Russland hat in Händen: die östliche Hälfte Deutschlands, Polen, den Balkan, anscheinend Ungarn, einen Teil Österreichs. Russland entzieht sich immer mehr der Zusammenarbeit mit den andern Grossmächten und schaltet in den von ihm beherrschten Gebieten völlig nach eignem Gutdünken. In den von ihm beherrschten Ländern herrschen schon jetzt ganz andere wirtschaftliche und politische Grundsätze als in dem übrigen Teil Europas. Damit ist eine Trennung in Osteuropa, dem russischen Gebiet, und Westeuropa eine Tatsache. Anlage zu einem Schreiben vom 31.10.1945 an Oberbürgermeister Dr. Heinrich Weitz, Duisburg, StBKAH 07.03.
Aus der historischen Entwicklung der letzten 15 Jahre haben wir gelernt, daß totalitäre Mächte nur dann ihre aggressiven Ziele aufgeben, wenn sie mit einem Gegner zu rechnen haben, der nicht nur militärisch hoch gerüstet, sondern auch vom Willen beseelt ist, dieses Potential zur Verteidigung seiner Existenz unter allen Umständen einzusetzen. Interview mit Leo Jankowski für West-Echo, schriftliche Fassung datiert vom 29.4.1949, S. 1, StBKAH 02.02.
Wir sind durchaus bereit, mit unsern östlichen Nachbarn, insbesondere mit Sowjet-Rußland und mit Polen, in Frieden zu leben. Wir haben den dringendsten Wunsch, daß die gegenwärtig bestehenden Spannungen zwischen Sowjet-Rußland und den Westalliierten ihre Lösung im Laufe der Zeit auf friedlichem Wege finden. Aber wenn ich ausspreche, daß wir den Wunsch haben, in Frieden mit Sowjet-Rußland zu leben, so gehen wir davon aus, daß auch Sowjet-Rußland und Polen uns unser Recht lassen und unsere deutschen Landsleute auch in der Ost-Zone und in dem ihnen unterstehenden Teil von Berlin das Leben in Freiheit führen lassen, das deutschem Herkommen, deutscher Erziehung und deutscher Überzeugung entspricht. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 5. Sitzung am 20.9.1949, S. 29.
Ich glaube nicht unmittelbar an eine Kriegsgefahr, und ich glaube, daß sich dann, wenn Sowjetrußland sieht, daß die Westalliierten einschließlich Deutschland wirklich entschlossen sind, unter allen Umständen Widerstand zu leisten, eines Tages auch ein echtes Friedensgespräch zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Sowjetrußland anbahnen wird; wann, wissen wir nicht. Aber das eine wissen wir ganz genau: daß gegenüber Sowjetrußland das Dümmste und Verderblichste ist, nichts zu tun, sondern die Dinge laufen zu lassen; (Richtig!) denn dann werden wir geschluckt werden. In Bonn vor maßgebenden Politikern der CDU-Kreisparteien Rheinland und Westfalen am 13.1.1951, st. N., S. 38f., StBKAH 02.08.
Für Sowjetrussland muss die Einbeziehung der Bundesrepublik in seine Machtsphäre das oberste Ziel sein, und zwar aus folgenden Gründen: Die Bundesrepublik ist Nachbar von Sowjetrussland, sie hat Bodenschätze, industrielle Unternehmungen und ein qualitativ hochstehendes Menschenmaterial, so daß die Einbeziehung der Bundesrepublik in die sowjetrussische Sphäre eine sehr starke Erhöhung des sowjetrussischen Kriegspotentials mit sich bringen wird. Wenn die Bundesrepublik Deutschland in die sowjetrussische Sphäre gebracht würde, würde damit die Integration Westeuropas illusorisch werden. Dadurch würde die Schaffung eines Dammes gegenüber Sowjetrussland verhindert werden, da ein solcher Damm nur auf der Basis einer Integration Westeuropas einschliesslich Deutschlands geschaffen werden könnte. Die kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien würden, wenn die Bundesrepublik unter kommunistischen Einfluss gerät, einen erheblichen Auftrieb erhalten. Möglicherweise würde dann ganz Westeuropa unter sowjetrussischen Einfluss geraten. Vor dem Ministerkomitee des Europarates in Straßburg am 3.8.1951, Redemanuskript, S. 14 f., vertraulich, StBKAH 02.09.
Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn einzelne europäische Länder glauben würden, Sowjetrußland würde sich damit begnügen, den jetzigen Status seiner Macht zu halten oder lediglich noch die Bundesrepublik Deutschland in seinen Machtbereich hineinzuziehen. Das politische Ziel Sowjetrußlands ist m. E. sehr klar, sehr logisch und sehr folgerichtig. Sowjetrußland will unter allen Umständen die Demilitarisierung Deutschlands festhalten. Es will dann den Rückzug der westalliierten Truppen aus einem demilitarisierten und durch papierne Verträge neutralisierten Deutschland erreichen, und es will das, weil es weiß, daß dann - und, meine Damen und Herren, ich sage diese Worte in vollem Bewußtsein ihrer Tragweite - weil es weiß, daß dann die Bundesrepublik sehr schnell in die russische Machtsphäre kommen wird. Vor den NEI in Bad Ems am 14.9.1951, st. N., S. 11, StBKAH 16.08.
Es gibt nur eine Möglichkeit, den Frieden zu erhalten und die Wiedervereinigung Deutschlands zu erreichen, indem der Westen möglichst stark gemacht wird, indem wir uns mit dem Westen verbinden und unseren Teil beitragen zur europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Wenn die Sowjets merken, daß sie ihr Ziel, die Verhinderung der Integration Europas, nicht erreichen, dann wird der Kreml bereit sein, wenn er nicht verblendet ist - und er ist nach meiner Auffassung nicht so verblendet - zu verhandeln. Dann muß noch dem Kreml die Furcht genommen werden, daß ihm der Hals herumgedreht werden soll. Dann wird man gewiß zu einer vernünftigen Regelung in Europa kommen. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 12.1.1952, st. N.. S. 9 f., ACDP VII-001- 019/9.
Sowjetrußland hat schwere innere Probleme, sogar außerordentlich schwere innere Probleme, nämlich das Nahrungsmittelproblem. Sowjetrußland muß in größtem Umfange Ackerland schaffen, weil der größte Teil des ungeheueren Gebietes unfruchtbares Land, Steppe und Urwald ist. Zurzeit ist die Lebensdauer in Rußland halb so groß wie bei uns - etwa 38 Jahre im Durchschnitt - gegenüber etwa 60 Jahren in Westeuropa. Und allein diese Ziffern mögen Ihnen klarmachen, daß Sowjetrußland große innere Aufgaben zu erfüllen hat, wenn es am Leben bleiben will. Es kann aber diese Aufgaben dann nicht erfüllen, wenn es fortwährend rüstet und rüstet. Es bedarf des Kapitals, das es in die Rüstung steckt, und es bedarf der Menschen, die es in Uniformen steckt, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Ich glaube und bin überzeugt, daß der Tag kommen wird, wo man mit Sowjetrußland vernünftig über alle diese Dinge sprechen kann und sprechen muß, und dann wird auch der Tag gekommen sein, wo wir mit unseren Brüdern und Schwestern im Osten in Freiheit wiedervereint sein werden. In Heidelberg auf einer Veranstaltung der CDU am 1.3.1952, Bulletin Nr. 26/52, S. 254.
Wir sind in Anbetracht unserer geographischen Lage und der Teilung Deutschlands mehr als jedes andere Land an einem echten Ausgleich mit dem Osten interessiert. Aber er darf nicht erkauft werden mit dem Verlust der Freiheit. Vor dem Verein der Auslandspresse in Bad Godesberg am 25.3.1952, Bulletin Nr. 36/52, S. 366.
Rußland war immer beherrscht vom Panslawismus und Expansionsdrang. Dazu kommt die Überzeugung, die in den Herzen der Machthaber so fest wurzelt - wie nur in der Brust des frömmsten Christen der Glaube -, daß die kapitalistischen Staaten am Verwesen und Auseinanderfallen sind und daß der Kommunismus die neue Religion ist, die materialistische Religion, die die Welt beherrscht. Von diesem Standpunkt aus ist die Unterjochung der Satellitenstaaten erfolgt, um sich neue Kräfte zuzuführen und damit weitere Schritte zum Endziel zu tun, zur Unterwerfung ganz Europas. Und das, meine Damen und Herren, ist ja das Ziel Sowjetrußlands. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 14.6.1952, st. N., S. 14 f., ACDP VII-001-019/10.
Sowjetrußland würde niemals entgegen den zusammen mit den Alliierten geschlossenen Friedensverträgen die Oststaaten zu Satellitenstaaten gemacht haben, wenn es nicht gewußt hätte, den andern in der militärischen Stärke so überlegen zu sein, daß sie ihm nicht in den Arm fallen konnten. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 1. Wahlperiode, 222. Sitzung am 10.7.1952, S. 9911.
