Ich hoffe, daß in nicht zu ferner Zukunft die Vereinigten Staaten von Europa, zu denen Deutschland gehören würde, geschaffen werden, und daß dann Europa, dieser so oft von Kriegen durchtobte Erdteil, die Segnungen eines dauernden Friedens genießen wird. Rede über den NWDR am 6.3.1946. Druck: Balduin Pick, Köln, o. J., 0. S.
Europa ist nur möglich, wenn eine Gemeinschaft der europäischen Volker wiederhergestellt wird, in der jedes Volk seinen unersetzlichen, unvertretbaren Beitrag zur europäischen Wirtschaft und Kultur, zum abendländischen Denken, Dichten und Gestalten liefert. Wir hoffen, daß einmal wieder auch der deutsche Geist im Chor der Völker seine Stimme erheben wird. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J.. S. 22.
Ich bin Deutscher und bleibe Deutscher, aber ich war auch immer Europäer und habe als solcher gefühlt. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU der britischen Besatzungszone am 24.3.1946. Druck: Schriftenreihe der CDU des Rheinlandes, H. 8, Köln o. J., S. 23.
Als Endziel muß uns vorschweben, daß eines Tages die Vereinigten Staaten von Europa entstehen. In Wuppertal/Elberfeld auf einer Veranstaltung der CDU am 5.5.1946, st. N., S. 19, ACDP S. Ad.
Ich betone allerdings in einer Verflechtung - Verflechtung bedeutet geben und nehmen -, nicht so, daß der eine Partner, das sind wir, lediglich gibt und lediglich arbeitet, nein, es muß ein gegenseitiges Geben und ein gegenseitiges Nehmen sein. Eine solch wirtschaftliche Verflechtung gibt persönliche Annäherung, gibt kulturelle Annäherung, gibt politische Annäherung. Deswegen sollte man diesen Schritt tun. Auf der Zonentagung der Jungen Union in Recklinghausen am 4.8.1946. Druck: Schriftenreihe der Jungen Union, H. 1, Heider Druck, Bergisch Gladbach 1946, S. 12.
Von der Lösung der deutschen Frage ist das Schicksal Europas abhängig. Das Geschick Deutschlands ist auch das Geschick Europas. Auf dem 1. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 14.8.1947 Druck: Erster Zonenparteitag der CDU der britischen Zone, hrsg. v. Zonensekretariat der CDU, Köln o. J., S. 18.
Die Rettung Deutschlands und die Rettung Europas sind identisch. In Bonn auf einer Veranstaltung der CDU am 21.7.1948, st. N., S. 12, StBKAH 02.04.
Der Schumanvertrag ist der Beginn einer neuen Epoche. Zum ersten Mal in der Geschichte haben sich sechs europäische Nationen zu einer supranationalen Gemeinschaft verbunden. Europa, bis jetzt nur ein geographischer Begriff, wird nunmehr ein politischer Faktor, hinter dem ein politischer Wille und eine politische Kraft stehen. Deutschland hat durch seine Mitwirkung beim Zustandekommen des Schumanplanes an hervorragender Stelle mitgeholfen, diesen politischen Faktor Europa zu schaffen, und Deutschland ist vollberechtigtes Mitglied in dieser werdenden Einheit. Ansprache aus Straßburg über die deutschen Rundfunksender am 4.5.1951, „Mitteilung an die Presse“ des BPA Nr 357/51, S. 2.
Die politische Integration Europas ist nicht eine alleinige Angelegenheit zwischen Frankreich und Deutschland. Sicher ist die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland, eine dauernde Verständigung, eine Voraussetzung dieser Integration Europas. Aber Integration Europas, das ist etwas viel größeres und weiteres. Dazu gehören auch außer Frankreich und Deutschland Italien, die Beneluxländer, Österreich, und wenn irgendwie möglich, auch die nordischen Länder und England. Und diese Integration Europas muß erreicht werden, wenn wir die abendländische Kultur und das christliche Europa retten wollen. Die Integration Europas ist die einzige mögliche Rettung des christlichen Abendlandes. Rede vor den NEI in Bad Ems am 14.9.1951, st. N., S. 10 f., StBKAH 16.08.
Ein geeintes Europa wäre auch dann eine zwingende Notwendigkeit, wenn es überhaupt keine sowjetische Gefahr gäbe. Die Schaffung Europas ist die Aufgabe, die unser Zeitalter uns Europäern gestellt hat. Sie zu lösen, geht uns alle gleichermaßen an, ohne Rücksicht darauf, welche Sprache wir sprechen, ganz besonders aber uns Deutsche und Franzosen, weil unsere Völker am schwersten an der Geschichte tragen. Artikel unter der Überschrift „Unsere beiden Völker“ zum Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich in Die Zeit vom 26.6.1952, Nr.26 , 7 Jg.
Die Vereinigung Europas wird der Sowjet-Union, deren Ziel es ja ist, ganz Europa zu beherrschen, klar machen, daß sie dieses Ziel nicht mehr erreichen kann, und dann wird auch die Sowjet-Union bereit sein zu einer Überprüfung ihrer europäischen Politik, und dann wird auch der Zeitpunkt gekommen sein zu Verhandlungen, um die ganzen Spannungen ohne heißen Krieg zu beenden. Ansprache auf der Schlußkundgebung der Tagung der Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands in Bamberg am 20.7.1952, Bulletin Nr. 95/52, S. 936.
Kein europäisches Volk ist allein in der Lage, sich militärisch zu schützen oder wirtschaftlich zu entwickeln. Bestünde man darauf, in der heutigen Welt die traditionellen Begriffe des Nationalismus hochzuhalten, so bedeutete dies die Aufgabe Europas. Rede in Washington vor dem National Press Club am 8.4.1953, Rückübersetzung aus dem Englischen, S. 11, StBKAH 02.11.
Die Staatsmänner und Politiker aller europäischer Staaten müssen Abschied nehmen von Illusionen, sie dürfen nicht rückwärts sehen, sich freuen an der Erinnerung vergangener Macht, sie müssen die Dinge sehen, wie sie jetzt sind, und sie müssen in die Zukunft sehen. Ansprache vor der Association de la Presse Diplomatique Française und der Association de La Presse Étrangère in Paris am 11.12.1953, Bulletin Nr. 238/53, S. 3973 f.
Die abendländische Völkergemeinschaft, die Josef Görres und Constantin Frantz vorschwebte, die Zusammenarbeit der Mächte bei der Lösung zivilisatorischer Aufgaben, die Otto von Bismarck anstrebte, die praktische Lehre, die Aristide Briand und Gustav Stresemann aus der ersten und Winston Churchill aus der zweiten Weltkriegskatastrophe zogen, sie alle waren Wegweiser zu den ersten Zusammenschlüssen in unseren Tagen. So entstand das Kerneuropa der sechs Länder, das das geringschätzige Schmähwort ‚Klein-Europa’ nicht verdient. Der heutige Zusammenschluß birgt in sich die Größe und den Reichtum des europäischen Gedankens und wird künftig eine magnetische Anziehungskraft ausüben. Die Zeit des Nationalstaates ist vorüber. Wir haben nur zwischen Untergang und Einigung zu wählen. Artikel unter der Überschrift „Einigung Deutschlands - Einigung Europas“, Bulletin Nr. 69/55 vorn 14.4.1955, S. 569.
Die Verwirklichung der Europäischen Integration darf nicht unmöglich gemacht werden durch eine Krankheit unserer Zeit, den Perfektionismus. Die Europäische Integration darf nicht starr sein, sie muß so dehnbar und so elastisch sein wie eben möglich. Sie darf kein einschnürender Panzer sein für die europäischen Völker, sie muß vielmehr ihnen und ihrer Entwicklung ein gemeinsamer Halt, eine gemeinsame Stütze für eine gesunde, den berechtigten Eigenheiten eines jeden einzelnen entsprechende Entwicklung sein. Rede vor den Grandes Conferences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1728.
Ob die europäische Kultur ihre führende Stellung behalten wird? Ich glaube nicht, wenn wir sie nicht verteidigen und den neueren Verhältnissen entsprechend entwickeln, denn auch Kulturen sind, wie die Geschichte zeigt, gefährdet. Rede vor den Grandes Conferences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1728.
Europas Geschick ist das Geschick eines jeden europäischen Staates. Rede vor den Grandes Conferences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1728.
Der Weg, der vor uns liegt, wird nicht leicht sein. Er erfordert Härte gegen uns selbst, gute Nerven und ein Politik, die sich jeder Lage, ungeachtet der Schwierigkeit der anstehenden Probleme, elastisch anzupassen vermag. Rede aus Anlaß der ersten Tagung der Europäischen Kulturstiftung in Amsterdam am 23.11.1957, Bulletin Nr. 219/57, S. 2024.
Der wirtschaftliche Zusammenschluß wird, so hoffen wir, auch politische Folgen nach sich ziehen. Das Ziel muß sein, die Schaffung eines europäischen Parlaments durch direkte geheime Wahlen. Ich bin mir klar, daß diese Entwicklung Zeit braucht. Das Ziel selbst aber müssen wir, auch wenn Jahre dahingehen sollten, bis wir es erreicht haben, unverrückt im Auge behalten. Rundfunkansprache am 15.1.1958, Bulletin Nr. 11/58, S. 86.
Der Gemeinsame Markt muß betrachtet werden nicht in erster Linie als ein wirtschaftlicher Vertrag, sondern als ein politisches Instrument. Er muß im Zusammenhang betrachtet werden mit dem Europarat, der Montanunion und Euratom, kurz und gut, es handelt sich hier um eine Reihe von politischen Fakten. Die EWG ist in der Hauptsache ein politischer Vertrag, der bezweckt, auf dem Wege über die Gemeinsamkeit der Wirtschaft zu einer politischen Integration Europas zu kommen. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 9.11.1959, st. N., S. 4 f., ACDP VII-001-008/3.
Die politische Union, die uns von Anfang an als Ziel vor Augen stand, kann sich nur sehr langsam entwickeln. Die einzelnen Völker müssen sich noch aneinander gewöhnen. Die politische Einigung kann nur Schritt für Schritt erzielt werden. Die Deutschen sind Deutsche, die Franzosen Franzosen, die Niederländer Niederländer. Jeder will sein Vaterland behalten mit seiner Kultur, Geschichte und Sprache. Keiner kann verlangen, daß die berechtigte Eigenart aufgegeben wird. Man muß empirisch und behutsam vorgehen. Interview mit Georg Schröder für Die Welt, erschienen am 18.5.1962, Nr 115, 17. Jg.
Ich vertrete den Standpunkt, man solle mit der politischen Union anfangen. Wenn nicht alle sechs es tun, nun, dann tun es drei; dann kommen die anderen schon nach. Aber man sollte anfangen. Informationsgespräch mit Frank H. Bartholomew und Thomas Raphael Curren (United Press International) am 8.6.1962, st. N., S. 5, ACDP NL von Eckardt 1-010-002/2.
