12. September 1958: Gruß nach Südafrika

Ich freue mich zu hören, dass "Die Zeit" den ersten großen Sprung aus ihrem europäischen Verbreitungsgebiet nach Südafrika machen will. Dieses schöne und zukunftsreiche Land konnte ich leider noch nicht selbst besuchen. Aber Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard hat dem Kabinett von seiner Reise nach Südafrika berichtet.

Wir wissen von ihm, dass in der Südafrikanischen Union Freunde wohnen. Es sind Menschen, die das europäische Geistesgut aufgenommen und Großes erreicht haben, weil sie fleißig, zielbewusst und ihrer Sache getreu sind.

Viele Tausende von Deutschen sind unter ihnen. Sie halfen mit, die Südafrikanische Union aufzubauen und sie zu einem modernen Industriestaat zu entwickeln. Wir freuen uns auch, dass so viele Afrikaner, vom Ministerpräsidenten Dr. Verwoerd und den meisten seiner Kabinettskollegen bis zu den jungen aufstrebenden Akademikern der Union, Deutsch sprechen und häufig auch Deutschland besuchen.

Möge die südafrikanischen Ausgabe der "Zeit" dazu beitragen, den abendländischen, alle Völker des Westens verbindenden Geist zu pflegen und zu kräftigen. Denn ohne ihn werden wir den Wettkampf mit dem östlichen Bolschewismus niemals gewinnen können.

Dem Unternehmen der "Zeit" in Südafrika wünsche ich von Herzen einen guten Erfolg!

[Adenauer]

Quelle: Die Zeit, Hamburg vom 12. September 1958.