Für mich ist Politik nicht lediglich Methode, Umweg, Ausweg; für mich ist Politik und für die gesamte CDU ist Politik das Verfolgen von Zielen, die man sich gesetzt hat auf Grund der Weltanschauung, die man in sich trägt. In Mönchengladbach auf einer Veranstaltung der CDU am 2.6.1946, st. N., S. 6, ACDP S. Ad.
Macht ist an sich nichts Böses, aber Macht kann etwas sehr Böses werden in der Hand derjenigen, die die Macht besitzen. Darum wollen wir von der CDU nirgendwo, weder im wirtschaftlichen noch im politischen noch im staatlichen Leben, eine Zusammenballung von Macht, die die Freiheit des Volkes oder des einzelnen gefährden könnte. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU am 13.4.1947, st. N., S. 9, ACDP S. Ad.
Die Gemeindepolitik, die Kommunalpolitik ist eine Schule auch für die große Politik. In Mönchengladbach auf einer Veranstaltung der CDU am 12.10.1948, st. N., S. 1, ACDP S. Ad.
Eine Partei muß auch Kraft zeigen, nicht nur bei der Wahl, sondern auch in der Verfolgung ihrer Ziele. Dabei muß sie unter Umständen, meine Freunde, auch rücksichtslos sein und darf nicht immer nur mit dem Hut in der Hand dastehen und sich mit dem letzten Platz bescheiden. In Bonn vor maßgebenden Politikern der CDU-Kreisparteien Rheinland und Westfalen am 13.1.1951, st. N., S. 8, StBKAH 02.08.
Man verhandelt immer besser aus der Stärke als aus der Schwäche. Interview mit Ernst Friedlaender im NWDR, Bulletin Nr. 47/52 vom 26.4.1952, S. 488.
Für mich ist Stärke immer nur Mittel zum Zweck und niemals Selbstzweck. Interview mit Ernst Friedlaender im NWDR, Bulletin Nr. 47/52 vom 26.4.1952, S. 489.
Verträge allein schaffen noch kein Vertrauen unter den Vertragschließenden. Gemeinsame Arbeit, Sichkennenlernen, das schafft Vertrauen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages. 1. Wahlperiode, 222. Sitzung am 10.7.1952, S. 9911.
Ich bin der Auffassung, daß das moralisch Gebotene mindestens so verpflichtend ist wie das juristisch Gebotene. Auf dem 3. Bundesparteitag der CDU in Berlin am 18.10.1952 im Zusammenhang mit dem „Luxemburger Abkommen" vom 10.9.1952 (Wiedergutmachungsabkommen mit dem Staat Israel und der Conference on Jewish Material Claims against Germany); Protokoll des Parteitages, hrsg. von der CDU, Bonn o. J., S. 25.
In der Politik ist Konsequenz und Geduld, und das gilt namentlich in der Außenpolitik, die stärkste Waffe. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU am 2.11.1952, st. N., S. 17 StBKAH 02.10.
Es gibt Dinge, die logisch unmöglich sind, und trotzdem sind sie psychologisch möglich. Auch irrationale Kräfte wirken in der Politik. Interview mit Ernst Friedlaender im NWDR am 6.3.1953, Bulletin Nr. 45/53, S. 382.
Ich glaube, zwei Dinge sind in der Politik notwendig: Man muß die Gabe, in seiner Betrachtungsweise und in seinem Herantreten an Probleme realistisch zu sein, mit einer gewissen Eingebung vereinen und verbinden, einer gewissen Möglichkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft eintreten werden. Rede vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senates in Washington, D.C., am 9.4.1953, Bulletin Nr. 77/53, S. 653.
Das ist eine der Hauptsachen in der Politik, daß man nicht Phantasien oder Utopien nachläuft, sondern, genau so wie es der Handwerker, der Kaufmann, der Landwirt in seinem Beruf tun muß, klar die realen Gegebenheiten und Möglichkeiten erkennt. In Dortmund auf einer Veranstaltung der CDU am 26.7.1953, Auszüge aus der Rede, S. 2, StBKAH 16.12.
Wir müssen eine stetige Politik führen, denn nichts ist mehr dazu angetan, Vertrauen zu erwerben, als Zuverlässigkeit und Stetigkeit der Politik, und nichts ist mehr dazu angetan, die ersten Keime des Vertrauens wieder zu zerstören, als eine Zick-Zack-Politik, als Unstetigkeit. In Düsseldorf-Oberkassel im Rahmen eines Staatsbesuches im Land Nordrhein- Westfalen am 13.5.1954, Bulletin Nr. 72/54, S. 813.
Macht, meine Damen und Herren, verlangt Klugheit, Mäßigung und ein gesteigertes Verantwortungsgefühl. Macht, die mißbraucht wird, ist etwas Verderbliches. Macht aber; die von Verantwortung getragen wird, ist ein Geschenk Gottes. Auf dem 5. Bundesparteitag der CDU in Köln am 28.5.1954, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 163.
Lüge nie, auch nicht in der Politik! Denn du kannst ja doch nicht alles behalten, was du gesagt hast. Gegenüber Dr. Paul Otto, CDU-Politiker aus Osnabrück, in:: Paul Weymar: Konrad Adenauer. Die autorisierte Biographie, a. a. 0., S. 310.
Der Fehler in der heutigen Zeit heißt Perfektionismus -, daß wir alles bis aufs Feinste austüfteln und alles gedanklich ausarbeiten und womöglich saecula saeculorum und Gott weiß alles erklären. Die Situation ändert sich. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 24.2.1956, st. N., S. 68, ACDP VII-001-005/2.
Gewiß, alles menschliche Denken und Handeln ist vielfach zeitgebunden und dem Wechsel unterworfen. Aber wenn man eine politische Partei aufbaut, die nur auf zeitgebundenen Voraussetzungen beruht, dann wird eine solche Partei steril und vergänglich sein. Gerade auch Parteien oder - besser - gerade politische Parteien müssen in der Tiefe aufbauen, wenn sie Dauer haben sollen. Sie müssen aufbauen auf unvergänglichen Werten. Auf dem 6. Bundesparteitag der CDU in Stuttgart am 27.4.1956, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 20.
Politik läßt sich nicht treiben ohne Wirtschaft, aber Wirtschaft läßt sich noch viel weniger treiben ohne vernünftige Politik. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 20.9.1956, st. N., S. 80, ACDP VII-001-005/6.
Vox populi, vox Dei! - Das ist nicht immer richtig, aber wenn es paßt, ist es ein sehr gutes Sprichwort. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 7.2.1957, st. N., S. 10, ACDP VII-001-006/1.