Der Anfang muß getan werden, die Entwicklung kommt dann von selbst. Ich wäre schon zufrieden, wenn die Staatschefs mehrere Male im Jahre zusammenkommen würden, um die ganzen politischen Fragen durchzusprechen, wenn die Außenminister mehrere Male im Jahre zusammenkämen, um das alles durchzusprechen, und die Minister für Kulturfragen und die für Sozialfragen. Informationsgespräch mit Frank H. Bartholomew und Thomas Raphael Curren (United Press International) am 8.6.1962, st. N.. S. 6, ACDP NL von Eckardt 1-010-002/2.
Die zentrale Stellung des Menschen in der abendländischen Philosophie und Theologie scheint mir der eigentliche Kern der europäischen Kultur in allen ihren Ausdrucksformen zu sein. Daran sollten wir stets denken, wenn wir uns heute bemühen, tragfähige Grundlagen für die Zukunft der europäischen Völker zu bauen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß nicht allein der technische Fortschritt und der materielle Gewinn das Wesentliche sind. Daß nicht nur die totalitäre Ideologie, nicht nur die furchtbare Zerstörungsgewalt der modernen Waffen den Menschen von heute lähmen und beunruhigen. Vielmehr glaube ich, daß die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Geschichte immer noch die tiefste Sorge und das größte Anliegen des Menschen unserer Zeit ist. Ansprache vor dem Pariser Stadtrat am 4.7.1962, Bulletin Nr. 121/62, S. 1050.
Die wirtschaftliche Einigung Europas, so wertvoll sie ist, genügt aber nicht. Vielmehr ist es notwendig, daß Europa seine Politik in den lebenswichtigen Fragen, d.h. vor allem seine Außenpolitik, stärker koordiniert und einheitlich zur Geltung bringt. Das ist der Grundgedanke des Projekts eines Bundes Europäischer Staaten, durch den die bereits bestehende Zusammenarbeit auf politischem Gebiet in eine festere Form gebracht wird. Alle sechs Länder stimmen darin überein, daß die europäische Politik nachdrücklich weitergeführt werden muß, und daß die Verhandlungen über die Europäische Politische Union möglichst noch in diesem Jahr zum Abschluß gebracht werden müssen. Jede Verzögerung in den europäischen Einigungsbestrebungen würde die Dynamik unserer politischen Entwicklung lähmen und die Hoffnung der Sowjetunion auf eine Spaltung der freien Welt nähren. Der geplante Bund Europäischer Staaten wird zunächst noch eine verhältnismäßig lockere Struktur aufweisen. Wir sind uns aber schon jetzt darüber im klaren, daß die Form der politischen Zusammenarbeit im Laufe der kommenden Jahre ständig enger werden muß. Artikel unter der Überschrift „Das deutsche Problem, ein Weltproblem“ („The German problem, a world problem“) in der amerikanischen Zeitschrift Foreign Affairs, erschienen im Oktober 1962, Nr. 1, 41. Jg, S. 59-65, zitiert nach Bulletin Nr. 176/62, S. 1490.
Wir sollten in der weiteren Arbeit für Europa nicht dogmatisch, sondern pragmatisch vorgehen. Interview mit John M. Hightower (Associated Press) am 1.7.1963, schriftliche Fassung, S. 4, StBKAH 02.31.
Es ist da einerlei, ob wir bei der Einigung Europas mit einer Föderation oder einer Konföderation anfangen. Ich will Ihnen ganz offen sagen: Für mich ist die Hauptsache, daß etwas geschieht. Vor dem Industrieclub und dem Deutsch- französischen Kreis in Düsseldorf am 23.6.1964, st. N., S. 21, StBKAH 02.33.
Deutschlands Standort ist Europa. Ein Europa, in dem Deutschland gleichberechtigt mit den anderen europäischen Nationen an der gemeinsamen Aufgabe mitarbeitet. Erst wenn die europäische Einigung verwirklicht ist, werden aus ihr geistige und materielle Kräfte erwachsen, die seine Sicherheit verbürgen und seinen alten Glanz wiedererstehen lassen. Interview mit dem griechischen Rundfunk 7.7.1954, in: "Bulletin".
Die Supermächte können über den Widerspruch eines einzelnen europäischen Landes hinweggehen. Die Stimme eines geeinten Europas muß von ihnen auch im eigenen Interesse beachtet werden. Rede im Ateneo, Madrid 16.2.1967, Stenogramm.
Wir Europäer müssen uns aus der Enge und Kleinheit Europas herausdenken. Wenn man die gewaltige Landmasse Amerikas sich vergegenwärtigt, wenn man dann die unendliche Wassermasse des Pazifischen Ozeans sieht, diese ungeheuren Räume, und dann auf Ostasien stößt, auf die Japaner, auf die Chinesen, dann wird einem sehr klar, daß das, was dort geschieht, auf uns zurückwirkt. Wir müssen dafür einen offenen Blick haben, daß wir uns an diese Weite und an die trotzdem vorhandene enge Verbundenheit der Kontinente gewöhnen müssen, um eine richtige Politik treiben zu können. Im Gespräch während der Weltreise 1960, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Die Gefahr, in der die europäischen Völker schweben, wird klar, wenn man die Verteilung der Macht auf der Erde prüft und dabei feststellen muß, mit welcher Schnelligkeit der Verlust der europäischen Länder an Macht schon fortgeschritten ist. Rede im Ateneo, Madrid 16.2.1967, Stenogramm.
Die körperliche und geistige Arbeit, die in Europa geleistet wird, ist für das Gedeihen und die Entwicklung der gesamten Welt unentbehrlich. Rede im Ateneo, Madrid 16.2.1967, Stenogramm.
Fragen wir uns nach dem Umfang des europäischen Einflusses in der Welt, so ist die Machtminderung der europäischen Länder eine Tatsache, an der wir nicht vorübergehen können. Rede vor der Europäischen Kulturstiftung 12.11.1957, in: "Bulletin".
Die Grundlage unserer ganzen außenpolitischen Existenz ist und bleibt der europäische Integrationsprozeß. Brief an Heinrich Krone 19.5.1959, Archiv CDU/CSU-Fraktion.
Der Zwang zu einer europäischen Vereinigung ist nicht ein Schicksal, das Europa erleidet. Es ist vielmehr ein schöpferischer Impuls, der der Größe der europäischen Tradition würdig ist. Vor der beratenden Versammlung des Europarates, 10.12.1951, Protokoll.
Es ist ein Grundgedanke der europäischen Integration, daß die Gemeinschaft der europäischen Völker sich in Frieden und Freiheit nur entwickeln kann, wenn zwischen ihnen auch wirtschaftlich eine enge Zusammenarbeit stattfindet und dadurch die Existenzbedingungen und die soziale Lage der europäischen Menschen entscheidend und dauerhaft verbessert werden. Vor dem Deutschen Bundestag 29.4.1954, Protokoll.
Man mußte sich auch darüber klar sein, daß Europa über zu wenig Rohstoffe verfügte. In den überseeischen Gebieten waren diese vorhanden. Sie konnten aber dort nicht genützt werden, weil diese Gebiete nicht die notwendigen technischen Einrichtungen zur Verfügung stellen, um diese Rohstoffe nutzbar zu machen. Rede am 25.3.1957 in Rom, in: "Bulletin".
Das eine ist, wir müssen alles tun, damit Amerika Europa nicht aufgibt. Und auf der anderen Seite: wir müssen alles tun, damit die Einigung Europas vorankommt. Das ist die große Aufgabe, die wir Europäer haben. Gespräch im Februar 1965, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Die Russen wollen die USA aus Europa heraushaben, die sehen weit in die Zukunft, die berechnen kühl. Und haben einen ganz festen entschlossenen Willen: Westeuropa in ihr Kielwasser zu bekommen, das ist ihr Ziel. So und ähnlich in Reden seit 1953, zuletzt 1967, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Die Gefahr für Europa, die aus dem Fernen Osten herüberleuchtet, ist wahrscheinlich viel näher, als die meisten von uns glauben. Rede in Madrid 16.2.1967, Stenogramm.
Wenn alle Freunde der Freiheit in der Welt und insbesondere die Freunde der Freiheit hier in Europa ihre Pflicht tun, dann wird die Freiheit nicht untergehen, dann wird ihre Fackel brennen und leuchten in der Welt. Auf dem 6. Ordentlichen Kongreß der FILDIR, 26.10.1960. Bulletin 206/60.
Mit einem totalitären Staat kann man nun einmal nicht sprechen wie mit einem lieben, guten Bruder. Ein totalitärer Staat versteht nur eines: Er hört nur dann, wenn der, mit dem man spricht, auch Macht hat. Und diese Macht muß sich Europa verschaffen. Schlußkundgebung der Tagung "Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands", Bamberg, 20.7.1952. Bulletin 95/52.
Alles Große, meine Damen und Herren, ist ein Wagnis. (Sehr gut! in der Mitte und rechts.) Auch die Gründung eines neuen Europas ist kein risikofreies Unternehmen. Regierungserklärung, 9.1.1952. Bulletin 4/52.
Die erste Periode der europäischen Integration ist beendet. Sie hatte ja zum Gegenstand, dafür zu sorgen, daß niemals mehr zwischen europäischen Völkern ein Krieg ausbrechen dürfe. Ich glaube, das gemeinsame Gefühl, das in Europa entstanden ist, und von dem der heutige Tag ein so ausgezeichnetes Zeugnis gibt, ist so stark, daß an einen Krieg zwischen europäischen Völkern überhaupt nicht mehr zu denken ist.
Die zweite Periode der europäischen Integration hat zum Ziele, dafür zu sorgen, daß Europa und die europäischen Länder ihren Wert, ihre Bedeutung und ihre Geltung in der Welt behalten.
Presseerklärung nach Besprechung mit dem französischen Ministerpräsidenten Mollet in Bonn. 29.9.1956. Bulletin 185/56.
Man muß auf das große Ziel sehen, auf das wir mit der Unterzeichnung der Verträge zum Gemeinsamen Markt hinsteuern. Dieses große Ziel ist die Einigung Europas. (...) Ich betone, daß in der heutigen Zeit der Entstehung großräumiger Volkswirtschaften, weitreichender Verkehrsverbindungen und des technischen Fortschritts die Schaffung von wirtschaftlichen Großräumen auch für die europäischen Länder eine gebieterische Notwendigkeit ist. Interview im Hessischen Rundfunk, 10.4.1957. Bulletin 71/57.
Die Frage des Einflusses der europäischen Länder ist im großen und ganzen dem Einfluß Gesamteuropas gleichzusetzen. Fragen wir uns aber nach dem Umfang des europäischen Einflusses in der Welt, so ist die Machtminderung der europäischen Länder nun einmal eine Tatsache, an der wir nicht vorübergehen können. (...) Ich bin mir bewußt, daß für diese veränderte Stellung Europas in der Welt auch Ursachen verantwortlich gemacht werden müssen, die unserer unmittelbaren Einwirkung nicht mehr unterliegen. Unsere Zeit steht nun einmal im Zeichen eines unerbittlichen Emanzipationsprozesses, der außerhalb Europas neue Machtzentren politischer und ideologischer Natur schafft. Rede vor der Europäischen Kulturstiftung, 23.11.1957. Bulletin 219/57.
