15. November 1937: Brief an Dora Pferdmenges aus Rhöndorf

Liebe Frau Pferdmenges!

Ich glaube, daß Sie Recht haben und daß man mit dem Pflanzen der Rosen und Stauden bis Februar warten soll. Bäume und Sträucher will ich aber jetzt noch pflanzen lassen, d.h. Ende des Monats. Ich lege Ihnen ein Verzeichnis - selbst geschrieben - der Bäume und Sträucher bei, die ich pflanzen will, und ich werde es dankbar begrüßen, wenn Sie es ergänzen oder kritisieren. Es sollen einige Zierbäume in der Nähe des Hauses gepflanzt werden, Beerenobst und Ziersträucher auf 1-2 m breiten Streifen an den Grenzen des Grundstücks.

Ich danke Ihnen herzlichst für all die schönen Gewächse, die Sie mir geben wollen; ich werde versuchen, alles, was ich von der Marienburg erhalte, zur schönsten Entwicklung und Blüte zu bringen. - Welch herrlicher Tag war es heute vor einer Woche! - Es freut mich sehr, daß das Conzert Ihnen so wohl getan hat - auch meine Tochter war von dem Conzert begeistert -, schöne Musik ist doch etwas sehr Hohes. - Der Text des deutschen Requiem, ich habe es vor Jahren gehört, ist sehr ergreifend und sehr ernst; ich las ihn noch einmal, als ich Freitag Abend die Nachricht vom Tode des Herrn Lenze erhielt. Sein Tod ist mir sehr nahe gegangen, ich hatte ihn Sonntag Abend telefonisch gesprochen, und er wollte mich nach seiner Rückkehr von Berlin Freitag Abend telefonisch anrufen. Statt dessen kam die Nachricht von seinem Tode. Er war ein selten aufrechter Charakter, ein im Grunde sehr weiser Mensch und mir treuer Freund, in besonderem Maße seit 1933; sein Tod schmerzt mich sehr.

Mein Sohn Max kommt aus USA zurück, er trifft am 3.12. in Hamburg ein; er schrieb ganz kurz, sein Visum sei nicht verlängert worden. Ich verstehe die ganze Sache nicht recht. Was er nun werden soll, oder besser kann, muß ich demnächst mit ihm überlegen.

Ich danke Ihnen sehr herzlich für die schönen Stunden bei Ihnen und alle Gaben. Ich hoffe sehr, daß Ihr Auto bald wieder flott wird, so daß Sie sich im November noch einmal das schon ziemlich richtig hergerichtete Gelände des Gartens ansehen können, ehe wir mit der Pflanzung beginnen.

Mit herzlichen Grüßen stets
Ihr

Konrad Adenauer

[P.S.] Bitte grüßen Sie Ihren Mann. Meine Frau lässt vielmals grüßen.

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 134f.