Im Vorfeld des 18. Bundesparteitags der CDU wurden bekannte CDU-Politiker nach ihrem Hobby, ihrem Lieblingsschriftsteller, nach Beatmusik etc. gefragt. Wiedergegeben sind hier die Antworten auf die Frage: In welcher Weise ist die Erinnerung an Konrad Adenauer für Ihre politische Arbeit beispielhaft?

Quelle: CDU-Bundesgeschäftsstelle (Hg.): 18. Bundesparteitag der CDU, 25.-27.01.1971, Düsseldorf, S. 82-100 (ACDP. CDU-Bundespartei, 07-001-22081).

Eduard Adorno: Nachhaltig.
Rainer Barzel: Aus dem ersten Gespräch blieb mir sein Rat durch die Jahre im Ohr: „Es ist ganz schön, viele Gedanken und immer neue Ideen und Vorschläge zu haben. Aber es ist wichtiger, einen Gedanken zu haben, ihn stetig zu verfolgen und durchzusetzen.“
Norbert Blüm: Durchsetzungsvermögen.
Aenne Brauksiepe: Seine für den einfachen Menschen einfache Formulierungen komplizierter Zusammenhänge und sein Humor beeinflussen mich bis heute.
Alfred Dregger: Adenauer war ein Mann, der große Gedanken einfach zu sagen wusste, der seine politischen Ziele nicht ohne List, vor allem aber zäh und konsequent durchzusetzen verstand. Er sprach die Sprache des Volkes, was für einen Politiker, der verantwortungsvolles Handeln mit erfolgreicher Politik paaren will, wichtig ist
Jürgen Echternach: Seine Standhaftigkeit und Zielstrebigkeit ist beispielhaft für jeden, der in der Politik nicht nur „mitschwimmen", sondern selbst gestalten und Dinge verändern will.
Johann-Baptist Gradl: Zähigkeit.
Kai-Uwe von Hassel: Als Vorbild für Einsatzbereitschaft, für Pflichtbewusstsein, für Nüchternheit in der politischen Analyse, vor allem hinsichtlich der vermutlichen Absichten des Ostens.
Wilfried Hasselmann: Mann mit innerer Autorität und genialer Künstler der Vereinfachung.
Hans Katzer: Bei manchen politischen Entscheidungen habe ich das von Altersweisheit geprägte ideale Gesicht Konrad Adenauers vor Augen.
Helmut Kohl: 1. Viele eindrucksvolle persönliche Gespräche, 2. seine Selbstdisziplin.
Heinrich Köppler: Adenauer war für mich wegen seiner Einfachheit und Nüchternheit in der Politik beispielhaft.
Konrad Kraske: In seiner unbedingten Zielstrebigkeit.
Helmut Lemke: Ich habe an Konrad Adenauer vor allem seine Souveränität bewundert: Wie er, bei allem Pragmatismus in der Politik, dennoch treu an seinen Prinzipien festhielt, wie er mit Humor zu regieren und zu reagieren verstand. Und das imponierendste Beispiel: sein Pflichtbewusstsein, sein Arbeitsethos, seine Zusammenschau der wesentlichen Dinge - alles dies macht Konrad Adenauer für mich zu einem Vorbild, dem man nacheifert, ohne es erreichen zu können.
Peter Lorenz: In der Politik allgemein, vor allem bei der Bewältigung von Krisen und schwierigen innerdeutschen Problemen braucht man Geduld und Nerven. Ich kenne keinen Politiker, bei dem diese beiden Eigenschaften ausgeprägter waren als bei Konrad Adenauer. Im übrigen verbinden mich persönliche Erinnerungen aus der Zeit gleich nach dem Zusammenbruch mit ihm, die untrennbar zu meinem politischen Weg in der CDU gehören.
Ernst Müller-Hermann: Er blieb seiner Sache immer treu.

Gustav Niermann: Seine Bestimmtheit und Gradlinigkeit der kommunistischen Welt gegenüber und sein Bestreben des Zusammenschlusses der freien westlichen Welt.
Dietrich Rollmann: Realismus, Gradlinigkeit, Pflichtbewusstsein.
Klaus H. Scheufelen: Dass er nie in Wunschdenken verfiel.
Kurt Schmücker: Stetigkeit.
Christian Schwarz-Schilling: Seine Beharrlichkeit in den Zielen und seine Beharrlichkeit in den Methoden.
Josef Stingl: Feste Grundsätze, Humor.