Wir wollen keinen Krieg mit Sowjetrußland, aber wir wollen unser Land, unsere Menschen in Freiheit zurückhaben. Ich bin überzeugt davon, wenn sich so fast die gesamte Menschheit mit Ausnahme von Sowjetrußland und seinen Satellitenstaaten hinter uns, hinter diese Forderung stellt, wird auf die Dauer auch Sowjetrußland demgegenüber nicht hartnäckig seine Ohren verschließen können. Ansprache auf der Schlußkundgebung der Tagung der Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands in Bamberg am 20.7.1952, Bulletin Nr. 95/9, S. 935.
Es ist bekannt, daß die Wirtschaft der Sowjetunion seit Jahren eine völlige Kriegswirtschaft ist, daß daher die Konsumproduktion immer weiter zurückgeht und daß infolgedessen der Lebensstandard der breiten Massen in Sowjetrußland ständig sinkt. Auch für einen diktatorisch regierten Staat ist das kein erfreulicher, ja auf die Dauer ist es auch für ihn ein gefährlicher Zustand. Wenn die Sowjetunion einsieht, daß sie im Wege des Kalten Krieges - und zum Kalten Krieg gehört auch die Aufrechterhaltung einer großen und starken Wehrmacht, auch wenn man sie nicht einsetzt - nichts mehr erreicht, dann wird ihr auch die Einsicht dafür kommen, daß diese stärkste Bevorzugung der kriegswirtschaftlichen Produktion vor der Produktion der Konsumgüter nicht mehr lohnend erscheint, und dann wird sie aus eigenem Interesse zu einer Umstellung ihrer Politik bereit sein. Wir - das ist die westliche Welt einschließlich der Bundesrepublik - müssen unsere Politik darauf richten, dieses Ziel zu erreichen: Sowjetrußland zu dieser Einsicht zu bringen. Dann kommen vernünftige und aussichtsvolle Verhandlungen, und dann wird auch die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit kommen. (Beifall) Ich sehe trotz aller Mühe, die ich mir damit gebe, keinen anderen Weg als den von mir gekennzeichneten. Auf dem 3. Bundesparteitag der CDU in Berlin am 18.10.1952, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU, Bonn o. J., S. 31.
Das Kriegspotential der Vereinigten Staaten ist erheblich größer als das Sowjetrußlands. Es wird auch - ich glaube, daß es keine zu kühne Prophezeiung ist - Sowjetrußland in absehbarer Zeit nicht möglich sein, auf seinem eigenen Gebiet das Kriegspotential der Vereinigten Staaten zu erreichen. Es hat weder die dazu notwendigen natürlichen Bodenschätze aufgeschlossen, noch kann es auf ungezählte Jahre hinaus seine Konsumgüter-Produktion in der Weise wie bisher hinter der Kriegsproduktion vernachlässigen, weil auch ein diktatorisch, mit grausamer Härte verwaltetes Volk auf die Dauer die Not und Entbehrungen, die damit verbunden sind, nicht tragen kann. Vor der Türe des von Sowjetrußland beherrschten Gebietes liegen nun die industriellen Gebiete, deren Besitz Sowjetrußland ein stärkeres Kriegspotential geben würde, als es die Vereinigten Staaten zur Zeit haben. Diese Gebiete sind die Bundesrepublik, das nordfranzösische und das belgische Industriegebiet. Durch den Besitz dieser Gebiete würde Sowjetrußland, falls es sie unversehrt bekommt, eine ungeheure Stärkung seiner militärischen und politischen Macht erhalten; sein Kriegspotential würde dann größer sein als das der Vereinigten Staaten. Diese industriellen Gebiete unversehrt in seine Hände zu bekommen, ist das Ziel der sowjetrussischen Politik in Europa. Das ist das Ziel des von ihm in Europa geführten kalten Krieges. Vor der Landesverbandstagung der CSU in Augsburg am 14.6.1953, st. N., S. 5 f., StBKAH 02.11.
Die Wünsche Sowjetrußlands zielen - und daran kann heute niemand mehr zweifeln - darauf hin, zunächst die Vereinigten Staaten aus Europa zu verdrängen, sodann das freie Europa zu unterminieren und schließlich zu absorbieren. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 26. Sitzung am 29.4.1954, S. 1068.
Die Zielsetzung der Politik der Sowjetunion ist eindeutig und klar. Sie geht hin auf die Beherrschung Europas durch Sowjetrußland. Daher die Satellitenstaaten, daher die Schaffung der Sowjetzone, daher die Schaffung der kommunistischen Parteien in Italien und Frankreich. Die Schlüsselposition, meine Freunde, hält die Bundesrepublik. Ohne die Bundesrepublik ist eine Herrschaft über Westeuropa für Sowjetrußland unmöglich. (Beifall) Wenn aber Sowjetrußland die Herrschaft über die Bundesrepublik in irgendeiner Form bekommt, dann bekommt es damit auch die Herrschaft über Frankreich, die Herrschaft über Italien. In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 20.6.1954, st. N.. S. 21, StBKAH 02.12.
Ich bin fest überzeugt, daß, wenn Sowjetrußland sieht, daß es im Wege des Kalten Krieges keinen Sieg mehr erringen kann, und wenn Sowjetrußland sieht, daß der Westen stark, aber verhandlungsbereit ist, dann wird auch Sowjetrußland mit uns verhandeln, und das wird der Anfang einer allgemeinen Entspannung sein. Vor dem Gemeinschaftsausschuß der hessischen gewerblichen Wirtschaft in Offenbach am 24.9.1954, st. N., S. 11, „Mitteilung an die Presse“ Nr. 1063/54 des BPA vom 25.9.1954, StBKAH 02.12.
Sowjetrußland kann gar nicht auf die Dauer drei Probleme lösen. Es kann nicht auf die Dauer aufrüsten, wie es das tut; es kann nicht auf die Dauer seine Bevölkerung, deren Ackerboden zu gering ist, versorgen und gleichzeitig Rotchina mit industriellen Erzeugnissen versehen, das geht über seine Kräfte. Das weiß Sowjetrußland ganz genau selbst auch. In Wiesbaden auf einer Veranstaltung der CDU am 16.11.1954, st. N., S. 12, StBKAH 02.12.
Die Möglichkeit für eine Wiedervereinigung kann nur im Rahmen einer Entspannung der Ost-West-Beziehungen gesehen werden. Wenn die Sowjetunion sich - wenn auch zu Unrecht - wirklich bedroht fühlen sollte, dann wird man ihr das Gefühl der Sicherheit geben müssen. Selbstverständlich müßte auch die Sicherheit der freien Völker garantiert werden. Man könnte also an ein umfassendes Übereinkommen der beiden Mächteblocks denken, das sich auf militärische, wirtschaftliche und politische Fragen erstrecken würde. Daß wir eine Verständigung über die Wiedervereinigung als wesentlichen Bestandteil einer solchen Verständigung betrachten, rechtfertigt sich schon aus der Bedeutung der Deutschlandfrage im Kalten Krieg. Interview mit der Politisch-Sozialen Korrespondenz, erschienen am 1.4.1955, Nr. 7, 4. Jg., S. 3.
Bei den westlichen Völkern spielt die Zeit eine entscheidende Rolle, daher kommt ihre Ungeduld, ihr Drängen auf einen baldigen sichtbaren Erfolg. Für die Russen spielt Zeit keine Rolle. Für sie gilt nur der Raum und nicht die Zeit. Dadurch haben sie bei Verhandlungen, die an sich schon mühsamer Natur sind, einen gewissen Vorteil. Der Westen kann meines Erachtens gar nicht genug Geduld, Festigkeit und Gelassenheit haben und zeigen. Ansprache in der Harvard-Universität in Cambridge/USA anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der juristischen Fakultät am 16.6.1955, Bulletin Nr. 110/55, S. 913.
Die Sowjetunion ist eine der vier Siegermächte, ohne deren Mitwirkung das vornehmste Anliegen unserer Politik, die Herstellung der Einheit unseres Landes, nicht verwirklicht werden kann. Das Fehlen von Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten, die sich daraus für uns ergebende Unmöglichkeit, unsere nationalen Anliegen auch selbst in Moskau zu vertreten, ist eine Anomalie. Würde man uns auch deshalb nicht mit Recht unklug genannt haben, wenn wir das von der Sowjetregierung gemachte Angebot, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, abgelehnt hätten? Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 101. Sitzung am 22.9.1955, S. 5644.
Das ist dieses große Mißverständnis von der Politik der Stärke, das mich zwingt, das Wort zu ergreifen. Meine Damen und Herren, es gibt auch eine Politik der Schwäche, (Abg. Dr. Schmid [Frankfurt]: Das ist keine Politik mehr!) und die Politik der Schwäche ist gegenüber der Sowjetunion unendlich viel schlimmer als die Politik der Stärke. (Beifall bei der CDU/CSU.) Dabei möchte ich doch nachdrücklich betonen, daß, wenn von einer Politik der Stärke gesprochen wird, gar nicht gedacht ist ausschließlich oder auch nur in der Hauptsache an militärische Stärke. (Beifall bei der CDU/CSU. - Zurufe von der SPD.) Die Politik der Stärke muß darin bestehen, daß man seinen Standpunkt in wichtigen politischen Fragen sehr klar und sehr entschieden auch dem Gegner gegenüber vertritt. Das ist die Politik der Stärke! Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 115. Sitzung am 2.12.1955, S. 6162 f.
