Genau wiederholt sich nichts in der Geschichte. Aber immerhin wiederholen sich doch oft in gewissem Sinne Tatbestände und Perioden, die einander gleichen, und die Geschichte ist und bleibt eine Lehrmeisterin für verantwortliche Staatsmänner. In Berlin auf einer Veranstaltung der CDU am 18.4.1950, st. N., S. 14, StBKAH 02.06.
Eine gewisse Kenntnis der Geschichte ist ja doch die Grundlage jedes politischen Denkens. Informationsgespräch mit Herbert Altschull (Associated Press) am 14.51958. st. N., S. 14, BPA-Pressearchiv F 30.
Wenn auch Gewalt und Terror den Frieden zu gefährden drohen, wir wissen aus einer langen Geschichte, daß Gewalt und Terror keinen Bestand haben und keinen Bestand haben können. - Das Recht war auf die Dauer immer stärker als die Gewalt und wird es auch in Zukunft sein. Weihnachtsansprache über die Deutsche Welle an 24.12.1958, Bulletin Nr. 238/58, S. 2376.
Ein Volk muß sich klar und bewußt darüber werden, daß es in weitem Umfang selbst sein Geschick formt. Es kann sich dessen aber nicht bewußt werden, wenn es seine Geschichte nicht kennt. Ansprache über den deutschen Rundfunk am 20.9.1959 aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Bundesrepublik Deutschland, Bulletin Nr. 174/597 S. 1757
Auf die Frage, was die Regeln wären, die ein junger Politiker zu beachten hätte, um Erfolg zu haben:
Geschichte studieren, das würde ich zuerst sagen. Nicht einfach Tagesereignisse auf sich wirken lassen allein, sondern nun zu sehen die geschichtlichen Kräfte, die Konstellationen hervorgerufen haben und welche Konstellationen, und ob man diese Konstellationen ändern kann.
Informationsgespräch mit Dr. Kurt Lachmann (US News and World Report) am 29.1.1963, st. N., S. 10, StBKAH 02.30.
Ein Volk kann seine Gegenwart und seine Zukunft nur gestalten, wenn es seine Vergangenheit versteht und daraus seine Lehren zieht. Konzept für eine Tonbandaufnahme für den Sender Rias. Berlin, datiert vom 30.12.1965. S. 1, StBKAH 02.36
Man darf nicht vergessen, daß es in der Geschichte Perioden gibt, Wellenbewegungen. Das eine Volk steigt, das andere fällt ab. So ist es mit Völkern und mit Kulturen - und die Menschen heute sehen nicht die Gefahren. Im Gespräch in Cadenabbia, Anfang 1966, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Das Heute steht auf dem Gestern und das Morgen steht auf dem Heute. Es gibt nicht nur ein Heute, oder gar, wie es Dynamiker gern sehen möchten, nur ein Morgen, sondern es gibt eben auch ein Gestern, das das Heute und das Morgen stark, ja, manchmal sogar entscheidend beeinflußt. Man muß das Gestern kennen, man muß auch an das Gestern denken, wenn man das Morgen wirklich gut und dauerhaft gestalten will. Feierstunde in der Frankfurter Universität, 30.6.1952. Bulletin 81/52.
Man kann nach meiner Auffassung nicht in der Zukunft gut wirken, wenn man nicht aus der Vergangenheit lernt und das aus der Vergangenheit mit sich nimmt, was wert ist, mitgenommen zu werden. Auf dem Deutschen Handwerkertag, Düsseldorf, 27.4.1952. Bulletin 48/52.
Alle großen historischen Ereignisse treten fast nie in stürmischer Entwicklung von heute auf morgen ein. In der Geschichte wirken die plötzlich eintretenden Ereignisse wie Revolutionen und Kriege mörderisch und zerstörend. Die auf Grund innerer Entwicklung mit Naturnotwendigkeit eintretenden Veränderungen sind zwar langsamer, aber erfolgreicher. "Grüne Woche", 2.2.1957. Bulletin 24/57.