Das deutsche Volk hofft, daß es gemeinsam mit seinem französischen Nachbarn einen Weg beschritten hat, der nicht in die Enge eines überholten Nationalismus zurückführt. Wir sind davon überzeugt, daß es über den nationalen Gemeinschaften eine unauflösliche und legitime Gemeinschaft gibt, in der all das sichtbar und wirksam wird, was Europa in einer jahrhundertelangen Entwicklung an kulturellen und geistigen Werten hervorgebracht hat. Wir müssen uns dabei allerdings bewußt bleiben, daß auch Europa nur weiterleben kann, wenn es eingebettet bleibt in den größeren Rahmen der atlantischen Gemeinschaft. Anläßlich des Besuchs des französischen Ministerpräsidenten, 7.10.1960. Bulletin 191/60.
Wenn ich von Politik in größerem Rahmen spreche, so meine ich durchaus nicht, daß Deutschland selbst eine Ostraum-Politik oder überhaupt irgendeine Großraum-Politik betreiben sollte. Wir selbst haben zwei Ziele: Ein vereintes Deutschland und die Vereinigten Staaten von Europa, zunächst nicht mehr als ein Kerneuropa. Ostraum-Politik, Welt-Politik, ist nicht Deutschlands Sache. Aber es ist die Sache der Westmächte, vor allem der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Rahmen dieser Weltpolitik ist durchaus damit zu rechnen, daß auch für die Sowjets die Zeit kommt, Frieden und Abrüstung dem Kalten Krieg und dem ewigen Rüsten vorziehen zu müssen. Interview mit Friedlaender, 26.4.1952. Bulletin 47/52.
Es ist selbstverständlich, daß es nicht möglich ist, europäische Völker, die sich jahrhundertelang politisch und wirtschaftlich auseinandergelebt haben, sofort wieder zu einer großen Einheit zusammenzuführen, aber die Lösung dieser Frage ist unsere Aufgabe und die große Aufgabe unserer Jugend. CDU-Kundgebung, Bochum, 2.9.1955. Bulletin 166/55.
Nichts ist besser geeignet, den engstirnigen Nationalismus zu überwinden, als wenn sich die Jugend der europäischen Völker zur gemeinsamen Verteidigung der Freiheit zusammenfindet. Hier bahnt sich eine enge Zusammenarbeit an mit allen freiheitsliebenden Völkern der atlantischen Welt, die sich auf alle Gebiete unseres staatlichen, wirtschaftlichen und persönlichen Lebens auswirken wird. Vor dem Verein der Ausländischen Presse, 25.3.1952. Bulletin 36/52.
Die beiden Kriege und namentlich der letzte haben Europa in einen Zustand gebracht, der keinem europäischen Lande mehr die Möglichkeit gibt, in der Welt die eigenste Aufgabe Europas, ein Hort der Freiheit, der Kultur und des Fortschritts zu sein, zu erfüllen. Erst wenn es gelungen ist, Europa zu einer Einheit zusammenzufassen, wird das wieder möglich sein. Und die Welt braucht Europa! Das gilt in gleicher Weise für Asien wie für Amerika, das gilt auch für Sowjetrußland. Ansprache in den Siemens-Werken, Berlin 16.7.1952. Bulletin 93/52.
Unbestreitbar zwingt der technische Fortschritt uns, neue Formen des internationalen Zusammenlebens zu suchen. Überall sind großräumige Zusammenschlüsse die Antwort auf die Frage, wie Frieden und Wohlfahrt gesichert werden können. Wir bleiben davon überzeugt, daß es möglich ist, diese Gemeinschaften auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und der Gleichberechtigung aufzubauen, ja, mehr noch, nur wenn Freiheit das Grundelement dieser Gemeinschaft ist, haben sie Aussicht auf Bestand. Es ist ein Leben in Freiheit und Würde, das der Westen der Zwangswirtschaft entgegenstellen muß, wenn er sich behaupten will. Vor der Auslands-Presse, 6.4.1954. Bulletin 67/54.
Das Grundgesetz der Bundesrepublik verpflichtet die Bundesregierung auf eine Politik, die in einem vereinigten Europa dem Frieden dient. Dieser Leitsatz stützt sich auf die einhellige Zustimmung des deutschen Volkes. Die Bundesregierung hat dieser Politik mit allen Kräften gedient. Deutschland hat nach 1945 nicht nur die Hilfe der anderen Völker angenommen, sondern sich auch als vertrauenswürdiger Partner erwiesen. Interview mit "Rheinischer Merkur", 9.7.1954. Bulletin 125/54.
Es mag unsere nationale Eigenliebe verletzen, aber wir müssen eingestehen, daß keiner der europäischen Nationalstaaten heute auf sich allein gestellt in der Lage ist, seinen Bürgern Wohlfahrt und Freiheit zu garantieren und das nationale Territorium ausreichend zu schützen. Vor dem Internationalen Presse-Institut, London, 14.5.1953. Bulletin 91/53.
Mit dem Verblassen der nationalstaatlichen Idee muß und wird die Erkenntnis von der Richtigkeit des europäischen Gedankens sich immer mehr Bahn brechen. Man wird dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren, aber auch nichts überstürzen dürfen. Mit Klugheit und Beharrlichkeit wird das Ziel der europäischen Integration erreicht werden, sobald die Zeit hierfür reif geworden ist, und alle Völker erkannt haben, daß im Zeitalter der Großräume und Weltmächte das Festhalten an nationalstaatlichen Ideen im Interesse jedes einzelnen Volkes nicht mehr verantwortet werden kann. Interview mit "Politisch-Soziale Korrespondenz", 1.4.1955. Bulletin 65/55.
Wir wissen, daß durch die Atomspaltung Energien frei gemacht werden, die man zum Wohle der Menschheit nutzbar machen kann. Mit der Erforschung dieser Kräfte jedoch ist der Wissenschaft eine derartig umfassende Aufgabe zugefallen, daß eine Zusammenfassung der Kräfte sicherlich sinnvoll wäre, um das Forschen planvoll zu gestalten und dadurch die erheblichen Kosten zu senken. Schon bei dem heutigen Stand der Forschung kann man mit großer Sicherheit annehmen, daß die Atomkraft schon sehr bald in Industrie und Technik eine umwälzende Rolle spielen wird. Wenn die europäischen Völker an dieser Aufgabe gemeinsam arbeiten, so tritt zu den rein wirtschaftlichen und ökonomischen Aspekten auch noch eine tiefe politische Bedeutung hinzu: Verstärkung der europäischen Integration. Interview mit "Carrefour", 7.7.1955. Bulletin 123/55.
Die tieferen und stärkeren Gründe für dieses europäische Vereinigungsstreben sind innere Gründe. Es ist der ursprüngliche Wunsch der europäischen Völker, ihr politisches Schicksal künftig gemeinsam zu gestalten. Es ist ihre Überzeugung, daß die historische Stunde gekommen ist, um die entscheidenden Schritte zu tun, es ist ihre Einsicht, daß das Zeitalter des Nationalismus sich seinem Ende zuneigt, und daß eine Entwicklung zu neuen größeren Einheiten angebrochen ist. Der Zwang zu einer europäischen Vereinigung ist also nicht ein Schicksal, das Europa erleidet. Es ist vielmehr ein schöpferischer Impuls, der der Größe der europäischen Tradition würdig ist. Vor der beratenden Versammlung des Europarates, 10.12.1951. Bulletin 21/51.
Der Prozeß der Integration und der Bildung größerer Völkergemeinschaften dient der Erhaltung der abendländisch-christlichen Werte, die unserem Leben einen Sinn geben. Er dient weiter dem sozialen Fortschritt und der materiellen Wohlfahrt, die in der demokratischen Welt nicht im Gegensatz, sondern im Einklang mit der Freiheit der Person und der Völker verwirklicht werden können. Vor den in der Foreign Press Association vereinigten Vertretern der Weltpresse, London, 10.12.1951. Bulletin 19/51.
Ich halte nicht mehr allzu viel von den Vokabeln "Kapitalismus" und "Sozialismus". Sie sind beide nicht mehr ganz treffsicher. Ein kapitalistisches geeintes Europa wäre heute unvergleichlich sozialer als ein Nebeneinander sozialistischer Einzelstaaten aus dem einfachen Grunde, weil die sozialen Aufgaben sich im engen nationalstaatlichen Rahmen nicht mehr bewältigen lassen. Ein zersplitterter Kontinent kann nicht mehr auf der Höhe der Zeit sein. Es ist daher viel wichtiger, ein demokratisches Europa zu schaffen, ganz gleich unter welchen politischen Vorzeichen, als in irgendeinem Einzelstaat das Programm einer bestimmten politischen Partei zu verwirklichen. Interview mit Friedlaender, 5.11.1952. Bulletin 177/52.
Robert Schumans Plan gehörte zu den wenigen Initiativen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Geschichte Europas neugeformt und uns allen die Hoffnung, ja die Gewißheit einer besseren Zukunft gegeben haben. Ansprache in Düsseldorf, 9.5.1960. Bulletin 89/60.
Wer Europa verneint, liefert die Völker Westeuropas, insbesondere das deutsche Volk, der Knechtschaft durch den Bolschewismus aus. Wer Europa verneint, gibt die christlich-humanistische Lebensform Westeuropas preis. Wer Europa verneint, ist der Totengräber des deutschen Volkes, weil er dem deutschen Volke die einzige Möglichkeit nimmt, sein Leben, so wie es ihm wertvoll und teuer ist, sein freies, auf christlichen Grundsätzen aufgebautes Leben fortzuführen. Vor dem Deutschen Bundestag, 3.12.1952. Bulletin 192/52.
Durch ein gesundes, von starkem wirtschaftlichem und geistigem Leben erfülltes Europa erfährt die ganze freie Welt eine wesentliche Stärkung. Die Gefahr, der sich die freien Staaten immer noch gegenübersehen, nämlich durch den Weltkommunismus überwunden zu werden, wird damit geringer und kann schließlich zum Verschwinden gebracht werden. Bulletin Nr. 60 vom 29.3.1955, S.489.
Was ist aus Europa geworden nach diesen beiden Kriegen? Wie liegt es da, zerrissen und ohnmächtig! Und nur, wenn wir es wieder zusammenfassen, kann es eine Kraft werden. Auch dann nur, wenn wir es zusammenfassen, entgehen wir dem Schicksal, daß dieses Europa ein Anhängsel des asiatischen Rußland wird. Schlußkundgebung der Tagung "Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands", Bamberg, 20.7.1952. Bulletin 95/52.
