29. Dezember 1931: Schreiben an Prorektor Professor Dr. Konen, Bonn

Sehr verehrter Herr Prorektor!

Vielen Dank für Ihre interessanten und liebenswürdigen Zeilen vom 27. ds. Mts. Es wäre sehr wünschenswert, wenn der Gedanke, die Selbstverwaltung der Universitäten wieder herzustellen und auszubauen, von den Universitäten mit Energie aufgenommen würde. Das Bestreben der Zentrale, die Selbstverwaltung zurückzudrängen, wird leider viel zu stark unter dem Gesichtspunkte der kom­munalen Selbstverwaltung nur betrachtet, während tatsächlich der Gedanke der Selbstverwaltung viel weiter reicht und überall der Kampf der starken Bürokratie gegen sie tobt. Ich weise nicht nur auf die Universitäten hin, sondern auch auf die Handelskammern, Landwirtschaftskammern usw. Die Entwicklung der K.V. [„Kölnischen Volkszeitung"]macht mir immer größere Sorgen. Den Beschluss, sie jetzt nur einmal erschei­nen zu lassen, halte ich für verhängnisvoll. Ich befürchte, dass die Deutsche Zentrumspartei bald kein geistig führendes Blatt mehr besitzt. Ich möchte gern bei passender Gelegenheit mich mit Ihnen darüber einmal aussprechen.

Meine Frau konnte Weihnachten wieder aufstehen. Sie lässt Ihnen herzlich für Ihre guten Wünsche danken. Für das neue Jahr wünschen meine Frau und ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen alles Gute.

Mit den besten Grüßen

stets Ihr ergebener

A[denauer]

Quelle: HAStK 902/258/5, Bl. 975, Kopie ohne Ort mit Paraphe. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 181f.