ohne Datum [August 1935]: Brief an Dora Pferdmenges (Auszug)

(Einzelblatt nach dem Schreiben aus Maria Laach vom 23. August 1935)

[...] und des Liturgischen Lebens, wie das M[aria] Laach in ausgezeichneter Weise tut. Ich habe das früher nicht verstanden, vielleicht geringschätzig darüber gedacht und geglaubt, daß manche andere Dinge, auch politische Dinge, wichtiger seien. Ich habe die Unrichtigkeit meiner Meinung eingesehen: ohne die richtige, lebendige seelische Haltung wird alles andere nicht richtig; nichts ist aber so sehr geeignet, auf die seelische Haltung einzuwirken als die richtig verstandene Pflege des Liturgischen Gedankens, der [...]

[...] Deutschland seit langer, langer Zeit zuviel Wert auf das „protestantische, gegen Rom Protestierende“ und zu wenig Wert auf das „Evangelische“ gelegt habe. Man kann nicht vom Negativen leben - jedes Protestieren ist etwas Negatives -, sondern nur vom Positiven, das ist das Evangelium. Dabei hat man zuviel zunächst noch mit herüber genommenes Katholische, das an die Sinne appelliert, abgestreift und sich so das Volk entfremdet. [...] denke, beide Kirchen lernen aus diese[r] [...]

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 115.