte in ihren politischen Zielen nicht übereinstimmten.
Konrad Adenauer: Erinnerungen 1945-1953.
Mir ist oft vorgeworfen worden, ich hätte mich für Bonn als Bundeshauptstadt eingesetzt, weil Bonn nahe an meinem Wohnort Rhöndorf läge. Diesen Vorwurf betrachte ich als sehr naiv.
Der ausschlaggebende Grund für die Wahl Bonns (...) war schließlich folgender: Die Engländer hatten eine Erklärung abgegeben, falls Bonn zum Sitz der vorläufigen Bundeshauptstadt gewählt würde, seien sie bereit, das Gebiet von Bonn aus der britischen Zone und Militärverwaltung freizugeben. Die Amerikaner konnten eine solche Erklärung hinsichtlich Frankfurts nicht abgeben, weil in Frankfurt eine große Anzahl von amerikanischen Organisationen und sehr wichtigen Verwaltungsstellen ihren Sitz hatten, für die in einer anderen Stadt nur schwer hätte Raum geschaffen werden können. (...)
Gegen Mitternacht war die Abstimmung beendet. Mit einem sehr knappen Vorsprung hatten sich die Mitglieder des Parlamentarischen Rates für Bonn ausgesprochen.
Konrad Adenauer: Erinnerungen 1945-1953.
Im Innern harrten große Probleme der Lösung: Der Wiederaufbau der zerstörten Häuser, die Gesundung der Wirtschaft, die Beschaffung von Arbeit; die Versorgung der Kriegshinterbliebenen und Kriegsversehrten; der Lastenausgleich zugunsten der vielen Millionen Vertriebener und Flüchtlinge, der ein großartiges, wohl beispielloses Werk ist.
Entscheidend dafür, daß ein neuer, guter Anfang gemacht werden konnte, war der außerordentliche Lebenswille des deutschen Volkes, waren die Anstrengungen in allen seinen Teilen und Schichten.
Schallplatte "Aus meinem Leben", Köln, Electrola GmbH 1961.
Die ersten Heimkehrer trafen im Lager Friedland am 7. Oktober 1955 ein. Es folgten nahezu zehntausend. Von den in der Sowjetunion zurückgehaltenen Zivilpersonen kehrten in der Folge über 20.000 nach Deutschland zurück. Konrad Adenauer: Erinnerungen 1953-1955.
Die Westmächte und die Sowjetunion waren während des Zweiten Weltkrieges durch das gemeinsame Interesse an der Niederringung Deutschlands miteinander verbunden. Je sichtbarer der Zusammenbruch Deutschlands wurde, desto deutlicher trat die grundsätzlich unterschiedliche Interessenlage der Kriegsverbündeten wieder zutage. Die auf die Weltherrschaft des Kommunismus ausgerichtete Politik der Sowjetunion zeigte sich wieder unverhüllt, namentlich in den Europa und insbesondere Deutschland betreffenden Fragen. Die Politik der Westmächte hingegen basierte auf der Verwirklichung und Erhaltung einer freien, demokratischen Lebensform, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte in Europa herausgebildet hatte.
Der Gegensatz zwischen den Westmächten und der Sowjetunion hat Deutschland, das an der Nahtstelle zwischen Ost und West liegt, besonders schwer getroffen. Die Deutschen in der sowjetisch besetzten Zone und in Berlin sind Opfer dieses politischen Gegensatzes. Er ist für die Politik von maßgebender Bedeutung gewesen.
Erinnerungen 1953-1955, a. a. O., S. 15.
Ich sehe die Entwicklung in Deutschland mit steigender Sorge. Rußland läßt einen eisernen Vorhang herunter. Ich glaube nicht, daß es sich bei der Verwaltung der Hälfte Deutschlands, die ihm überantwortet ist, von der Zentralen Kontrollkommission irgendwie beeinflussen lassen wird. Schreiben vom 5.7.1945 an Dr. Hans Rörig, Bern (1915-1945 Redakteur der "Kölnischen Zeitung", 1940-1945 in Bern tätig), HAStK 2290.
Die Verhältnisse sind außerordentlich ernst, und die Zukunft liegt sehr schwarz vor uns. Schreiben vom 6.7.1945 an seinen langjährigen Freund Dannie N. Heineman, London, StBKAH 07.01.
Der Beschluß der Potsdamer Konferenz, Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu behandeln, erwies sich als nicht durchführbar. In dem Abkommen der Siegermächte war für jeden Beschluß des Kontrollrates Einstimmigkeit verlangt. Der Kontrollrat war das Organ der vier Alliierten, das über alle Deutschland als Ganzes angehenden Fragen zu entscheiden hatte. Die vier Mächte haben aber in ihrer Deutschlandpolitik niemals übereingestimmt, insbesondere hat Sowjetrußland eine eigene Deutschlandpolitik verfolgt. Auch die drei westlichen Mächte waren sich zunächst nicht einig in ihrer Haltung und in der einzuschlagenden Politik gegenüber Deutschland. Die vier Besatzungszonen Deutschlands trieben wirtschaftlich immer weiter auseinander, das wirtschaftliche Chaos wuchs ständig seit dem Zusammenbruch im Frühjahr 1945. Erinnerungen 1945-1953, a. a. O., S. 63.
Am 5.10.45 waren ein Vertreter des News Chronicle und der Associated Press (Miss Barbara Page) empfohlen durch Herrn Stern-Rubarth bei mir. Ich habe ihnen in sehr unterstrichener Weise meine Befürchtungen wegen der Absicht der Alliierten, der deutschen Bevölkerung keine Kohle zum Kochen zu geben, zur Kenntnis gebracht. Ich habe auf die sehr verwerflichen Folgen, Tod ungezählter Tausender, Schwächung der Übrigen, Krankheiten, Epidemien, hingewiesen. Ich habe ihnen weiter gesagt, de Gaulle habe in diesen Tagen eine Rede in Saarbrücken gehalten, und laut Londoner Sender in ihr gesagt, Franzosen und Deutsche müssten einen Strich unter die Vergangenheit machen, zusammenarbeiten und eingedenk sein, dass sie Europäer seien. Die Journalisten sagten, sie seien bei dieser Rede zugegen gewesen, de Gaulle habe sogar gesagt, Franzosen und Deutsche müssten eingedenk sein, dass sie Westeuropäer seien. Ich erwiderte, ich wollte, dass einmal ein englischer Staatsmann von uns als Westeuropäer gesprochen hätte. Aktennotiz vom 9.10.1945, offenbar von Konrad Adenauer selbst maschinenschriftlich festgehalten, StBKAH 05.02. Am 6.10.1945 wurde Adenauer von der britischen Militärregierung seines Amtes als Oberbürgermeister von Köln enthoben.
