15. März 1963: Glückwunsch von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer zum zehnjährigen Bestehen der "Politisch-Sozialen Korrespondenz"

Klare Sprache!

Zum zehnjährigen Bestehen der "Gemeinschaft für christlich-soziale Schulung und Öffentliche Meinungsbildung e.V." und damit auch der "Politisch-Sozialen Korrespondenz" spreche ich Ihnen allen, dem Vorstand, der Geschäftsführung, der Redaktion und ihren Mitarbeitern meine herzlichen Glückwünsche und meinen besten Dank aus. Wie Sie ja wissen, gehöre ich zu denen, die 1952 in Bonn den Anstoß zur Gründung Ihrer Gemeinschaft gegeben haben. Ich bin sehr erfreut, in welchem Ausmaß, qualitativ und quantitativ, sich Ihre PSK auf das beste und erfolgreichste entwickelt hat. Sie, mit ihrem starken Echo im In- und Ausland, ist aus dem politischen Leben der Bundesrepublik nicht mehr wegzudenken, und sie stellt heute einen publizistischen Faktor dar, dem in der politischen Diskussion von Freunden und Gegnern eine hervorragende Bedeutung beigemessen wird. Sie können stolz sein auf diese Ihre so vielseitige, eigenständige Arbeit, die für Staat und Gesellschaft von hohem Nutzen ist.

Auch auf andere Dienste Ihrer Gemeinschaft möchte ich bei dieser Gelegenheit hinweisen. Ihr "Redeskizzen-Dienst" und Ihr "Schaubilder-Dienst" sind im besonderen für den vorpolitischen Raum und hier bei der Heranbildung der Jugend ausgezeichnet. Ihre Schrift "Kurz und Aktuell", die mir schon immer gefiel, ist nun, wie ich zu meiner Freude höre, sogar bei einer Millionenauflage angelangt. Diese Schrift ist sehr geeignet, die zu erfassen, auf die es vor allem ankommt: die Frauen und Männer mit politischem Interesse, die eine klare Sprache lieben. Gerade diese klare, phrasenlose, verständliche Sprache in Ihren Diensten ist es, die eine so große Anziehungskraft ausübt auf die, die eine klare, verständliche Darlegung lieben. Ich wünsche sehr, daß wir auf christlicher Seite der Macht der Boulevardpresse mit ihren hohen Auflagen bald eine gleiche Kraft entgegensetzen könnten. Eine wirklichkeitsnahe soziale und politische Bildung möglichst vieler verantwortlicher Christen, besonders in Großstädten und Betrieben, ist selten so dringend gewesen wie heute; Ihre Schriften vermitteln diese Bildung. Regierung und Parlament stehen schon in der nächsten Zeit vor neuen schweren Aufgaben. Die großen außen- und sozialpolitischen Fragen, die auf uns zukommen, bedürfen einer deutlichen und sachlich fundierten Beantwortung auch durch die Presse. Schließlich werden Sie schon jetzt daran denken müssen, daß 1965 wieder Bundestagswahlen sind und die christliche Front auch von Ihnen die notwendigen Impulse und Unterstützung erhalten muß. Ich wünsche Ihnen für diese Ihre Arbeit, die nicht parteipolitisch abgestempelt, aber doch von der Überzeugung getragen ist, daß das Fundament unserer gemeinsamen christlichen Weltanschauung erhalten bleibt, den besten Erfolg.

Bonn, im März 1963

[Adenauer]

Quelle: Politisch-Soziale Korrespondenz vom 15.03.1963, 12. Jg., Nr. 6, S. 1.