Übrigens ist die Beschäftigung als Gärtner eine ausgezeichnete Schulung für den Politiker, weil sie zur Geduld zwingt! Rede anläßlich der Eröffnung der Bundesgartenschau in Köln am 26.4.1957, Redemanuskript, S. 2, StBKAH 02.15.
Das Unterlassen ist die negative Seite des Handelns (Beifall). Durch ein Unterlassen kann man genau so schuldig werden wie durch ein Handeln (Starker Beifall). Das ist ja die unendlich schwere Aufgabe aller derjenigen, die auf politischem Gebiet Entschlüsse zu fassen oder zu unterlassen haben, daß sie vor ihrem Gewissen abwägen müssen: Was ist Gewissenspflicht? Zu handeln oder zu unterlassen? Denn, meine Freunde - ich wiederhole -, das Danach gilt in gleicher Weise für das Handeln wie für das Unterlassen. Sagen möchte ich nun, daß mir diese Gewissenskonflikte wahrhaftig nicht fremd sind. Auf dem 7 Bundesparteitag der CDU in Hamburg am 12.5.1957, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 131.
Politik ist die Kunst, das auf ethischer Grundlage als richtig Erkannte zu verwirklichen. Freiheit, Friede, Einheit - das sind die Ziele unserer Politik, einer Politik also, die nicht einem brutalen Machttrieb oder einem nackten Egoismus folgt, sondern die großen Werte verwirklichen will, die den Fortschritt der Menschheit bestimmen. Rede vor dem US-Senat in Washington, D.C., am 28.5.1957, Bulletin Nr. 100/57, S. 901.
Ich halte es für sehr unklug in der Politik, nicht klar zu sagen, was man will, denn alle Erfolge in der Politik beruhen auf Vertrauen. Informationsgespräch mit Serge Groussard (Le Figaro) am 27.3.1958, st. N., S. 6, ACDP NL von Eckardt I-010-002/1.
Würden Sie von mir einen guten Rat annehmen! Sehen Sie bitte nicht auf Ihre Person, sondern sehen Sie nur auf die Sache. Man muß auch einmal einstecken, was einem sehr unangenehm ist - das tue ich auch von morgens bis abends -, wenn man in der Sache weiterkommt. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 27.11.1958, st. N., S. 179, ACDP VII-001-007/6
Man soll seine Enttäuschung niemals zeigen. In Berlin auf einer Veranstaltung der CDU in der Deutschlandhalle am 5.12.1958, unter Anspielung auf einen Wutausbruch von Nikita Chruschtschow, st. N., S. 4, StBKAH 02.18.
Sie wissen, daß ich die Politik für ein notwendiges Übel halte und daß ich der Auffassung bin, die intensive Beschäftigung mit ihr trägt nicht sehr zur inneren Hebung des Menschen bei. Schreiben vom 30.1.1959 an Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss, StBKAH III/47.
Es ist ja nicht die Arbeit, die den Menschen so mitnimmt - die ist es nicht -, sondern es ist die mit der Macht verbundene Verantwortung. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 3. Wahlperiode, 74. Sitzung am 11.6.1959, S. 4017.
Was will ein Bundeskanzler machen, wenn er keine gute Presse hat! Meine verehrten Herren, er kann dann gegen den Strom ruhig anschwimmen, auch wenn der Strom Presse heißt, weil die Bevölkerung dann vielfach sagt: Es sind die schlechtesten Früchte nicht, an denen die Wespen nagen. Vor der Unions-Presse in Bonn am 17.10.1959, st. N., S. 1, StBKAH 02.20.
Und nun sage ich Ihnen, wer in der Politik in den großen Fragen kein gutes Gedächtnis hat, der bleibt besser daraus! Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 23.5.1960, st. N., S. 4, ACDP VII-001-021/8.
Auf die Frage, ob er ohne große Pläne arbeite:
Ich will mich einmal so ausdrücken: Ich bin darauf gefaßt, daß jeder Plan heute oder morgen überhaupt über Bord geworfen werden muss.
Interview mit Daniel Schorr (CBS) am 23.8.1962, st. N. der Fernsehaufnahme, Teil II, S. 42, StBKAH 02.27.
Ich habe öfter empfunden, daß Frauen für politische Fragen ein viel größeres Verständnis zeigen als Männer. Aus einem Grund, meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer, der sehr einfach ist, weil sie unmittelbarer denken und empfinden als der Mann und weil manchmal doch beim Mann mehr als bei der Frau der persönliche Erfolg an erster Stelle steht und nicht das allgemeine Wohl. Weihnachtsansprache am 25.12.1962 über die deutschen Rundfunksender. Druck: Martin Verlag, Buxheim/Allgäu o. J., o. S.
Stetigkeit in der Politik ist mit die Hauptsache, um glaubhaft zu erscheinen. Informationsgespräch mit Dr. Lorenz Stucki (Die Weltwoche, Zürich) am 6.6.1963, st. N., S. 2, BPA-Pressearchiv F 30..
Das Wichtigste ist der Mut! Meine Herren, der gute Politiker, der muß nicht nur vieles wissen, er muß nicht nur realistisch denken, er muß überlegen können, aber er muß auch Mut haben, dasjenige, was er als richtig erkannt hat, nun anderen zu sagen, zu vermitteln und durchzuführen. Interview in einer Sendung des ZDF unter dem Titel „Adenauer blickt zurück - Stationen einer vierzehnjährigen Kanzlerschaft“, gesendet am 15.10.1963, Anhang I zum Nachrichtenspiegel des BPA vom 16.10.1963, st. N., S. 1.
Man darf niemals sagen ‚zu spät’. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang. Im März 1964 gegenüber Anneliese Poppinga, vgl. Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer, a. a. O., S. 89.
Adenauer wurde eine differenzierte Sicht der Wahrheit zugeschrieben. Nach ihm soll es die reine, die lautere und die statistische Wahrheit gegeben haben. Bei einem Interview aus Anlass seines 90. Geburtstages hierauf angesprochen, gab er die folgende Antwort: Diese dreifache Art von Wahrheit habe ich nicht erfunden, sondern mein verstorbener Freund Robert Pferdmenges. Und als Scherz haben wir manchmal dann die Redewendung von ihm gebraucht. Nun werden Sie sagen, der Politiker kann nicht immer alles sagen; da haben Sie recht. Aber das, was er sagt, muß wahr sein. Natürlich kann er nicht alles immer sagen; das ist so selbstverständlich, daß ich kein Wort dazu zu sagen brauche. Aber der Politiker soll in dem, was er sagt, ehrlich sein. Gaus: Er soll nicht schwindeln, meinen Sie. Adenauer: Er soll nicht schwindeln. Lügen haben kurze Beine. Gaus: Notlügen sind erlaubt? Adenauer: Notlügen gibt es dabei nicht. Man ist immer in Not und würde dabei immer lügen, wenn Notlügen erlaubt wären. Interview mit Günter Gaus am 29.12.1965, ausgestrahlt im ZDF am 04.01.1966. Druck: Günter Gaus: Zur Person. Portraits in Frage und Antwort, Bd. II. München 1966, S.55.