Der nicht von Russland besetzte Teil Deutschlands ist ein integrierender Teil Westeuropas. Wenn er krank bleibt, wird das von schwersten Folgen für ganz Westeuropa, auch für England und Frankreich sein. Es liegt im eigensten Interesse nicht nur des nicht von Russland besetzten Teiles Deutschlands, sondern auch von England und Frankreich, Westeuropa unter ihrer Führung zusammenzuschließen, den nicht russisch besetzten Teil Deutschlands politisch und wirtschaftlich zu beruhigen und wieder gesund zu machen. Anlage zu einem Schreiben vom 31.10.1945 an Oberbürgermeister Dr. Heinrich Weitz, Duisburg, StBKAH 07.03.
Nach der Gründung des Kaiserreiches unter preußischer Vorherrschaft wandelte sich der Staat aus einem ursprünglich lebendig gefühlten Wesen mehr und mehr in eine souveräne Maschine. Die großen äußeren Erfolge, die dieser Auffassung vom Staat und der Macht zunächst beschieden waren, die schnell zunehmende Industrialisierung, die Zusammenballung großer Menschenmassen in den Städten und ihre damit verbundene Entwurzelung machten den Weg frei für das verheerende Umsichgreifen der materialistischen Weltanschauung im deutschen Volk. Die materialistische Weltanschauung hat zwangsläufig zu einer weiteren Überhöhung des Staats- und Machtbegriffes, zur Minderbewertung der ethischen Werte und der Würde des einzelnen Menschen geführt.
Der Nationalsozialismus war eine bis ins Verbrecherische hinein vorgetriebene Konsequenz dieser sich aus der materialistischen Weltanschauung ergebenden Anbetung der Macht und Mißachtung des Wertes des Einzelmenschen.
Rede über den NWDR am 6.3.1946. Druck: Balduin Pick, Köln o. J., o. S.
Das Deutsche Reich besteht faktisch nicht mehr; es besteht keine Regierungsgewalt aus eigenem Recht; die Alliierten besitzen die volle Gewalt. Unser Ziel ist die Wiedererstehung Deutschlands. Aber es soll nicht wiedererstehen das zentralistische, auch nicht das von Preußen als Vormacht geführte frühere Deutschland. Deutschland soll ein demokratischer Bundesstaat mit weitgehender Dezentralisation werden. Wir glauben, daß eine solche staatliche Gestaltung Deutschlands auch die beste ist für die Nachbarländer. Rede über den NWDR am 6.3.1946. Druck: Balduin Pick, Köln o. J., o. S.
Aktiver Militarist ist nicht der Soldat, gleichgültig welchen Ranges, ob Offizier oder nicht, der in anständiger Weise seine Pflicht erfüllt und nichts anderes getan hat; er darf deswegen keine Zurücksetzung erfahren.
Wenn man harmlose Mitläufer und Soldaten, die glaubten, ihre Pflicht zu erfüllen, deswegen zurückstößt, so züchtet man geradezu einen verstiegenen und extremen Nationalismus.
Rede über den NWDR am 6.3.1946. Druck: Balduin Pick, Köln o. J., o. S.
Das deutsche Volk ist seelisch und materiell in einer Tiefe angelangt, die Schrecken erregend ist. Es wird einer sehr langen, sehr mühsamen und sehr planmäßigen Aufbauarbeit bedürfen, die natürlich in erster Linie vom deutschen Volke selbst geleistet werden muss, bei der es aber der Hilfe anderer Nationen bedarf. Schreiben vom 16.3.1946 an William F. Sollmann, Pennsylvania, in der Weimarer Republik sozialdemokratischer Politiker und Publizist, HAStK 1120-596; Original in der Swarthmore College Peace Collection, Pennsylvania, VIII-1-21 und VIII-1-21 a Box 8 DG 45.
Das deutsche Volk trägt diese schwerste Zeit seiner Geschichte mit heldenhafter Stärke, Ausdauer und Geduld, mit einer geduldigen Stärke, die stärker ist als alle Not. Ich habe mich seit 1933 oft geschämt, ein Deutscher zu sein, in tiefster Seele geschämt; vielleicht wußte ich mehr als manche andere von den Schandtaten, die von Deutschen an Deutschen begangen wurden, von den Verbrechen, die an der Menschheit geplant wurden. Aber jetzt, jetzt bin ich wieder stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Ich bin so stolz darauf, wie ich es nie zuvor, auch nicht vor 1933 und nicht vor 1914, gewesen bin. Ich bin stolz auf den Starkmut, mit dem das deutsche Volk sein Schicksal erträgt, stolz darauf, wie jeder einzelne duldet und nicht verzweifelt, wie er versucht, nicht unterzugehen, sich und die Seinigen aus diesem Elend hinüberzuretten in eine bessere Zukunft. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J., S. 3.
Eine Gewissenserforschung müssen wir für uns anstellen in unserem eigenen Interesse, damit wir den richtigen Weg finden zum Wiederaufstieg. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J., S. 4.
In einem Volk, das so erst durch die preußische überspitzte und übertriebene Auffassung vom Staat, seinem Wesen, seiner Macht, den ihm geschuldeten unbedingten Gehorsam, dann durch die materialistische Weltanschauung geistig und seelisch vorbereitet war, konnte sich, begünstigt durch die schlechte materielle Lage weiter Volkskreise, verhältnismäßig schnell eine Lehre durchsetzen, die nur den totalen Staat und die willenlos geführte Masse kannte, eine Lehre, nach der die eigene Rasse die Herrenrasse und das eigene Volk das Herrenvolk ist und die anderen Völker minderwertig, zum Teil vernichtungswürdig sind, nach der aber auch in der eigenen Rasse und im eigenen Volk der politische Gegner um jeden Preis vernichtet werden muß. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J., S. 5.
