20. Dezember 1937: Brief an Dora Pferdmenges aus Rhöndorf

Liebe Frau Pferdmenges!

Ich bin sehr erfreut, daß ich Ihnen die Cathedralen schenken darf; es sind wunderbare Abbildungen darin, an denen Sie große Freude haben werden (wie ich hoffe). Das Buch über Haig, von dem ich Ihnen sprach, erwies sich bei Durchsicht doch nicht als das Richtige; ich habe die Memoiren von Caulaincourt genommen, die unlängst in der [Frankfurter Zeitung] besonders günstig besprochen wurden. Ich kann das Buch jederzeit umtauschen. Es ist schade, daß man vor Weihnachten so sehr von allen möglichen Dingen in Anspruch genommen ist. Aber man findet doch und namentlich am frühen Morgen Stunden vertieften Gedenkens. (Welch ein Segen, daß die Gedanken des Menschen nicht an Raum und Zeit gebunden sind.)

Morgen ist Wintersonnenwende! Das Licht steigt empor! Welche Parallelen zum menschlichen Leben, in dem ja auch einmal eine Zeitenwende, eine Scheidung zwischen Dunkel und Licht eingetreten ist!

Ich wünsche Ihnen, falls Sie nicht mehr kommen können, von ganzem Herzen ein gesegnetes und schönes Weihnachtsfest.

Mit herzlichsten Grüßen an Sie und die Ihrigen
stets

Ihr Konrad Adenauer

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 136.