Bei ruhiger Betrachtung der Entwicklung in Sowjetrußland kann man mit Fug und Recht die Hoffnung haben: Es läßt sich auf die Dauer ein Volk von 200 Millionen Menschen nicht durch brutale Gewalt einiger weniger Machthaber Jahrzehnt um Jahrzehnt in einen Zustand herunterdrücken, wie er eben für den Menschen unerträglich ist. Das wird auf die Dauer nicht gehen. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 12.7.1956, st. N., S. 22, ACDP VII-001-005/5.
Nach dem Aufstand in Ungarn im Oktober 1956:
Nun werden Sie mich fragen, wie denkst du dir denn überhaupt die Entwicklung. Darauf will ich Ihnen eine Antwort geben. Ich habe seit Jahr und Tag den Glauben gehabt, daß schließlich dieser Ostblock soviel innere Risse bekommen würde, daß sich daraus sein Ende ergäbe. Es war immer meine Überzeugung, daß man den Menschen ein so unwürdiges Leben, wie es die Menschen in Sowjetrußland und in den Satellitenstaaten führen, auf die Dauer einfach nicht zumuten könne, und es werde einmal der Augenblick kommen, wo man sich gegen diese Unterdrückung auflehnen würde. Die Risse in diesem Block haben sich zuerst gezeigt im Jahre 1948 in Jugoslawien; sie haben sich dann gezeigt in Polen und jetzt in Ungarn. Wir wissen auch nicht, was im Kreml vor sich geht. Wir können nur das eine wissen, daß dort Machtkämpfe stattfinden, ob zum Guten oder zum Schlechten, das wissen wir nicht. Wenn ich sage zum Schlechten, dann meine ich folgendes: Wenn in einem solchen diktatorisch regierten Staat Machtkämpfe stattfinden, dann ist es leicht möglich, daß schließlich die Leute zu einer Diversion nach außen übergehen, um das Augenmerk der eigenen Menschen von den inneren Auseinandersetzungen abzuleiten. Das ist die große Gefahr, die vor uns steht und die noch eine geraume Zeit vor uns stehen wird.
Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 23.11.1956, st. N., S. 27f., ACDP VII-001-005/7.
Nach wie vor ist die führende politische Schicht Sowjetrusslands der festen Überzeugung, daß der Kommunismus unter sowjetrussischer Führung die Weltherrschaft erringen werde. Das klingt für Menschen unserer Mentalität unwahrscheinlich, aber es ist so. Es lässt sich das nur erklären, wenn man die Mentalität der atheistischen Diktatur und den Glauben der Russen an ihre Sendung berücksichtigt. Wir haben ähnliches seinerzeit in Deutschland erlebt - ich persönlich auch -, daß die nationalsozialistische Diktatur und die Lehre, daß der Nationalsozialismus die Welt beherrschen werde, Menschen im inneren Denken völlig umgestaltet. Ich glaube, daß die Politiker aller freien Völker immer im Auge behalten müssen, daß der Glaube an die Weltherrschaft des Kommunismus die Russen absolut beherrscht. Schreiben vom 8.12.1956 an US-Außenminister John Foster Dulles, StBKAH III/2.
Der Schlüssel zur Weltherrschaft durch die Russen liegt in Europa und nicht in Asien. Schreiben vom 8.12.1956 an US-Außenminister John Foster Dulles, StBKAH III/2.
Es besteht für mich kein Zweifel, daß der sowjetrussische Kommunismus von Anfang an Welteroberungspläne gehabt hat und sie auch noch hegt. Aber es besteht auch für mich kein Zweifel, daß diejenigen, die die Macht in Sowjetrußland haben, immer mehr zu der Erkenntnis gelangen, und zwar gerade durch die Vorgänge des letzten Jahres, daß derartige Pläne über die Kräfte Sowjetrußlands bei weitem hinausgehen. Sowjetrußland kann nicht den niedrigen sozialen Stand seiner Bevölkerung heben, gleichzeitig in stärkster Weise aufrüsten und die von ihm unterjochten Staaten, in denen sich der Freiheitswille regt, niedergedrückt halten. Das geht über seine Kraft. So glaube ich, daß eine Wende in der Nachkriegsgeschichte, wie ich eben sagte, kommt. Alle großen historischen Ereignisse - und es handelt sich hier um eine große historische Entwicklung - treten fast nie in stürmischer Entwicklung von heute auf morgen ein. In der Geschichte wirken die plötzlich eintretenden Ereignisse wie Revolutionen und Kriege, mörderisch und zerstörend. Die auf Grund innerer Entwicklung mit Naturnotwendigkeit eintretenden Veränderungen sind zwar langsamer, aber erfolgreicher. Ansprache anläßlich der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin am 2.2.1957 Bulletin Nr. 24/57 S. 211.
Wir in Deutschland, auch unsere Parteien, tun manchmal so, als ob wir Deutschen für die Russen ein gefürchteter Gegner seien. Das ist barer Unsinn! Die Russen sind uns militärisch in jeder Beziehung turmhoch überlegen. Ich vergesse nie, wie mir einmal Eden sagte: Es gibt doch nur noch zwei Großmächte in der Welt, das sind die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland. - Er fügte hinzu, auch England ist keine Großmacht mehr. Das ist vollkommen richtig. Dieser Konflikt in der Welt hat also seinen eigentlichen Grund in der Gegensätzlichkeit dieser beiden Mächte: Vereinigte Staaten und Sowjetrußland. Dieser Gegensatz beruht auf einer ideologischen Grundlage, aber nicht auf einer ideologischen Grundlage schlechthin, sondern weil diese ideologische Grundlage Sowjetrußlands sich mit dem Glauben an die Sendung Rußlands verbindet und die sowjetrussischen Führer davon überzeugt sind, daß der Kommunismus unter der Führung Sowjetrußlands die Welt erobern und beherrschen werde. Das ist die tiefste Ursache der ganzen aggressiven Haltung Sowjetrußlands, die es auf allen Gebieten zeigt. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 17.1.1958, st. N.. S. 15 f., ACDP VII-001-021/1.
Und eines Tages - das habe ich auch im Radio gesagt - werden auch die Russen einsehen, daß das russische Volk den Frieden ebenso nötig hat wie jedes andere Volk auf der Erde. Solange muß die Zeit durchgestanden werden im Interesse der Freiheit, im Interesse der Zukunft Deutschlands und Europas und des Friedens in der ganzen Welt. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 17.1.1958, st. N., S. 34 f., ACDP VII-001-021/1.
Diejenigen, die glaubten, daß mit dem Tode Stalins eine andere, eine nichtaggressive Ära der russischen Politik eintreten werde, sind bitter enttäuscht worden. Auf dem Kongreß der Kommunistischen Parteien der sozialistischen Länder im November 1957 ist in der Schlußdeklaration vom 16. November 1957 - sie ist am 22. November durch TASS veröffentlicht worden - ausdrücklich die Beherrschung der Welt als Ziel des Kommunismus erklärt worden. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 3. Wahlperiode, 18. Sitzung am 20.3.1958, S. 844.
Wir können uns sehr leicht mit Sowjetrußland verständigen, wenn Sowjetrußland anerkennt, daß jedes Volk ein Recht hat, so zu leben, wie es will und nicht so, wie Sowjetrußland es will. In Berlin auf einer Veranstaltung der CDU in der Deutschlandhalle am 5.12.1958, st. N., S. 14, StBKAH 02.18.
Ich bin der Auffassung, daß Sowjetrußland sich auch entwickeln wird, wenn es auch Zeit braucht, und daß solche Entwicklungen durchaus im Bereich der Möglichkeit sind, die auch die Russen davon abbringen, die Welt wirtschaftlich erobern zu wollen, und in dem Augenblick hat die Sowjetzone für sie keinen Wert mehr. Informationsgespräch mit Vertretern der amerikanischen Zeitung Christian Science Monitor am 26.1.1959, st. N., S. 8f., StBKAH 02.19.
Wenn die Sowjets eines Tages begreifen, daß sie in Europa keinen Fußbreit weiterkommen, werden sie zum Umdenken gezwungen. Dann verliert auch der Besitz eines Teiles Deutschlands für sie an Wert. In diesem Sinne war und ist die Bündnispolitik der Bundesrepublik gegenüber dem Westen ein Beitrag zur Wiedervereinigung; denn wir haben dadurch in Europa eine Festigung erreicht, die den Sowjets allmählich den Mut nehmen muß. Das kann schneller geschehen, als wir uns träumen lassen. In der Geschichte gibt es immer wieder Überraschungen. Artikel unter der Überschrift „Unter der Bedrohung vom Osten“, Bulletin Nr. 81/60 vom 20.4.1960, S. 778.