Die Lasten, die der verlorene Krieg Deutschland gegenüber anderen Ländern auferlegen wird, sollten so bemessen werden, daß Deutschland sie tragen und ihnen gerecht werden kann, denn auch der Besiegte behält das Recht auf Leben und Arbeit. Bitterste Not ohne Hoffnung ist das stärkste Hindernis jeder friedlichen Entwicklung. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J., S. 22.
Wenn wir uns klar werden darüber, woher das Unheil gekommen ist, welchen Weg das deutsche Volk gegangen ist, und wenn wir uns klar werden, wie tief es gesunken ist, dann werden wir auch klar darüber, welchen Weg wir einschlagen müssen, um aus der Tiefe wieder zur Höhe zu kommen. In Wuppertal/Elberfeld auf einer Veranstaltung der CDU am 5.5.1946, st. N., S. 5, ACDP S. Ad.
Das Flüchtlingsproblem ist eines der schrecklichsten Kapitel in der modernen Geschichte unserer Zeit. Ich glaube nicht, daß jemals zuvor zehn, vielleicht sind es zwölf Millionen Menschen, man weiß es gar nicht, so von Haus und Hof und Heim vertrieben worden sind und jetzt hineingepreßt werden in ein Land, das hungert, zum Teil zerstört und das überbevölkert ist. Ein englischer Bischof hat mit Recht meines Erachtens darauf hingewiesen, daß diese Maßnahme ein Ausfluß desselben Nationalismus ist, der den Nationalsozialismus ausgezeichnet hat. In Wuppertal/Elberfeld auf einer Veranstaltung der CDU am 5.5.1946, st. N., S. 16, ACDP S. Ad.
Was sind wir staatsrechtlich? Nichts! Alle staatsrechtlichen Bindungen in Deutschland bestehen nicht mehr. Alles, was zur Zeit in Deutschland an Behörden und behördenmäßigen Einrichtungen besteht, leitet seine Autorität lediglich her aus den Vollmachten, die ihm gegeben worden sind von den Alliierten. In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 12.5.1946, st. N., S. 3, ACDP S. Ad.
Sie wissen, daß man in dem Alliierten Kontrollrat in keiner Weise einig ist, daß aber diese ganze Uneinigkeit auf unserem Rücken sich abspielt und daß dadurch wir mit zwingender Notwendigkeit in einen Abgrund hineingeraten, der für ganz Europa verheerend ist. Wenn ich deswegen einen Appell an die Alliierten richte, dann tue ich das nicht als Deutscher, ich tue das als Europäer: Rettet Europa! Laßt Deutschland arbeiten! Nehmt ihm sein Kriegspotential, aber laßt Deutschland arbeiten für sich selbst und für Europa, sonst wird dieser ganze Erdteil, der unersetzlich ist in seinen geistigen Werten für die ganze Welt, hoffnungslos in den Abgrund hineinkommen! In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 12.5.1946, st. N., S. 16, ACDP S. Ad.
Der Sieger hat aber nicht nur Rechte, auch er hat Pflichten, ich wiederhole es, er hat Pflichten nach menschlichem und nach göttlichem Recht. Und das erweist die Geschichte, daß die göttlichen Gesetze, nach denen die Geschicke der Menschheit abrollen, niemals ungestraft verletzt werden. Deutschland hat das Recht nicht geachtet, wir müssen's bekennen, aber, meine Damen und Herren, wenn die Sieger das ungeschriebene, das göttliche Gesetz nicht beachten, dann werden die letzten Dinge auf der Erde schlimmer sein als die ersten! Auf einer Veranstaltung der CDU in Düsseldorf am 12.5.1946, st. N., S. 18, ACDP S. Ad.
Was die Entnazifizierung angeht, so stehen wir wohl alle auf dem Standpunkt, daß die leitenden Nationalsozialisten und alle diejenigen, ob sie in der Partei waren oder nicht, die sich bereichert haben, die andere geschädigt haben usw., daß alle diese Leute rücksichtslos bestraft werden müssen, und zwar so schnell wie möglich von deutschen Gerichten. Aber es geht nicht an, daß ein Entnazifizierungsverfahren das Volk in Unruhe hält und daß die harmlosen Parteimitglieder, die Leute, die dem Druck gefolgt sind, der auf sie ausgeübt worden ist, und die in die Partei eingetreten sind, nun derartig schwer bestraft werden, wie das jetzt geschieht. Das Entnazifizierungsverfahren der britischen Zone kennt nur zwei Strafen: entweder Freispruch oder wirtschaftlicher Tod. Und das ist nicht richtig. Es muß die Möglichkeit geben, die Leute mit Geldbußen zu belegen und sie im Übrigen wieder in ihren Beruf hineinzulassen. Es geht nicht, daß auf die Dauer in Deutschland zwei Klassen, hier die Schwarzen, dort die Weißen, bestehen bleiben. Auf der Frauentagung des Zonenausschusses der CDU der britischen Besatzungszone in Neuenkirchen/Kreis Wiedenbrück am 3.8.1946, st. N., S. 11, ACDP S. Ad.
Wir können von unseren westlichen Nachbarvölkern keine Liebe erwarten. Wir müssen auch verstehen, daß sie, Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich, Sicherungen verlangen. Aber Sicherungen lassen sich niemals schaffen durch Gewalt, sei es, daß diese Gewalt in einer endlosen Besetzung oder sogar in Abtrennung besteht. In Essen auf einer Veranstaltung der CDU am 24.8.1946, st. N., S. 19, StBKAH 02.03.
National zu sein - nicht nationalistisch -, ist das Recht und die Pflicht eines jeden Deutschen. In Münster/Westf. auf einer Veranstaltung der CDU am 8.9.1946, st. N., S. 8, ACDP S. Ad.
Daß nach 12 Jahren Nationalsozialismus, einem solchen Kriege und all der Not, die seit dem Zusammenbruch über das deutsche Volk hereingebrochen ist, die Mehrheit des deutschen Volkes sich nicht radikalen Parteien zugewendet hat, spricht sehr stark für die guten Eigenschaften, die im deutschen Volke doch noch vorhanden sind. Ich bin überzeugt davon, wenn wir das tiefe Tal, in dem wir uns befinden (Hunger, Krankheiten, Kälte, Wohnungsnot, Mangel an Kleidung und Schuhwerk), glücklich überstehen, so wird das deutsche Volk geläutert, aber auch gestärkt aus dieser Prüfung hervorgehen und mit Recht Anwartschaft erheben darauf, in Europa und in der Welt geistig wieder mitsprechen zu können. Schreiben vom 10.12.1946 an Dr. Paul Silverberg, Lugano, StBKAH 07.03.
