Auch die EWG kann auf die Dauer nicht arbeiten ohne eine Politische Union, weil zu den Maßnahmen, die EWG vorsieht, die politische Grundlage in den verschiedenen Staaten wenigstens annähernd gleich geschaffen werden muß. Pressekonferenz in Bonn am 4.8.1964, st. N., S. 9 f., StBKAH 02.34.
Die Überzeugung von der Notwendigkeit einer wirtschaftlichen und politischen Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland habe ich schon auf Grund meiner Erfahrungen, die ich bei den Kämpfen um das Ruhrgebiet gemacht habe, gewonnen und seitdem meine Überzeugung überall vertreten. Im Jahre 1925 bin ich insbesondere bei der damaligen Reichsregierung mit Entschiedenheit dafür eingetreten, daß eine wirtschaftliche Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland mit allen Mitteln erstrebt werden müsse, und zwar mit dem Ziele der Schaffung einer Zollunion. (...) Alles, was sich seit jener Zeit ereignet hat, hat die Überzeugung in mir nur noch weiter gefestigt. Die wirtschaftliche und politische Entwicklung, die nunmehr eingetreten ist, lässt es als notwendig erscheinen, in eine solche wirtschaftliche Verflechtung mit hineinzuziehen: Holland, Belgien, Luxemburg und, wenn möglich, auch England. Anlage zu einem Schreiben vom 18.2.1947 an Dr. Elsaesser; Europa-Verlag, Freiburg, StBKAH 07.13.
Die deutsch-französische Frage bleibt eine der Hauptfragen Europas. Die Spannung, die jetzt zwischen Sowjetrußland und den Vereinigen Staaten besteht, wird eines Tages so oder so wieder aus der Welt verschwinden, aber Deutschland und Frankreich bleiben Nachbarn, solange diese Länder von Menschen bewohnt sind. An einer wirklichen und dauernden Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich hängt die ganze europäische Zukunft. In Mönchengladbach auf einer Veranstaltung der CDU am 12.10.1948, st. N., S. 16, ACDP S. Ad.
Eine Union zwischen Frankreich und Deutschland würde einem schwerkranken Europa neues Leben und einen kraftvollen Auftrieb geben. Psychologisch und materiell würde es von gewaltigem Einfluss sein und würde Kräfte freisetzen, die Europa sicherlich retten würden. Ich glaube, dies ist die einzige Möglichkeit, um Einheit in Europa zu erreichen. Hiermit würde der Rivalitätsgedanke zwischen den beiden Ländern verschwinden. (...)
Ich erwähne England und die Benelux-Staaten, damit nicht der Eindruck entsteht, daß ein deutsch-französischer Block gebildet wird, um anderen seinen Willen aufzuzwingen.
lnterview mit Joseph Kingsbury-Smith (International News Service) am 7.31950, zitiert nach einer Übersetzung des englischen Wortlautes, hrsg. v. BPA am 9.3.1950, S. 1, StBKAH 16.05.
Ein gutes Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland ist nach wie vor die Grundlage der europäischen Politik und der europäischen Integration. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 1.10.1955, st. N., S. 29, ACDP VII-001-020/5.
Ich darf Sie daran erinnern, daß in Frankreich der Gedanke, daß die Wiedervereinigung nötig ist, um eine Quelle der Unruhe in Europa auszuschalten, nur bei 30 Prozent der Befragten vorhanden ist, daß aber bei 70 Prozent der Befragten die Furcht sehr stark ist, dieses wiedervereinigte Deutschland könne die dominierende Macht in Europa werden. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 16.5.1956. st. N., S. 8, ACDP VII-001-020/8.
Wir können nur wünschen, daß de Gaulle, der ein außerordentlich maßvoller und sehr kluger Staatsmann ist, mit seinen Gedanken und Ideen in Frankreich durchdringt. Kein anderer Mann in Frankreich könnte ihn ersetzen. Wenn es in Frankreich zu größeren Schwierigkeiten käme, würde unser ganzes europäisches Gebäude erfaßt werden und somit die Hoffnung Chruschtschows auf die Zukunft erheblich gestärkt. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 28.9.1959, st. N., S. 11, ACDP VII-001-021/5.
Unmittelbar nach Rückkehr von einer Konferenz der Regierungschefs der Bundesrepublik, Frankreichs, Großbritanniens und der USA in Paris vom 19. bis 21.12.1959:
Unser bester Helfer war de Gaulle.
Hs. Schreiben vom 22.12.1959 an Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Theodor Heuss, BA NL Heuss/62.
Diese deutsch-französische Verständigung ist nicht für die Wirren des Tages bestimmt, sondern sie ist für die Dauer bestimmt, für Europa. Informationsgespräch mit Rene Lauret (Le Monde) am 17.5.1962, st. N., S. 2. StBKAH 02.26.
Unsere Freundschaft und Solidarität mit Frankreich ist und bleibt ein Grundpfeiler der deutschen Politik. Sie beruht auf einem besonders hohen Maß an Übereinstimmung unserer wesentlichen politischen und wirtschaftlichen Interessen, sie gründet sich vor allem auch auf die gleiche Überzeugung von der Bedeutung der Würde und Freiheit des Menschen. Ansprache bei der Ankunft auf dem Pariser Flughafen Orly am 2.7.1962 zu Beginn eines einwöchigen Staatsbesuches in Frankreich, Bulletin Nr. 119/62, S. 1033.