Man begeht, glaube ich, überhaupt einen Fehler, wenn man die europäische Frage unter dem Gesichtspunkt eines von außen auf uns eindringenden schicksalhaften Zwanges sieht und nicht als eine Angelegenheit einer schöpferischen Eigeninitiative Europas selbst. Vor der Beratenden Versammlung des Europarates, 10.12.1951. Bulletin 21/51.
Viele Beobachter sehen den Vorgang der europäischen Integration heute fast ausschließlich unter militärischen Gesichtspunkten und im Hinblick auf die Bedrohung durch den Osten. Diese Betrachtungsweise wird dem Problem nur teilweise gerecht. (...) Es mag unsere nationale Eigenliebe verletzen, aber wir müssen eingestehen, dass keiner der europäischen Nationalstaaten heute auf sich allein gestellt in der Lage ist, seinen Bürgern Wohlfahrt und Freiheit zu garantieren und das nationale Territorium ausreichend zu schützen. Die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses aus wirtschaftlichen und politischen Gründen, zu denen auch militärpolitische Gründe treten, ist unbestreitbar. Dieser Zusammenschluß ist die logische und natürliche Entwicklungsstufe der europäischen Geschichte. Auch nach einem Abklingen der jetzigen Ost-West-Spannungen bleibt er eine gebieterische Notwendigkeit. Vor dem Internationalen Presse-Institut, London, 14.5.1953. Bulletin 91/53.
Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle. (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Sie ist, meine Damen und Herren, notwendig für unsere Sicherheit, für unsere Freiheit, für unser Dasein als Nation und als geistig schöpferische Völkergemeinschaft. Regierungserklärung, 15.12.1954. Stenograph. Berichte, 2. Wahlperiode, 61. Sitzung, S. 3135; Bulletin 236/54.
Es wäre jedoch absolut falsch zu sagen, daß wir die Einigung Europas als einen sogenannten Ersatz für die Wiedervereinigung Deutschlands ansehen. Einmal ist und bleibt die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit oberstes Ziel der deutschen Politik. Dann ist uns die Verwirklichung des Europagedankens auch ein Mittel zur Erreichung dieses Zwecks, ein sehr wichtiger Weg, der uns der Wiedervereinigung näherbringen wird. Zum dritten aber stehe ich auch heute noch auf dem Standpunkt, daß die Einigung unseres Kontinents um Europa selbst willen zustande kommen muß, weil es für Europa einfach eine Existenzfrage ist. Interview mit "Politisch-Soziale Korrespondenz", 5.1.1956. Bulletin 3/56.
Ihre letzten Impulse wird die europäische Politik in jedem Lande aus dem gemeinsamen Willen der europäischen Völker empfangen. Nirgends aber drückt sich dieser europäische Wille als gemeinsamer Wille so sichtbar aus als im Europarat. Vor der Beratenden Versammlung des Europarates, 10.12.1951. Bulletin 21/51.
Auf längere Sicht gesehen sind die europäischen Staaten in der Isolierung politisch und wirtschaftlich nicht lebensfähig; die Lebensfähigkeit Europas entspricht nicht nur ihrem Interesse, sondern auch dem Interesse der ganzen Welt. Regierungserklärung, 22.9.1955. Bulletin 179/55.
Im Gedanken des europäischen Zusammenschlusses sehen die Westmächte ebenso wie die Bundesregierung die beste Garantie für die Festigung des Friedens in Europa. Die Politik des europäischen Zusammenschlusses bedroht niemanden. Ihr defensiver Charakter steht außer Zweifel. Vor dem Verein der Ausländischen Presse, 25.3.1952. Bulletin 36/52.
Der Verlust von zwei Weltkriegen hat klar gezeigt, daß jede Art von imperialer Mission für Deutschland vollkommen ausscheidet. Deutschlands Standort ist Europa. Nicht ein Europa, das etwa unter deutscher Vorherrschaft stünde, sondern ein Europa, in dem Deutschland gleichberechtigt mit den anderen europäischen Nationen an der gemeinsamen Aufgabe mitarbeitet. Wenn erst die europäische Einigung verwirklicht ist, werden aus ihr geistige und materielle Kräfte erwachsen, die seine Sicherheit verbürgen und seinen alten Glanz wiedererstehen lassen. Interview mit dem griechischen Rundfunk, 7.7.1954. Bulletin 123/54.
Wirtschaftskämpfe unter europäischen Staaten würden der Idee der politischen Einheit Europas, der Verteidigung der gemeinsamen geistigen, politischen und kulturellen Güter so vollständig widersprechen, daß nur der Gedanke daran in einem scharfen Gegensatz zu der großen Arbeit stehen würde, die für eine Einigung des freien westlichen Europas in den letzten Jahren geleistet wurde. Pressekonferenz in London. Bulletin 216/59.
Gibt es denn wirklich ein Europa? Ist ein reibungsloser Zusammenschluß der europäischen Staaten möglich, ohne daß das eine oder andere Land eine Minderung seiner Lebensmöglichkeiten erfährt? Ich stelle die Gegenfrage: "Sind solche Überlegungen heute noch am Platz?" - Sie mögen vor Jahrzehnten ihre Berechtigung gehabt haben. Ein verantwortungsbewußter Staatsmann wird aber heute die Schaffung einer auf Gleichberechtigung beruhenden Gemeinschaft der europäischen Völker nicht mehr für eine Utopie, sondern für ein realisierbares Ziel halten. Rede vor der Europäischen Kulturstiftung, 23.11.1957. Bulletin 219/57.
Selbst im Zeitalter der Nationalstaaten blieben diesem Europa gewisse politische und geistige Lebensgrundlagen gemeinsam. Ich denke hier an frühere Versuche einer europäischen Zusammenarbeit, so an die Einrichtung des Konzerts der europäischen Mächte, das aus den Wirren der Revolutions- und napoleonischen Zeiten erwuchs, und das den Versuch unternahm, die geschichtlich gewordene Ordnung Europas gegenüber allen Wechselfällen zu bewahren. Ich denke weiter an das Recht, das in den meisten europäischen Ländern auf den gleichen Grundlagen beruht, an das Verfassungsleben und an das Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie. So machen Vielfalt in der Eigenart und trotzdem Gemeinsamkeit in der Grundlage die entscheidenden Wesenszüge Europas aus. (...) Das gemeinsame Bekenntnis zur Freiheit ist es heute, das uns wieder zusammenführt gegen diejenigen Kräfte, die das freie Selbstbestimmungsrecht des einzelnen und der Völker verneinen. Rede vor der Europäischen Kulturstiftung, 23.11.1957. Bulletin 219/57.
Bei der Entwicklung, die in der Welt nach dem Kriege eingetreten ist, kann auf die Dauer die Wirtschaft keines europäischen Landes gesund bleiben, weil das Wirtschaftsgebiet eines jeden europäischen Landes für sich zu klein ist. Nur die Zusammenfassung zu einem gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum macht auf die Dauer die Länder Europas gegenüber anderen Wirtschaftsgebieten auf der Erde konkurrenzfähig. Rundfunkansprache, 15.1.1958. Bulletin 11/58.
EWG und genau so die anderen europäischen Organisationen sind in erster Linie politisch zu verstehen, das Wirtschaftliche kommt in zweiter Linie. Der politische Zweck, eine Verbindung, eine Vereinheitlichung, hoffentlich eine Förderation Europas herbeizuführen, ist bei allen diesen Aufgaben der erste und vornehmste. Ansprache auf dem Raiffeisentag 1960 in Köln. Bulletin 115/60.
Politisch tritt der größte Teil unserer Jugend für die Begriffe von Freiheit und Demokratie in Europa ein. Interview mit "Neue Zeitung", 21.11.1952. Bulletin 182/52.
Unsere jungen Menschen drängen förmlich hinaus, um die Welt kennenzulernen und ihren Horizont zu erweitern, um Vergleiche anzustellen und daraus Schlüsse zu ziehen. Fast möchte ich sagen, daß eine Wanderlust herrscht wie selten zuvor. Interview mit "Neue Zeitung", 21.11.1952. Bulletin 182/52.
Die abendländische Kultur, das Band, das die Völker des europäischen Kontinents umschließt, ruht auf zwei Säulen: der antiken Philosophie und dem Christentum. Interview mit "Kathimirini", 1.3.1954. Bulletin 47/54.
Das vor uns liegende Werk erfordert auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet Weitblick und Kühnheit. Die politischen Vorteile werden sich bald zeigen, und nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten werden auch die Wirtschaften aller Beteiligten große Vorteile haben. Nur so werden wir Europäer die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen großen Wirtschaftsräumen behaupten können. Artikel in "Kasseler Post" vom 2. Oktober 1956.
In erster Linie ist die europäische wirtschaftliche Integration unerlässlich. Die Bundesregierung ist von der Notwendigkeit, die Arbeiten des europäischen Wirtschaftsrates fortzusetzen, überzeugt. Sie ist der Ansicht, daß insbesondere in Europa die Befreiung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen von allen kleinlichen Beschränkungen die Integration fördern und die Voraussetzungen für die Hebung des allgemeinen Lebensstandards schaffen wird. Die Europäische Zahlungsunion muß fortgesetzt werden, bis ihr eigentliches Ziel, die Konvertibilität der Währungen, erreicht ist. Die Bundesregierung wird auch weiterhin die Bestrebungen des europäischen Wirtschaftsrates unterstützen, die Produktion unter Beibehaltung der inneren finanziellen Stabilität auszuweiten. Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag vom 20. Oktober 1953.
In der europäischen Einigungspolitik kamen wir im Jahre 1957 einen großen Schritt vorwärts. Am 25. März 1957 wurden in Rom die Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und über Euratom unterzeichnet. Wir hätten keinen bedeutsameren Rahmen für die Unterzeichnung finden können als die ehrwürdige Stadt Rom. Wenn wir jetzt versuchten, für die gemeinsame Zukunft Europas die Grundlagen herzustellen, so war uns das große gemeinsame Erbe, für das Rom Zeugnis ablegt, Verpflichtung. Konrad Adenauer: Erinnerungen 1955-1959.
In unserer Epoche dreht sich das Rad der Geschichte mit ungeheurer Schnelligkeit. Wenn der politische Einfluß der europäischen Länder weiterbestehen soll, muß gehandelt werden. Wenn nicht gleich die bestmögliche Lösung erreicht werden kann, so muß man eben die zweit-oder drittbeste nehmen. Wenn nicht alle mittun, dann sollen die handeln, die dazu bereit sind. (...)
Unser Ziel kann - das ist meine feste Überzeugung - nicht ein Europa der Sechs bleiben. Auch Spanien muß dazukommen. Spanien muß wegen seiner geographischen Lage, wegen seiner Geschichte, seiner Tradition, seines unersetzlichen Beitrags zur europäischen Kultur ein wesentlicher Bestandteil auch des kommenden geeinten Europa sein.