Deutschland besteht noch als Staat, und die bedingungslose Kapitulation ist nichts anderes als eine Art militärische Maßnahme, d.h. die nationalsozialistischen Oberbefehlshaber der Wehrmacht haben sich durch die bedingungslose Kapitulation verpflichtet, die Feindseligkeiten einzustellen, sich selbst, ihre Leute und das gesamte Kriegsgerät ohne jede Bedingung dem Feinde zu übergeben. Das ist der Inhalt, das Wesen einer bedingungslosen Kapitulation und nicht, was die Engländer daraus machen. Sie können machen, was sie wollen, sie haben kein Recht dazu! Das muß man immer wieder sagen. Eröffnung der Zonenausschußtagung der CDU der britischen Besatzungszone in Lippstadt am 17.12.1946, st. N., S. 14, ACDP S. Ad.
Der Friedensvertrag wird nach meiner Meinung noch nicht so bald kommen, und ich weiß nicht, ob es ein großes Unglück ist, wenn er noch nicht kommt. Je mehr der Haß abklingt in den anderen Ländern, je mehr die Erinnerungen an den Krieg und die nationalsozialistischen Greuel zurückliegen, desto besser wird der Friedensvertrag ausfallen. Denken Sie daran, wie ein Friedensvertrag ausgesehen haben würde, der dem deutschen Volke vor einem Jahr diktiert worden wäre. Er würde sicher härter aussehen als einer im nächsten Sommer. Die Zeit arbeitet da für uns, auch wenn dieser rechtlose Zustand noch weiter bleiben sollte. Eröffnung der Zonenausschußtagung der CDU der britischen Besatzungszone in Lippstadt am 17.12.1946, st. N., S. 14, ACDP S. Ad.
Die "Befreiung" ist eine grausame und harte Enttäuschung. Wenn nicht ein Wunder geschieht, geht das deutsche Volk zu Grunde, langsam aber sicher! Schreiben vom 18.1.1947 an William F. Sollmann, Pennsylvania, in der Weimarer Republik sozialdemokratischer Politiker und Publizist, StBKAH 07.03.
Daß Deutschland in hohem Maße den von ihm mit Krieg überzogenen Ländern Wiedergutmachung schuldig ist, darüber kann wohl kein Zweifel bestehen, aber ebenso ist es absolut richtig, daß ich nur dann von einer Kuh Milch bekommen kann, wenn die Kuh gesund ist und gut ernährt wird. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU am 13.4.1947, st. N., S. 6, ACDP S. Ad.
Ein Volk, das sein Recht verlangt und nichts als sein Recht und das in dieser Forderung sich selbst getreu verharrt, komme, was kommen mag, wird schließlich sein Recht erhalten. Der Forderung des Rechts kann sich auf die Dauer kein Land und kein Politiker und kein Volk entziehen. Auf dem 1. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 14.8.1947. Druck: Erster Zonenparteitag der CDU der britischen Zone, hrsg. v. Zonensekretariat der CDU, Köln o. J., S. 10.
Die Behandlung der früheren aktiven Offiziere hier in der britischen Zone ist ungerecht, ist falsch und ist im höchsten Maße im Hinblick auf die zukünftige politische Entwicklung bedauerlich. (Beifall.) Es geht nicht an, daß man Offiziere und Wehrmachtsbeamte, die ehrlich und anständig ihre Pflicht erfüllt haben, wie jeder britische, französische und amerikanische Offizier es getan hat, deswegen diffamiert. In Bonn auf einer Veranstaltung der CDU am 21.7.1948, st. N., S. 10f., StBKAH 02.04.
Aber immerhin sind diese 12 Jahre des Nationalsozialismus doch nur eine Episode in der vergangenen Geschichte des deutschen Volkes. Es ist wahr, durch den Nationalsozialismus hat sich gezeigt, welcher Abgründe die Menschen in Deutschland fähig waren, von denen man es niemals geglaubt hätte. Aber gilt das nur von deutschen Menschen? (Starker Beifall.) Ist die Welt, seitdem Hitler tot und der Nationalsozialismus verschwunden ist, gerecht, friedlich und ruhig geworden? (...) In der Schweiz ist ein Buch erschienen, das man allen maßgebenden Leuten in allen Ländern auf den Tisch wünschen möchte. Das Buch heißt: "Hitler in uns!" Auch in den ausländischen Leuten steckt ein Stück Hitler, und ja kein kleines Stück Hitler. Darum brauchen wir Deutschen nicht immer in Sack und Asche zu gehen und Buße zu tun (Beifall.), aber wir müssen uns bewußt sein, daß von Deutschland aus der Anfang gekommen ist. Wir müssen uns bewußt bleiben, daß wir daher eine große Verantwortung tragen beim Wiederaufbau sowohl von Deutschland wie von Europa. In Bonn auf einer Veranstaltung der CDU am 21.7.1948, st. N., S. 11f., StBKAH 02.04.
Deutschland war sonst immer in den Augen der ganzen Welt der Übeltäter, der alles verursachte, die Unsicherheit, die Kriege, die Aufrüstung usw. Ich stelle fest, daß bei dieser Kriegsfurcht, die jetzt herrschte und herrscht, bei diesen Aufrüstungen, die in einem Ausmaß vor sich gehen, wie sie niemals erhört worden sind, Deutschland völlig unbeteiligt und völlig unschuldig ist. (Starker Beifall.) Es scheint also doch, daß Deutschland - vielleicht war es früher auch schon einmal so - nicht der alleinige Übeltäter war (Sehr starker Beifall.), sondern es scheint so, als ob der nationalsozialistische Wahlspruch, daß Macht vor Recht geht, auch in anderen Ländern, vielleicht auch schon in der Vergangenheit, stark an der Führung gewesen ist. Ich hoffe, daß auch mancher nachdenkliche Politiker im Ausland aus der Entwicklung in der Welt, seitdem Deutschland aus dem Weltgeschehen aktiv ausgeschieden ist, milder über Deutschlands Rolle in der Welt denkt als bisher. Auf dem 2. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 28.8.1948. Druck: Neuaufbau auf christlichen Grundlagen. Zweiter Parteitag der CDU für die britische Zone, Opladen 1948, S. 11f.
