20. Dezember 1926: Telegramm an Staatsekretär Weismann im preußischen Staatsministerium, Berlin

Höre, dass in morgiger Kabinettssitzung Frage der Abgabenerhebung für geplante Autostraße Köln-Düsseldorf entschieden werden soll. Angelegenheit ist durch ungünstige Stellungnahme des Ruhrsiedlungsverbandes, dessen Bezirk über­haupt nicht berührt wird, in schwierige Lage geraten. Verband befürchtet durch Einführung von Wegeabgaben Wiederherstellung der Zustände früherer Jahr­hunderte. Preußischer Finanzminister soll ebenfalls Gegner des Projekts sein. Mache darauf aufmerksam, dass genannter Grund nicht stichhaltig sein kann, zumal auf neuen künstlichen Wasserstraßen und neuen Brücken ebenfalls Abga­ben für Verzinsung und Tilgung pp. erhoben werden. Bitte Sie auf das dringend­ste, bei Ministerpräsident Braun nach Kräften zugunsten einer Genehmigung der Vorgänge einzutreten. Provinzialverwaltung kann ohne Abgabenerhebung keinesfalls die dringend notwendige Straße bauen.

Provinzialausschuss hat sich für das Projekt auf das dringendste eingesetzt, zumal Arbeitslosenbeschäftigung auf längere Zeit dadurch gesichert ist.

Oberbürgermeister Adenauer

Quelle: HAStK 902/82/1, Bl. 49. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 84f.