9. Mai 1935: Brief an Dora Pferdmenges

Liebe Frau Pferdmenges!

Das Auto ist jetzt, wie ich hoffe, dort, so daß Sie die Schönheiten B[aden] B[adens] jetzt ganz genießen können. Der ergrünende Wald auf den Höhen, die Sie hoffentlich recht oft aufsuchen, ist doch herrlich. Im Geiste begleite ich Sie bei dem morgendlichen Gang durch den Garten. Ich hoffe, daß auch keine ungünstigen Nachrichten vom Befinden Ihrer Schwägerin Ihre und Ihrer Eltern Ruhe stören. Wenn Sie zurückkommen, dürfen Sie nicht mehr Rekonvaleszent sein, sondern nur noch etwas schonungsbedürftig. Dann kommen Sie recht bald zum Siebengebirge, dessen verborgene Schönheiten ich Ihnen so gerne zeigen werde.

Meiner Frau und den Kindern geht es recht gut. Bei mir kommen immer noch Rückfälle. Es ist so schwer, sich damit abfinden zu müssen, daß man nicht mehr schaffen kann. Sicher ist eine gute Portion Stolz dabei. Man muß halt immer wieder versuchen, den inneren Ausgleich zu finden. - Daß die Wärme siegreich bleiben wird, ist ein so tröstlicher Gedanke, der immer wieder Kraft und Stärke gibt. Auf alles das antworten Sie mir bitte mündlich, wie ich hoffe, bald.

Die Natur ist herrlich, und wir sind wirklich eingebettet in sie, man fühlt sich als ein Teil von ihr.

Recht herzliche Grüße wie immer
Ihr

Konrad A.

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 108f.