Richard von Weizsäcker: Unbeirrbare Zielvorstellung.
Helga Wex: Bestrebungen für die europäische Einigung.
Heinrich Windelen: Durch Adenauers Tätigkeit, schwierige Tatbestände einfach darzustellen und seine Ziele zäh und unbeirrt zu verfolgen.


Würdigungen von Zeitgenossen

Quelle: Uexküll, Gösta von: Konrad Adenauer. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 9. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2001, S. 132-135.

Golo Mann: Seine Biographie hat etwas Ernstes, Altväterlich-Exemplarisches, lange bevor sie in die allgemeine Geschichte mündete. Der strenge, liebevolle, lebensfrohe Familienvater; die weitverzweigte, tüchtige, wohlplazierte Familie, deren unbestrittenes Oberhaupt er ist; die Sparsamkeit, der Arbeitsfanatismus; die Schicksalsschläge, die ihn treffen und die er hinnimmt, fromm, fest und zäh; die enorme physische und geistige Gesund­heit, Ausgeglichenheit der Seele in einfacher Glaubensanschauung; das Wachsen der Stellung im öffentlichen Leben, bei geringen Anfängen, die schöpferischen, geschickt und herrisch durchgesetzten Leistungen des Stadtregenten - all das setzt sich zu einem stark gezeichneten, stim­migen Bild zusammen. Es könnte wohl auch das Bild eines Angelsach­sen, eines Franzosen sein. Ich würde sogar sagen, eines protestantischen Franzosen, des Chefs eines der Hugenotten-Clans. Ein paar deutsche Zü­ge kommen dazu, Corps-Studententurn, Wanderlust- und Lieder. Dage­gen ist in Adenauers Patriotismus nichts, was nicht auch dem Charakter anderer Völker eignen könnte; wäre er deutsch im besonderen, so wäre er westdeutsch, vor-preußisch, reichsstädtisch, mit einer Spur, aber auch nicht mehr von 1848.

Walter Lippmann:

Sein Horizont ist ohne seine persönliche Schuld irgendwie eng geblie­ben. Er ist kraft eigener Einsicht ein guter Europäer. Aber sein Europa endet an den Grenzen des alten Römischen Reiches, unter Ausschluß eines großen Teils seines eigenen Landes ... In der deutschen Frage wird er sich wahrscheinlich damit begnügen, sich mit den Lippen zu dem Ideal der deutschen Einheit zu bekennen, ohne allzu heftig darauf zu dringen. In seinem innersten Herzen fühlt er sich wahrscheinlich ganz behaglich innerhalb der Grenzen des gegenwärtigen westdeutschen Staates und wird sich kaum beeilen, wieder intime Beziehungen mit ei­nem „Haufen sozialistischer Preußen" anzuknüpfen.

Es wäre falsch, in Adenauers Gesicht mit den schweren Augenlidern und dem leicht sardonischen Lächeln die Züge des neuen Deutschland zu suchen. Er vertritt nicht das zukünftige, noch rätselhafte Deutsch­land der Nach-Hitler-Generation.