Nach Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages (22.01.1963) unmittelbar nach der Rückkehr in Bonn:
Ich bin fest davon überzeugt, daß dieser Vertrag später einmal von der Geschichtsschreibung als eines der wichtigsten und wertvollsten Vertragswerke der Nachkriegszeit bezeichnet werden wird.
Fernsehansprache am 23.1.1963, „Mitteilung“ Nr. 80/63 des BPA vom 23.1.1963, st. N., S. 2, StBKAH 02.30.
Ich halte diesen deutsch-französischen Vertrag für ein außenpolitisches Ereignis von ganz ungewöhnlicher Tragweite. Interview mit Wolf Dietrich im ZDF für „Das Interview“ am 26.4.1963, Anhang IV des Nachrichtenspiegels I des BPA vom 27.4.1963, S. 2.
Der Vertrag beendet eine Auseinandersetzung, die über vier Jahrhunderte gedauert hat. Das gibt dem Vertrag seinen geschichtlichen Rang. (...) Was den Inhalt des Vertrages angeht, so stellt er in gewisser Weise ein Modell dar für den Inhalt eines Vertrages, der die erste Phase einer politischen Gemeinschaft der Europäer einleiten könnte. Interview mit John M. Hightower (Associated Press) am 1.7.1963, schriftliche Fassung. S. 7 f., StBKAH 02.31.
Der Vertrag sollte nicht Tagesfragen regeln, die Tagesfragen werden auch weiterhin der geduldigen Arbeit der Fachleute bedürfen, die doch aber bei allen Schwierigkeiten, die sie oft bergen, nicht entscheidend sind für das Zusammenleben. Der Vertrag soll vielmehr einen Rahmen geben für das freundschaftliche Zusammenfinden der beiden Völker, das auch der deutschen und der französischen Jugend eine helle und frohe Zukunft sichern soll. Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag wird noch wirken und lebendig sein, wenn manches Ereignis, das heute die Gemüter bewegt, vergessen ist. Erklärung zur Jahreswende für UPI, zitiert nach Manuskript datiert vom 19.12.1963, S. 1 f., StBKAH 02.32.
In der Präambel des deutsch-französischen Vertrages wird ausdrücklich gesagt, daß jedes europäische Land, das zu dem Kreis der Sechs [EWG-Staaten] gehört, von den deutsch-französischen Verhandlungen unterrichtet werden soll. Weiter wird dann gesagt, daß dieser deutsch-französische Freundschaftsvertrag den Weg für eine Einigung Europas ebnen soll, weil ohne eine Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland keine Einigung in Europa geschaffen werden könne. Jeder, der unvoreingenommen die ganze Sachlage übersieht, wird darin zustimmen: Dieses deutsch-französische Abkommen ist geradezu die Grundlage einer Einigung Europas. Vor dem Industrieclub und dem Deutsch-französischen Kreis in Düsseldorf am 23.6.1964, st. N., S. 26, StBKAH 02.33.
Das deutsche Volk hofft, daß es gemeinsam mit seinem französischen Nachbarn einen Weg beschritten hat, der nicht in die Enge eines überholten Nationalismus zurückführt. Wir sind davon überzeugt, daß es über den nationalen Gemeinschaften eine unauflösliche und legitime Gemeinschaft gibt, in der all das sichtbar und wirksam wird, was Europa in einer jahrhundertelangen Entwicklung an kulturellen und geistigen Werten hervorgebracht hat. Wir müssen uns dabei allerdings bewußt bleiben, daß auch Europa nur weiterleben kann, wenn es eingebettet bleibt in den größeren Rahmen der atlantischen Gemeinschaft. Anläßlich des Besuchs des französischen Ministerpräsidenten, 7.10.1960. Bulletin 191/60.
Es gibt keine europäische Politik ohne Frankreich oder gegen Frankreich, so wie es keine europäische Politik ohne Deutschland oder gegen Deutschland geben kann. Die deutsch-französische Verständigung, im vollen Sinne dieses Wortes, ist für mich eine Sache des Verstandes und zugleich des Herzens. Interview mit Friedlaender, 2.7.1954. Bulletin 121/54.
Ich habe immer eines der wichtigsten Ziele unserer Außenpolitik darin gesehen, für die Dauer zu einem Verhältnis guter Nachbarschaft zu gelangen. An diesem Ziel muß trotz aller Schwierigkeiten, Rückschläge und Enttäuschungen festgehalten werden; (Zustimmung bei den Regierungsparteien und bei Abgeordneten der SPD.) es verdient unablässige Mühe und rechtfertigt auch Opfer, weil ohne eine solche Gestaltung des deutsch-französischen Verhältnisses ein dauerndes Gedeihen Europas undenkbar ist, weil sonst der Westen nicht die Geschlossenheit erreichen kann, die er für seine Verhandlungen mit dem Osten dringend benötigt. Regierungserklärung, 15.12.1954. Stenograph. Berichte, 2. Wahlperiode, 61. Sitzung, S. 3126; Bulletin 236/54.
Das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich nimmt in der Geschichte Europas eine zentrale Stellung ein. Dadurch, daß die Pariser Verträge bessere deutsch-französische Beziehungen begründen, wird es möglich, die weitere Zielsetzung des Vertragswerks, die Einigung Europas, zu verwirklichen. Bulletin 60/55 vom 29.3.1955.
