30. Juni 1935: Brief an Dora Pferdmenges aus Rhöndorf

Liebe Frau Pferdmenges!

Herzlichen Dank für Ihren lieben Brief. Das Büchlein habe ich nicht gesandt, um Propaganda für die Orden zu machen. Es sind natürlich auch Menschen darin. Aber ich fand, daß so vieles aus den Worten sprach, was mit Konfession gar nichts zu tun hat, und vor allem: das, was darin zum Ausdruck kam, habe ich an vielen, vielen stillen Abenden, an die ich so gern zurückdenke, selbst gefühlt und erlebt.

Heute ist ein wunderbarer Tag, bei uns angenehm, am Rhein sehr heiß. Hoffentlich haben Sie es in Gladbach etwas erholend. Übrigens bin ich heute vor einem Jahre verhaftet worden, und wenn Sie am Dienstag Morgen kommen, kommen Sie zur Jahresfeier der kritischsten Stunde. Ich freue mich sehr, wenn Sie am Dienstag kommen, die Linden und die Reben sind die letzten großen Duftspender des Jahres! Ihre Ansicht über meinen Garten ist mir sehr wertvoll; denn ich muß mir einen Plan für das nächste Jahr machen. Kommen Sie bitte recht früh, dann ist die Natur am schönsten. Meine Frau kommt erst Ende der Woche; ich freue mich, wenn sie sich in Tübingen körperlich und geistig ausspannt.

Herzlichste Grüße
Ihr

Konrad A.

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 110.