Rudolf Augstein: Soll man Adenauer ankreiden, daß die Deutschen unter ihm das geistfeindlichste, das geistunempfindlichste Regiment seit dem „Soldatenkönig" begründet haben, beispiellos in der westlichen wie in der östlichen Welt, wo ein Chruschtschow, ja selbst ein Ulbricht gehalten ist, auf die Meinungen der Intelligenz wenigstens zu reagieren? Soll man ihm vor­werfen, daß die Bundesrepublik ein gepanzerter Konsumverein ist, Kluf­ten von jener sittlichen Aufgabe entfernt, die Ranke den Staaten erdacht hat?
André François-Poncet: Ich war zunächst natürlich frappiert von dieser Maske, der die vorspringenden Backenknochen und ein gelblicher Teint ein mongolisches Aus­sehen verliehen. Aber ich bemerkte auch sogleich die Intelligenz, die in seinem Blick sprühte, die Energie und die Selbstbeherrschung, die aus seinem Gesicht sprach, und den Humor, der zuweilen in einem Lächeln aufblitzte. Nichts erinnerte bei diesem Siebzigjährigen an sein Alter. Nicht weniger angetan war ich von der Autorität, die von meinem Ge­genüber ausging, von seiner natürlichen Vornehmheit, der Einfachheit und Zurückhaltung seiner Sprache, seiner vollkommenen Würde. Ade­nauer konnte weder Französisch noch Englisch. Ich jedoch sprach flie­ßend Deutsch. Er war darüber erfreut, und bald waren wir mitten in einem sehr angeregten und ungewöhnlich freimütigen Gespräch, als ob wir uns seit langem gekannt hätten.
Heinrich Albertz: Adenauer hat es mit diesem unserem Teil Deutschlands nie leicht ge­habt. Vielleicht haben wir es ihm auch nicht immer leichtgemacht. Im­merhin, und das wurde in Bonn und Köln nicht erwähnt, nur in dem rührenden kleinen Gedenkblatt der Adenauer-Familie ist es verzeichnet, war der Kölner Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer von 1920 bis 1933 Mitglied und dann Präsident des Preußischen Staatsrats. Er trug also eine Verantwortung für ein Land, das damals von Tilsit bis Aachen und von Beuthen in Oberschlesien bis nach Flensburg reichte, und das es heute nicht mehr gibt. Ich wage es nicht zu behaupten, aber ich wage hier in Berlin die Frage zu stellen, ob nicht aus jener Zeit und in der großen Verpflichtung eines der großen Bürgermeister einer deutschen Stadt das gewachsen ist, was so viele von uns jedenfalls am meisten an diesem Mann bewundern, die Hingabe an eine Pflicht, die er sich gesetzt hatte oder die ihm gesetzt war, weil er ihr nicht entrinnen konnte. Ein Preuße am Rhein, das wäre eine unangemessene Inanspruchnahme. Aber ein Deutscher jedenfalls, der das Ganze sah, auch wenn er nur das Halbe greifen konnte.
Rainer Barzel: Wer wollte sich anmaßen, heute eine gültige, gar endgültige Aussage über den Menschen Konrad Adenauer zu wagen? Wer ihm vertraut sein durfte, zögert da besonders. Nur dies scheint mir gewiß: Niemand wird ihn, niemand seine Politik verstehen, der nicht zuerst den Menschen Konrad Adenauer begreift und den als einen, der bewußt aus der Fa­milie lebte. Auf der Höhe seines Wirkens hat er immer wieder an sein Elternhaus in der Balduinstraße zu Köln erinnert. Ihm war gegenwärtig nicht nur, daß der Mensch Person wird in der Familie, sondern auch, daß die staatsbürgerlichen Tugenden der Einordnung und des Freimuts, der Rücksicht und des Geheimnisses aus der Gemeinschaft der Familie wachsen; daß folglich humanitäres Denken immer die Sorge um den anderen einschließt.
Fritz Schumacher: Adenauer war eine Persönlichkeit, deren geniale Eigenschaften sich wohl nur ganz zu entfalten vermochten, wenn sie dem Zwang norma­ler Verhältnisse entrückt war und mit Möglichkeiten rechnen konnte, vor denen durchschnittliche Tätigkeit ratlos steht. Dann erwachten in ihm die Phantasie des Taktikers und die Leidenschaft des großen Schach­spielers. Hätte er in früheren Jahrhunderten gelebt, so wäre er einer je­ner großen Kirchenfürsten geworden, die durch zwei Eigenschaften aus­gezeichnet sind: die Kunst, mit der sie als streitbare Politiker im Wech­selspiel der deutschen Geschichte ihr Ziel verfolgten, und die Kraft, mit der sie einen unbändigen Bauwillen in Taten umzusetzen verstanden.

Kurt Georg Kiesinger: Ich werde nie mein letztes Gespräch mit ihm vergessen, auf dem der schwer Erkrankte bestanden hatte, als er mir, schon vom Tode gezeichnet, noch einmal sein großes Erbe ans Herz legte. Fast übermächtig, so mußte ich es empfinden, bewegte ihn in dieser letzten Frist die Sorge um die Zukunft, die Einigung Europas. Er, der so geduldig auszuharren verstand, wo menschliches Vermögen einen raschen Erfolg nicht erzwingen konnte, jetzt erschien er als ein Mahnender und Drängender, als wollte er, wie Moses, das gelobte Land noch mit eigenen Augen erblicken.