Man überredet am besten die Leute, wenn sie müde sind. Aber bis sie mal müde sind, dazu gehört Geduld! Im Februar 1967 gegenüber Annliese Poppinga, vgl. Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer, a. a. O., S. 345.
Klugheit ist gut bei einem Politiker, aber Erfahrung ist noch besser. Interview mit Conte Henri de Kergolay (Le Figaro) am 10.2.1967, st. N., S. 7, StBKAH 02.38.
Ein guter Politiker muß viel wissen, arbeiten und Respekt vor der Meinung anderer haben, auch wenn er sie nicht teilt. Er muß sein Volk lieben und muß den anderen Völkern dieselbe Achtung und Wertschätzung entgegenbringen, die er für sein Volk verlangt. Interview in der Kasseler Schülerzeitung "Funke", 6.5.1953.
Zu viel Macht in Händen zu haben, das hält der Mensch nur schwer aus. Im Gespräch, Herbst 1964, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Unendlich wichtig für eine erfolgreiche Politik ist es, niemals das Vertrauen seiner Freunde zu verlieren. Die Methoden der Politik können sich schon einmal ändern, aber das Vertrauen ist die Basis des politischen Zusammenwirkens. Es darf nicht angetastet werden. Vertrauen ist einfach entscheidend. Gespräch in Loveno 1963, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Jedermann erliegt leicht der Versuchung, sich nur mit bequemen Persönlichkeiten zu umgeben, das ist aber unklug. Gespräch in Cadenabbia 1964, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Unbequeme Politiker sind oftmals die produktivsten. Aber es fehlt an Menschen für die politische Arbeit. Es fehlt an Menschen, die willens und in der Lage sind, sich politisch zu betätigen. Gespräch in Cadenabbia 1964, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Es ist wesentlich, daß man seine Politik in ihrer Durchführung mit einem gesunden Realismus den wechselnden Gegebenheiten anpaßt. Anläßlich der europäischen Verhandlungen in Messina 1956, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
In der Politik ist Versagen eine Schuld! Gespräche in Bonn 1957, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Durch ein Unterlassen kann man genauso schuldig werden wie durch Handeln. Im Gespräch 5.4.1957, in: Konrad Adenauer, "Erinnerungen 1955-1959", Stuttgart 1967.
Ein Politiker muß aussprechen, was sein Gewissen ihm sagt, sonst macht er sich schuldig. Antwort auf die Kritik seiner Interviews mit Sulzberger, 5.2.1965, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Was unmöglich scheint, muß man versuchen, möglich zu machen. Februar 1965, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Ein Politiker würde falsch handeln, der das Gute nicht tut, weil das Bessere noch nicht erlangbar ist, oder der den Schritt, der heute möglich ist, unterläßt, weil er glaubt, daß ihm der größere Schritt wohl morgen gelingt. Vor dem Europarat 10.12.1951, Protokoll.
Es sind immer viele Strömungen vorhanden, gute und weniger gute. Der Politiker muß sie erkennen, beobachten und beeinflussen; er muß es, und er kann es. Februar 1965, Rhöndorf, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Der größte Fehler, den man in der Politik machen kann, den man insbesondere in der Außenpolitik machen kann, weil die in ihr begangenen Fehler sich in der Regel nicht mehr korrigieren lassen, ist, seine Entscheidungen lediglich im Hinblick auf eine augenblickliche Situation zu fällen. Rede im Bundestagswahlkampf 1957, Stenogramm.
Es ist entscheidend in der Politik, daß man nicht Phantasien oder Utopien nachläuft, sondern genauso, wie es der Handwerker, der Kaufmann, der Landwirt in seinem Beruf tun muß, klar den Realitäten Rechnung trägt. Im Bundestagswahlkampf 1953, Stenogramm
In der Politik wird man wohl nie ideale Gegebenheiten vorfinden; treten sie dennoch einmal ein, so sind es ganz große Augenblicke der Geschichte. Dann wiederum stellt sich aber die Frage: Sind auch Staatsmänner da, die diese Gegebenheiten erkennen, und werden dann ihre Völker ihnen folgen? Im Gespräch 1952, in: Konrad Adenauer, "Erinnerungen 1953-1955", Stuttgart 1966.
Es muß heutzutage zu den Haupteigenschaften eines Politikers gehören, seine Nerven zu beherrschen. Tischgespräch 14.1.1950 mit dem französischen Außenminister Schuman, in: Konrad Adenauer, "Erinnerungen 1945-1953", Stuttgart 1965.
Wenn Verhandlungen das Wohl des Landes im Auge haben, dann setze ich mich auch mit dem Teufel an einen Tisch! Gespräch mit Journalisten nach den Saar-Abmachungen 1954. Zum Journalisten Klaus Otto Skibowski.
Es gibt Dinge in der Welt, die viel wichtiger sind als jede Parteipolitik. Auch ein Parteipolitiker muß erkennen, was nicht nur seiner Partei gut tut, sondern was dem ganzen Volk, dem er angehört, gut tut. Rede vor der Union Europäischer Föderalisten, Aachen 31.3.1952, in "Bulletin".
Ich erblicke demokratische Freiheit darin, daß man unter Umständen auch gegen die Meinung seiner Parteifreunde handelt. Rücknahme der Präsidenten-Kandidatur, Bundestag 11.6.1959, Protokoll.
Klugheit und Mut sind erforderlich. Aber manche Politiker neigen nun einmal dazu auszuweichen, Auswege zu suchen. Gespräch Februar 1967, vor der Madrider Reise, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Nichts ist dem Ansehen eines Volkes und namentlich unserem Volke nach alledem, was hinter uns liegt, abträglicher als der Ruf der Unstetigkeit. Die Stetigkeit in der Politik ist die Voraussetzung für das Ansehen eines Volkes. Vor dem Deutschen Bundestag 15.10.1963, Protokoll.