Wissen Sie, bei Verhandlungen, namentlich bei Verhandlungen mit den Russen, darf man nicht die Geduld verlieren und darf auch kein Zeichen von Unruhe zeigen. Das kostet sonst viel Geld. Nein, nein, die Ruhe, nur die Ruhe! Interview mit George Bailey (The Reporter) am 14.11.1960, st. N., S. 12, StBKAH 02.22.
Die Bundesregierung hat mehrfach erklärt und wiederholt es bei dieser Gelegenheit, daß sie bereit ist, an Plänen mitzuwirken, die für den Fall der Wiedervereinigung Deutschlands der Sowjetunion Sicherheitsgarantien geben. Zuletzt habe ich noch hier an dieser Stelle am 17. Juni dieses Jahres diese Bereitschaft bekräftigt. An dieser Absicht der Bundesregierung hat sich nichts geändert. Die Wiederherstellung der deutschen Einheit würde nicht nur dem Frieden, sondern auch dem richtig verstandenen Sicherheitsinteresse der Sowjetunion und allen anderen Völkern dienen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 3. Wahlperiode, 167. Sitzung am 18.8.1961, S. 9772.
Es gibt nur eine Möglichkeit, die Beziehungen zwischen dem russischen und dem deutschen Volk auf eine neue Grundlage zu stellen: Dem deutschen Volk muß das Recht zurückgegeben werden, das man keinem Volk der Welt verweigert, durch freie und unbeeinflußte Willensentscheidung eine Regierung zu bilden, die dann den legitimen Auftrag besitzt, für das ganze deutsche Volk zu sprechen, zu handeln und zu entscheiden. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 3. Wahlperiode, 167. Sitzung am 18.8.1961, S. 9772.
Sie müssen dann bedenken, daß der Nachbar von Rotchina Sowjetrußland ist, daß aber dieser Nachbar - Rotchina - über 650 Millionen Einwohner hat; Sowjetrußland hat etwa über 200 Millionen Einwohner. Die Rotchinesen sind zwar in mancher Hinsicht heute noch etwas hinter Sowjetrußland zurück. Sowjetrußland hat also auf der einen Seite als Nachbar Rotchina und auf der anderen Westeuropa. Wenn Sie sich dieses Bild einmal vor Augen halten, dann werden Sie, glaube ich, mit mir darüber übereinstimmen, daß sehr ernste Entwicklungen möglich oder sogar wahrscheinlich sind; ob diese in 5, 10 oder 15 Jahren eintreten, kann kein Mensch heute beurteilen. Chruschtschow hat mir schon, als ich im Herbst 1955 in Moskau gewesen bin, von diesen ernsten und ernsthaften Entwicklungen gesprochen. Deshalb glaube ich, daß man in der deutschen Situation mit unseren brennenden Problemen und unseren Wunden folgendes niemals vergessen darf: man muß Geduld zeigen, weil die Zeit - soweit das überhaupt von einem Menschen beurteilt werden kann - für uns und nicht gegen uns wirkt. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 11.1.21961, st. N., S. 17, ACDP VII-001-010/6.
Wenn die freie Welt wachsam bleibt, dann wird es vielleicht doch im Laufe der Zeit möglich sein, da auch Rußland zur Erfüllung seiner innenpolitischen Aufgaben Zeit braucht, zu einem Zustand zu kommen, der der Welt echten Frieden verbürgt. Im gegenwärtigen Augenblick jedoch hilft nur ein bewaffneter Friede. Während des Aufenthaltes in Moskau 1955, Pressearchiv des Journalisten Klaus Otto Skibowski.
Die freie Welt, oder besser ausgedrückt, die große Masse in den freien Ländern, die die öffentliche Meinung stark beeinflußt, ist sich über den Kommunismus und das, was er in Rußland usw. anrichtet, gar nicht klar. Sie weiß nichts davon und lebt in einem völlig unbegründeten Sicherheitsgefühl gegenüber dem Kommunismus. Es muß eine wesentliche Aufgabe sein, unsere Völker darüber aufzuklären, was der Kommunismus lehrt, was er tut, wie es den Völkern ergangen ist, die er sich unterworfen hat und unterwerfen würde. Nach den Moskauer Verhandlungen 1955, wiederholt so und ähnlich, hier nach einem Brief an Dulles vom 12.12.1955, in: Konrad Adenauer, "Erinnerungen 1955-1959", Stuttgart 1967.
Sowjetrußland sucht im Vorderen Orient immer mehr Fuß zu fassen und in das Mittelmeer zu kommen. Wenn es die Welt beherrschen will, ein sehr kluger Zug. Wenn Sowjetrußland über den Orient in das Mittelmeer kommt, dann ist Westeuropa in der Zange: einmal vom Mittelmeer aus und auf der anderen Seite hier vom Osten, von unserer Ostgrenze aus. Dadurch hat sich die Lage in der Welt seit 1954 wirklich kritischer gestaltet, als sie je vorher gewesen ist. Vor dem Deutschen Bundestag 20.3.1958, Protokoll.
Solange die Sowjetunion nicht durch international verbindliche Taten beweist, daß in ihr eine echte Wandlung der Einstellung zur Umwelt stattfindet, muß die gesamte freie Welt auf der Hut bleiben. An den inneren Wandel kann man schlecht glauben, solange die Straflager noch gefüllt sind, den Satellitenstaaten die Freiheit verwehrt und für die Abrüstung keine Kontrolle zugestanden wird. In: "Bulletin" vom 21.8.1956.
Nur Einigkeit und Geschlossenheit und Liebe zur Freiheit wird Sowjetrußland dazu bringen, von seinen expansiven Plänen Abstand zu nehmen. Pressegespräch 1961, zum Journalisten Klaus Otto Skibowski.
Ich halte es grundsätzlich für falsch, unsere ganze Politik ausschließlich auf die Sowjetunion zu beziehen. Wir müssen das tun, was wir als richtig erkannt haben und dürfen uns nicht das Gesetz des Handelns von der Sowjetunion vorschreiben lassen. Interview mit "Epoca", 6.8.1952. Bulletin 106/52.
Ich glaube nicht, daß es genügt, den Krieg zu ächten, Sicherheitssysteme zu schaffen und auf gewissermaßen mechanische Weise diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen herzustellen. Ich bin vielmehr tief davon überzeugt, daß man zu einer echten Normalisierung nur gelangen kann, wenn man den Ursachen nachgeht, die die gegenwärtige Lage zwischen uns abnorm machen, und wenn man alle Anstrengungen macht, sie zu beseitigen. Grundsatzerklärung auf der Moskauer Konferenz, 9.9.1955. Bulletin 170/55.
Höchste Wachsamkeit und berechtigtes Mißtrauen gegenüber der Politik der Sowjetunion schließen jedoch nicht aus, daß der Westen bereit sein muß, seine Politik laufend daraufhin zu überprüfen, ob sie den weltpolitischen Entwicklungen angepaßt ist. So haben wir die Pflicht, stets darauf zu achten, ob nicht eines Tages doch Anzeichen einer echten Änderung und einer echten Bereitschaft zur Verständigung in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang sichtbar werden. Vor der Yale-Universität, 11.6.1956. Bulletin 105/56.
Es wäre verhängnisvoll zu glauben, daß durch schrittweise Minimalkonzessionen das Machtstreben der Sowjetunion dauerhaft eingedämmt werden könnte. Man würde dadurch nur die Begehrlichkeit der Gegenseite wecken, denn die Forderungen von morgen würden noch maßloser sein als die von gestern. Rundfunkansprache. Bulletin 65/59.
In eine Gipfelkonferenz - wie in jede große außenpolitische Konferenz - darf man nicht mit Konzessionen belastet hineingehen, die man dem Gegner gemacht hat, ohne daß er nur etwas dafür gegeben hat. Das ist nach meiner Meinung die falscheste Taktik, vor allem gegenüber einem Verhandlungsgegner wie Sowjetrußland. Ansprache in Königswinter, 13.2.1960. Bulletin 31/60.
Ich bin der Auffassung, daß die politischen Spannungen, die zwischen der Sowjetunion und den westlichen Mächten entstanden sind, nicht auf einzelnen Differenzen, einzelnen Meinungsverschiedenheiten oder einzelnen Ansprüchen oder Gegenansprüchen beruhen. Es handelt sich vielmehr um eine große Spannung zwischen zwei Mächtegruppen, innerhalb derer jeweils nach dem Willen der Sowjetunion bald dieser, bald jener Punkt stärker in Erscheinung tritt. Dieses Spannungsfeld wird sich sicher nicht im ersten Stadium von Verhandlungen in Einzelprobleme auflösen lassen. Zuerst muß auf allen Seiten der entschlossene Wille vorhanden sein, dieses Spannungsfeld ganz aufzulösen und wirklich überall Frieden zu schaffen. Vor der Interparlamentarischen Union, London, 14.5.1953. Bulletin 94/53.
Die Sowjetunion ist ein noch viel größerer und viel mächtigerer und viel totalitärerer Staat, als es das nationalsozialistische Deutschland gewesen ist. CDU-Kundgebung in Heidelberg, 1.3.1952. Bulletin 26/52.