Trotz aller Hilfe, die uns vom Ausland zuteilwird, seien wir uns über eines klar: Deutschland kann nur gerettet werden durch die Deutschen selbst. Wenn wir nicht alle Kraft daran setzen, wieder geistig, moralisch und wirtschaftlich in die Höhe zu kommen, dann wird Deutschland der Aufstieg nicht gelingen. In unserer Hand liegt unser Geschick. Was uns vom Ausland geboten wird, ist eine hilfreiche Hand, die wir gern und freudig ergreifen, aber wir müssen dann die Hauptsache selber tun. Auf dem 2. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 28.8.1948. Druck: Neuaufbau auf christlichen Grundlagen. Zweiter Parteitag der CDU für die britische Zone, Opladen 1948, S. 12.
Gegenüber manchen anderen Meinungen habe ich von Anfang an mit Entschiedenheit den Standpunkt vertreten, daß - solange es uns Rußland durch seine Politik unmöglich macht, eine Organisation ganz Deutschlands herbeizuführen - wir wenigstens den Teil Deutschlands, der nicht unter russischer Herrschaft steht, politisch neu organisieren müssen. Daher begrüße ich das Zusammentreten des Parlamentarischen Rates in Bonn am 1. September. Ich hoffe und wünsche, daß damit der Anfang einer guten politischen Entwicklung für die drei Westzonen gegeben ist. Ich bin der festen Überzeugung, daß wir nur dann den Osten wieder mit dem Westen zu einer Einheit verbinden können und werden, wenn wir wenigstens zunächst den Westen politisch und wirtschaftlich wieder erstarken lassen. Auf dem 2. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 28.8.1948. Druck: Neuaufbau auf christlichen Grundlagen. Zweiter Parteitag der CDU für die britische Zone, Opladen 1948, S. 12.
Wir wollen nicht Handelsobjekt sein zwischen anderen Mächten, sondern wir wollen einmal wieder in die Lage kommen, unser eigenes Leben nach eigenem Wollen leben zu dürfen. In Bonn auf einer Veranstaltung der CDU am 30.1.1949, st. N., S. 17, StBKAH 02.05.
Keine deutsche Regierung verdient ihren Namen zu Recht, die nicht für die deutsche Einheit eintritt. Aber es darf keine Einheit vom Osten her sein. Dann wäre Europa schwer bedroht. Westdeutschland muss darum schnell geschaffen werden. Das ist eine Angelegenheit, die im Wesentlichen in deutschen Händen selbst liegt. Aber Westdeutschland braucht einen festen Platz im System der westlichen Welt. Das gilt im gleichen Maße von der sich bildenden europäischen Union wie von dem Verhältnis zum Atlantik-Pakt. Westdeutschland kann nicht schutzlos zwischen den Fronten bleiben. Artikel unter der Überschrift "Im Zeichen des Fortschritts" für die holländische Zeitung "Elseviers Weekblad", zitiert nach Manuskript vom 30.4.1949, S. 3, StBKAH 02.02.
Um der historischen Wahrheit willen muß man davon sprechen, daß die Tragik des deutschen Volkes nicht erst 1945 mit der Kapitulation, die bedingungslos die gesamte militärische und staatliche Macht den Siegern übergab, begann, sondern 1933 mit der Machtergreifung Hitlers. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 13. Sitzung am 21.10.1949, S. 307f.
Zum Verständnis der ganzen Situation muss man sich zunächst einmal klar machen, welche Wandlungen das deutsche Volk seit 1918, also in knapp 33 Jahren, durchgemacht hat, welche tiefgehenden wirtschaftlichen und politischen Veränderungen und Zusammenbrüche sein Los gewesen sind. (...) Das Jahr 1918 brachte mit dem Verlust des Krieges den Zusammenbruch aller monarchischen Institutionen und der sonstigen sich auf die Tradition stützenden staatlichen Einrichtungen. Der Übergang zu einer demokratischen Staatsverfassung war zu plötzlich. Hinzu kam, dass infolge der Inflation gerade die Volksschichten, die am aufgeschlossensten für eine normale politische Entwicklung waren - die mittleren Schichten -verarmten, und zu einem erheblichen Teil proletarisiert wurden. Infolge des zu plötzlichen Übergangs zu einer demokratischen Verfassung und infolge der wirtschaftlichen Erschütterungen, die mit dem Ausgang des Krieges verbunden waren, zeigten sich in der Weimarer Republik schwere Mängel. Das Pendel schlug nunmehr nach der umgekehrten Seite aus und es kam der Nationalsozialismus. Der Nationalsozialismus tat alles Demokratische in Acht und Bann und errichtete ein undemokratisches, absolutes Regime von einer Intensität, einem Ausmaß, wie es in Deutschland vorher niemals gewesen war. Vor dem Ministerkomitee des Europarates in Straßburg am 3.8.1951, Redemanuskript, S. 2ff., vertraulich, StBKAH 02.09.
Der zweite Krieg, der zum völligen Zusammenbruch und zur Verwüstung großer Teile Deutschlands führte, hatte naturgemäß tiefgehende psychologische Einwirkungen. Alle staatlichen Autoritäten waren oder wurden vernichtet, nur die Gemeindeverwaltungen funktionierten einigermaßen. Die wirtschaftliche Depression, welche mit dem Zusammenbruch einsetzte, die ungeheuren Zerstörungen an Wohnraum und Arbeitsstätten, die Überbevölkerung, die eine Folge der Zerstörungen und der zwangsweisen Hineinpressung der Vertriebenen in das Gebiet der Bundesrepublik war, brachten psychologische Belastungen mit sich, denen das deutsche Volk, das durch den Krieg, die Bombenangriffe, den Hunger, die Menschenverluste schon aufs tiefste erschüttert war, psychologisch nicht mehr gewachsen sein konnte. Leider wurden die ersten Jahre nach dem Zusammenbruch von den siegreichen Mächten nicht so ausgenutzt, wie es notwendig und möglich gewesen wäre, um das deutsche Volk für das Aufgehen in den Westen zu gewinnen. Die Erholung des deutschen Volkes in körperlicher und wirtschaftlicher, aber auch in psychologischer Beziehung setzte erst 1947/48 ein. Sie dauert also erst wenige Jahre, und sie wurde dazu noch beeinträchtigt durch den immer stärker von Osten her einsetzenden psychologischen Druck. Wohl in keinem Lande ist die Unsicherheit, ja die Furcht vor der Zukunft so stark wie in Deutschland. Furcht vor der Zukunft macht aber eine ruhige Entwicklung und die Heilung des deutschen Volkes außerordentlich schwer. Vor dem Ministerkomitee des Europarates in Straßburg am 3.8.1951, Redemanuskript, S. 4ff., vertraulich, StBKAH 02.09.