Das Wichtigste in der Politik und überhaupt im Leben allgemein ist Geduld und Gelassenheit. Aber das fehlt den Menschen heute, die Menschen scheinen keine Geduld mehr zu kennen. Aber in der Politik muß man Geduld haben. Man erwartet in unseren Tagen so oft, die schwierigsten Probleme müßten von heute auf morgen gelöst sein. Gespräch während des Aufenthaltes in Loveno 1963, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Ein Politiker braucht Liebe zu seinem Volk. Ich meine damit nicht zu den Grenzen des Staates. Die verändern sich. Ich meine Liebe zu seinem Volk und auch Stolz auf sein Volk, auf das, was dieses Volk in der Vergangenheit geleistet hat. Gespräch in Rhöndorf 1967, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Die Lage schreit danach, daß unsere Politik kräftiger und energischer geführt wird. Im Gespräch August 1965, in: Anneliese Poppinga, "Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer", Stuttgart 1971.
Wenn man nach reiflicher Überlegung ein Ziel und einen Weg als richtig erkannt hat, kann man natürlich, wenn der Gegner Schwierigkeiten macht, versuchen, den Weg etwas zu ändern, aber in der Hauptsache, im Ziel und in der Richtung, muß man fest und unbeirrbar sein. Im Gespräch, wiederholt so und sinngemäß beim Wahlkampf 1957, Aufzeichnungen des Journalisten Klaus Otto Skibowski.
Aus der Schwäche heraus läßt sich keine Politik machen. Interview mit Friedlaender 5.3.1952, in: "Bulletin".
Ich stehe auf dem Standpunkt, daß man gerade in der Politik die Dinge so sehen und aussprechen soll, wie sie sind, und daß man nichts beschönigen soll, allerdings auch nicht bei anderen Parteien. Auf dem CDU-Bundesparteitag 2.6.1962, Dortmund, Protokoll.
Unsere Überzeugung ist nicht abhängig von den Wechselfällen der Tagespolitik. Wir lassen uns auch nicht irremachen durch anachronistische Äußerungen, die an den Nationalsozialismus erinnern oder an ihn appellieren. Wir haben die Gewißheit, daß wir im Einklang handeln mit dem Geist der Zeit und daß deshalb unser Werk, das ebenso gut ein deutsches Werk wie ein europäisches Werk ist, das zur Wiedervereinigung Deutschlands und zum Frieden führen soll, gelingen wird. Vor dem Verein der Auslandspresse, 25.3.1952. Bulletin 36/52.
Wir versprechen kein irdisches Paradies, denn das Glück des Menschen liegt immer in Gottes Hand. Und doch glauben wir fest, daß auf dem Wege, den wir beschreiten, größere Glücksmöglichkeiten zu finden sind als in der kommunistischen Welt. Das gibt uns die Kraft zu handeln, freilich immer in der Hoffnung, daß die Besten von denen, die nach uns kommen, die Fackel aufheben und weitertragen, wenn sie unserer Hand entfällt. Aus der Kanzler-Biographie von Paul Weymar, München 1955. Bulletin 241/55.
"Die Politik ist die Kunst des Möglichen", sagt man. Das heißt: Sie muß mit einem gesunden Realismus ihre Handlungen den Gegebenheiten anpassen. Sie muß, wenn das Ganze nicht erreichbar ist, den Teil davon verwirklichen, der möglich ist, und darf im übrigen der Kraft der Entwicklung vertrauen. Ein Politiker würde falsch handeln, der das Gute nicht tut, weil das Bessere noch nicht erlangbar ist, oder der den Schritt, der heute möglich ist, unterläßt, weil er glaubt, daß ihm der größere Schritt wohl morgen gelingt. Vor der Beratenden Versammlung des Europarates, 10.12.1951. Bulletin 21/51.
Es ist bei diplomatischen Verhandlungen, bei Verhandlungen unter den Völkern ganz ähnlich wie bei Verhandlungen unter Privaten oder unter Gesellschaften. Auch schon ehe in der letzten Urkunde alles niedergelegt wird, hat sich im Laufe der Verhandlungen eine bestimmte Meinung herausgebildet, haben mehr oder weniger feste Zusagen schon stattgefunden. Die Bindungen sind in hohem Maße schon erfolgt, ehe die letzte Bindung beschlossen worden ist. CDU-Kundgebung, Universität Bonn, 28.3.1952. Bulletin 38/52.
In erster Linie muß ich Ihnen zwei Worte sagen, die für uns alle in dieser Zeit gelten müssen: Hoffnung und Geduld! Hoffnung: Denn Recht wird schließlich doch einmal wieder Recht werden und bleiben und wird triumphieren. Und das Recht wird Sieger werden über das Unrecht. Und Geduld müssen wir haben, weil wir nur Schritt für Schritt weiterkommen können, mit Zähigkeit und mit Ausdauer, mit Mut und Kraft. Auf dem Parteitag der Exil-CDU, Bonn, 22.3.1953. Bulletin 56/53.
Der Wille, das glücklich Begonnene auch glücklich zu vollenden, kann durch die Wechselfälle der Tagespolitik nicht gebrochen werden. Der Entscheidung darf sich aber niemand entziehen, der sich für die Zukunft seiner Familie, seiner Heimat und seines Vaterlandes verantwortlich fühlt. Südwestfunk, 7.3.1952. Bulletin 28/52.
Nicht über Einzelheiten stolpern und sich nicht in Einzelheiten aufhalten. Das ist in Zeiten wie den unsrigen einfach nicht möglich und ist unverantwortlich. Schlußkundgebung der Tagung "Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands", Bamberg, 20.7.1952. Bulletin 95/92.
In der Politik darf man nicht nur emotional handeln. In der Politik muß man sich dann und wann sicher mal Luft machen. Aber dann muß man mit kühlem Kopfe die ganze Sachlage überlegen. CDU-Kundgebung, Bochum, 2.9.1955. Bulletin 166/55.
Die Politiker mögen sich noch so mühen, Verbundenheit zwischen den Völkern zu pflegen; wenn die Völker selbst nicht mitgehen, dann nützen alle Anstrengungen der Politiker nichts. Ansprache an die 20. Generalversammlung des Kolping-Werkes, 25.9.1955. Bulletin 181/55.
Wir leben in Wahrheit in einer Zeit, die für jeden im öffentlichen Leben Stehenden eine Zeit größter Verantwortung ist. Und jeder Tag, jede Woche, jeder Monat, der vergeht, muß getragen sein von unserem Willen zur Gemeinschaft und zum Frieden. Ansprache anläßlich eines Abendessens zu Ehren des Außenministers Pinay, 29.4.1955. Bulletin 82/55.