Die Sowjets sind keine theoretischen Politiker; sie tun das, was nach ihrer Auffassung für die Sowjetunion gut ist, und wenn Tatsachen geschaffen sind, so nehmen sie diese Tatsachen zur Kenntnis, und wenn sie dann Verhandlungen für günstig halten, werden sie eben verhandeln. Das haben sie gegenüber der Türkei, gegenüber Griechenland, gegenüber Jugoslawien, gegenüber Japan und in der Triest-Frage getan. Sie haben es Österreich gegenüber getan, nachdem sie noch vor einem Jahr erklärt haben, der Staatsvertrag mit Österreich könne nicht abgeschlossen werden, wenn nicht gleichzeitig die Deutschlandfrage behandelt werde. Rede in Lüneburg, 14.4,1955. Bulletin 72/55.
So lange die Sowjetunion nicht durch international verbindliche Taten beweist, daß in ihr eine echte Wandlung der Einstellung zur Umwelt stattfindet, muß die gesamte freie Welt auf der Hut bleiben. An den inneren Wandel kann man schlecht glauben, solange die Straflager noch gefüllt sind, den Satellitenstaaten die Freiheit verwehrt und für die Abrüstung keine Kontrolle zugestanden wird. Bulletin Nr. 155 vom 21.8.1956. S. 1491.
Der Weg, den wir zu gehen haben, ist in seiner großen Linie klar. Wir werden gemeinsam mit unseren Freunden und Verbündeten den bisherigen Weg unbeirrt fortsetzen, weil er allein die Gewähr dafür bietet, daß wir das große Ziel erreichen. Wir müssen gemeinsam mit dem Westen die Sowjetunion davon überzeugen, daß jeder gewaltsame Versuch zur Ausweitung ihres Herrschaftsbereiches ein aussichtsloses Risiko bedeutet, daß eine wechselseitig garantierte Sicherheit ihrem Sicherheitsbedürfnis voll Rechnung trägt und daß die Beseitigung der Spaltung Deutschlands - sie ist eine der wichtigsten Quellen der gegenwärtigen Spannung - auch in ihrem ureigenen Interesse liegt. Interview mit "Politisch-Soziale Korrespondenz", 5.1.1956. Bulletin 3/56.
Unser gemeinsamer Weg hat sich bisher im Prinzip als richtig erwiesen. Wir müssen ihn geradlinig verfolgen und dürfen uns durch kein noch so lockendes sowjetisches Lächeln verleiten lassen, in unseren gemeinsamen Anstrengungen nachzulassen, bevor nicht die sowjetische Seite konkrete Beweise für eine Sinnesänderung insbesondere in ihrem Verhalten gegenüber anderen von ihr unterjochten Völkern gezeigt hat. Vor der Yale-Universität, 11.6.1956. Bulletin 105/56.
Wenn die Sowjetunion auf den Versuch verzichtet, deutsche Menschen gegen ihren ausgesprochenen Willen zu bolschewisieren, wenn sie das Recht des deutschen Volkes anerkennt, sich nach seinem freien Willen in eine Völkergemeinschaft einzugliedern, die, ohne irgendwelche aggressiven Ziele zu verfolgen, Deutschland aus der politischen Isolierung befreit, dann kann sie mit Gewißheit auf eine allen nützliche, fruchtbare Normalisierung der Beziehungen zählen, die auch das Sicherheitsbedürfnis der Sowjetunion befriedigt. Interview mit "Münchener Merkur", 9.7.1952. Bulletin 86/52.
Dem deutschen Volk fällt es schwer, an wirkliche Veränderungen in der sowjetischen Politik zu glauben, solange die sowjetische Führung nicht bereit ist, auch die Ergebnisse der imperialistischen Außenpolitik Stalins zu revidieren, und solange sie es ablehnt, dem von ihr beherrschten Teil des deutschen Volkes das Recht freier Willensentscheidung zu geben. Interview mit "Kathimerini" und "Makedonia", 11.5.1956. Bulletin 89/56.
Der XX. Parteitag der KPdSU hat keinen Zweifel daran gelassen, daß die Sowjets weiterhin an den Sieg des Kommunismus in der ganzen Welt glauben. Die These von der friedlichen Koexistenz drückt deshalb nicht eine Bereitschaft aus, die Berechtigung der Anschauungen und Lebensformen der westlichen Welt anzuerkennen. Es handelt sich für die Sowjets lediglich um einen zeitlich begrenzten Zwischenzustand. Die Bemühungen der Sowjets, einen Block neutraler Staaten zu schaffen, dienen dem Zweck, die Bindung dieser Völker an die freie Welt zu lockern. Das gleichzeitige Bestreben, im Westen ohne Konzessionen, d. h. auf der Basis des Status quo eine Entspannung zu erzielen und auf die asiatisch-afrikanischen Nationen durch eine wirtschaftliche und psychologische Offensive einzuwirken, sind Teile eines einheitlichen Gesamtplans. Der Kalte Krieg hat im Laufe des letzten Jahres teilweise neue Formen angenommen, dauert aber im Grunde genommen, auch wenn sich die Sowjetunion gegenwärtig elastischerer Methoden bedient, mit unverminderter Heftigkeit an. Interview mit "Kathimerini" und "Makedonia", 11.5.1956. Bulletin 89/56.
Wenn sich ein Volk wehrt, wenn es gegen die kommunistischen Unterdrücker aufsteht, dann wird mit Panzern und blutigstem Terror das kommunistische Regime wiedererrichtet. Selbst wenn die Sowjetunion auf ihre jetzige Einschüchterungskampagne wieder eine Offensive des Lächelns folgen lassen sollte - das ungarische Beispiel können wir ebenso wenig vergessen wie den 17. Juni 1953 in der Sowjetzone. NATO-Tagung in Bad Godesberg, 2.5.1957. Bulletin 81/57.
Der Ostblock, die Sowjetunion mit ihren Satellitenstaaten, ist entstanden nach dem Kriege dadurch, daß die Sowjetunion die jetzigen Satellitenstaaten einschließlich der sogenannten DDR ihrer Freiheit beraubt hat. Der Nordatlantik-Pakt, die NATO, ist entstanden, um diesem weiteren Vordringen Sowjetrußlands nach Westeuropa Einhalt zu gebieten. Die NATO ist ihrer Entstehung, dem Inhalt des NATO-Vertrages und der ganzen Struktur nach ein reines Defensivbündnis, während die Sowjetunion die offensive Macht in der Welt ist. Rede in der Westfalenhalle Dortmund, 18.5.1957. Bulletin 90/57.
Die in ihrem Kern unveränderte sowjetische Politik spricht den Grundsätzen der Freiheit, der Selbstbestimmung, der Entspannung und der sogenannten friedlichen Koexistenz hohn, wie sie der Kommunismus bei der Verbreitung seiner weltrevolutionären Ideen im Munde führt. Die Folge ist die unmenschliche Zwangsherrschaft über die Deutschen jenseits des Eisernen Vorhangs, Gewalt und Rechtlosigkeit, Täuschungen und Irreführung, um die Anerkennung des Willkür- und Unrechtsstaates der sogenannten DDR durchzusetzen. Nichts hat uns davon überzeugen können, daß es diesem System ernst ist mit einer Politik der Verständigung, daß es zur Einwilligung in die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands in Freiheit bereit wäre, daß es irgendein Zugeständnis der westlichen Welt von seiner kommunistischen Zielsetzung abbringen könnte. Tätigkeitsbericht 1959 der Bundesregierung. Bulletin 236/59.
Wenn es der Sowjetunion gelingen würde, die Hand auf das Industriepotential der Bundesrepublik zu legen, wäre die Sowjetunion mit einem Schlag die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt. Wenn es den sowjetischen Führern darüber hinaus gelingen würde, ihren Einfluß auf die sechs Staaten der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft auszudehnen, hätte die Sowjetunion ein Ausfuhrpotential erreicht, das dem der Vereinigten Staaten von Amerika überlegen ist. Damit wäre von Sowjetrußland ein entscheidender Schritt in Richtung auf die kommunistische Weltherrschaft getan. Rundfunkansprache. Bulletin 65/59.
Ich halte es für keinen richtigen Sprachgebrauch, wenn man immer davon spricht, daß man Sowjetrußland einen angemessenen Preis zahlen müsse. Sowjetrußland hat in der Sowjetzone nicht mehr Rechte als irgendeine andere Besatzungsmacht in ihrer Zone. Vor dem Deutschen Bundestag, 9.7.1952. Bulletin 87/52.
Die Sowjetunion muß einmal zu der Einsicht kommen, daß die Völker keine Sehnsucht nach dem Kommunismus haben, sondern sehr gut ohne den Kommunismus leben können. Dann mag die Sowjetunion selbst den Kommunismus für sich behalten. Wir haben bestimmt kein Verlangen, dem russischen Volk und den anderen Völkern der Sowjetunion unsere Lebensweise aufzudrängen. Das einzige, was wir wollen, ist das Recht, in unserem Lande selbst zu entscheiden, wie wir unser Leben gestalten. Bulletin Nr. 81 vom 30.4.1960.
