22. April 1930: Schreiben an Direktor Dr. Heineman, Brüssel

Sehr geehrter Herr Heineman!

Wegen des Vertragsentwurfs schreibe ich Ihnen besonders. Ihre übrigen Mittei­lungen, insbesondere auch wegen des Colonel House, haben mich sehr interes­siert. Er kennt ja Hoover wohl recht gut. Ich bedauere sehr, dass er ein solches Urteil fällen muss.

Ich habe an unseren Professor für Germanistik und an unseren Professor für Anglistik wegen der zwischen Ihrer verehrten Gattin und mir erörterten Fragen geschrieben. Beide Herren sind aber zurzeit auf Urlaubsreisen; ich kann also die Antwort erst im Mai nach ihrer Rückkehr erwarten. Ich neige inzwischen doch mehr zu der von Ihrer Gattin geäußerten Ansicht. Emil Ludwig ist ein sehr gefährlicher Mann. Seine ersten Bücher waren gut. Jetzt fabriziert er Bücher. Seine historischen Feststellungen entbehren absolut der Sicherheit.

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie den Vortrag in Berlin abgelehnt haben, und freue mich, Sie und Ihre Gattin demnächst hier in Köln bei Gelegenheit Ihres Vortrages begrüßen zu können. Der Graf Coudenhove-Calergi genießt zurzeit in Deutschland ziemlich wenig Kredit, nicht wegen der von ihm vorgetragenen Ideen, sondern wegen gewisser Behauptungen, die mit Bezug auf seine Person aufgestellt worden sind. Sie haben auch, abgesehen von dem Kölner Vortrag, meines Erachtens sehr gut gehandelt, dass Sie nicht auf seine Veranlassung und unter seiner Firma einen Vortrag in Deutschland übernommen haben.

Das genaue Datum des Kölner Vertrags wird Ihnen in den nächsten 14 Tagen mitgeteilt werden, wenn die Universitätsprofessoren, die am Kulturbund führend beteiligt sind, aus dem Urlaub zurück sind.

Den Jahresbericht der Sofina habe ich bisher nicht erhalten. Ich würde die Ausführungen über „Krieg gegen Verschwendung" gern lesen.

Wie ich Ihnen in einem gleichzeitig abgehenden Briefe schreibe, sind meine Frau und ich im Begriffe, für 3 Wochen nach Karlsbad (Hotel Königsvilla) abzu­reisen. Wenn wir zurückkommen, ist hier die große Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die bis Anfang Juni dauert. Dann bin ich in meiner Zeit freier, und es wird uns alsdann eine besondere Freude sein, Sie in Brüssel aufzusuchen.

Für Ihre Mitteilung wegen Gesfürel bin ich Ihnen sehr verbunden. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie bei Comes & Co. das Nötige für mich veranlassen würden.

Mit vielen herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr sehr ergebener

A[denauer]

2. Wv. nach 14 Tagen zwecks Feststellung, ob Herrn Direktor Heineman der Termin für den Vortrag in Köln bekanntgegeben worden ist.

3. Wv. nach Rückkehr aus Karlsbad mit den Äußerungen des Professors für Germanistik und des Professors für Anglistik zwecks Weitergabe an Herrn Direktor Heineman.

4. Termin für eine Reise nach Brüssel?

Quelle: Dannie N. Heineman, Brüssel, Kopie mit Paraphe. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 297-299.