Die Bundesrepublik liegt zur Zeit zwischen zwei großen Kolossen, auf der einen Seite der östliche, auf der anderen die Vereinigten Staaten mit dem, was dazu gehört, und wir liegen dazwischen unter einem Besatzungsstatut, das jeden Augenblick wieder in vollem Umfange in Kraft gesetzt werden kann, völlig entwaffnet, völlig wehrlos und unfrei. Und wenn Sie sich so mal die Situation Deutschlands vorstellen und sich dann die Frage vorlegen, was soll denn die Bundesrepublik in dieser Lage tun, dann gibt es eben drei Möglichkeiten: Erstens, wir bleiben dort, wo wir sind - wir lassen uns neutralisieren; zweite Möglichkeit: Wir schließen uns dem Osten an - und was das bedeuten würde, meine Freunde, brauche ich in diesem Kreise nicht zu sagen. Es genügt, daß ich darauf hinweise, daß es nach meiner Meinung der Untergang des deutschen Volkes sein würde, so wie wir uns das deutsche Volk denken. Wenn wir aber das verneinen, bleibt uns nichts anderes übrig, als daß wir uns dem Westen anschließen. Und es ist uns gelungen, den Westen daran zu interessieren, seine Anstrengungen mit unseren Anstrengungen zu vereinigen, um eine Wiedervereinigung in Freiheit herbeizuführen. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 14.6.1952, st. N., S. 17f., ACDP VII-001-019/10.
Wir waren immer isoliert, zum Teil sicher durch eigene Schuld. Eine gewisse Hybris, eine gewisse Selbstüberschätzung hat uns dazu gebracht, daß wir sagen: Wir haben es nicht nötig, uns nach Bundesgenossen umzusehen! Und diese Politik ist unser Verderb gewesen. Diese Politik hat zunächst unseren politischen Blick verengt, denn nur, wenn man in wirklicher politischer Gemeinschaft mit anderen Nationen lebt, erweitert sich der Blick auch für die politischen Verhältnisse und Notwendigkeiten der anderen Länder der Gemeinschaft. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 14.6.1952, st. N., S. 20, ACDP VII-001-019/10.
Deutschland ist um seiner Existenz willen absolut darauf angewiesen, aus seiner Isolierung und Wehrlosigkeit herauszukommen. Daß Deutschland nach unserer Lebensauffassung keinen Anschluß an den Osten suchen kann und darf, ist völlig klar. (Beifall.) Wir Deutsche gehören aus weltanschaulichen und kulturellen Gründen und aus unserer ganzen Lebensauffassung heraus zum Westen, und nur durch den Anschluß an den Westen kann unsere Isolierung und Wehrlosigkeit ein Ende finden. Auf dem 3. Bundesparteitag der CDU in Berlin am 18.10.1952, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU, Bonn o. J., S. 28.
Sowjetrußland wollte und will ganz Deutschland in irgendeiner Form in seine Hand bekommen, und es hat vielleicht zeitweise die Gefahr bestanden, daß ein Ausgleich der zwischen den vier Mächten entstandenen Spannungen auf Kosten und auf dem Rücken Deutschlands herbeigeführt werden würde. Ich sage Ihnen ganz offen, ich habe als Bundeskanzler zeitweise die sehr, sehr ernste Sorge gehabt, daß eine solche Lösung der Spannungen eintreten könnte. Für meine Politik war gerade die Beseitigung dieser Gefahr, die Gefahr der Überantwortung Deutschlands an Sowjetrußland, eines der stärksten Motive. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU am 2.11.1952, st. N., S. 7, StBKAH 02.10.
Entscheidend dafür, daß ein neuer guter Anfang gemacht werden konnte, war der außerordentliche Lebenswille des deutschen Volkes, das nicht untergehen wollte, waren die Anstrengungen in allen Teilen und Schichten der Bevölkerung. Wer die Jahre nach 1945 in Deutschland miterlebt hat, hat einen starken Beweis von dem Leistungsvermögen des deutschen Volkes bekommen. Artikel unter der Überschrift "Deutschland und Europa" ("Germany and Europe") in der amerikanischen Zeitschrift "Foreign Affairs", erschienen im April 1953, Nr. 3, 31. Jg., S. 361-366, zitiert nach Bulletin Nr. 61/53, S. 513.
Nach der Katastrophe des Jahres 1945 mußte es für jede deutsche Regierung die erste Aufgabe sein, Deutschland wieder einen angesehenen Platz in der Gemeinschaft der Völker zu erringen. Das konnte nur dadurch geschehen, daß alles darangesetzt wurde, Deutschland aus Besatzung und Besatzungsrecht herauszulösen, es aus dem Objekt fremden Willens zum Subjekt eigener politischer Entscheidungen zu machen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 278. Sitzung am 1.7.1953, S. 13871.
Bismarck hat in seinen Memoiren geschrieben, wie ihn immer wieder der Gedanke an die Isolierung Deutschlands verfolgt hat. Die Isolierung hat das Deutsche Reich, als es die stärkste Militärmacht der Welt war, in den Krieg von 1914/18 geführt, der es zum ersten Mal von der stolzen Höhe, auf der es stand, heruntergeworfen hat. Und nun wir! Kann denn irgendeiner davon träumen, daß wir besetzt, entwaffnet, jederzeit in der wirtschaftlichen Hand unserer früheren Gegner, daß wir etwa in der Lage wären, allein für uns eine entscheidende Rolle in der europäischen oder in der Weltgeschichte zu spielen? Das ist geradezu sinnlos, das ist Torheit, und darum müssen wir - und das wird auch das Ziel unserer künftigen Politik im Bundestag sein - sorgen, daß unser Deutschland Freunde bekommt, und zwar die Freunde der freien Welt. In Dortmund auf einer Veranstaltung der CDU am 26.7.1953, Auszüge aus der Rede, S. 16, StBKAH 16.12.