Die Sowjetunion war eine der vier Siegermächte, ohne deren Mitwirkung die Einheit unseres Landes nicht verwirklicht werden konnte. Das Fehlen von Beziehungen zwischen der Sowjetunion und uns, die sich daraus für uns ergebende Unmöglichkeit, unsere nationalen Anliegen auch in Moskau selbst zu vertreten, war ein unnormaler Zustand. Konrad Adenauer: Erinnerungen 1953-1955.
Ich ging in die Moskauer Verhandlungen ohne Illusionen. Einer der stärksten Beweggründe, die Reise anzutreten, war mein Wunsch, die Befreiung der in der Sowjetunion noch zurückgehaltenen Deutschen zu erreichen. Zehn Jahre nach Beendigung des Krieges war die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten in der Sowjetunion eine Frage des elementarsten Menschenrechts und mir persönlich ein sehr ernstes Anliegen. Konrad Adenauer: Erinnerungen 1953-1955.
Rußland hat europäische Staaten, europäische Sowjetrepubliken. Warum sollen die nicht in diesen Vereinigten Staaten von Europa sein? Es sind ja auch Sowjetrepubliken in der UNO neben dem gesamten Rußland. Warum soll das unmöglich sein? In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 12.5.1946, st. N., S. 18, ACDP S. Ad.
Seit 1945, seit Deutschland aus dem Kreis der europäischen Mächte gestrichen und verschwunden ist, hat Sowjetrußland sich Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien und die Tschechoslowakei untertänig gemacht; es hat sein Reich ausgedehnt über den ganzen Osten herüber bis mitten in Europa hinein. In Düsseldorf auf einer Veranstaltung der CDU am 22.5.1948, Auszüge aus der Rede, S. 2, ACDP S. Ad.
In einer Periode politischer Hochspannung nach Beginn der Blockade Berlins durch die Sowjetunion im Juni 1948:
Rußland ist wegen seiner wirtschaftlichen Struktur und wegen seiner ungeheuren Größe und der damit verbundenen ganz außerordentlich großen Transportschwierigkeiten nicht in der Lage, einen Offensivkrieg zu führen. Rußland kann wegen seiner ungeheuren Größe wohl einen Defensivkrieg führen, aber keinen Offensivkrieg. (Bewegung und Murmeln.) Natürlich werden Sie mir entgegenhalten: Wenn auch schon im ersten Stoß die Russen ziemlich weit kommen, dann ist das sehr unangenehm. Sie haben vollkommen recht darin. Aber ich glaube nicht, daß der Russe so unklug ist, einen solchen Stoß zu wagen, weil er genau weiß, daß er alles, was er dabei einsetzt, verlieren wird. Darum glaube ich, daß wir wirklich hoffen können, es kommt zu keinem Krieg, so gefährlich auch die Situation aussieht und so wenig bisher ein Weg irgendwie zur Verständigung zu sehen ist. Ich glaube, daß, wenn nicht etwas ganz Unerwartetes passiert, es nicht zu einem Krieg kommen wird.
In Bonn auf einer Veranstaltung der CDU am 21.7.1948, st. N., S. 10, StBKAH 02.04.
Ein totalitärer Staat wird nur dann bereit sein, sich friedlich einzuordnen in das Gesamtgefüge der Völker, wenn seine Machthaber wissen, daß jedes Ausbrechen, jeder Angriff für sie selbst schwerste, unter Umständen vernichtende Folgen hat. Auf dem 1. Bundesparteitag der CDU in Goslar am 20.10.1950, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU, Bonn o. J., S. 15.
Wenn Sie die russische Politik seit 1945 verfolgen und dabei sehen, wie Rußland seit 1945 ganz zielbewußt durch Geduld und durch Zeigen von Macht - es hat selbst seine Macht gar nicht eingesetzt - es erreicht hat, alle diese Satellitenstaaten zu bekommen und jetzt Rotchina in seinen Bann zu kriegen, dann werden Sie mit mir der Auffassung sein müssen, daß Rußland nach diesem bewährten Rezept wird weiterverfahren wollen. In Bonn vor maßgebenden Politikern der CDU-Kreisparteien Rheinland und Westfalen am 13.1.1951, st. N., S. 38, StBKAH 02.08.
Solange Sowjetrußland sich keinem starken und einigen Europa gegenübersieht, wird die Tendenz seiner Politik dieselbe bleiben wie bisher. Und aus der latenten Bedrohung, die das Vorhandensein eines solchen Kolosses und dem Bestehen eines schwachen Europas mit sich bringt, kann sich jederzeit dann wieder eine akute Gefahr entwickeln. Der Selbsterhaltungstrieb der europäischen Völker verlangt gebieterisch die Verteidigung unserer christlichen Lebensauffassung von uns allen, die wir in gleicher Weise alle bedroht sind. Vor den NEI in Bad Ems am 14.9.1951, st. N., S. 12, StBKAH 02.09.
Wo das Schicksal von achtzehn Millionen Menschen auf dem Spiel steht, darf sich niemand auf seine persönliche Meinung verlassen, und ich am allerwenigsten. Mein Zweifel an der Aufrichtigkeit der Sowjets hindert mich keinen Augenblick daran, mir diesen Zweifel in der Welt der Tatsachen entweder bestätigen oder aber widerlegen zu lassen. Nichts könnte mir für Deutschland lieber sein als eine Widerlegung. Interview mit Ernst Friedlaender im NWDR, Bulletin Nr. 47/52 vom 26.4.1952, S. 487.
Diese sowjetrussische Politik wird teilweise geleitet von Sorge gegenüber einer etwaigen Bedrohung durch die anderen. Man will sich möglichst stark machen gegenüber etwa befürchteten aggressiven Handlungen anderer. Die Politik Sowjetrußlands wird aber in der Hauptsache geleitet von dem panslawistischen Expansionsdrang, der von jeher die russische Politik seit Jahrhunderten geführt hat. In Wetzlar auf einer Veranstaltung der CDU am 30.4.1952, Bulletin Nr. 50/52, S. 528.
Wenn wir den Westen so weit haben, daß er einig und geschlossen ist, und wenn er stark ist, nicht etwa, um damit Sowjetrußland Furcht einzujagen, dann verhandelt Sowjetrußland. Wie jeder Diktaturstaat verhandelt es eben nicht mit schwachen oder ohnmächtigen Partnern, sondern nur mit einem starken. Wenn wir so weit sind und wenn es dann gelingt, und das muß gelingen, Sowjetrußland die Furcht zu nehmen, daß es angegriffen wird, dann ist der Tag gekommen, an dem mit Sowjetrußland vernünftig verhandelt werden kann über eine Regelung dieser ganzen Spannungen. In Köln auf einer Veranstaltung der CDU am 2.11.1952, Bulletin Nr. 171/52, S. 1519.
Jeder Deutsche ist sich heute über eines klar: für Deutschland ist angesichts seiner Schwäche ein Pakt mit Sowjetrußland auf der Grundlage von Partnerschaft und Gleichheit ein Ding der Unmöglichkeit. Die Ära des Rapallovertrags hat nicht wieder begonnen. Damals war Sowjetrußland schwach. Es suchte und fand als Partner ein noch mächtiges Deutschland. Sollten wir den Versuch einer solchen Partnerschaft machen, wären wir bald nur noch ein Satellit Sowjetrußlands. Vor dem National Press Club in Washington, D.C., am 8.4.1955, Rückübersetzung aus dem Englischen, S. 10, StBKAH 02.11.
Die Politik Sowjetrußlands wird sicher zum Teil von der Furcht bestimmt, einmal einem Angriff ausgesetzt zu sein, und diese Furcht muß Sowjetrußland genommen werden, damit ein wirklicher und dauernder Wille zum Frieden entsteht. Vor der Interparlamentarischen Union in London am 14.5.1953, Bulletin Nr. 94/53, S. 800.
Aber ich glaube doch, dass die Politiker der freien Welt immer, und vielleicht noch stärker als bisher, daran denken müssen, dass Einigkeit und Geschlossenheit ihr bester, vielleicht ihr einziger Schutz sind. Das gilt vor allem von den Politikern Europas, die endlich sich einmal klar darüber werden müssen, dass egoistische Interessen zurücktreten müssen hinter dem großen gemeinsamen Interesse: dem Schutze der Freiheit. Rede aus Anlaß des "Überseetages" in Hamburg am 7.5.1954, Redemanuskript, S. 12, StBKAH 02.12.
Viele Entwicklungen in der heutigen Zeit sind ja letzten Endes auf einen Bevölkerungsdruck zurückzuführen, weil die übermäßig bevölkerten Gebiete, die ihre Leute nicht mehr ernähren können, danach suchen müssen, weitere Gebiete zu bekommen. Wenn Sie eine Karte von Asien zur Hand nehmen, werden Sie sehen, daß für China das nächste Gebiet für die Entleerung seiner Bevölkerung das sowjetrussische Gebiet ist. Ich bin fest davon überzeugt, daß auch Sowjetrußland sich solche Dinge überlegt, um sich, wenn es Westeuropa beherrscht und das westeuropäische Potential zur Verfügung hat, dem Osten zuzuwenden. Das sind alles Entwicklungen, die möglich sind, von denen aber kein Mensch sagen kann, ob und wann sie eintreffen werden. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 5.2.1955, st. N., S. 67, ACDP VII-001-004/1.
