28. Februar 1925: Kondolenzschreiben Adenauers zum Tode von Reichspräsident Friedrich Ebert

Hochverehrter Herr Reichskanzler!

Tief erschüttert erhalte ich soeben davon Kunde, dass dem deutschen Volke sein erster hochverdienter Präsident, Herr Reichspräsident Ebert, mitten in der Vollkraft seiner Jahre aus seinem an Arbeiten und Erfolgen reichen Leben durch den Tod entrissen worden ist.

Mit den weitesten Kreisen des deutschen Volkes betrauert auch Köln's Verwaltung und Bürgerschaft den allzu frühen Heimgang des Mannes, der an höchster Stelle berufen war, die Geschicke unseres Volkes in schwerster Zeit zu lenken, und der es verstanden hat, seine Aufgabe auf das beste zu erfüllen und sich in allen Kreisen des Volkes höchste Achtung, Anerkennung und persönliche Sympathien zu erwerben. Ich gestatte mir, Ihnen, sehr verehrter Herr Reichskanzler, zu den überaus schweren Verlust, den das ganze deutsche Volk erlitten hat, namens der Stadt Köln und der übrigen von mir vertretenen Körperschaften, des Provinzial-Ausschusses der Rheinprovinz und des Preußischen Staatsrats, sowie in eigenem Namen das aufrichtigste und herzliche Beileid auszusprechen.

Die edle Gesinnung des Dahingeschiedenen sowie sein bedeutsames Wirken zum Wohle des deutschen Vaterlandes sichern ihm auf alle Zeiten ein ehrendes Andenken in den dankerfüllten Herzen des mit ihm eng verbundenen deutschen Volkes.

In ausgezeichneter Hochschätzung und Verehrung
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)

Oberbürgermeister,
Vorsitzender des Provinzial-Ausschusses der Rheinprovinz,
Präsident des Preußischen Staatsrats

Quelle: Faksimiledruck in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hg. von Günther Schulz. Köln 2007, S. 176f.