4. März 1934: Brief an Dora Pferdmenges aus Maria Laach (Auszug)

[…] Hier ist tiefer Winter, hoher Schnee und viel Nebel, im Hause herrscht die strenge Luft der Fastenzeit, die Orgel z. Bsp. wird, abgesehen von den Sonntagen, von Aschermittwoch bis Ostern nicht gespielt, Text und Melodie der Gesänge sind sehr streng. Es war nach der Abwesenheit von 7 Wochen mir einige Tage sehr schwer, mich zurechtzufinden. Weihnachten ging es viel leichter; jetzt geht es wieder einigermaßen.

Hier ist während meiner Abwesenheit eine wahre - sehr offen zugegebene - Götterdämmerung eingetreten.

Gewiß hat Berlin vor Bonn manche Vorzüge, die einheimische Luft ist vielleicht noch etwas nervenreizender, auf der anderen Seite fürchte ich, daß die große Entfernung Fäden, die mich an das Rheinland fesseln, lockern möchte.

Den Jahrestag meines „Auszugs“ aus Köln, 13. März, werde ich in Berlin festlich begehen. […]

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 96.