Es wird in gar nicht langer Zeit von Rotchina her für Sowjetrußland eine viel größere Gefahr drohen, als ihm überhaupt von Europa drohen kann. Man muß eben diese ganzen außenpolitischen Dinge unter diesem größeren und höheren Gesichtspunkt sehen, um eine richtige Entscheidung treffen zu können. Deswegen soll man gegenüber den sowjetischen Drohungen ruhige und starke Nerven behalten. In Hamm/Westf. auf einer Veranstaltung der CDU am 13.2.1955, st. N., S. 11f., StBKAH 02.13.
Der entscheidende Punkt für Sowjetrußland ist doch der, daß Sowjetrußland irgendwie das Gefühl bekommt, es wird nicht angegriffen werden von den Vereinigten Staaten. Erst wenn es das Gefühl bekommt, dann wird es bereit sein, mit sich reden zu lassen und zu einer Verständigung zu kommen. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 3.6.1955, st. N., S. 61f., ACDP VII-001-004/3.
Wir müssen uns ganz klar darüber sein, daß nur, wenn der Westen diese Einmütigkeit aufrechterhält, es uns gelingen wird, die Sowjets zu vernünftigen Lösungen der großen, uns alle in gleicher Weise berührenden Probleme zu veranlassen. Auf dem Wege zu diesem Ziel, der langwierig, mühsam und voller Gefahren sein wird, bedarf es einer engen Zusammenarbeit aller derer, die guten Willens sind. Schreiben vom 25.7.1955 aus Mürren an US-Präsident Dwight D. Eisenhower, BA NL Blankenhorn/53 in Abschrift.
Wir sollten jedoch nicht müde werden, dem russischen Volk vor Augen zu führen: daß der Westen nicht an die Echtheit der Abkehr vom Stalinismus glauben kann, ehe die imperialistische Außenpolitik Stalins aufgegeben ist; daß die Folgen der Spannung sich nicht beseitigen lassen, solange ihre Ursachen nicht behoben sind; daß zwischen allgemeiner Abrüstung, Sicherheit und der Gewinnung der Freiheit für die Deutschen in der sowjetischen Besatzungszone ein innerer Zusammenhang besteht und jeder Fortschritt auf einem dieser Gebiete von einem Fortschritt auf den beiden anderen begleitet sein muß; daß die freie Welt sich von ihrer Sicherheit und Freiheit ebenso wenig etwas abhandeln läßt wie von den moralischen Prinzipien, auf denen ihre Politik beruht. Rede vor dem Council on Foreign Relations in New York am 14.6.1956, Redemanuskript, S. 30f., StBKAH 02.13.
Wie alles menschliche Handeln ist auch die Politik des Westens sicher nicht frei von Irrtümern gewesen, aber in ihren Grundzügen hat sie sich als richtig erwiesen. Wenn unsere Chancen, Frieden und Freiheit in der Welt zu retten, heute größer sind als früher, dann ist dies in erster Linie der Festigkeit und Einigkeit unserer Regierungen und Völker zu verdanken. (...) Dabei sollte der Westen jedoch bereit sein, seine Politik ständig selbst gewissenhaft zu überprüfen und nach neuen Wegen und Möglichkeiten zu suchen. Rede vor dem Council on Foreign Relations in New York am 14.6.1956, Redemanuskript, S. 33, StBKAH 02.13.
Wir müssen Europa aufbauen! Wir müssen die NATO festigen, weil kein europäischer Staat allein dem russischen Druck gewachsen sein wird. Wenn wir aber durch die NATO die Vereinigten Staaten an uns binden, dann haben wir doch gerade nach den Erscheinungen, die wir in den letzten zwei Monaten wahrgenommen haben, die begründete Hoffnung, daß dieser Prozess in Sowjetrußland und in den Satelliten weitergehen wird und daß die Sowjetrussen auch eines Tages bereit sein werden - mögen sie eine Staatsform haben, welche sie wollen, das ist ihre Sache -, mit den anderen Mächten zu einer Abrüstung zu kommen, die der Welt endlich wieder den Frieden und die Ruhe gibt, die wir alle seit vielen Jahren so schmerzlich entbehren müssen. Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 23.11.1956, st. N., S. 29, ACDP VII-001-005/7.
Die Entwicklung in Sowjetrussland und in den Ostblockstaaten zeigt, dass die Zeit für die freien Völker arbeitet, wenn man den Russen nicht auf irgendeine Weise neue Hoffnung gibt, dass es ihnen gelingen werde, ihre Schwierigkeiten zu überwinden. Schreiben vom 8.12.1956 an US-Außenminister John Foster Dulles, StBKAH III/2.
Wir müssen wissen, daß bei Vertragsverhandlungen, bei denen auf der einen Seite drei, vier, fünf, sechs Mächte stehen und auf der anderen Seite ein diktatorisch regierter Staat, diese andere Seite schon bei der Verhandlung viel stärker ist, weil die anderen sich immer erst wieder zusammenfinden müssen. Aber das Ziel ist so groß - eine wirkliche Entspannung auf der Welt, eine wirkliche Befriedung auf der Welt, die Beseitigung des Alpdrucks der atomaren Waffen -, das ist ein so großartiges Ziel, daß keine Arbeit, und mag sie noch so lange dauern, gescheut werden darf und daß unendliche Geduld aufgewendet werden muß, um dieses Ziel zu erreichen. Vor der Evangelischen Akademie Westfalen in Bochum am 13.7.1957, st. N., S. 18, StBKAH 02.16.
Wir freien Länder in Westeuropa sind in diesem ganzen Kräftespiel in keiner Weise entscheidend. Wenn wir nicht da wären, dann bestünde der Gegensatz zwischen Sowjetrußland und den Vereinigten Staaten genauso wie bisher. Wir Deutsche - zum Teil auch Westeuropa - haben in diesem Spiel der Kräfte nur insofern eine Bedeutung, als unser starkes wirtschaftliches Potential, wenn es in die Hand des Gegners käme, dessen Kraft erheblich verstärken würde. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 17.1.1958, st. N., S. 16f., ACDP VII-001-021/1.
Es ist leider Gottes so, daß nur eine sehr starke Rüstung, die der Rüstung der Russen überlegen ist, uns vor dem Kriege schützt. Das ist sehr bitter. Aber dadurch, daß man die Wahrheit einfach nicht erkennen will, schafft man die Realität nicht aus der Welt! Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 17.1.1958, st. N., S. 29, ACDP VII-001-021/1.
Wenn auch die Russen - und das müssen wir natürlich sehr ernst nehmen; die Amerikaner tun es Gott sei Dank auch - in einzelnen kriegstechnischen Fragen sehr große Erfolge durch die Konzentration ihrer ganzen Kraft erzielt haben, so ist es doch ein Unsinn, zu behaupten, die Technik der Russen sei so weit fortgeschritten, daß sie dauernd allen anderen Staaten überlegen seien. Wie kann man so etwas sagen! Wir müssen nur Geduld üben und den Mut und die Nerven behalten. Diese Dinge müssen durchgestanden werden. Vor dem Bundesparteiausschuß der CDU am 17.1.1958, st. N., S. 34, ACDP VII-001-021/1.
Ich maße mir kein Urteil über die Regierungsmethoden Sowjetrußlands an; ich maße mir kein Urteil darüber an, was dort geschieht. Aber das eine weiß ich, meine Damen und Herren: daß die Deutschen für eine solche Regierungsmethode keine geeigneten Objekte sind. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 5. Wahlperiode, 18. Sitzung am 20.3.1958, S. 847.
Die Russen haben vor uns Furcht, und sie trauen uns nicht. Ich meine, die Russen sollten das neue Deutschland und das neue Europa einmal kennenlernen. Ich bin der Auffassung, daß die Russen eine Politik machen, die für ihr eigenes Land nicht gut ist. Rußland hat sehr große Aufgaben im Innern des Landes zu erfüllen. Davon hat mir Chruschtschow gesprochen, davon hat mir Bulganin gesprochen, und davon haben ebenfalls die anderen nunmehr abservierten Herren gesprochen. Rußland sollte doch einmal zu der Überzeugung kommen, daß die anderen Länder Rußland in Ruhe lassen wollen. Rußland soll seine eigenen Sachen so regeln, wie es sie für richtig hält, aber es soll auch die anderen in Ruhe lassen und nicht immer Expansion treiben und nicht Kommunisten als fünfte Kolonne gebrauchen. Ich habe erklärt: Rußland wird niemals diese 17 Millionen Deutsche hinter dem Eisernen Vorhang zu Kommunisten machen; es wird immer seine Last damit haben, es hat nichts davon. Rußland würde, wenn es diesen Menschen das Recht gäbe, so zu leben, wie sie wollen, und nicht, wie Rußland und Ulbricht es wollen, sondern wie diese selbst es wollen, dann an Deutschland einen guten Nachbarn haben, während es jetzt nur 17 Millionen Deutsche in dem von Rußland besetzten Gebiet hat, die ihm feindlich gesinnt sind, und hier 52 Millionen Deutsche, die ihm nicht freundlich gesinnt sind. Die Entwicklung Sowjetrußlands zu einem gefestigten, guten Staatswesen braucht noch Zeit, und Rußland sollte sorgen, daß es während dieser Zeit mit den europäischen Völkern gute Nachbarschaft hält; das wäre die klügste Politik, die es treiben könnte. Informationsgespräch mit Serge Groussard ("Le Figaro") am 27.3.1958, st. N., S. 3f., ACDP NL von Eckardt I-010-002/1.