Auch der Politiker darf nicht sagen, bei großen Entscheidungen spielten Menschenschicksale keine Rolle. Das würde nicht richtig gehandelt sein. Regierungserklärung, 22.9.1955. Bulletin 179/55.
Ein verantwortlicher Politiker, ein Staatsmann kann eins ganz gewiß nicht, er kann nicht einfach in das Nichthandeln ausweichen, nur weil es keine Möglichkeit des Handelns ohne Schattenseiten gibt; dann nämlich handeln andere über diesen Politiker und sein Land hinweg, und dann kommt dieses Land bestimmt ins Hintertreffen. Interview mit Friedlaender, 5.3.1952. Bulletin 27/52.
Es gibt tatsächlich politische Gelegenheiten, wo man mit Teilmaßnahmen steckenzubleiben droht und dann nur den Mut zum Ganzen haben muß, nun doch weiterzukommen. Mut und Angst wohnen zuweilen nahe beieinander. Interview mit Friedlaender, 5.3.1952. Bulletin 27/52.
In der Vorstellung vieler ist der Politiker und Staatsmann ein Mensch, der mit dem Verstand und mit kühler Berechnung arbeitet. Das ist wahr. Das muß er auch. Aber es ist nicht ganz wahr. Wer für das Wohl eines geschlagenen, zerrissenen Volkes verantwortlich ist und dafür arbeitet, es zurückzuführen zu Freiheit und zu Wohlstand, der muß ein warmes Herz haben, ein heißes Herz haben für sein Volk und für sein Land, Nur dann, wenn ihn die Liebe zu seinem Vaterland immer wieder treibt, das anscheinend Aussichtlose zu versuchen und Schritt für Schritt weiterzugehen, dann kann er etwas erreichen. Werksfeier in Watenstedt-Salzgitter, 27.6.1953. Bulletin 120/53.
Es ist besser, politisch in jedem Fall richtiger, das Mögliche zu tun, statt mit dem Nachtrauern über das zur Zeit Unmögliche auch das zur Zeit Mögliche zu versäumen. Aufsatz in "Die Zeit", 26.6.1952. Bulletin 77/52.
Politik heißt, den Zug der Entwicklung zu erkennen und auch danach zu handeln. Aufsatz in "Die Zeit", 26.6.1952. Bulletin 77/52.
Es gibt in der Tat für uns Deutsche - wenn ich sage, für uns Deutsche, dann deswegen, weil das deutsche Volk ja in einem Brennpunkte der Gefahren unserer Zeit steht - nichts Schlimmeres als Opportunismus. Mir ist jemand, der mein erklärter politischer Gegner ist, viel lieber als derjenige, der heute so und morgen so spricht, und der sich allem fügt, gerade wie der Wind ihn trägt. Vor der Hermann-Ehlers-Gesellschaft, 22.6.1956. Bulletin 123/56.
Man kann kein guter Diplomat sein, solange man der Gefangene des eigenen falschen Weltbildes ist. Interview mit Friedlaender, 22.2.1954. Bulletin 37/54.
Die beste Schule für einen jungen Politiker ist die Tätigkeit in der kommunalen Verwaltung. Kundgebung der CDU, Wetzlar, 30.4.1952. Bulletin 50/52.
Im politischen Leben jedes Volkes drängen unablässig neue Kräfte nach vorne. Sie dem staatlichen Leben zunutze zu machen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben des verantwortlichen Regierungschefs; in Deutschland ist das nicht anders als in anderen Ländern. Ansprache über den deutschen Rundfunk, 16.10.1956. Bulletin 196/56.
Eine große Partei, sie mag heißen, wie sie will, und sie mag an der Macht sein oder nicht, hat in der Lage des deutschen Volkes, wo es um Leben und Tod geht, nur eine Politik zu befolgen: Das Vaterland über die Partei zu stellen. CDU-Kundgebung, Heidelberg, 1.3.1952. Bulletin 26/52.
Ich glaube, daß Sie sich ein großes Verdienst erwerben können in allen europäischen Ländern, wenn Sie den politischen Parteien klarmachen, daß es Dinge in der Welt gibt, die viel wichtiger sind als jede Parteipolitik, daß auch ein Parteipolitiker ein Politiker sein muß, nicht nur ein Parteipolitiker, und daß er erkennen muß, was nicht nur seiner Partei gut tut, sondern was dem ganzen Volke, dem er angehört, gut tut. Vor der Union Europäischer Föderalisten, Aachen, 31.3.1952. Bulletin 39/52.
Wir müssen dafür sorgen, daß die Autorität des Staates nicht mit Füßen getreten wird, und wir müssen dafür sorgen, daß wir in Deutschland endlich zu dem Zustand kommen, daß jeder Achtung hat vor der ehrlichen Meinung des anderen, auch wenn sie nicht direkt die seine ist. CDU-Kundgebung, Bonn, 28.3.1952. Bulletin 38/52.
Das Parlament ist zu leicht geneigt - ich denke hier an alle Parteien -, auch außenpolitische Fragen vorwiegend unter innenpolitischen Aspekten zu betrachten. Bulletin Nr. 60 vom 29.3.1955.
Die Kirchen haben ihre eigenen Aufgaben und die Theologen haben ebenfalls ihre eigenen Aufgaben. Die Menschen, soweit sie politische Tätigkeit ausüben, soweit sie andere zu überzeugen versuchen von der Richtigkeit ihrer politischen Meinungen, sollen sich damit begnügen zu sagen, daß sie auf dem Boden der gemeinsamen christlichen Grundsätze stehen, und daß sie versuchen wollen, auf Grund dieser christlichen Grundsätze das politische, das wirtschaftliche und das öffentliche Leben zu gestalten. Vor der Hermann-Ehlers-Gesellschaft, 22.6.1956. Bulletin 123/56.
Der Politiker kommt allzu leicht in den Verdacht, daß er der Welt des Geistes und der Kultur zu wenig Bedeutung beimißt. Der politische Alltag wird zumeist von wirtschaftlichen und sozialen, innen- und außenpolitischen Problemen beherrscht. Tatsächlich kann aber der Politiker auch den Aufgaben der konkreten Realität nur dann gerecht bleiben, wenn er sich des Zusammenhanges aller Lebensäußerungen, einschließlich der kulturellen, bewußt bleibt. Rede vor der Europäischen Kulturstiftung, 23.11.1957. Bulletin 219/57.
Kein Mensch kann die Zukunft sehen, aber ich stehe auf dem Standpunkte: Lieber einmal etwas zu viel getan als eine Gelegenheit versäumt; denn die versäumte Gelegenheit kommt nie wieder. Das ist ein Schaden, der nicht ausgemerzt werden kann. In einer Besprechung mit der Handelskammer über das Hafen- und Industriegelände am 10. März 1922.