Er wollte auch ein geordnetes Verhältnis mit Deutschlands östlichen Nachbarn, vor allem mit der Sowjet-Union. Das ist ja, er wußte es gut, die Voraussetzung der Überwindung der Spaltung unseres Volkes. Er war gewillt, das Seine dazu beizutragen.


Willy Brandt:
Adenauers Denken war konservativ und wurzelte in der Struktur des 19. Jahrhunderts. Sein Regierungsstil war autoritär bis an die Grenzen des Grundgesetzes von 1949. Das mag - neben dem Rang, den er, übri­gens nicht ohne Schwankungen, der Zusammenarbeit mit Frankreich gab - auch einer der Gründe für Adenauers Anlehnung an de Gaulle gewesen sein. Ich erinnere mich an einen Besuch im Rhöndorfer Privathaus des Kanzlers (er war erkältet) im Herbst 1958: „Haben Sie schon gehört", sagte er, „wenn de Gaulle in die Nationalversammlung kommt, müssen alle aufstehen." (De Gaulle war damals Regierungschef, noch nicht Präsident.) Brentano, der an unserem Gespräch teilnahm, erlaubte sich die Zwischenbemerkung: „Merken Sie, daß er ein bißchen neidisch ist?"

Hans-Peter Schwarz: Von den Anfängen der Kölner Oberbürgermeisterzeit bis zum Aufbe­gehren gegen den Atomwaffensperrvertrag in den letzten Monaten vor seinem Tod ist Adenauers Leben ein Drama, ständiger Kampf, und er selbst ein Schaffender, der mit der Welt, wie sie sich darstellt, nie zufrie­den ist.

Weltanschaulich mit festen christlichen Grundsätzen ausgestattet, ist er alles andere als eine uferlos schweifende Natur, viel eher ein illusions­loser Skeptiker und ein Fanatiker des Konkreten ... Chaos und Unord­nung sind ihm verhaßt. In einem Zeitalter bürgerlicher Sicherheit und bürgerlicher Vernünftigkeit aufgewachsen, findet er sich zwischen 1914 und 1967 in einer Welt, die voll aus dem Ruder gelaufen ist oder sich, selbst wenn es einigermaßen gutgeht, doch ständig der überlegten Steue­rung zu entziehen droht. Daher das Drama dieser politischen Existenz. Adenauer versucht in einem ziemlich chaotischen Jahrhundert seine Va­terstadt, Deutschland, Europa wenigstens halbwegs in Ordnung zu brin­gen oder in Ordnung zu halten. Er verschreibt sich dieser Aufgabe - immer wieder von Pessimismus heimgesucht, aber auch ohne je aufzuge­ben: „das Wunder ist, daß er's ertrug so lange".

Elisabeth Schwarzhaupt:

Adenauer verehrte die Frauen, er war immer ritterlich gegen sie, aber Frauen in der Politik betrachtete er als lästige Notwendigkeit.

Quelle: Artikel "Die erste Frau Minister", in: Frankfurter Neue Presse, vom 06.01.1976.


Zitate von Zeitgenossen und aus Zeitungen über Konrad Adenauer als Oberbürgermeister von Köln

Quelle:Frielingsdorf, Volker: Auf den Spuren Konrad Adenauers durch Köln. Köln 2001, S. 72f.

Eugene Thebault: Unter den Merkwürdigkeiten der Stadt Köln steht keineswegs der Dom an erster Stelle. (...) Das wahre Denkmal Kölns ist sein Bürgermeister. Dieser Mensch oder vielmehr dieser Übermensch erfüllt mit seinem Tatendurst die Stadt (...) er dürfte eines Tages den Platz des Reichskanzlers einnehmen, ohne dass sich irgendjemand in Deutschland darüber wundern würde.

(Eugene Thebault, französischer Journalist, am 16. Juni 1921.)