Alle freien Länder, besonders die europäischen, sollten froh über die Tatsache sein, daß der jahrhundertealte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland nun ausgerottet ist, weil dieser Gegensatz, diese alte Feindschaft, eine Katastrophe für ganz Europa und die ganze Welt gewesen sind. Das ist der Grund der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland, und ich denke, keines der europäischen Länder könnte irgendetwas gegen eine solche Zusammenarbeit einzuwenden haben, weil diese enge Beziehung und diese Freundschaft der Sache der Freiheit und des Friedens in Europa und in der ganzen Welt zugute kommen. Rede vor dem National Press Club in Washington am 15.11.1962. Bulletin Nr. 220/62, S. 1873.
Als assoziiertes Mitglied der Académie des Sciences morales et politiques dem Institut de France anzugehören, das in allen seinen Zweigen seit Generationen den Genius des französischen Volkes und seine große Rolle für das europäische Geistesleben in so glänzender Weise verkörpert, ist für mich eine Ehre und eine Auszeichnung, die mich zutiefst beeindruckt. Dies umso mehr, als seit 1869 kein Deutscher mehr als Mitglied in diese Académie aufgenommen worden ist. Ansprache anlässlich der Aufnahme in die Académie des Sciences Morales et Politiques, 09.11.1964.
Weil ich von der Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens zwischen Frankreich und Deutschland so tief durchdrungen bin, bedauere ich es so außerordentlich, dass anscheinend Frankreich zurzeit unter dem Eindruck des nationalsozialistischen Krieges nicht zu einer solchen Zusammenarbeit bereit ist. Ich bin Deutscher, Europäer und Christ. In all diesen meinen Eigenschaften appelliere ich an Frankreich: ohne eine nach dem Vorangegangenen, verständliche Vorsicht außer Acht zu lassen, doch den Versuch einer großzügigen politischen und wirtschaftlichen und geistigen Annäherung und Verständigung mit Deutschland zu machen. Ich bin überzeugt, dass Europa sonst nicht gesunden wird. Wenn Frankreich sich aber großzügig zeigt, so wird, das ist meine feste Überzeugung, Frankreich, Deutschland, Europa und die ganze Welt den denkbar größeren Vorteil hiervon haben. Anlage zu einem Schreiben vom 18.2.1947 an Dr. Elsaesser, Europa-Verlag, Freiburg, StBKAH 07.13.
Es gab und es gibt weite Kreise in Frankreich, die glauben, Frankreichs Sicherheit liege darin, daß der Zustand, wie er jetzt in Deutschland herrscht, oder wie er bis vor kurzem herrschte - nämlich Zerstückelung und Lethargie -, möglichst lange konserviert werde. Das ist eine absolut falsche Auffassung, eine Auffassung, die übersieht, daß ein solcher Zustand auch letzten Endes den Untergang Frankreichs herbeiführen würde. Auf dem 2. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 28.8.1948. Druck: Neuaufbau auf christlichen Grundlagen. Zweiter Parteitag der CDU für die Britische Zone, Opladen 1948, S. 10.
Nur durch den Neuaufbau der europäischen Staatenwelt zu einer Union kann auch das deutsch-französische Verhältnis einer endgültigen Lösung im Sinne einer Verständigung und Zusammenarbeit entgegengeführt werden. Wenn die beiden Völker in gemeinsamer Arbeit zusammenwirken - und ich denke hierbei in erster Linie an die Zusammenarbeit der sich so stark ergänzenden französischen und deutschen Grundstoffindustrien -, so wird der durch den Nationalismus künstlich erzeugte Gegensatz rasch verschwinden. Interview mit Leo Jankowski ("West-Echo"), zitiert nach schriftlicher Fassung vom 29.4.1949, S. 1f., StBKAH 02.02.
Die Notwendigkeit einer echten und dauernden Verständigung mit Frankreich wird in Deutschland unumschränkt anerkannt. Nichts kann meiner Ansicht nach so sehr dazu beitragen, die Schranken zwischen beiden Völkern niederzureißen, als gemeinsame Arbeit in einer europäischen Union. Interview mit der holländischen Zeitung "Algemeen Handelsblad", zitiert nach schriftlicher Fassung vom 30.4.1949, S. 1, StBKAH 02.02.
Europa sieht sich heute Aufgaben gegenüber, die so umfassend und verwickelt zugleich sind, dass sie nicht von einem Volk allein übernommen werden können. Kriege haben die europäische Geschichte geprägt, die nicht nur unendliches Leid und schwere Zerstörungen über unseren Erdteil brachten, sondern seine Existenz überhaupt bedrohten. Als besonders entscheidend hat sich das französisch-deutsche Verhältnis erwiesen, das durch die Geburt und die Auswirkungen des modernen Nationalismus eine Wendung zum Verhängnisvollen nahm.
Heute ist es fast schon zu einem Axiom der Politik geworden, dass ohne eine Annäherung, Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland Europa nicht erhalten werden kann. Darum müssen beide Völker versuchen, die Irrwege der Vergangenheit zu verlassen, ehe es zu spät ist.
Artikel unter der Überschrift "Der richtige Weg" in den "Schwyzer Nachrichten", Einsiedeln, Ausgabe vom 29.6.1949, Nr. 148, 4. Jg.
