1. Dezember 1926: Schreiben an Justizrat Hugo Mönnig, Köln

Sehr verehrter Herr Justizrat!

In der Ausgabe der Rheinischen Zeitung vom 20.11. ds. Js. steht ein Artikel, der Einzelheiten aus der gemeinschaftlichen Besprechung des Vorstandes der Rhei­nischen Zentrumspartei mit den Zentrumsmitgliedern des Provinzialausschusses wiedergibt. Dieser Artikel kann nur auf der Indiskretion eines Teilnehmers an der Besprechung beruhen. Ich erhebe bei Ihnen, als Vorsitzender der Rheinischen Zentrumspartei, Protest gegen eine derartige Indiskretion. Ich werde mich in Zukunft an irgendwelchen vertraulichen Beratungen nicht beteiligen, wenn nicht gegen Wiederholung derartiger Indiskretion Vorsorge getroffen wird. Ebenfalls erhebe ich bei Ihnen Einspruch gegen einen Artikel der Rheinischen Volkswacht, der am 29.11. ds. Js. erschienen ist, und der sich mit der gleichen Angelegenheit beschäftigt. Der Mangel an Parteidisziplin, der in dieser Angelegenheit zutage getreten ist, erfüllt mich mit der größten Besorgnis wegen der Zukunft der Wirt­schaft hier am Rhein. Wohin soll es kommen, wenn eine kleine Minderheit mit allen Mitteln und mit dem stärksten Drucke der Mehrheit ihren Willen aufzwingen will und sich nicht scheut, diese Gegensätze in der breitesten Öffentlichkeit zuta­ge treten zu lassen. Ich bitte Sie, mit der größten Entschiedenheit derartigen Dingen entgegenzutreten.

Mit ausgezeichneter Hochachtung!

A[denauer]

Quelle: HAStK 902/258/4, Bl. 427, Kopie mit Paraphe. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 181.