Aber auch nach Osten müssen wir blicken, wenn wir an Europa denken. Zu Europa gehören Länder, die eine reiche europäische Vergangenheit haben. Auch ihnen muß die Möglichkeit des Beitritts gegeben werden. Europa muß groß sein, muß Kraft haben, muß Einfluß haben, um seine Interessen in der Weltpolitik zur Geltung bringen zu können.
Rede im Ateneo in Madrid, 16.02.1967.
Ich kann die Befürchtung unserer westlichen Nachbarn, Holland, Belgien und Frankreich, vor einem übermächtigen Deutschland durchaus verstehen, und wir müssen uns in die Rolle dieser Staaten, die doch jetzt zweimal in einer Generation vom Kriege überzogen worden sind, hineindenken. Ich kann auch verstehen, wenn ein Angehöriger dieser Länder sagt, es ist richtig, zurzeit ist Deutschland ohnmächtig und andere haben die Macht, aber wer steht mir dafür, daß das so bleibt? Alles wandelt sich unter der Sonne, alles fließt, das ist wahr, auch das muß man verstehen, und darauf muß man hinauskommen im Interesse unserer westlichen Nachbarn, in unserem und im europäischen Interesse, auf eine organische Lösung dieser Frage, d.h. auf eine Lösung, die nicht auf Gewalt beruht, die nicht auf unnatürlichen Abtrennungen beruht; denn jede derartige unnatürliche Abtrennung, jede derartige Gewalt wird nicht von Dauer sein und schafft keinen dauernden Frieden. In Wuppertal/Elberfeld auf einer Veranstaltung der CDU am 5.5.1946, st. N., S. 18, ACDP S. Ad.
Ich bin seit Jahrzehnten dafür eingetreten, daß unsere wirtschaftlichen Interessen mit den wirtschaftlichen Interessen unserer westlichen Nachbarländer - und jetzt kann man sagen: einschließlich Englands - verflochten werden, weil ich der Auffassung auf Grund der Geschichte bin, daß wirtschaftliche Verbundenheit und gemeinsame wirtschaftliche Interessen die sicherste Grundlage sind auch für gute politische Nachbarschaft. Auf diesem Grundsatz, auf diesem Standpunkt stehe ich auch heute. In Wuppertal/Elberfeld auf einer Veranstaltung der CDU am 5.5.1946, st. N., S. 1f., ACDP S. Ad.
Es gibt nichts nach meiner tiefsten Überzeugung, was diesem gequälten, so oft von Kriegen durchtobten Erdteil endlich einmal Ruhe und Frieden bringen kann, als die Vereinigten Staaten von Europa. In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 12.5.1946, st. N., S. 18, ACDP S. Ad.
Kein Akt der Gewalt wird Westeuropa den Frieden geben, den es so dringend bedarf, wenn nicht ganz Westeuropa untergehen soll. Es gibt konstruktive Mittel, kein Mittel der Gewalt, die nach unserer festen Überzeugung die Sicherheit in Westeuropa vor einer Wiederholung von Kriegen schaffen können in einer Weise, die allen Beteiligten nutzt und frommt. Wir glauben, daß in erster Linie eine Verflechtung der wirtschaftlichen Interessen Westdeutschlands mit den westlichen Nachbarn einschließlich Englands die sicherste Grundlage für eine dauernde kulturelle und politische Annäherung ist. In Osnabrück auf einer Veranstaltung der CDU am 28.7.1946, st. N., S. 10, ACDP S. Ad.
Auch Frankreichs Geschick und - da England auch zu Europa gehört - Englands Geschick ist verknüpft und verbunden mit dem Geschick Deutschlands. Wenn doch alle diese Länder einsehen möchten, daß sie im eigenen Interesse, im Interesse ihrer eigenen Völker handeln, wenn sie jetzt Deutschland nicht untergehen lassen! Auf dem 1. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 14.8.1947. Druck: Erster Zonenparteitag der CDU der britischen Zone, hrsg. v. Zonensekretariat der CDU, Köln o. J., S. 18.
Wenn man die Dinge ruhig an sich vorübergehen lässt und die ganzen Verhältnisse in Europa und in der Welt betrachtet, so sollte man allerdings verzweifeln. Aber schließlich muss man sich immer wieder emporraffen und versuchen, alles zu tun, was man kann, damit wieder Ordnung in das Chaos kommt. Schreiben vom 25.9.1947 an Johannes Rings, in der Weimarer Republik Zentrumspolitiker und Publizist (Köln), StBKAH 07.02.
Europa steht vor einer entscheidenden Wendung seines Geschicks. Es kommt darauf an, ob Europa, ob der europäische Geist gerettet wird, oder ob der Verfall Europas, der seit etwa drei Jahrzehnten eingesetzt hat, unaufhaltsam weitergeht, bis Europa nur noch ein Zipfel von Asien ist. Darum müssen wir, vor allem unsere Jugend, uns mit ganzer Kraft, mit glühendem Herzen und mit Begeisterung in den Dienst des Gedankens der Europa-Union stellen. Die Jugend muß ein Ziel haben, das klar als Ideal vorschwebt, wenn wir nicht wollen, daß in vielleicht fünf oder zehn Jahren unsere Jugend erfüllt ist von einem falschen nationalistischen Ideal. Die Gefahr dazu ist vorhanden. In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 22.5.1948, Auszüge aus der Rede, S. 4, ACDP S. Ad.
Frankreich, die Beneluxstaaten und Deutschland werden Nachbarn bleiben in Europa, solange Menschen hier in Europa leben werden. Die Zukunft Europas und all dieser Länder, unser eigenes Land eingeschlossen, hängt davon ab, daß dieses Verhältnis auf die Dauer beruhigt und geordnet wird. Auf dem 2. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 28.8.1948. Druck: Neuaufbau auf christlichen Grundlagen. Zweiter Parteitag der CDU für die Britische Zone, Opladen 1948, S. 11.
Wir sind davon überzeugt, daß unsere oft so trostlos aussehende Epoche schließlich doch zu fruchtbaren Neubildungen staatlicher und überstaatlicher Ordnungen führt, von Ordnungen, die erwachsen sind auf dem Boden des gleichen Rechts für alle. Unser vornehmstes Ziel wird sein, ganz Deutschland auf dem Boden des Rechts und der Freiheit zu einen und es in eine europäische Ordnung hineinzuführen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 13. Sitzung am 21.10.1949, S. 309.
Europa darf die Augen nicht vor der Gefahr der Stunde verschließen. Blindheit bedeutet Kapitulation, weil sie die Kraft des Handelns lahmt. Die Zeit des Handelns ist gekommen. Möchte Europa die rechten Entschlüsse fassen, um einer besseren und gesicherteren Zukunft entgegenzusehen - tempus fugit. Interview mit Joseph Kingsbury-Smith (International News Service) am 21.3.1950, Pressemitteilung des BPA Nr. 347/50 vom 21.3.1950, S. 7.
Wovon lebt Europa? Es lebt von der Gnade der Vereinigten Staaten. Auch das wird nicht immer so bleiben. Es wird eines Tages der Augenblick kommen und kommen müssen, in dem dieses Europa wieder sich selbst helfen kann und auf eigenen Füßen stehen muß. Aber das kann es nur dann, wenn dieses Europa zusammengeschlossen wird zu einem föderalistischen Staat, zu einem großen Gemeinwesen, zu einer großen Macht, freilich nicht einer Macht von der Bedeutung, daß sie einer der beiden Weltmächte gefährlich werden könnte, so daß insbesondere Sowjetrußland in einem solchen Zusammenschluß niemals eine Gefahr zu erblicken braucht, wohl aber zu einer Macht, die so groß ist, daß sie eingesetzt werden kann für die Erhaltung des Friedens in der Welt. In München auf einer Veranstaltung der CSU am 3.4.1950, st. N., S. 10, ACDP S. Ad.
Nach unserer Auffassung kann das Ziel der Entwicklung des Europarates nur eins sein: Ein föderatives Europa zu schaffen, das ein eminent friedlicher Faktor in der Welt sein muss. Sie wissen, wie die Weltlage ist. Sie wissen, dass sich diese beiden großen Mächte, Sowjetrussland auf der einen Seite, die Vereinigten Staaten von Nordamerika auf der anderen Seite, durch ideologische Gründe, durch ihre Entwicklung, durch ihre ganzen Auffassungen getrennt gegenüberstehen im Kalten Kriege, der, wie wir alle hoffen, niemals in einen anderen Krieg umschlagen wird, aber sie stehen sich gegenüber. Kein anderer Staat in der Welt ist stark genug nach den beiden Kriegen, die wir erlebt haben, um mit diesen beiden Staaten konkurrieren zu können. Wenn diese akute Spannung des Kalten Krieges, die wir ja jetzt erleben, vorüber sein wird, so wird doch eine latente Spannung immer so lange vorhanden sein, als die Welt in Wirklichkeit nur regiert wird von diesen beiden ganz großen Mächten.
Nun muss es das Ziel sein, in dem Vereinten Europa eine dritte Kraft zu schaffen, eine Kraft, die bei weitem nicht so groß ist wie diese beiden großen Mächte, auch niemals so groß sein kann, die aber doch immerhin so stark, wirtschaftlich und politisch so stark ist, dass sie, wenn latente Beziehungen sich in akute Spannungen zu entwickeln drohen, ihr Gewicht für die Erhaltung des Friedens in die Waagschale legen kann. Das ist nach unserer Auffassung das Ziel, das man, wenn man Europäische Politik treibt, im Auge halten und verfolgen muss, also ein eminent friedliches Ziel, durch dessen Verfolgung erreicht werden soll, den Völkern der Welt einen dauernden Frieden zu geben.
Erklärung auf einer Pressekonferenz am 9.5.1950, "Mitteilung an die Presse" des BPA Nr. 466/50, S. 3f.
So sehr ich auch die wirtschaftliche Bedeutung bejahe, so sehr ich es als gut empfinde, daß für Kohle, Eisen und Stahl in einem Gebiete, das von 167 Millionen Menschen bewohnt wird, ein freier Markt geschaffen wird, so sehr ich es begrüße, daß auf dem Gebiete, das die Montanunion in sich schließt, die Zollschranken fallen, so sehr ich der Auffassung bin, daß dadurch ein wirtschaftlicher Impuls allerersten Ranges und von größter Kraft ausgehen wird - über alles dies scheint mir die politische Bedeutung noch unendlich viel größer zu sein. (...) Aber wie bei wirklich konstruktiven Gedanken hat sich im Laufe der Entwicklung gezeigt, daß in diesem Vorschlag eine solche lebendige Kraft lag, daß man über den ursprünglichen Zweck jetzt schon weit hinausgekommen ist. Man hat seit dem Mai 1950 erkannt, daß die Integration Europas für alle europäischen Länder eine absolute Notwendigkeit ist, wenn sie überhaupt am Leben bleiben wollen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 161. Sitzung am 12.7.1951, S. 6501.