Wir haben oft die Klingen gekreuzt. Das schadet nichts, wenn man weiß, dass bei einer Auseinandersetzung im vollen und alleinigen Besitz der Wahrheit selten beide Teile sind - und wenn man dem Kampf an sich nicht gerade abhold ist, ist die Erinnerung an vergangene Kämpfe nicht bitter. Ansprache zum Jubiläum des Vereins der Industriellen am 2. Mai 1931.
Aus der ersten Wahl zum Deutschen Bundestag am 14. August 1949 ging die CDU/CSU als stärkste Partei hervor. Die CDU/CSU hatte 7,36 Millionen Stimmen erhalten, die SPD 6,93 Millionen Stimmen. Am 7. September 1949 hatten sich der Bundestag und der Bundesrat konstituiert. Am 15. September 1949 erfolgte die Wahl des Bundeskanzlers. Ich wurde im ersten Wahlgang von der absoluten Mehrheit aller Mitglieder des Bundestages, und zwar mit einer Stimme Mehrheit, gewählt. Später fragte man mich, ob ich mich selbst gewählt hätte. Ich antwortete: Selbstverständlich, etwas anderes wäre mir doch als Heuchelei vorgekommen. Konrad Adenauer: Erinnerungen 1945-1953.
Es kann niemand ein starker Bundeskanzler sein, wenn ihm ein schwaches Parlament gegenübersteht. Ein Bundeskanzler braucht ein starkes Parlament, auch wenn das Parlament nicht in allem seiner Meinung ist. Ein Bundeskanzler hat nicht die Wahrheit für sich gepachtet; ich bin Zeuge dafür, daß es so ist. Deswegen braucht er auch Widerspruch. Er braucht aber auch Widerspruch, um daran zu erstarken. Rede im Deutschen Bundestag, 18.01.1961.
Und der Redner, der muß selbst wissen und erkennen, ob die Menschen, die ihn hören, ob die ihn verstehen oder ob sie ihn nicht verstehen. Das kann man den Menschen ansehen und dementsprechend muß er sich einrichten. Und das hat dann auch zur Folge gehabt, daß ich später im großen und ganzen immer ganz frei gesprochen habe. Übrigens ein Wort zu der primitiven Redeweise:
Nicht, daß mich das ärgert, im Gegenteil: Ich finde, daß der Redner, der nun nicht etwa spricht zu einer Zahl von auserwählten Politikern, der zum Volke spricht, zu sehr vielen Leuten, die der Politik gar nicht so nahe stehen, daß dessen Aufgabe ist, die politischen Tatsachen und Wahrheiten so einfach auszusprechen, daß er ihnen folgen kann. Das kann man eben nicht tun, wenn man einen gelehrten Vortrag hält.
Interview mit Columbia Broadcasting System, 21.-23.08.1962.
Dieses machtverteilende Prinzip wird sowohl auf wirtschaftlichem Gebiet wie im politischem Leben das ausschlaggebende Prinzip der neuen Ordnung werden müssen. Es wird auch ausschlaggebend werden müssen für das Verhältnis der einzelnen Völker und Staaten zueinander. Auf dem 1. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 14.8.1947. Druck: Erster Zonenparteitag der CDU der britischen Zone, hrsg. v. Zonensekretariat der CDU der britischen Zone, Köln o. J., S. 8.
Vom Boden unserer christlichen Weltanschauung aus müssen wir betonen, daß das Recht vor der Macht gilt, daß die Macht an sich nichts Böses ist, aber daß die Macht den Menschen sehr leicht dazu verführt, Mißbrauch mit ihr zu treiben, und daß sie dann böse wird. Auf dem 2. Parteitag der CDU der britischen Besatzungszone in Recklinghausen am 28.8.1948. Druck: Neuaufbau auf christlichen Grundlagen. Zweiter Parteitag der CDU für die Britische Zone, Opladen 1948, S. 7.
Aber, meine Freunde, man muß doch nicht immer nur nach den Bergen weit weg sehen, die man einmal zu erreichen hofft, sondern man soll auch einmal auf den Punkt sehen, von dem aus man den Wiederaufstieg begonnen hat, und soll auch bedenken, daß die Strecke, die man zurückgelegt hat, etwas Großes ist, wenn man sie an der Tiefe des Punktes bemißt, von dem aus man den Weg angetreten hat. In Bonn vor maßgebenden Politikern der CDU-Kreisparteien Rheinland und Westfalen am 13.1.1951, st. N., S. 14, StBKAH 02.08.
Man kann in einer politisch so bewegten Zeit nicht den mathematisch schlüssigen Beweis für irgendetwas erbringen. Wir haben bei all unseren Entscheidungen immer nur eine Möglichkeit und müssen uns fragen, was wird dann, wenn wir diese Entscheidung nicht fällen. Das ist die einzige Frage, die man sich stellen muß. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 14.6.1952 in einem Diskussionsbeitrag nach einer zweistündigen Rede, st. N., S. 5, ACDP Vll-001-019/10.
Sachlich unbegründete Verzögerung ist nichts anderes als eine in eine andere Form gekleidete Ablehnung, und sie wird auch dementsprechend empfunden werden. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 221. Sitzung am 9.7.1952, S. 9793.
Wollen schließt in sich Bereitsein zum Handeln. Wer ernsthaft will, muß auch bereit sein, zu handeln und Opfer zu bringen. Jene, die nur reden und kritisieren, aber nicht bereit sind zu handeln, haben keinen Willen. Zagen und Zaudern, nur das Negative sehen und nicht das Positive sehen, heißt nicht wollen. Weihnachtsansprache am 25.12.1952 über die deutschen Rundfunksender. Druck: Martin Verlag, Buxheim/Allgäu o. J., o. S.
Große Vergangenheit zählt in der Politik nicht viel. In der Politik der Staaten zählt die Bedeutung, die sie gegenwärtig haben und die für sie in der Zukunft erhofft werden kann. Ansprache vor der Association de la Presse Diplomatique Française und der Association de la Presse Étrangère in Paris am 11.12.1953, Bulletin Nr. 238/53, S. 1973.
Wie kann man konsequente und gute Politik machen, wenn man sich nicht klar ist über die geistige Struktur der Zeit, in der wir leben? Auf dem 5. Bundesparteitag der CDU in Köln am 28.5.1954, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 164.
Man muß die Verantwortung fühlen, aber man darf sich nicht von ihr erdrücken lassen. Auf dem 5. Bundesparteitag der CDU in Köln am 28.5.1954, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 164.