"Der Mittag": (...) dass Dr. Adenauer einer der besten Verwaltungsköpfe, wenn nicht gar der hervorragendste Verwaltungsmann Deutschlands ist, müssen selbst seine persönlichen Feinde anerkennen. (...)

("Der Mittag", Düsseldorf Nr. 280 vom 30. November 1925.)

"Der Mittag": Mag auch zugegeben werden, dass der Kölner Oberbürgermeister ein wenig autokratisch regiert, so sind doch seine Verdienste um die Stadt überwältigend groß, und es dürfte keine Utopie sein, schon jetzt vorauszusagen, (...) dass man Konrad Adenauer in weniger als 50 Jahren in Köln am Rhein ein Denkmal setzen wird.

("Der Mittag", Düsseldorf Nr. 280 vom 30. November 1925.)

"Neue Freie Presse Wien":

Die Kölner Messe ist eine großartige Anlage, die in eindrucksvoller Weise das Wiederaufleben der deutschen Städte, den Aufschwung Deutschlands seit dem Kriege zur Anschauung bringt, die vor allem den Unternehmungsgeist, die Tatkraft, die Großzügigkeit der Stadt Köln bekundet. Der starke und kühne Geist, der in allem lebt, das die Stadt Köln in letzter Zeit geschaffen hat, ist vor allem der Geist eines Mannes, des Oberbürgermeisters Konrad Adenauer.

("Neue Freie Presse Wien", No. 22869 vom 16. Mai 1928.)

Harold Nicolson: Adenauer ist im heutigen Deutschland eine recht beachtliche Erscheinung. (...) Gegenwärtig regiert er Köln mit eiserner Faust. (..) Als ich hinkam, herrschte um sein Zimmer einiger Wirbel. Sekretäre flitzten umher, Leute öffneten die Tür, schielten hinein und machten sie rasch wieder zu. (...) Ich weiß noch jetzt nicht, was los war; aber der Kontrast zwischen dem Hasten und Flüstern draußen und der jähen Stille seines großen Arbeitszimmers war höchst eindrucksvoll. (...) Es ist keine Art, die mir zusagt, aber es ist eine Art, die man, hat man sie einmal gesehen, nie wieder vergisst.

(Harold Nicolson, 1927-1929 englischer Botschafter in Berlin, in einem Brief an seine Frau am 15. März 1929.)

"Rheinische Zeitung": Adenauer war zweifellos der rechte Mann, um in stürmischen Jahren die einmaligen Situationen, die Revolution, Entfestigung und Inflation boten, in einer Weise zu nutzen, die man vielleicht einmal genial nennen wird, wenn ihr auch etwas von der großzügigen Skrupellosigkeit des Renaissance-Menschen innewohnt.

("Rheinische Zeitung" Nr. 346 vom 17. Dezember 1929.)

"New York Herald Tribune": Länger denn noch als Kanzler waltete Konrad Adenauer seines Amtes als Oberbürgermeister. Das wirkte sich aus in seinem späteren Leben! Denn niemals vergaß er das, was er an Kunst der Politik in dieser aufreibendsten aller politischen Arenen, dem Rathaus, gelernt hat.

(Die "New York Herald Tribune" in ihrem Nekrolog auf Adenauer am 20. April 1967.)

Hermann Pünder: Wer in seinem späteren Leben - so habe ich Adenauer mit erhobenem Zeigefinger oft sprechen hören -für sein Volk auf höherer Ebene wirken wolle, täte gut daran, zunächst auf einer scheinbar unteren Ebene mit seiner politischen Arbeit anzufangen. Denn nur dort könne er unmittelbar erleben, wo das Volk der Schuh drücke. Gerade diese Kenntnis sei aber wichtig für alles Weitere.

Willy Brandt: Freiheit verstand Adenauer wohl in erster Linie als misstrauische Zurückweisung einer überspannten Staatsidee. Die Forderung nach Gleichheit hielt er vermutlich zeit seines Lebens für einen jakobinischen Anschlag auf die Würde der Person, wie er sie verstand. Und die Brüderlichkeit mochte für ihn eher das Ideal einer anderen Welt als das unserer irdischen sein. (...) Zu seinem Erscheinungsbild gehörte freilich auch eine rheinische Art der Toleranz und eine spezifisch kölnische Humanität.