In unserer exponierten Lage und nach unseren bitteren Erfahrungen kann niemand den Frieden stärker wünschen als wir. Wenn Deutschland durch die von der Bundesrepublik eingeleitete Politik eine bessere Zukunft gewinnt, dann gibt es für einen Revanchegedanken keine Nahrung mehr. Unser Entschluß zur Zusammenarbeit mit den freien Völkern beruht nicht allein auf der Furcht vor dem Kommunismus, sondern ist entstanden aus der frei und unabhängig gewonnenen Erkenntnis, daß die Probleme, denen wir uns gegenübersehen, nur im Rahmen großräumiger Zusammenschlüsse gelöst werden können. Interview mit der norwegischen Zeitung "Aften Posten", zitiert nach Bulletin Nr. 13/51 vom 27.11.1951, S. 86.
Der Gedanke einer europäischen Einigung ist bereits nach dem Ersten Weltkrieg lebendig geworden. Aber erst das Chaos, das der letzte Krieg in Europa zurückgelassen hat, hat in allen Schichten und Ständen und in allen europäischen Ländern den Willen nach einer europäischen Einheit kraftvoll zutage treten lassen. Keines der europäischen Länder ist auf sich allein gestellt in der Lage, seinen Bürgern Freiheit und Sicherheit zu geben, auch dann nicht, wenn ihm individuell eine Unterstützung der Vereinigten Staaten gewährt wird.
Darüber hinaus ist den geistig Wachen und insbesondere der Jugend in allen europäischen Völkern nach diesem Kriege sehr deutlich bewußt geworden, daß Europa in einem erstarrten und überspitzten Nationalismus weder eine geistige noch eine politische Zukunft finden kann, die den Traditionen und den Leistungen des alten Kontinents angemessen ist.
Rede aus Anlaß eines Banketts des Vereins der Auslandspresse in Bad Godesberg am 25.3.1952, Bulletin Nr. 36/52, S. 365.
Infolge der Entwicklung der Technik und der wirtschaftlichen Verflechtung - beides bestimmende Faktoren der Gegenwart - hat der nationale Isolationismus früherer Zeiten selbstmörderischen Charakter angenommen. Artikel unter der Überschrift "Unsere beiden Völker" zum Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich in "Die Zeit" vom 26.6.1952, Nr. 26, 7. Jg.
Sie wissen, daß ich vom ersten Tage meiner Tätigkeit an unentwegt versucht habe, den Zusammenschluß Europas in die Tat umzusetzen. Meine Politik mögen meine politischen Gegner mehr oder weniger für falsch halten - ich möchte betonen im Grunde genommen das Weniger -, aber das eine wird mir auch mein politischer Gegner nicht bestreiten können, daß ich das Wagnis nicht gescheut habe. Ich habe versucht und versuche es weiter, Deutschland und die deutsche Politik in neue Wege zu führen. Ansprache in der Frankfurter Universität am 30.6.1952, Bulletin Nr. 81/52, S. 825.
Der Schumanplan, der Vertrag über die EVG (Europäische Verteidigungsgemeinschaft) sind aber, auch nach dem Willen derjenigen, die daran gearbeitet haben, nur ein Anfang. Sie sind zunächst deswegen nur ein Anfang, weil erst sechs europäische Länder davon erfaßt werden. Aber es wäre töricht, wenn ich nicht mit sechs Ländern anfangen würde und erst warten wollte, bis alle kommen. Ich bin überzeugt: Wenn der Anfang mit sechs Ländern gemacht ist, kommen eines Tages alle anderen europäischen Staaten auch hinzu. Ansprache auf der Schlußkundgebung der Tagung der Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands in Bamberg am 20.7.1952, Bulletin Nr. 95/52, S. 935f.
Aber alles in allem genommen, ich für meine Person finde es richtiger, zunächst einmal mit sechs europäischen Staaten anzufangen, als überhaupt nichts zu tun (Stürmischer Beifall.), theoretische Reden zu halten und dabei Europa einfach verkommen zu lassen. Auf dem 5. Bundesparteitag der CDU in Berlin am 18.10.1952, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU, Bonn o. J., S. 33.
Manche scheinen sich das so vorzustellen, als hätten wir hier einen Schmelztiegel, aus dem eine graue und einförmige Masse hervorgehen müsste, und das sei dann Europa. Dagegen wehrt sich dann nicht nur der vielgeschmähte Nationalismus, sondern der gesunde Sinn für Eigenes und Überliefertes. Aber Europa soll gar nicht gleichgeschaltet werden. Sein größter Reiz und Reichtum liegt in der Mannigfaltigkeit. Das Gemeinsame in der Mannigfaltigkeit herauszuarbeiten, das Verschiedene zu einer Einheit zu verbinden, das ist die Aufgabe. Das ist ja gerade das Gesunde an einem richtig verstandenen Föderalismus, daß es weiter Franzosen, Italiener, Deutsche, Holländer, Belgier und Luxemburger geben wird in der größeren europäischen Heimat. Hier entsteht etwas Neues, ohne daß das Alte vernichtet wird. Das Nationale bleibt, nur ist es nicht mehr das Letzte und Höchste. Interview mit Ernst Friedlaender im NWDR am 6.3.1953, Bulletin Nr. 45/53. S. 382.
Ich halte die Entwicklung einer europäischen Union nicht nur wegen der aus dem Osten drohenden Gefahr für notwendig. Ich erachte sie für gut und wünschenswert, weil sie neue, schöpferische Kräfte, die noch durch unser Erbe an Furcht und Mißtrauen gefesselt sind, freimachen wird. Sie wird den Weg ebnen zur kulturellen Entwicklung, zum sozialen Wohlergehen für alle und für eine dauernde Gewähr von Frieden und Freiheit. Rede in Washington vor dem National Press Club am 8.4.1953, Rückübersetzung aus dem Englischen, S. 4, StBKAH 02.11.
Jede geschichtliche Epoche hat ihre eigenen Aufgaben. Jedes einzelne auf Vernunft gegründete Argument zeigt uns in Europa den Weg zu einem geeinten Vorgehen, an dessen Ende eines Tages die Vereinigten Staaten von Europa stehen werden. Rede in Washington vor dem National Press Club am 8.4.1953, Rückübersetzung aus dem Englischen, S. 11, StBKAH 02.11.
Nur durch Einigung kann es (Europa) wirtschaftlich wieder so gesunden, daß es ohne ständige Annahme von Geschenken aus Amerika leben kann. Nur so kann es den Lebensstandard seiner Bevölkerung so steigern, daß es mit den wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der übrigen Welt Schritt halten kann. Nur so kann es ein politisches Eigengewicht bekommen, das es instand setzt, ein wirklich nützlicher, kräftiger Partner der freien Welt zu sein. Ansprache vor dem American Committee on United Europe in New York am 16.4.1953, Redetext, S. 3, StBKAH 02.11.
Aber vergessen wir nicht, daß in mehr als zweitausend Jahren europäischer Geschichte innerhalb Europas Dämme aufgeworfen worden sind, die man nicht in wenigen Monaten abtragen kann. Was sich in Europa in diesen Jahren vollzieht, ist wahrhaftig revolutionär. Tief eingewurzelte Anschauungen müssen über Bord geworfen werden. Die gesamte politische Erziehung der europäischen Völker, die an der Idee der Nation als den letzten Wert politischer Entscheidung orientiert war, muß umgestellt werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Ansprache vor dem American Committee on United Europe in New York am 16.4.1953, Redetext, S. 9, StBKAH 02.11.
Die Montanunion war die erste Stufe des europäischen Zusammenschlusses. Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft soll die zweite sein. Die politische Gemeinschaft soll die Krönung des Ganzen werden. Was diese politische Gemeinschaft angeht, so bin ich der Auffassung, daß man nicht von vornherein zu Vieles anfassen und zu viele Bereiche in diese politische Gemeinschaft einbeziehen sollte. Die Europäer, die der politischen Gemeinschaft angehören werden, dürfen unter keinen Umständen durch Mißerfolge in ihren Erwartungen enttäuscht werden. Darum sollte man meines Erachtens Schritt für Schritt den Weg gehen und bei jedem weiteren Schritt die Erfahrungen, die man vorher gemacht hat, sich zu Nutze machen. Vor der Interparlamentarischen Union in London am 14.5.1953, Bulletin Nr. 94/53, S. 800.
Wir müssen zu einem geeinten Europa kommen, auch ganz unabhängig von den Spannungen zwischen Ost und West. Die Schaffung eines solchen geeinten Europa wäre nötig, auch wenn keine solchen Spannungen vorhanden wären. Vor der Interparlamentarischen Union in London am 14.5.1953, Bulletin Nr. 94/53, S. 800.
Das Ziel bei der Gründung der Montan-Gemeinschaft war die Schaffung eines einheitlichen europäischen Wirtschaftsraums, eines gemeinsamen Marktes von 160 Millionen Menschen, der sich zwischen den anderen Wirtschaftsmächten behaupten kann. Daß der Gemeinsame Markt für Kohle und Stahl nur ein erster Schritt hierzu sein kann, war von vornherein klar. Aber jenes größere Werk kann nicht mit einem Schlage geschaffen werden. Uns war es zunächst aufgegeben, einen Anfang zu machen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 26. Sitzung am 25.4.1954, S. 1072.
Die Verwirklichung der Pläne für einen europäischen Zusammenschluß immer wieder hinauszuschieben, enthält eine große Gefahr. Bestimmte, günstige Konstellationen dauern in der Geschichte nicht unbegrenzt fort (Sehr richtig! in der Mitte.) und kehren selten wieder. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 26. Sitzung am 29.4.1954, S. 1076.
Wir müssen uns darüber klar sein, daß, wenn der Zusammenschluß der europäischen Völker scheitert, die Existenz dieses Kontinents ins Wanken gerät. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 26. Sitzung am 29.4.1954, S. 1076.
Unser Potential an hochqualifizierten Menschen und hochentwickelten Industrien und unser Reichtum an wichtigsten Rohstoffen macht uns zu einem begehrenswerten Objekt. Wer diesen Kontinent unter seiner Kontrolle hat, der hat in dieser Auseinandersetzung gesiegt, ohne daß es militärischer Anstrengungen bedurfte. Rede vor der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg am 20.5.1954, Bulletin Nr. 95/54, S. 844.
Was bedeutet für uns das oft so tragische Erbe unserer Geschichte, wenn wir nicht die Lehre daraus ziehen, daß kein Mitglied dieser europäischen Gemeinschaft heute für sich allein in der Lage ist, seine Existenz zu schützen, und daß wir in dieser Welt voller Gefahren nur zusammenstehen können. Rede vor der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg am 20.5.1954, Bulletin Nr. 95/54, S. 844.
Wenn es uns nicht gelingt, Europa zu einigen, Europa wieder herzustellen als eine Vormacht des christlichen Abendlandes, wenn es uns nicht gelingt, die europäische Wirtschaft zusammenzubauen und zu einer großen Wirtschaft zu machen, dann hat unsere Jugend keine Zukunft mehr, und um unserer Jugend willen halten wir fest an der Politik, die wir bisher mit Erfolg durchgeführt haben. In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 20.6.1954, st. N., S. 26, StBKAH 02.12.