Die Aufgaben, die sich der Bundesregierung und ihren Mitarbeitern mit der staatlichen Neuordnung nach einem Zusammenbruch bisher ungekannten Ausmaßes stellten, sind geschichtlich einmalig. Schreiben vom 1.10.1953 an Dr. Otto Lenz, Staatssekretär im Bundeskanzleramt 1951-1953, ACDP NL Lenz I-172-058/2.
Voraussetzung für die Herstellung der völkerrechtlichen Unabhängigkeit der Bundesrepublik ist das Inkrafttreten des Deutschlandvertrages. Die Bedeutung dieses Vertrages liegt in der Beendigung des Besatzungsregimes, der grundsätzlichen Wiedererlangung der deutschen Souveränität, der vertraglichen Verpflichtung der Westmächte, an der Wiedervereinigung Deutschlands mitzuwirken unter Ausschaltung der Möglichkeit einer Einigung der Westalliierten mit der Sowjetunion auf Kosten Deutschlands. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 3. Sitzung am 20.10.1953, S. 19.
Deutschland ist auf seine Nachbarn angewiesen. Es kann sich gegen die drohenden Gefahren nicht allein verteidigen und behaupten, es kann aber auch seine wirtschaftlichen Kräfte nicht entfalten ohne enge Zusammenarbeit mit den freien Völkern der Welt. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 26. Sitzung am 29.4.1954, S. 1076.
Wir leben in einer verwirrten Zeit, alle möglichen Veränderungen sind eingetreten auf politischem, wirtschaftlichem, sozialem und geistigem Gebiete. Es bereiten sich noch weitere Änderungen in der Welt vor. Da müssen wir uns darüber klar sein, daß dieses Deutschland mit seinen rund 68 Millionen Einwohnern - ich nehme die 18 Millionen jenseits des Sperrgürtels mit hinzu - (Sehr starker, langanhaltender Beifall, zu Ovationen übergehend.) mitten - ich betone nochmals mitten wegen unserer zentralen Lage in Europa - eingebettet ist in das ganze ungeheure Geschehen dieser Tage und Jahre.
Wenn man sich das immer vor Augen hält, dann bewahrt man sich einmal davor, Tagesereignisse zu hoch einzuschätzen, auch Tageserfolge zu hoch einzuschätzen. (...)
Auf dem 5. Bundesparteitag der CDU in Köln am 28.5.1954, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 164.
Das Jahr 1950 - man kann jetzt davon sprechen - war wohl mit eine der gefährlichsten Zeiten für das deutsche Volk. Denn damals drohte die Gefahr, daß eine Verständigung zwischen den beiden Seiten, den Sowjets auf der einen Seite und den drei anderen auf der anderen Seite, erfolgen würde auf dem Rücken des deutschen Volkes. Deswegen war unsere Politik und mußte unsere Politik sein, auf jede mögliche Weise Anschluß zu finden, Verbindung zu finden mit dem Westen, damit der Westen uns kennenlernte, damit der Westen Verbindung zu uns bekam, damit wir dem Westen ein Partner würden, auf dessen Gewinnung er Wert legen müßte, auch im eigenen Interesse. Wir mußten alles tun, daß wir nicht verhökert würden. Denken Sie auch daran, daß damals noch das Potsdamer Abkommen als die Grundlage der vier Siegermächte galt. In Solingen auf einer Veranstaltung der CDU am 23.6.1954, st. N., S. 11, StBKAH 02.12.
Wichtig ist, daß es gelungen ist, den nach dem Zusammenbruch der hitlerischen Gewaltherrschaft verzweifelten und hungernden Menschen Westdeutschlands wieder normale Lebensbedingungen zu schaffen und Deutschland zu einem Mitglied der westlichen Völkergemeinschaft zu machen. Interview mit Hugh Baillie (United Press), zitiert nach Bulletin Nr. 203/54 vom 27.10.1954, S. 1806.
Unsere Politik seit dem Jahre 1949 hat im Wesentlichen beruht auf Mäßigung, auf Klarheit und Folgerichtigkeit der Konzeption, auf Geduld, und ein besiegtes Volk muß Geduld haben. Und weiter hat unsere Politik darauf beruht, daß wir versucht haben, uns Freunde zu gewinnen. In Bayreuth auf einer Veranstaltung der CSU am 24.11.1954, st. N., S. 5, StBKAH 02.12.
Je mehr Freunde wir in der Welt haben, desto besser ist es für uns und die ganze Welt. In München auf einer Veranstaltung der CSU am 25.11.1954, st. N., S. 13, StBKAH 02.12.
Die Früchte reifen nicht am Tage nach der Saat. Ehe die Früchte reifen einer solchen Politik, muß eine gewisse Zeit ins Land gehen, damit das, was in der Vergangenheit geschehen ist, aus dem Gedächtnis der Menschen zurücktritt und damit die anderen sehen, daß es uns ernst ist mit der Politik, die wir vertreten. In Augsburg auf einer Veranstaltung der CSU am 26.11.1954, st. N., S. 8, StBKAH 02.12.
Deutschland ist durch seine geographische Lage, durch die Kraft und Intelligenz, das Potential seiner Bevölkerung, durch seine wirtschaftliche Macht mitten in dies Weltgeschehen hineingestellt und mit ihm unlöslich verbunden. Seine geographische Lage hat Deutschland schon seit Jahrhunderten, besonders in den letzten 150 Jahren, zu einem bestimmten Faktor geschichtlichen Geschehens gemacht. Diese schicksalhafte Bedeutung ist Deutschland verblieben trotz seiner Niederlage, trotz seines Zusammenbruchs und trotz der Veränderung der ganzen Weltlage. Man mag das begrüßen, man mag es beklagen. An der Tatsache selbst vorbeizugehen, die Augen vor ihr zu verschließen, zu glauben, daß es für Deutschland ein politisch und wirtschaftlich isoliertes Dasein gebe, ungestört von den Spannungen und Auseinandersetzungen in der Welt, das ist aus realen Gründen unmöglich, das ist ein Wunschtraum, eine Illusion. Das heißt: Deutschland nicht aus dem Weltgeschehen heraushalten, sondern Deutschland als Objekt mitten in dieses Weltgeschehen hineinstoßen. Im BR in der Sendereihe "Politik aus erster Hand" am 3.7.1957, Bulletin Nr. 120/57, S. 1134.