Am Anfang eines neuen Weges kann nur der feste Wille stehen, eine bessere und sinnvollere Gemeinschaft zwischen beiden Völkern zu schaffen, als in der Vergangenheit möglich war. Dazu gehört die Kraft des Vertrauens auf beiden Seiten. Zwischen Deutschland und Frankreich darf es nie mehr eine nationalistische Politik geben, sondern nur noch die Bereitschaft zur Verständigung und Zusammenarbeit. Das liegt im Interesse beider Völker wie Europas. Artikel unter der Überschrift "Der richtige Weg" in den "Schwyzer Nachrichten", Einsiedeln, Ausgabe vom 29.6.1949, Nr. 148, 4. Jg.
Es kommt darauf an, Methoden zu suchen, bei denen die Sicherheit zugleich die politische Zusammenarbeit fördert und den allgemeinen Wohlstand hebt. Beide Völker müssen daran interessiert werden, das Maß der Sicherheit zu erhöhen, weil es beiden dadurch besser geht. Das Endziel wäre eine allgemeine wirtschaftliche Verflechtung, die zur unlöslichen Zusammenarbeit führt. Artikel unter der Überschrift "Der richtige Weg" in den "Schwyzer Nachrichten", Einsiedeln, Ausgabe vom 29.6.1949, Nr. 148, 4. Jg.
Ich bin, wie Sie wissen, Rheinländer, und ich habe meine engere Heimat immer als eine natürliche Brücke zwischen Frankreich und Deutschland erlebt. Wohl weiß ich, daß viel historisches Gestrüpp den beiden Völkern die Aussicht versperrt und den Weg zueinander erschwert. Aber im heutigen Stadium Europas sind "Erbfeindschaften" völlig unzeitgemäß geworden. Ich bin daher entschlossen, die deutsch-französischen Beziehungen zu einem Angelpunkt meiner Politik zu machen. Ein Bundeskanzler muß zugleich guter Deutscher und guter Europäer sein. Weil ich beides zu sein wünsche, muß ich eine deutsch-französische Verständigung anstreben. Eine solche Politik darf nicht dahin mißdeutet werden, daß sie profranzösisch und womöglich antibritisch wäre. Es handelt sich für uns keinesfalls darum, eine ausländische Macht gegen die andere auszuspielen. Die Freundschaft mit England ist ebenso wesentlich wie die mit Frankreich. Aber eine Freundschaft mit Frankreich bedarf größerer Anstrengungen, weil sie bisher gehemmt war. Sie wird zu einem Angelpunkt unserer Politik, weil sie der wunde Punkt unserer Politik ist. Interview mit "Die Zeit", erschienen am 3.11.1949, Nr. 44, 4. Jg.
Ich möchte von der Tribüne dieses Hauses aus erklären, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit mit wenigen Ausnahmen - das glaube ich sagen zu können - (Lachen bei der KPD.) wünscht, daß zwischen Deutschland und Frankreich in Zukunft alle psychologischen Hemmnisse beseitigt werden, auf daß endlich Friede auch in Europa werde. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 68. Sitzung am 13.6.1950, S. 2460.
Ich werde an der Verfolgung der Europapolitik und der Politik der Herbeiführung eines guten Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich trotz aller Zwischenfälle unbedingt festhalten. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 144. Sitzung am 30.5.1951, S. 5665.
Ich kann nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß es gelingen möge, die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland möglichst bald aus der Welt zu schaffen. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen nicht nur für jetzt den Frieden für uns und für Europa retten, sondern wir wollen dafür sorgen, daß auch nach 10 und 20 Jahren, wenn die Welt vielleicht wieder anders aussieht und wenn auch die europäischen Staaten wieder zu stärkeren Staaten geworden sind, ein Krieg in Europa, ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ein für alle Mal unmöglich gemacht wird. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 190. Sitzung am 7.2.1952, S. 8103.
Im Zusammenhang mit dem Deutschlandvertrag und dem Vertrag zur Schaffung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG):
Eine zweite Quelle des Widerstandes gegen den Abschluß der Verträge in Frankreich ist die russophile Meinung, die in einzelnen Teilen der politischen Welt in Frankreich noch besteht und die natürlich von Sowjetrußland aus absolut genährt wird. Die russische Botschaft in Paris ist um einige hundert Köpfe vermehrt worden, ausgesprochen zu dem Zweck, verstärkten Einfluß in Frankreich zu bekommen, und wir dürfen auch nicht vergessen, daß jahrzehntelang das Prinzip der französischen Außenpolitik war: Ein gutes Verhältnis mit Rußland, um Schutz zu haben gegen Deutschland. Wenn nach unserem Zusammenbruch diese Sorge oder Ängste gegenüber Deutschland auch zunächst sich stark vermindert haben, sie sind wieder gewachsen, seitdem Deutschland kraft seiner wirtschaftlichen Erfolge, kraft seiner politischen Erfolge eben eine andere Stellung in der Weltwirtschaft und der Weltpolitik einnimmt als in den Jahren 1945 bis 1947.
Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 6.9.1952, st. N., S. 15, ACDP VII-001-019/11.
Daher, verstehen Sie mich aber recht, wenn ich das jetzt sage, daher bitte ich Sie, Verständnis dafür zu haben, wenn in Frankreich diese Widerstände (gegen die EVG) sind, und Verständnis auch dafür zu haben, daß wir Deutsche versuchen müssen, diese Widerstände aus dem Verstehen heraus zu überwinden, nicht dadurch, daß wir schimpfen und daß wir spektakeln und daß wir alle acht Tage eine große Bundestagsdebatte über die Differenzen haben, sondern daß wir diese Widerstände in zäher und geduldiger Arbeit zu überwinden suchen. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 6.9.1952, st. N., S. 15, ACDP VII-001-019/11.