Das Schicksal eines europäischen Landes wird auch das Schicksal der anderen europäischen Länder sein: entweder alle behaupten die Freiheit und Unabhängigkeit, oder alle verlieren sie. Das eine Land mag sie vielleicht etwas früher verlieren als das andere, aber wir alle sind miteinander in einem Boot. In Neumünster auf einer Veranstaltung der CDU am 10.9.1954, st. N., S. 19, StBKAH 02.12.
Die politischen und die wirtschaftlichen Kräfte in jedem europäischen Land bedeuten verzettelt wenig im Weltgeschehen, sie werden aber zusammengefaßt wirtschaftlich und politisch im Weltgeschehen eine große Rolle spielen können. Vor dem Gemeinschaftsausschuß der hessischen gewerblichen Wirtschaft in Offenbach am 24.9.1954, "Mitteilung an die Presse" Nr. 1063/54 des BPA vom 25.9.1954, S. 3.
Auch wenn die Form in diesem oder jenem wechselt, die Einheit Europas bleibt unser unverrückbares Ziel. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 46. Sitzung am 5.10.1954, S. 2233.
Wir werden niemals das Streben nach der Einheit Europas aufgeben. Wir müssen für die Einheit Europas eintreten, und sei es nur aus Gründen der Selbsterhaltung. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Unser Ziel war und ist die politische, die umfassende Gemeinschaft der europäischen Länder. (Erneuter Beifall bei den Regierungsparteien.) Ihre innere Struktur soll geschmeidig, kann wandlungsfähig sein, um sich den jeweilig vorherrschenden geistigen Konzeptionen vom Leben der Staaten anpassen zu können. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 61. Sitzung am 15.12.1954, S. 3124.
Wir müssen auch unsere Verteidigung gemeinsam organisieren. Ein einzelner europäischer Staat, der versuchen würde, auf sich allein gestellt einen ausreichenden militärischen Schutz aufzubauen, müßte derartig hohe finanzielle Aufwendungen machen, daß sein soziales Gefüge ins Wanken geraten und er auf kaltem Wege eine Beute des Kommunismus werden würde, vor dem er sich gerade schützen wollte. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 61. Sitzung am 15.12.1954, S. 3124.
Unsere Zugehörigkeit zum Westen ist kein Handelsobjekt; der europäische Gedanke kein bloßes Mittel zum Zweck, sondern ein neues Ideal, an das wir glauben. Rede vor dem Council on Foreign Relations in New York am 14.6.1956, Redemanuskript, S. 41, StBKAH 02.13.
Die europäischen Länder können nicht auf die Dauer ihre großen Kräfte zum Segen ihrer Völker und der Menschheit voll entfalten, wenn sie fortfahren, ihr Heil und ihre Sicherheit lediglich durch die Patronage der Vereinigten Staaten zu finden. Das kann und darf kein Dauerzustand werden, weil dadurch die europäischen Kräfte mit der Zeit der Erschlaffung verfallen und weil auch die Vereinigten Staaten nicht gesonnen sind, auf die Dauer die Sorge für Europa in einem Umfange zu übernehmen, der den Amerikanern einfach nicht zugemutet werden kann. Rede vor den Grandes Conférences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1726.
Das Werk erfordert auf politischem und auf wirtschaftlichem Gebiet Kühnheit und Weitblick. Die politischen Vorteile werden sich bald zeigen, die wirtschaftlichen vielleicht nicht sofort, aber nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten werden die Wirtschaften aller Beteiligten große Vorteile haben und nur auf diese Weise ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen schon bestehenden oder in der Entwicklung begriffenen großen Wirtschaftsräumen behaupten können. Rede vor den Grandes Conférences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1728.
An uns allen ist es, die Folgerungen zu ziehen. Die Kräfte des Verstandes allein reichen dazu nicht aus. "Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen", sagt ein berühmtes Wort. Und auch uns muß der große Gedanke Europa aus dem Herzen kommen, wenn er sich verwirklichen soll. Nicht in dem Sinne, als ob die Einigung Europas eine Angelegenheit des Gemütsbedürfnisses, der Sentimentalität wäre. Aber in dem Sinne, daß nur ein festes, der großen Aufgabe hingegebenes Herz uns die Kraft verleiht, das, was wir mit dem Verstand erkannt haben, entgegen allen Schwierigkeiten durchzuführen. Rede vor den Grandes Conférences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1729.
Es hilft alles nichts, wir müssen manche auf nationalen Vorstellungen und Traditionen beruhenden Hemmungen angesichts der neuen Entwicklungen auf der Erde rücksichtslos über Bord werfen, und wir müssen handeln. Andere handeln auch. Eine Entwicklung, die wir Europäer nicht beeinflussen können, geht sonst einfach über uns hinweg. Wir Europäer fühlen uns m. E. viel zu sicher. Rede vor den Grandes Conférences Catholiques in Brüssel am 25.9.1956, Bulletin Nr. 181/56, S. 1728.
Der Zusammenschluß Europas, gleichgültig in welcher Form er erfolgen wird, wird nicht nur allen Europäern größere politische und wirtschaftliche Macht bringen, er wird auch Sowjetrußland davon überzeugen, daß sein Bestreben, West-Europa in seine Hände zu bekommen, undurchführbar ist. Ansprache anläßlich der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin am 2.2.1957, Bulletin Nr. 24/57, S. 211.
Es ist nun einmal durch die moderne Entwicklung so gekommen, daß nur große Märkte bestehen können, weil nur in großen Marktgebieten billig und gut genug produziert werden kann, um der Konkurrenz der großen anderen Wirtschaftsgebiete wirklich standhalten zu können. Amerika ist ein sehr großes Wirtschaftsgebiet, wie Sie wissen, ein sehr entwickeltes Wirtschaftsgebiet. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wird man das gleiche voraussichtlich von Rußland sagen können; zur Zeit noch nicht, aber die Zeit wird höchstwahrscheinlich kommen. Wir schaffen mit dem Gemeinsamen Markt ein Wirtschaftsgebiet von jetzt 150 Millionen Menschen, die kulturell, technisch und wirtschaftlich hochentwickelten Ländern angehören. So wird dieser Gemeinsame Markt auch wirtschaftlich eine große Rolle spielen. Vor der Evangelischen Akademie Westfalen in Bochum am 13.7.1957, st. N., S. 8f., StBKAH 02.16.
Die Summe des Einflusses der europäischen Länder ist im Großen und Ganzen dem Einfluß Gesamteuropas gleichzusetzen. Fragen wir uns aber nach dem Umfang des europäischen Einflusses in der Welt, so ist die Machtminderung der europäischen Länder nun einmal eine Tatsache, an der wir nicht vorübergehen können. Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts stand ihr Einfluß in der Welt fest gegründet. Heute, kaum ein halbes Jahrhundert später, führen die freien europäischen Staaten eine Existenz im Schatten der Atommächte, und sie tun das, obgleich ihr wirtschaftliches Potential nach wie vor größer ist als dasjenige der Sowjetunion, und obgleich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in dem freien Europa in den letzten Jahren eine unerwartet günstige Entwicklung genommen haben. Rede aus Anlaß der ersten Tagung der Europäischen Kulturstiftung in Amsterdam am 23.11.1957, Bulletin Nr. 219/57, S. 2022.
Es ist dieser Kleinmut, in dem ich die schwerste Belastung für unsere gemeinsame Zukunft erblicke. Die Trägheit, der wir oft in geistig-politischer Hinsicht begegnen, steht ja nicht allein. Die Lässigkeit auf wirtschaftlichem Gebiet, die Tendenz, mitunter zu früh die Hände in den Schoß zu legen, ist unser erster Feind. Rede aus Anlaß der ersten Tagung der Europäischen Kulturstiftung in Amsterdam am 23.11.1957, Bulletin Nr. 219/57, S. 2022.
Das Wichtige ist aber, daß durch die wirtschaftliche Gemeinsamkeit ein Fundament geschaffen wird für den politischen Aufbau, das absolut unzerbrechlich ist. Denn der dümmste Politiker kann nachher die Wirtschaft nicht mehr auseinanderkriegen. Informationsgespräch mit James Reston ("The New York Times") am 16.12.1961, st. N., S. 4f., StBKAH 02.25.
Die Arbeit im wirtschaftlichen Bereich ist die Voraussetzung gewesen für eine Weiterführung der Arbeit im politischen Bereich. Wir wollen - darin sind wir uns einig - die Schaffung einer europäischen Union. Ich glaube, daß es klug und richtig war, zunächst die wirtschaftliche Einheit herzustellen. Sie bietet die beste, die solideste, die widerstandsfähigste Grundlage für die politische Einheit. Für alle Mitglieder der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ist eindeutig klar, daß eine wirtschaftliche Verschmelzung, so wie sie mit den Römischen Verträgen verbunden ist, ohne eine enge politische Verbindung nicht bestehen kann. In einer einheitlichen europäischen Volkswirtschaft müssen die verantwortlichen Stellen ständig Entscheidungen über innere Verhältnisse und über die auswärtigen Beziehungen treffen. Sie können das nur tun auf einer gemeinsamen politischen Grundlage. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 9. Sitzung am 17.1.1962, S. 176.
Natürlich darf der Vertrag von Rom nicht so viele Beitritte zur Folge haben, daß er dadurch gesprengt wird. Ich will damit sagen, daß er nicht mehr ein Vertrag von Europäern ist, sondern zu einem enormen wirtschaftlichen Organismus führt. Was Amerika betrifft, so ist es sowohl die Meinung des Generals de Gaulle wie die meine und auch die von Herrn Hallstein, daß man mit den Vereinigten Staaten Beziehungen zwischen Partnern anstreben soll und nicht einfach eine Fusion zu einer zu großen Allianz. Interview mit einem Vertreter von "Le Monde" (gezeichnet Sirius), erschienen am 10.3.1962.
In diesem Stadium der Entwicklung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft müssen wir, glaube ich, doch sehr sorgfältig darauf achten, daß nicht das politische Ziel in den Hintergrund tritt oder unmöglich gemacht wird. Wenn man in einer Wirtschaftsgemeinschaft, die doch Beschlüsse fassen kann, die für alle Länder Gesetzeskraft haben, zu weit geht, ich meine, den Rahmen zu weit spannt, platzt nachher die ganze Geschichte, und das müssen wir vermeiden. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 25. Sitzung am 10.4.1962, S. 963.
Bei der Weltlage, in der wir uns heute befinden und die wahrscheinlich noch sehr lange andauern wird, ist nach wie vor das Ziel die Politische Gemeinschaft, ist das dasjenige, was zum Weiterbestehen sicher Westeuropas, hoffentlich eines Tages ganz Europas absolut notwendig ist. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 25. Sitzung am 10.4.1962, S. 963.