Vielfach kann man beurteilen, ob eine Absicht oder Tat gut ist oder nicht, wenn man sich klarmacht, was geschehen würde, wenn sie nicht getan wäre. Auf dem 5. Bundesparteitag der CDU in Köln am 28.5.1954, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 165.
Meines Erachtens sollten auch gut und ernst gemeinte Auseinandersetzungen zwischen zwei Männern deren persönliche Beziehungen nicht trüben. Den schriftlichen Weg halte ich bei solchen Klarstellungen für besser als ein Gespräch, weil er mehr als dieses zur Präzision und zur Klarheit zwingt. Schreiben vom 8.12.1955 an Bundesaußenminister Dr. Heinrich von Brentano, StBKAH III/24.
Man kann nicht siegen im politischen Kampf in der Defensive; man kann nur siegen in der Offensive. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 15.5.1957, st. N., S. 15, ACDP VII-001-020/10.
Der Erfolg des politischen Handelns ist ganz wesentlich, ja entscheidend bestimmt von einer klaren Erkenntnis des Notwendigen, der eigenen Kräfte und von einer Stetigkeit und Klarheit des politischen Handelns, damit dadurch Vertrauen geweckt wird. In Dortmund auf einer Veranstaltung der CDU am 30.6.1957, st. N., S. 16, StBKAH 02.15.
Nicht nur im Leben des einzelnen, auch im Leben der Völker ist gegenseitiges Vertrauen die Grundlage aller gemeinsamen Arbeit und aller gemeinsamen Erfolge. In Nürnberg auf einer Veranstaltung der CSU am 7.7.1957, st. N., S. 4, StBKAH 02.16.
Aus der leidigen Politik kommt man ja nun leider nicht heraus. Von außen drängt sie sich an einen heran, und auch im Inneren beschäftigt man sich unwillkürlich ständig damit. Der Fluch unserer Zeit. Schreiben vom 20.2.1958 aus Vence an Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss, StBKAH III/47.
Nun weiß ich nicht, ob Krach immer das richtige Anzeichen einer guten Sitzung unter Parteifreunden ist, aber ich gebe zu, daß ein reinigendes Wort auch in unseren Parteigremien sehr erwünscht ist. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 28.11.1958, st. N., S. 2, ACDP VII-001-021/4.
Manchmal erweist einem der Feind einen guten Dienst, indem er seinem Herzen mal Luft macht, damit man genau sieht, was darin vorgeht. In Berlin auf einer Veranstaltung der CDU in der Deutschlandhalle am 5.12.1958, st. N., S. 8, StBKAH 02.18.
Unsere Zeit ist ja viel ungeduldiger, als frühere Zeiten gewesen sind. Wenn Sie in der europäischen Geschichte mal weiter zurückgehen, ins vorige Jahrhundert, aber auch noch bis in dieses Jahrhundert hinein, da war man viel geduldiger, als man jetzt ist. Das kommt eben durch die ganze Hast und Unruhe unserer Zeit, daß die Leute, auch die Politiker, die Geduld verlieren und immer meinen, jeden Tag etwas Neues sagen zu müssen. Informationsgespräch mit Flora Lewis Gruson ("Washington Post") und Sydney Gruson ("The New York Times") am 16.12.1958, st. N., S. 5, BPA-Pressearchiv F 30.
Man lebt ja auch von den Fehlern der anderen. Informationsgespräch mit Geo Kelber ("Paris Match") am 12.6.1959, st. N., S. 7, StBKAH 02.19.
Es ist nun einmal Tatsache, daß politische Emotion als Antriebskraft zwar unabdingbare Voraussetzung zur Erreichung eines großen Zieles ist, konkrete politische und wirtschaftliche Probleme sich jedoch nur mit beherrschter Klugheit, geduldiger Zähigkeit und nüchternem Sachverstand lösen lassen. Zitiert nach S. 2 eines Manuskripts für eine Schallplattenaufnahme der Europa et Schola Edition, Herder Verlag, datiert vom 2.10.1959, StBKAH 02.20.
Kritik muß anerkennen das, was sie glaubt, im Innern für richtig zu halten, und das zu tadeln, was sie für falsch hält. Das kann jeder, der im öffentlichen Leben steht, lernen, meine Damen und Herren. Er kann sich durch die Kritik gestärkt fühlen - so geht es mir in der Regel (Heiterkeit.) -, oder kann die Kritik zum Anlaß nehmen, nun über das, was kritisiert wird, nachzudenken. Und das tue ich auch, aber zu welchem Ergebnis ich dann komme, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, also zum Anlaß nehmen, noch einmal zu überdenken, ob er auf dem richtigen Wege ist. (...) Also: Kritik in Ehren, ohne Negation, früher Nihilismus genannt; nihilistische Gesinnung ist ein Krebsschaden für das ganze Volk. Vor der Unions-Presse in Bonn am 17.10.1959, st. N., S. 2f., StBKAH 02.20.
Nach meiner Meinung ist es von Zeit zu Zeit in einer Partei nötig, daß man die Dinge mal beim Namen nennt, auch wenn der Name unangenehm klingt, aber man muß eine offene Aussprache herausfordern, damit die Gegensätze sichtbar werden und somit schließlich klargestellt wird, was die große Mehrheit will. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 23.5.1960, st. N., S. 69, ACDP VII-001-021/8.
Was die Gerissenheit angeht, so muß man die von Zeit zu Zeit haben. Wer sie nicht hat, der hat ein Manko. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 15.8.1961, st. N., S. 4, ACDP VII-001-010/4.
Es ist keine Katastrophe da, aber sie kann kommen. Es ist doch viel besser, man sieht das rechtzeitig, ehe es auftaucht, und trifft Maßnahmen dagegen, daß die Katastrophe nicht kommt, als daß man einfach die Hände in den Schoß legt und abwartet, bis die Katastrophe da ist. "Kanzler-Tee" mit der "Teerunde" am 16.3.1962, st. N., S. 12, StBKAH 02.26.
Jede politische Frage wie auch sonstige Fragen werden, wenn sie zu lange liegen bleiben, irgendwie langweilig oder uninteressant. Und das ist mit einer der Hauptgründe für mich, warum ich sage, erst anfangen ist die Hauptsache, auch wenn man zuerst klein anfängt. Man kann nicht sofort etwas Perfektes schaffen. Man fängt klein an, und die Dinge tragen dann das, was angefangen ist, weiter. Fernsehpressekonferenz mit Rolf Menzel, Rüdiger Proske, Mathias Walden, Karl Willy Beer und Reinhard Appel, ausgestrahlt am 28.8.1962 u. a. im NDR, zitiert nach Anhang I zum Nachrichtenspiegel I des BPA vom 29.8.1962, S. 6.