Es gibt noch politische Kreise in Frankreich, die vielleicht, ohne es zu sagen, doch den Wunsch haben, es bliebe bei der Teilung. Aber, sowohl Großbritannien, gleichgültig welche Regierung das sein mag, wie auch die Vereinigten Staaten erkennen an, nicht uns zuliebe, sondern aus Gründen der Stabilisierung Europas, daß eine Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit eine absolute Notwendigkeit ist, um Europa zu stabilisieren und in der Welt auch Ruhe und Frieden zu schaffen. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 6.9.1952, st. N., S. 39f., ACDP VII-001-019/11.
Frankreich und die französische Kultur - ich sage Kultur, nicht Zivilisation, bei uns ist ein Unterschied zwischen Kultur und Zivilisation - haben auf meine Bildung einen großen Einfluß gehabt. Wir lernten auf dem Gymnasium als zweite Fremdsprache Latein und dann Französisch. Wir hatten acht Jahre hindurch, bis zum Schluß, französischen Unterricht, so daß wir doch über die französische Literatur und die französische Geschichte recht unterrichtet waren. Der Einfluß Frankreichs - ich meine jetzt nicht den politischen Einfluß - auf das Denken in Europa ist noch immer sehr groß, und ich freue mich darüber. Informationsgespräch mit Serge Groussard ("Le Figaro") am 27.3.1958, st. N., S. 1, ACDP NL von Eckardt I-010-002/1.
Die Verhältnisse in Frankreich spitzten sich in den ersten Monaten des Jahres 1958 in dramatischer Weise zu. Die Regierung Gaillard sah sich zahlreichen Problemen gegenüber, die sie bei ihrem Regierungsantritt im November 1957 mutig angepackt hatte. Sie hatte Maßnahmen eingeleitet auf dem Gebiete des Finanzwesens, sie arbeitete weiter an einer Verfassungsreform, an einer Wahlreform. Aber die Uneinigkeit über diese Fragen wuchs ständig, auch im Regierungslager. Vor allem aber vergiftete die Algerienfrage die gesamte französische Politik. Sie spaltete die Parteien untereinander, und sie war die Ursache der letzten Regierungskrisen der IV. Republik. Erinnerungen 1955-1959, a. a. O., S. 397f.
Die außenpolitische Lage ist wenig erfreulich; sie ist im Laufe der Entwicklung immer unerfreulicher geworden, und zwar durch die Schwäche Frankreichs, die ja auch eine Schwäche Europas mit sich bringt. Die Schwächung Frankreichs hat sich wohl am klarsten dadurch offenbart, daß das französische Parlament fast stillschweigend auseinandergegangen ist und diesen demokratischen Parlamentarismus, wie ihn die Französische Republik repräsentierte, einfach verlassen und sein ganzes Geschick dem Herrn de Gaulle übergeben hat. Man darf wohl diese Vorgänge nicht nur unter dem Gesichtspunkt der augenblicklichen Situation betrachten, sondern muß auch die Entwicklung betrachten. Die Wurzeln für diese Vorgänge liegen tiefer. Sie liegen einmal darin, daß die französische Armee sich seit Jahr und Tag von der französischen Regierung verlassen, ja sogar verraten gefühlt hat. Das gilt namentlich von Indochina. Sie fürchtete, daß ihr jetzt in Algier ein gleiches widerfahren werde. (...) Die zweite Wurzel dieser Agonie - so kann man fast sagen -, die Frankreich befallen hat, war das völlige Versagen des Parlamentarismus und war der Mangel einer Mehrheitsbildung, die wirklich in der Lage gewesen wäre, eine Ordnung in Frankreich zu schaffen, eine gute Währung zu halten, die Wirtschaft und auch das Verhältnis zur Armee zu ordnen. Seit dem Zusammenbruch Deutschlands hat es in Frankreich ungefähr 25 Regierungen gegeben. Das besagt ja genug! Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 11.7.1958, st. N., S. 5ff., ACDP VII-001-007/3.
Die Regierungsübernahme durch de Gaulle war in der gegebenen Situation unumgänglich und notwendig. Es war die einzig mögliche Lösung. (...) De Gaulle schien die Persönlichkeit zu sein, die über eine entsprechende Autorität und über Fähigkeiten verfügte, um mit diesen Schwierigkeiten fertig zu werden. Erinnerungen 1955-1959, a. a. O., S. 409.
Wir können nur hoffen und wünschen, daß die Genesung Frankreichs so schnell wie möglich eintritt und daß damit auch die Stärkung Europas weitere Fortschritte macht. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 11.7.1958, st. N., S. 18, ACDP VII-001-021/2.

Unmittelbar nach der Rückkehr von der ersten Begegnung mit Charles de Gaulle (14./15.9.1955) in Colombey-les-deux-Églises:
Ministerpräsident de Gaulle hat mit voller Klarheit darauf hingewiesen, daß eben die Situation zwischen Frankreich und Deutschland sich völlig geändert habe, daß Frankreich bis vor diesen Jahren immer in der Furcht war - oder große Teile der französischen Bevölkerung in der Furcht gewesen seien -, eines Tages von Deutschland angegriffen zu werden. Es war auch nach dem Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1945 in Frankreich noch der Gedanke lebendig gewesen, ob nicht eines Tages doch in Deutschland eine Art von Rache wegen der Niederlage Platz greifen würde. Aber das sei nun alles vorüber, das sei alles vorbei auch in der Mentalität des französischen Volkes; es bestehen keine Gegensätze solcher Art mehr und keine solchen Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich und Deutschland könnten sich deswegen gemeinsam und freundschaftlich den größeren Aufgaben widmen, die die beiden Länder gemeinsam haben in Europa und in der Welt.