Alle diese Dinge brauchen Zeit, und man soll nicht glauben, man würde in den ersten 14 Tagen alles fertig haben. Aber anfangen soll man, damit der Gedanke nicht stirbt. Informationsgespräch mit Frank H. Bartholomew und Thomas Raphael Carren (United Press International) am 8.6.1962, st. N., S. 6, ACDP NL von Eckardt I-010-002/2.
Eine Entwicklung in so schwieriger Zeit und in so schwierigem Gelände bis zum Letzten vorherzusehen und zu planen, das kann man gar nicht. Man muß aber einen Stoß abgeben, daß das vorangeht, dann kommt es schon weiter. "Kanzler-Tee" mit der "Teerunde" am 18.6.1962, st. N., S. 12, ACDP NL von Eckardt I-010-003/1.
Wenn England - was wahrscheinlich ist - in die EWG eintritt, dann kommen Norwegen, Dänemark, Island, Irland und vielleicht sogar noch Cypern. Bisher haben wir in diesen europäischen Organisationen das Prinzip der Gleichheit, jeder hat eine Stimme. Wenn dann aus sechs elf werden, ist damit natürlich eine Situation geschaffen, die unter Umständen viel schwieriger ist. Als wir vor über zehn Jahren - Robert Schuman war ja der erste, das müßte eigentlich viel öfter gesagt werden - auf die politische Einigung Europas losgingen, dachte man nur an sechs. Nun entsteht die Frage: Ich kann wirtschaftlich mehr als sechs verkraften, weil es sich bei wirtschaftlichen Fragen doch um überschaubare Angelegenheiten handelt; bei politischen Fragen und Entscheidungen ist das viel schwerer, da muß also die innere Harmonie viel stärker sein als bei gemeinsamem wirtschaftlichen Handeln, denn da wird die Harmonie eventuell erzwungen durch die Entwicklung einer einzelnen wirtschaftlichen Frage. Aber bei politischen Entscheidungen läßt sich nichts erzwingen, und man soll daher jedenfalls darauf achten, daß nicht durch eine große Anzahl der Länder eine Harmonie nur ungeheuer schwer hergestellt werden kann. (...) Es ist nirgendwo geschrieben, daß die Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gleichzeitig alle Mitglieder einer europäischen politischen Union sein sollen. Informationsgespräch mit Flora Lewis Gruson ("Washington Post", "New York Times Magazine" u.a.) am 27.6.1962, st. N., S. 2f., StBKAH 02.26.
Man wird nach meiner Meinung - die ich von Anfang an gehabt habe - bei diesem Aufbau der Politischen Union immer systematisch weitergehen müssen. Je näher man sich kennengelernt hat, auch in politischer Beziehung, umso schneller wird man weiterkommen, bis schließlich doch die Integration von gewissen Teilen der Hoheitsrechte stattfinden kann. Aber man sollte hier den größten Wert auf den Anfang legen. Wenn man sofort das Äußerste will - was unerreichbar ist - und infolgedessen nicht zu einem Anfang kommt, dann tötet man den Gedanken dieser Europäischen Politischen Union. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 13.7.1962, st. N., S. 15, ACDP VII-001-022/3.
Alle Länder Europas sind Teile der größeren Einheit. Wir können sie uns etwa als Ausschnitte eines Kreises vorstellen, die alle nach einer gemeinsamen Mitte hinstreben und ihr zugeordnet sind. Einige dieser Segmente liegen eng beieinander, so daß sich auch besonders enge und herzliche Beziehungen ergeben, wie sie zum Beispiel zwischen den Niederlanden, Belgien und Luxemburg schon lange bestehen (und sich im Begriff Benelux ausdrücken) oder wie sie etwa auch zwischen den skandinavischen Staaten seit langem entwickelt werden. Müssen dadurch die anderen Mitglieder des europäischen Kreises gestört oder von etwas ausgeschlossen werden? Das wäre doch eine Verkennung der Vielgestaltigkeit, die auch ein geeintes Europa immer besitzen soll und wird, wenn es sein Erbe richtig versteht und einschätzt. Artikel unter der Überschrift "Frankreich, Deutschland und Europa", erschienen in "Christ und Welt" vom 14.9.1962, Nr. 37, 15. Jg.
Machen Sie sich doch bitte einmal klar, daß jetzt schon ungefähr die ganze Wirtschaft von sechs Ländern verwaltet wird und nur kontrolliert wird durch sechs Minister, die so mit Arbeit überlastet sind, daß sie diese Kontrolle nur unvollkommen und nur in ganz wesentlichen Sachen ausüben können, daß wir also in Brüssel eine, wie ich ohne weiteres zugebe, gute Bürokratie haben, die ziemlich selbständig arbeitet, und daß in unserem Zeitalter der parlamentarischen Demokratie in Brüssel nichts von parlamentarischer Demokratie ist. Das ist eine Sorge, die mich schon lange beschäftigt und die ich auch schon mit Herrn Hallstein besprochen habe. Diese Frage wird uns wahrscheinlich noch weiter beschäftigen müssen, und nach meiner Meinung hat die EWG ein direkt gewähltes europäisches Parlament absolut notwendig. Ich glaube, dann würden sich manche Fragen auch leichter lösen lassen. Auf einer Pressekonferenz in Bonn am 23.1.1963, st. N., S. 19, StBKAH 02.30.
Aber vergessen wir auch niemals, daß zu allem großen Geschehen Geduld gehört, und daß gerade wir Europäer, die wir ein vereintes Europa schaffen wollen, dieser Geduld bedürfen. Ansprache auf der VII. Deutsch-Französischen Konferenz in Bad Godesberg am 24.5.1963, Bulletin Nr. 91/63, S. 798.
Einen Gemeinsamen Markt kann man nur schaffen, wenn man im Wesentlichen die gleichen Lebensbedingungen in den Ländern, die zum Gemeinsamen Markt gehören, schafft. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn die Sozialpolitik in den verschiedenen Ländern total verschieden ist, dann werden, da Sozialpolitik teuer ist, auch die Gestehungskosten für die produzierten Güter ganz anders sein. Deswegen muß man bei der Harmonisierung im Gemeinsamen Markt auch die Gestaltung der sozialen Verhältnisse, der Arbeitsbedingungen, berücksichtigen und muß mit einer großen Behutsamkeit vorgehen - und die Kommission des Gemeinsamen Marktes hat nach meiner Meinung den Fehler gemacht, alles zu schnell zu machen. Informationsgespräch mit James Bell und Hedley Williams Donovan ("Time") am 30.5.1963, st. N., S. 5, BPA-Pressearchiv F 30.
Aber was von Europa bisher geschaffen worden ist, ist so wesentlich für alle, daß ich den Glauben daran, daß die politische Gemeinschaft kommen wird, keineswegs aufgegeben habe, im Gegenteil: Ich bin fest davon überzeugt, daß sie eines Tages kommen wird. Interview in einer Sendung des ZDF unter dem Titel "Adenauer blickt zurück - Stationen einer vierzehnjährigen Kanzlerschaft", ausgestrahlt am 15.10.1963, Anhang I zum Nachrichtenspiegel des BPA vom 16.10.1963, st. N., S. 6.
Die politische Union soll dazu führen, daß eine koordinierte Außenpolitik des freien Europa entwickelt und daß innerhalb des euro-atlantischen Bündnisses der amerikanische Partner durch die stärkere Formierung Europas entlastet wird. Interview mit dem ZDF am 14.1.1964 aus Anlaß des ersten Jahrestages nach Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages (22.1.1963), zitiert nach einem schriftlichen Konzept, S. 5, StBKAH 02.33.
Geht heran an die Arbeit und nicht immer auf die Stelle treten. Ich las heute zufällig in einem Buch über Bismarck einen Spruch. Bismarck sagte da folgendes: "Die allerschlechteste Regierung ist diejenige, die nichts tut." (Beifall.) Das ist ein sehr hartes, aber sehr treffendes Wort. Es gilt doppelt und dreifach in einer Periode der Entwicklung, in der wir uns jetzt in der ganzen Welt, insbesondere in Europa befinden. Vor dem Industrieclub und dem Deutsch-französischen Kreis in Düsseldorf am 23.6.1964, st. N., S. 26f., StBKAH 02.33.
Nach dem Krieg, als es jedem klar war, daß der Zusammenschluß notwendig ist, waren alle viel mehr bereit, sich zusammenzuschließen, als sie es jetzt sind. Jetzt hat sich alles wieder erholt, und jetzt denkt jeder in erster Linie an sich. Informationsgespräch mit Enzo Bettiza ("Corriere della Sera") am 28.2.1966, st. N., S. 10, StBKAH 02.37.
Es ist an der Zeit. Glauben Sie mir, die Verhältnisse spitzen sich zu. Wenn man sieht, daß die Europäer wirklich ernsthaft wieder an die Schaffung Europas gehen und daß die Sache vorankommt, dann bringen wir einen ganz neuen Akzent in die Weltpolitik hinein. (Beifall.) Ich gehe so weit, zu sagen - weil eben nicht alles auf einmal gemacht werden kann: wenn es dann nun kein integriertes Europa ist, so ist es ein nicht integriertes Europa. Aber Europa muß geschaffen werden, und es wird dann von selbst in sich zusammenwachsen. Auf dem 14. Bundesparteitag der CDU in Bonn am 21.3.1966, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 40.
Betrachten wir doch den Weg, den wir zurückgelegt haben. Niemand wagte 1945 nach dem Zusammenbruch Europas zu hoffen, daß dieser zerschlagene und von gegenseitigem Haß vergiftete Kontinent nach weniger als zwanzig Jahren einen Gemeinsamen Markt würde schaffen können, vor dem die gesamte Welt Respekt hat und der eine wirtschaftliche Großmacht ersten Ranges darstellt, mit der selbst die beiden größten Industrienationen, die USA und die UdSSR, rechnen müssen. Das ist eine große geistige und moralische Leistung, auf welche die sechs Nationen, die dieses Werk in Angriff genommen haben, mit Recht stolz sein können. Wenn uns anfangs die Begeisterung nach vorn getrieben hat, so muß uns heute die Geduld, die Beharrlichkeit und die Nüchternheit leiten. Artikel mit der Überschrift "Ich glaube an Europa" für die "Deutsche Tagespost", Würzburg, erschienen am 4.1.1967, Nr. 2, 20. Jg.
Wegen seiner für die Welt unentbehrlichen Produktionskraft stehen die europäischen Länder, steht Europa in Gefahr, die Beute von Gegensätzen zwischen den Weltmächten oder infolge seiner geographischen Lage und seiner dichten Besiedlung im Kampfe zerstört zu werden. Die Gefahr für Europa ist viel größer, als die meisten Menschen sich vorstellen. Letzte außenpolitische Rede Konrad Adenauers in Madrid im Ateneo am 16.2.1967, Redemanuskript, S. 8, StBKAH 02.38.