25. Februar 1931: Schreiben an Generaldirektor Peter Schlack

Streng vertraulich!

Sehr verehrter Herr Generaldirektor!

Ich erhalte Ihr Schreiben vom 24. ds. Ms., in dem Sie als Termin für die Bespre­chung die nächste Woche vorschlagen. Seit längerer Zeit bemühe ich mich ver­geblich, zu einer Besprechung mit Ihnen zu gelangen, obgleich die Angelegenheit höchst dringlich ist. Ich wäre Ihnen deswegen sehr dankbar, wenn Sie diese für Samstag dieser Woche ermöglichen würden. An der Besprechung soll noch Herr Justizrat Mönnig teilnehmen. Es handelt sich um die Frage des Herrn Stadtverord­neten Richter. Ich darf zur Vorbereitung der Besprechung Ihnen die Verhältnisse kurz und streng vertraulich skizzieren.

Innerhalb der Zentrums-Fraktion des Kölner Stadtverordneten-Kollegiums sieht es geradezu trostlos aus. Es hat sich in ihr fast eine Art Mittelstandspartei gebildet. Herr Justizrat Mönnig hat, wie Sie vielleicht wissen werden, seit Jahren die Führung in der Hauptsache Herrn Rings überlassen, da er selbst anderweitig zu sehr in Anspruch genommen ist. Herr Rings wird in wenigen Wochen 76 Jahre alt, ist zudem leidend, und zwar so leidend, dass er jetzt, wo es sich um die Verabschiedung des Haushaltsplans, also um die wichtigste Angelegenheit der Stadtverordneten-Versammlung, handelt, auf einige Wochen unbedingt auf ärzt­liche Anordnung verreisen muss. Der Zustand, wie er sich entwickelt hat, ist für die Zentrums-Fraktion und Zentrums-Partei und auch für die Stadt in höchstem Masse schädlich. Eine der wenigen Persönlichkeiten innerhalb der Zentrums-Fraktion, die nach beiden Seiten hin Einfluss hat, ist Herr Richter. Wenn er jetzt fortgeht, treten geradezu katastrophale Verhältnisse ein.

Herr Richter hat mich gebeten, nicht mit Ihnen über die Angelegenheit zu sprechen. Wenn ich es trotzdem tue, so geschieht es, weil ich keinen Ausweg aus der Situation weiß, als Ihre Hilfe anzurufen. Selbstverständlich darf ich nicht Herrn Richter irgendwie schaden; aber ich sollte meinen, es müsste sich doch mit Ihrer Hilfe ein Ausweg finden lassen, der uns Herrn Richter noch für 1-2 Jahre mindestens erhält, bis sich die jetzigen verworrenen Verhältnisse einigermaßen wieder geklärt haben, ohne dass seinem Fortkommen eine dauerndes Hindernis dadurch bereitet wird. Herr Justizrat Mönnig steht genau auf demselben Standpunkte wie ich. Ich bitte Sie daher dringend, Herrn Justizrat Mönnig und mir möglichst bald eine Besprechung über diese Frage zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr sehr ergebener

A[denauer]

Quelle: HAStK 902/258/5, Bl. 877, Kopie ohne Ort mit Paraphe. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 182f.