Pressekonferenz in Bonn am 16.9.1958, st. N., S. 4f., StBKAH 02.18.
Wie so oft, meine Damen und Herren, macht man sich ja die Bedeutung eines Ereignisses am allerbesten dadurch klar, daß man sich fragt: Wie würde es aussehen, wenn dieses Ereignis nicht eingetreten wäre, oder wenn es nicht so verlaufen wäre, wie es verlaufen ist?! Wenn diese Zusammenkunft nicht gewesen wäre, oder wenn sie ungünstig verlaufen wäre, wäre das natürlich für die ganze europäische Politik, für die Politik der Aussöhnung, der Verständigung, der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit Frankreich - wie wir sie nun vom ersten Tage vor neun Jahren, als die Bundesrepublik ins Leben trat, gepflegt haben - vernichtend und verheerend gewesen. Pressekonferenz in Bonn am 16.9.1958, st. N., S. 6, StBKAH 02.18.
Die Begegnung war eine Bestätigung unserer bisherigen Politik und eine ausgezeichnete Grundlage für eine gute Fortentwicklung. Pressekonferenz in Bonn am 16.9.1958, st. N., S. 6, StBKAH 02.18.
Die Enttäuschung in Sowjetrußland über de Gaulle ist sehr groß. Man dachte zurück an jene Zeit vor elf, zwölf Jahren, als de Gaulle eine antideutsche und eine prorussische Politik gemacht hat, und hatte gehofft, wenn de Gaulle zur Macht komme, werde das alte Spiel wieder beginnen. Was das aber für uns bedeutet hätte, kann man gar nicht genug schwarz ausmalen; denn dann wären unsere ganzen europäischen Bestrebungen erledigt gewesen, und wir, das geteilte Deutschland, hätten in der Zange gesessen zwischen Sowjetrußland auf der einen Seite und einer prorussisch gesinnten französischen Regierung auf der anderen Seite. Das also wäre für uns eine Katastrophe großen Ausmaßes gewesen, und zwar nicht nur für unsere europäische Politik, sondern auch für die Freiheit unseres Landes. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 28.11.1958, st. N., S. 18, ACDP VII-001-021/4.
Bei de Gaulle hatten wir Deutsche ja unsere Sorge, weil de Gaulle als Ministerpräsident seinerzeit mit den Russen ein Bündnis abgeschlossen hatte gegen Deutschland im Jahre 1944. Das war also damals eine sehr sorgenvolle Zeit gerade vor einem Jahr. Informationsgespräch mit Walter Lippmann ("New York Herald Tribune") am 17.3.1959, st. N., S. 1, BPA-Pressearchiv F 30.
Nach der gescheiterten Ost-West-Gipfelkonferenz im Mai 1960:
Eines möchte ich sehr nachdrücklich betonen: Der französische Staatspräsident de Gaulle hat sich in der ganzen Sache als ein fester und zuverlässiger Mann bewährt. (Beifall.) Darüber hinaus hat er durch die natürliche Würde, die ihm innewohnt, sehr viel dazu beigetragen, daß die Dinge nicht noch schlimmer geworden sind. Einen größeren Gegensatz als zwischen de Gaulle und Chruschtschow an Würde und Verantwortungsbewußtsein können Sie sich nicht gut vorstellen.
Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 23.5.1960, st. N., S. 5f., ACDP VII-001-021/8.
Das deutsche Volk hofft, daß es gemeinsam mit seinem französischen Nachbarn einen Weg beschritten hat, der nicht in die Enge eines überholten Nationalismus zurückführt. Wir sind davon überzeugt, daß es über den nationalen Gemeinschaften eine unauflösliche und legitime europäische Gemeinschaft gibt, in der all das sichtbar und wirksam wird, was Europa in einer jahrhundertelangen Entwicklung an kulturellen und geistigen Werten hervorgebracht hat.
Wir müssen uns dabei allerdings bewußt bleiben, daß auch Europa nur weiterleben kann, wenn es eingebettet bleibt in den größeren Rahmen der atlantischen Gemeinschaft. Das bisher Erreichte in der NATO zu festigen und zu vertiefen, liegt im wohlverstandenen Interesse eines jeden von uns.
Rede in Bonn anläßlich eines Abendessens für den französischen Ministerpräsidenten Michel Debré am 7.10.1960, Bulletin Nr. 191/60, S. 1845f.
De Gaulle war doch in allen Fragen, die Deutschland betreffen, unsere beste Hilfe. Er hat in meiner Gegenwart 1959 einmal zu Macmillan und Eisenhower gesagt, und zwar wörtlich, er sei für die Wiedervereinigung Deutschlands, weil er nicht Lust habe, daß eines Morgens die Russen am Rhein stünden. Er hat in diesen Fragen immer an unserer Seite gestanden, auch in jener Konferenz im Dezember 1959, als Eisenhower und Macmillan geneigt waren, dem Drängen Chruschtschows in der Berlin-Frage, ausgelöst durch die Berlin-Note vom November 1958, in weitestem Maße entgegenzukommen. Aufzeichnung Adenauers vom 31.10.1961, S. 2, StBKAH III/52.