Besonders in der Politik sollte man nie den Versuch machen, irgendwelche Voraussagen zu machen. Deshalb bleibe ich geduldig und verteidige, was ich als wahr und korrekt und richtig gefunden habe, und selbst, wenn es etwas lange Zeit braucht, bevor der Erfolg kommt, muß man bei dem bleiben, was man als richtig und wahr erkannt hat. Das erfordert natürlich Geduld, und das ist meiner Meinung nach die einzige Politik, die dem Kommunismus gegenüber erfolgreich sein kann. Pressekonferenz im National Press Club in Washington, D.C., am 15.11.1962, Bulletin Nr. 220/62, S. 1873.
Wer Verantwortung für das allgemeine Wohl hat, muß alle Erscheinungen im Leben des Volkes sorgfältig beobachten und versuchen, ihre Ursachen, ihr Wesen zu erkennen. Weihnachtsansprache am 25.12.1962 über die deutschen Rundfunksender. Druck: Martin Verlag, Buxheim/Allgäu o. J., o. S.
Bei heiklen Sachen ist es wirklich am besten, wenn Sie zu einem guten Ende kommen wollen, etwas ruhig und geduldig zu sein. Je mehr man da Wind macht, desto heller gehen die Flammen hoch und desto schwerer ist es nachher, das Ganze wieder zu dämpfen. Auf einer Pressekonferenz in Bonn am 23.1.1963, st. N., S. 17, StBKAH 02.30.
Lüge ist eine sehr schlechte Politik, eine sehr kostspielige Politik, denn im Grunde genommen beruht doch alles auf Vertrauen. Informationsgespräch mit Dr. Kurt Lachmann ("US News and World Report") am 29.1.1963, st. N., S. 11, StBKAH 02.30.
Gehen Sie mit Ihrer Aufregung sparsam um. Regen Sie sich nur in Wahlversammlungen auf, aber außerhalb von Wahlversammlungen überhaupt nicht. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 14.3.1963, st. N., S. 47, ACDP VII-001-012/1.
Wenn welche Krach gehabt haben und man legt den Krach bei, dann will jeder sein Gesicht wahren und nicht als der Sünder dastehen; das ist doch so klar wie etwas. (...) Jeder will sein Gesicht behalten, auch wenn er nachgibt, auch wenn er Unrecht hat. Informationsgespräch mit Daniel Schorr (CBS) am 15.8.1963, st. N., S. 17f., StBKAH 02.31.
Sie finden sehr selten - denken Sie selbst einmal darüber nach -, daß sich das wirtschaftliche Denken und das politische Denken in einem Menschen wirklich in der richtigen Weise vereinen. Informationsgespräch mit Daniel Schorr (CBS) am 15.8.1963, st. N., S. 20, StBKAH 02.31.
Derjenige, der nie einen Konflikt gehabt hat, meine verehrten Damen und Herren, der taugt auch nicht viel. Nun, man muß Konflikte haben, man muß sie ausfechten. Wenn sie ausgefochten sind, gehören sie der Vergangenheit an. In Berlin bei dem Abschiedsbesuch als Bundeskanzler während einer Feierstunde im Schöneberger Rathaus am 10.10.1963, Pressemitteilung Nr. 199 vom 10.10.1963 des Pressedienstes des Landes Berlin, st. N., S. 7.
Und das ist das Entscheidende in der ganzen Politik: Nicht immer hin und her, sondern das, was man als richtig erkannt hat, immer wieder weiter betonen und verfolgen. Auf der Abschiedsveranstaltung der CDU für Konrad Adenauer als Bundeskanzler in Köln am 12.10.1963, st. N., S. 8, StBKAH 02.31.
Es ist immer eine Vielzahl von Strömungen vorhanden, gute und weniger gute. Man muß sie erkennen und beobachten. Einige werden von anderen überschattet und daher unterbewertet. Sehr plötzlich werden sie dann sichtbar und nehmen Gestalt an durch Ereignisse oder durch bestimmte Männer. Meine Auffassung von der Aufgabe des Politikers ist, die Strömungen zu erkennen, zu beobachten und zu beeinflussen; er muß es, und er kann es. Man darf sie nicht treiben lassen. Hier liegt die Aufgabe des Politikers, wie ich sie sehe. Ende Februar 1965 gegenüber Anneliese Poppinga, vgl. Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer, a. a. O., S. 217.
Das letzte Wort - lassen Sie es mich riskieren, das zu sagen - haben aber nicht die Völker, sondern die Politiker. Deswegen muß man auf die Politiker aufpassen. (Heiterkeit und anhaltender Beifall.) Einige Politiker können nämlich vieles von dem verderben, was bei den Völkern aus sich heraus gewachsen ist. In Düsseldorf auf einer öffentlichen Kundgebung am 28.3.1965. Druck: Protokoll des 13. Bundesparteitages der CDU, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 27.
Erfahrung kann eine Führerin des Denkens und des Handelns sein, die durch nichts zu ersetzen ist, auch nicht durch angeborenen Intellekt. Das gilt insbesondere für das Gebiet der Politik. Erinnerungen 1945-1953, a. a. O., S. 13.
Alle politischen Verhandlungen können nur zu einem fruchtbaren Ergebnis führen, wenn man sich gegenseitig vertraut. Man vertraut sich aber nur gegenseitig, wenn man den Gegner, den Vertragsgegner, den Verhandlungsgegner kennengelernt hat als einen Mann, der ehrlich ist und wahrhaftig ist. Also nach meinen Erfahrungen ist Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit die Grundlage des Vertrauens, des gegenseitigen Vertrauens, und das gegenseitige Vertrauen ist wieder die Grundlage zu fruchtbaren Verhandlungen. Interview mit Günter Gaus, ausgestrahlt im ZDF am 4.1.1966. Druck: Günter Gaus, Zur Person, Band II, a. a. O., S. 55.
Auf die Frage, ob man nicht in seiner Position, umdrängt von Menschen, die etwas werden und haben wollten, zu einem Menschenverächter werden müsse:
Nun, ich würde den Ausdruck ‚Menschenverächter‘ nicht gebrauchen. Aber natürlich, daß man die Schwächen der Menschen, mit denen sie nun einmal behaftet sind, als Kalkül bei allen Überlegungen einschaltet, das ist wohl klar.
Interview mit Günter Gaus, ausgestrahlt im ZDF am 4.1.1966. Druck: Günter Gaus, Zur Person, Band II, a. a. O., S. 57.