Sie dürfen niemals die geschichtlichen Zusammenhänge vergessen. Glauben Sie mir, auch im Ablauf des Lebens des Volkes folgt das eine aus dem anderen, das Heute aus dem Gestern und das Morgen aus dem Heute. Und so ist es sehr wertvoll, die Fäden zu verfolgen, wie sie durch das ganze Geschehen hindurchlaufen, dann erst bekommt man die richtige Einstellung auch zu dem Heute. Auf der Zonentagung der Jungen Union der CDU in Recklinghausen am 4.8.1946. Druck: Schriftenreihe der Jungen Union, H. 1, Heider Druck, Bergisch Gladbach, 1946, S. 5.
Es gibt in der Geschichte ewige Gesetze. Eines der vornehmsten Gesetze ist, daß auch in der Geschichte Recht Recht bleibt. Auch in der Geschichte folgt dem Bruch des Rechts die Strafe. Wann die Strafe folgen wird, wann die schädlichen Folgen des Rechtsbruches sich zeigen, das weiß man nicht vorher. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU am 13.4.1947, st. N., S. 2, ACDP S. Ad.
Die Arbeit und die Entwicklung eines jeden Tages baut sich auf und schließt sich an an die Entwicklung der dahinterliegenden Zeit. Man verliert die Übersicht, und man verliert das Urteil, den richtigen Maßstab, wenn man die Dinge nicht im Zusammenhang und in ihrer Entwicklung betrachtet. Auf dem 2. Bundesparteitag der CDU in Karlsruhe am 19.10.1951, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU, Bonn o. J., S. 13.
Es ist unmöglich, eine geschichtliche Situation allein aus den Tagesvorgängen und den Tagesereignissen heraus zu beurteilen. Auch im Leben der Völker bilden die Verhältnisse eine zusammenhängende Kette. In Wetzlar auf einer Veranstaltung der CDU am 30.4.1952, Bulletin Nr. 50/52, S. 528.
Die Vergangenheit ist eine Realität. Sie läßt sich nicht aus der Welt schaffen, und sie wirkt fort, auch wenn man die Augen schließt, um sie zu vergessen. Ansprache in der Frankfurter Universität am 30.6.1952, Bulletin Nr. 81/52, S. 825.
Ich habe versucht und versuche es weiter, Deutschland und die deutsche Politik in neue Wege zu führen. Aber gerade darum, weil ich auf diese meine Tätigkeit hinweisen darf, darf ich Sie bitten, über den Gedanken an die Zukunft nicht den Gedanken an die Vergangenheit einfach auszulöschen, sondern den Versuch zu machen, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Ansprache in der Frankfurter Universität am 30.6.1952, Bulletin Nr. 81/52, S. 825.
Man sollte die historischen Vorgänge nicht von einem bestimmten Tage ab gut oder schlecht beurteilen, sondern man muß die ganze Kette der Ereignisse sehen. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 23.11.1956, st. N., S. 15, ACDP VII-001-005/7.
In der Geschichte gibt es so viel Dummheiten, das können Sie sich gar nicht vorstellen! "Presse-Tee" mit britischen Journalisten am 8.1.1962, st. N., S. 13, StBKAH 02.26.
Die Geschichte wirkt auf lange Sicht hin zwangsläufig im Sinne der Gerechtigkeit, und zwar mit oder ohne Einwilligung des Betroffenen, wer es auch immer sei. Interview mit der brasilianischen Zeitung "O Globo", erschienen am 2.8.1964, zitiert nach einer Übersetzung des Auswärtigen Amtes, S. 6, StBKAH 02.34.
Ein Rückblick hat nur dann Sinn, wenn durch ihn die Ansätze künftiger Entwicklungen bloßgelegt werden und er damit der Zukunft dient. Im August 1964 gegenüber Anneliese Poppinga, vgl. Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer, a. a. O., S. 128.