Frankreich und Deutschland sind Nachbarstaaten. Wir haben eine lange gemeinsame Grenze, wir haben vielfach eine gemeinsame Geschichte. Wir haben in den letzten hundert Jahren, seit Napoleon, böse Kriege gegeneinander geführt. Ich lege größten Wert darauf, das habe ich seit dem Jahre 1925 getan, daß zwischen Deutschland und Frankreich eine sehr enge Freundschaft entsteht. Lange ehe de Gaulle überhaupt eine Rolle gespielt hat, war das mein Wunsch aus der Geschichte heraus und aus dem Wunsch heraus, daß wir doch zu Europa kommen müßten. Aber Europa kann nicht bestehen, ohne daß Frankreich und Deutschland wirkliche Freunde sind, und das ist unser Bestreben. Informationsgespräch mit Frank H. Bartholomew und Thomas Raphael Gurren (United Press International) am 8.6.1962, st. N., S. 5f., ACDP NL von Eckardt I-010-002/2.
Der erste Gedanke der Montanunion, also der Union Eisen/Stahl, geht von Frankreich aus, von Robert Schuman. Robert Schuman hat mir, als er mit dem Vorschlag kam, im Jahre 1950 einen Brief geschrieben und hat darin gesagt: In Frankreich bestehe immer noch die Furcht vor einer Revanche Deutschlands. Wenn Frankreich und Deutschland - das war der politische Sinn der Montanunion - ihre Produktion von Kohle und Stahl miteinander kontrollierten, dann könne keines der beiden Länder Kriegsvorbereitungen treffen, ohne daß das andere Land das sehe, und dadurch würde dann das politische Vertrauen zwischen Frankreich und Deutschland fest gegründet werden. Damit hat er recht. Das ist der Ausgangspunkt dieser ganzen europäischen Institutionen, dafür zu sorgen - herbeigeführt von Robert Schuman -, daß zwischen Frankreich und Deutschland ein gutes und freundschaftliches Verhältnis entsteht. Informationsgespräch mit Frank H. Bartholomew und Thomas Raphael Gurren (United Press International) am 8.6.1962, st. N., S. 4, ACDP NL von Eckardt 1-010-002/2.
Wenn ich von Frankreich und Deutschland spreche, meine ich nicht nur die politische Gemeinschaft, ich meine auch wirklich die menschliche Gemeinschaft dieser beiden Völker. Frankreich und Deutschland müssen eine solche enge Völkergemeinschaft haben, daß in keinem der beiden Länder nach zehn, zwanzig Jahren noch einmal der Gedanke kommen kann, etwas zu tun, was dem anderen schadet. Das muß auch jeder einsehen. Ich sage, wer die Geschichte etwas kennt, der wird mir darin beipflichten. "Kanzler-Tee" mit der "Teerunde" am 18.6.1962, st. N., S. 12, ACDP NL von Eckardt I-010-003/1.
Ein vereintes Europa, welche Form es auch immer annehmen mag, kann nicht bestehen ohne die engste Verbindung, Freundschaft und Solidarität der beiden Nachbarstaaten Frankreich und Deutschland. Tischrede aus Anlaß eines Abendessens, gegeben von dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Palais de l'Elysée in Paris am 3.7.1962, "Mitteilung" Nr. 790/62 des BPA vom 3.7.1962, S. 1.
Bitte denken Sie daran zurück, daß im vorigen Jahrhundert jahrzehntelang eine intime Verbindung mit dem Zarentum und dem preußischen Königshofe bestanden hat. Im Übrigen hat Bismarck damals schon die größten Sorgen geäußert wegen des Drucks des zaristischen Rußlands. Die Jahre nach 1890 haben gestanden im Zeichen einer engen Verbindung zwischen dem zaristischen Rußland und später - seit 1944 - dem kommunistischen Sowjetrußland mit Frankreich. Wenn Sowjetrußland in irgendeine nähere politische Verbindung zu Frankreich käme, wären wir verloren, und umgekehrt, wenn Sowjetrußland in irgendeine nähere Verbindung zu Deutschland käme, wäre Frankreich verloren. Diese Gefahr besteht jetzt nicht, aber Menschen kommen und Menschen gehen, und deswegen ist es so notwendig, daß Frankreich und Deutschland so eng aneinander gebracht werden, daß niemals - sei es eine französische, sei es eine deutsche Regierung - jemand auch nur den Gedanken fassen kann, mit Sowjetrußland in nähere Verbindung zu treten. (Beifall.) Das war für mich seit jeher der Leitgedanke der ganzen Arbeit. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 13.7.1962, st. N., S. 19f., ACDP VII-001-022/3.
Über eines müssen wir uns jedoch klar sein, daß in der Außenpolitik das Interesse allein entscheidet über das, was ein Land tut, nicht die Liebe, nicht der Haß, die eine gewisse Rolle dabei spielen mögen. Entscheidend ist das Interesse, und Gott sei Dank, meine Damen und Herren, das Interesse Frankreichs und Deutschlands ist das gleiche. Ansprache aus Anlaß eines zu Ehren des Staatspräsidenten Charles de Gaulle gegebenen Abendessens auf dem Petersberg bei Bonn am 5.9.1962, Bulletin Nr. 166/62, S. 1410.