Ich bin zunächst überzeugt, daß er (Chruschtschow) keinen Krieg will, nicht weil er von Hause aus ein friedlicher Mensch wäre, sondern weil Sowjetrußland aus wirtschaftlichem Interesse keinen Krieg brauchen kann, auch aus innenpolitischen Gründen nicht. Also er will keinen Krieg, und Chruschtschow muß, wenn er halbwegs bei Verstand ist - und das ist er schon -, auch auf einen Modus vivendi mit dem Westen hinaus. "Kanzler-Tee" mit der "Teerunde" am 14.12.1961, st. N., S. 9, StBKAH 02.25.
Rußland wird eines Tages einmal froh sein, wenn die Länder westlich von ihm und auch Amerika nicht seine Gegner sind, damit es sich gegen das viel stärkere China zur Wehr setzen kann. Wenn Sie einmal die Karte zur Hand nehmen und sich das alles in Ruhe überlegen, dann werden Sie auch, glaube ich, zu der Überzeugung kommen, daß Rotchina für Sowjetrußland ein sehr unangenehmer Nachbar werden kann. Wann diese Entwicklung einsetzt, so habe ich mir damals gesagt, ob nach 10 Jahren, ob nach 20 Jahren, das kann kein Mensch wissen. Informationsgespräch mit James Reston ("The New York Times") am 16.12.1961, st. N., S. 9, StBKAH 02.25.
Wenn es also gelingt - und insofern sind ja vielleicht die ewigen Verhandlungen ganz gut -, den Russen davon zu überzeugen, daß es den Vereinigten Staaten wirklich ernst ist mit der Herbeiführung einer Koexistenz und daß sie sich deswegen so viel Mühe geben, dann ist das vielleicht auch ein Fortschritt. Informationsgespräch mit Dr. Kurt Lachmann ("US News and World Report") am 2.3.1962, st. N., S. 5, StBKAH 02.26.
Etwas kann einem manchmal Sorge machen: daß Sowjetrußland zu der falschen Meinung kommen könnte, der freie Westen sei nicht einig. Das muß unter allen Umständen verhütet werden, meine Freunde. Ich bin fest überzeugt, wenn Chruschtschow und seine Leute die feste Überzeugung hätten, daß die freien Völker des Westens einig sind, dann wären wir in manchen Fragen - in der Deutschlandfrage, in der Frage der kontrollierten Abrüstung - sehr viel weiter, als wir jetzt leider gekommen sind. Auf dem 11. Bundesparteitag der CDU in Dortmund am 3.6.1962, Protokoll des Parteitages, hrsg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 23.
Ich erkläre erneut, daß die Bundesregierung bereit ist, über vieles mit sich reden zu lassen, wenn unsere Brüder in der Zone ihr Leben so einrichten können, wie sie es wollen. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Überlegungen der Menschlichkeit spielen hier für uns eine noch größere Rolle als nationale Überlegungen. Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 4. Wahlperiode, 39. Sitzung am 9.10.1962, S. 1639.
Ich bin weder ein Gegner des Versuches, mit der Sowjetunion auszukommen, noch lehne ich jedes Zugeständnis ab. Ich würde begrüßen, wenn der Westen mit der Sowjetunion in ein vernünftiges Gespräch käme. Aber Zugeständnisse auf westlicher Seite sind nur möglich, wenn gleichwertige Zugeständnisse auch auf östlicher Seite gemacht werden. Interview mit John M. Hightower (Associated Press) am 1.7.1963, schriftliche Fassung, S. 5, StBKAH 02.31.
Sowjetrußland muß sich doch auch rüsten gegen Rotchina, und gegen Rotchina rüsten, gegen den Westen rüsten, seine Wirtschaft aufbauen - das geht über die Kraft. Das Weitere muß sich finden. Die Entwicklung ist übrigens schneller gekommen, als ich erwartete. Informationsgespräch mit John M. Hightower (Associated Press) am 1.7.1963, zusätzlich zu dem schriftlich vereinbarten Interview, st. N., S. 11, StBKAH 02.31.
Aber ich möchte auch, daß Sowjetrußland klarer erkennt, daß es diese drei Aufgaben zusammen nicht lösen kann. Aber in demselben Augenblick, in dem der Westen uneinig ist, schöpfen die Russen wieder neue Hoffnung und sagen, wir kriegen es doch fertig. Also, mit der größten Behutsamkeit und mit sehr klarer Überlegung des Zieles muß jetzt die russische Politik und die Politik gegenüber Rotchina betrachtet werden. Es war mir von vornherein klar, bis dieser Augenblick gekommen ist - und auf diesen Augenblick, auf diesen Wandel rechne ich seit einem Gespräch mit Chruschtschow im Jahre 1955, in dem er mir von Rotchina und seinen Sorgen schon sprach, als ich in Moskau war -, muß man Geduld haben, um Gottes willen Geduld haben und nicht zu früh denken, nun ist der Frühling da, nun ist alles wieder gut. Noch lange nicht! Und wenn es noch zehn, zwanzig Jahre dauert, dann hat die Menschheit Glück. Informationsgespräch mit dem amerikanischen Historiker Prof. Dr. Klaus Epstein am 13.8.1963, st. N., S. 14f., StBKAH 02.31.
In der Tat, meine Damen und Herren, die einzige reelle Möglichkeit, mit Sowjetrußland ohne einen Krieg fertig zu werden, besteht darin, daß man ihm unter der Bedingung wirtschaftliche Hilfe anbietet, daß es seine Aggressionspolitik radikal ändert. Vor dem Industrieclub und dem Deutsch-französischen Kreis in Düsseldorf am 23.6.1964, st. N., S. 20, StBKAH 02.33.
Sowjetrussland hat drei Aufgaben zu erfüllen: Wettrüsten mit dem Westen, Hebung des Lebensstandards seiner Bevölkerung, Sicherung gegenüber Rotchina. Zur Erfüllung dieser drei Aufgaben gleichzeitig ist Sowjetrussland nicht in der Lage. Es wird der Augenblick kommen, dass Sowjetrussland, um den Lebensstandard seiner Bevölkerung heben zu können und um gleichzeitig sich gegenüber Rotchina wappnen zu können, dafür sorgen wird und sorgen muss, dass es den Rücken gegenüber Europa frei hat, d. h. es wird dann mit den europäischen Fragen in dem Geist und in dem Sinne fertig werden müssen, wie wir es nach göttlichem und menschlichem Recht von ihm verlangen können (...) Wenn ich gesagt habe, Sowjetrussland ist in den Kreis der Völker eingetreten, die den Frieden wollen, so muss ich hinzusetzen: weil Sowjetrussland selbst den Frieden braucht. Es braucht den Frieden auch in Europa. Am 23. März 1966. Quelle: Archiv der Gegenwart vom 23.03.1966, S. 12400; abgedruckt in: Boris Meissner (Hg.): Die deutsche Ostpolitik 1961-1970, Köln 1970, S. 119.
Neulich ist etwas in der Weltgeschichte passiert, was nach meiner Meinung von allen Zeitungen sehr hätte hervorgehoben werden müssen. Aber, meine Freunde, unsere Zeitungen haben es offenbar nicht verstanden. Es war die Friedensvermittlung der Sowjetunion zwischen Indien und Pakistan. Ich muß ganz offen sagen, das war eine überraschende Entwicklung für jeden von uns, der die Verhältnisse zwischen Pakistan und Indien früher gekannt hat. Khan war vorher bei mir und hat mir gesagt, wieviel Truppen er und wieviel Indien ihm gegenüberstehen habe. Daß da die Sowjetunion den Frieden zwischen diesen beiden Völkern vermittelte, das ist für mich ein Beweis dafür, daß die Sowjetunion in die Reihe der Völker eingetreten ist, die den Frieden wollen. (Beifall und Bewegung.) Ich weiß, daß ich damit ein kühnes Wort gesprochen habe. Aber, meine Damen und Herren, die Tatsache liegt vor, daß die Sowjetunion zwischen diesen beiden, sich mit bewaffneter Faust gegenüberstehenden Mächten den Frieden herbeigeführt hat. Auf dem 14. Bundesparteitag der CDU in Bonn am 21.3.1966, Protokoll des Parteitages, hg. v. der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Bonn o. J., S. 41.