Ich muß Ihnen in aller Offenheit sagen - ich bin ja dafür bekannt, daß ich kein Nationalist bin -, daß ich manchmal geradezu bestürzt darüber bin, wie wenig Nationalgefühl das deutsche Volk hat. (Beifall.) Ohne Nationalgefühl aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, kann ein Volk auch in der heutigen Welt, in der die kleinen europäischen Länder und Völker sich zusammenschließen, einfach nicht bestehen. Rede anläßlich der Vollversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks in Bad Godesberg am 7.7.1960, st. N., S. 3, StBKAH 02.22.
Wir haben doch auch eine reiche und große und ehrenvolle Geschichte. (...) Die haben wir doch! Man muß nun nicht nur die letzten 30 Jahre nehmen. Natürlich muß man das ruhig zugeben, daß da große Verbrechen begangen worden sind. Oder nehmen Sie Cromwell in der englischen Geschichte! Was hat der denn gemacht? Wahrhaftig war das auch kein Tugendbold, das kann man nicht behaupten. (...) Oder wie sind die Engländer mit den Iren umgegangen! Und trotzdem ist England ein großes Volk. Oder nehmen Sie Frankreich, die Französische Revolution! Ja, das war doch auch eigentlich nicht das, was man sich erträumt hatte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. (...) Und trotzdem ist Frankreich ein großes Land, und die Franzosen sind ein großes Volk. Interview mit George Bailey ("The Reporter") am 14.11.1960, st. N., S. 3f., StBKAH 02.22.
Es gibt keine Kollektivschuld! Ich habe ja die ganze Zeit hier durchlebt, ich bin mehrfach im Gefängnis gewesen und war im Konzentrationslager, ich stand dauernd unter Aufsicht der Nationalsozialisten; ein wahres Wunder ist es, daß ich überhaupt noch lebe. Also eine Kollektivschuld gibt es nicht, das ist nicht wahr! Eine Kollektivscham - das ist wahr und nicht wahr. Natürlich, ich schäme mich der Zeiten und schäme mich, daß so etwas bei uns vorgekommen ist. Aber ich glaube, in der amerikanischen Geschichte hat es auch bei den Sezessionskriegen oder nachher in dem Krieg zwischen den Nord- und den Südstaaten schwere Sachen gegeben. Interview mit George Bailey ("The Reporter") am 14.11.1960, st. N., S. 4, StBKAH 02.22.
Durch den Nationalsozialismus, durch den Krieg, durch die Zerstörungen der Wohnungen, durch die Zerstörung und die Demontage unserer Industrien stand unser Volk in Gefahr, der Lethargie und dem Kommunismus, der uns vom Osten her zu unterminieren versuchte, zu verfallen. Unser Volk bedurfte der zielbewußten Aufbauarbeit. Zielbewußte Arbeit ist das beste, ja, vielleicht das einzige Mittel, um ein zu Boden gestrecktes, aus tausend Wunden blutendes Volk wieder aufzurichten, ihm innere Stärke und Selbstbewußtsein, einen klaren Blick für die Realität der Dinge zu geben und damit auch die Kraft zur geistigen Regeneration und zum geistigen Aufbau. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 39. Sitzung am 9.10.1962, S. 1633.
Wenn wir das deutsche Volk bewahren wollten vor dem Anheimfallen an den Kommunismus, dann mußten wir es bewahren vor der Hoffnungslosigkeit, dann mußten wir auch eintreten in den Kreis der Völker, die die Freiheit in der Welt retten wollten. Wir konnten aber nur erwarten, in diesen Kreis aufgenommen zu werden, wenn wir durch unsere Aufbauleistungen zeigten, daß wir ein innerlich gesundes Volk sind, und wenn wir den Teil der gemeinsamen Verteidigung auf uns nahmen, den man billigerweise von uns verlangen konnte. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 39. Sitzung am 9.10.1962, S. 1633.
Wir haben es in jahrelanger, zäher, geduldiger Arbeit erreicht, dass das deutsche Volk in der Welt wieder glaubwürdig und vertrauenswürdig geworden ist. Dieses Vertrauen auf allen Gebieten ist für die deutsche Politik ein großes Kapital. Die Gemeinschaft mit der freien westlichen Welt muss gefestigt und unerschütterlich erhalten werden, auch wenn hie und da natürliche Meinungsverschiedenheiten auftauchen. Nur durch diesen Zusammenhalt sichern wir das Leben und die Freiheit auch des deutschen Volkes und stärken den Frieden in der Welt. Interview mit dem Dienst mittlerer Tageszeitungen (Dimitag), schriftliche Fassung vom 11.10.1963, zu Frage 3, StBKAH 02.32.
Stetigkeit in der Politik ist das große Geheimnis des Erfolges der Bundesrepublik. Denken Sie bitte daran, welches Vertrauen wir beim Zusammenbruch Deutschlands in der Welt genossen! Denken Sie bitte daran, wie verhaßt wir waren und wie kein Mensch in der Welt uns traute. Vertrauen, meine Freunde, ist eine kostbare Gabe; aber sie fällt keinem in den Schoß; sie muß erworben werden, geduldig erworben werden! Auf dem 12. Bundesparteitag der CDU in Hannover am 15.3.1964, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 27.
Ein Volk muß stetig sein. Ein unstetes Volk, ein Volk, dessen Politik hin- und herschwankt, steht allein da, es ist kein Verlaß auf dieses Volk, es hat keine Freunde. Und wir, unser Volk, wir in unserer schwierigen Lage, wir brauchen Freunde in der Welt, sonst sind wir verloren. Gegenüber Anneliese Poppinga im Februar 1967. Druck: Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer, a. a. O., S. 349.