In der Tat ist dieses Zusammengehen eine das Geschick unserer beiden Länder und damit auch das Geschick Europas auf das Tiefste berührende Frage. Ich halte sie für die Frage Nr. 1 meiner Politik. Adenauer an De Gaulle am 28.09.1962. In: Adenauer, Briefe 1961-1963, Paderborn 2006, S. 168.
Ein erheblicher Teil dieses Vertrages richtet sich an die Jugend. Er will, daß die Jugend beider Völker aller Stände, nicht nur Schüler und Schülerinnen oder Studenten und Studentinnen, sondern auch die Angehörigen der arbeitenden Berufe sich kennenlernen, daß sie ihre Sprache, ihre Naturschätze, ihre Kulturschätze kennenlernen und so eine große Heimat auch in dem anderen Lande wiederfinden. Fernsehansprache am 23.1.1963, "Mitteilung" Nr. 80/63 des BPA vom 23.1.1963, st. N., S. 2, StBKAH 02.30.
Immer wieder haben auch in den vergangenen Jahrzehnten Staatsmänner beider Länder versucht, dieses Spannungsverhältnis zwischen Frankreich und Deutschland aus der Welt zu schaffen. Aus unserer jüngsten Geschichte erinnere ich an die Versuche während der Weimarer Republik, die durch die Namen Stresemann und Briand gekennzeichnet sind. Diesen Versuchen waren schon jahrzehntelang vorher Bemühungen Bebels vorausgegangen. Unendlich viel Blut, meine Damen und Herren, Blut und Leid wäre Franzosen und Deutschen, Europa und der Welt überhaupt erspart worden, wenn diese Versuche damals gelungen wären. (Beifall bei den Regierungsparteien und Abgeordneten der SPD.) Uns und der Welt wären der Nationalsozialismus, dessen Wurzeln aus dem nicht zustande gekommenen Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Kriege von 1914 bis 1918 ihre verderbliche Nahrung gezogen haben, und der letzte Weltkrieg erspart worden. Wären diese Versuche geglückt, so hätten die Geschichte der beiden Völker und die Geschichte Europas einen anderen Verlauf genommen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 73. Sitzung am 25.4.1963, S. 3418.
Dies Gefühl der Schicksalsgemeinschaft und der Verbundenheit für alle Zukunft zu sichern, diesem Zweck, meine Damen und Herren, dient der vorliegende (deutsch-französische) Vertrag. Ohne eine dauernde Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, meine Damen und Herren, kann Europa nicht geschaffen werden. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 73. Sitzung am 25.4.1963, S. 3419.
Es beginnt nun die Zeit fruchtbarer Zusammenarbeit der beiden Nachbarstaaten, fruchtbar für sie, fruchtbar für Europa und für den Frieden in der Welt. Beide Völker - in der feierlichen Erklärung, die Staatspräsident de Gaulle und ich am 22. Januar 1963 in Paris abgegeben haben, ist das ausdrücklich hervorgehoben - sind sich einig in dem Ziele, ein vereinigtes Europa zu schaffen. Dieser Vertrag krönt das Werk, das 1950 durch den damaligen französischen Außenminister Robert Schuman begonnen wurde. Fernsehansprache aus Anlaß der Ratifizierung des deutsch-französischen Vertrages durch den Deutschen Bundestag am 16.5.1963, Bulletin Nr. 88/63, S. 773.
Man darf geschichtliche Vorgänge nicht mit gleichen Maßstäben messen wie politische Tagesereignisse. Ich meine z. B. das rein zufällige ungefähr zeitliche Zusammentreffen der Unterzeichnung des Vertrags in Paris durch Staatspräsident de Gaulle und mich mit den Schwierigkeiten, die im Verlauf der Verhandlungen über den Beitritt Englands zur EWG entstanden waren. Ansprache auf der Eröffnungssitzung der VII. Deutsch-Französischen Konferenz in Bad Godesberg am 24.5.1963, Bulletin Nr. 91/63, S. 795.
Ich glaube, daß diese enge Freundschaft, diese enge Verbundenheit zwischen Frankreich und Deutschland, in Europa wie ein neuer Kraftimpuls wirkt. Stellen Sie sich bitte vor, wenn diese Freundschaft nicht bestünde, wäre jeder Versuch, Europa zu schaffen, von vornherein zum Tode verurteilt. Tischrede aus Anlaß eines Abendessens zu Ehren des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle in Bonn am 4.7.1963, Bulletin Nr. 117/63, S. 1050.
Ohne die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland wären weder der Ausbau der EWG noch die politische Union Europas noch die NATO und eine kommende wirtschaftliche atlantische Gemeinschaft möglich. Sie darf daher nicht als eine Tagesfrage betrachtet werden, sondern sie muß betrachtet werden als eine Frage, die für die Zukunft unserer beiden Völker und Europa von größter Bedeutung ist. Interview mit dem ZDF am 14.1.1964 aus Anlaß des ersten Jahrestages nach Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages (22.1.1963), zitiert nach einem schriftlichen Konzept, S. 8f., StBKAH 02.33.
Die Grundlage jeder Außenpolitik ist das gemeinsame Interesse und muß es sein, und das Interesse Frankreichs und Deutschlands ist identisch. Interview mit Conte Henri de Kergolay ("Le Figaro") am 10.2.1967, st. N., S. 3, StBKAH 02.38.