7. April 1938: Brief an Dora Pferdmenges

Liebe Frau Pferdmenges!

Da es so unsicher ist, ob ich Sie morgen telefonisch erreichen kann - ich weiß nicht, wie lange meine um 4 Uhr beginnende Besprechung bei der Deutschen Bank dauern wird -, so darf ich Ihnen die Namen der von Herrn Giesen ausgesuchten Polyantharosen schon schreiben: M. C. Müller, [...], Joseph Guy, Frau Astrid Späth, Dagmar Späth.

Die Sonne schien wirklich herrlich am Samstag, so herrlich, daß sie in trübe Tage nachleuchtet. - Ich kann noch gar nicht übersehen, wann ich wieder nach Köln komme, aber ich denke, es wird bald sein, und ich werde mich zeitig melden. - Es war mir eine Freude, daß Sie heute telefonisch fragten. Ich darf Ihnen ja als Ostergruß zwei Bücher schicken: ein Auszug aus Pascal, der ja das französische Denken noch sehr beherrscht, es scheint mir mancherlei sehr Schönes darin zu stehen. Dann ein neues Buch von Lützeler. Es wendet sich zwar an einen anderen Kreis als seine „Christliche Kunst des Abendlandes“; aber es enthält auch manches Interessante und manche guten Gedanken. Sie wissen ja, daß ich nicht gern einen Dank habe, höchstens gelegentlich ein mündliches Wort.

Das kühle Wetter ist für den frisch angelegten Garten gut, aber man sehnt sich doch wieder nach Sonne, die Sie hoffentlich bald wieder hierhin bringt. - Welch' ein Glück, daß man die Natur, die Kunst, das Reich der Gedanken und der Seele, und Gott hat. - Nach allem schweren kommt einmal die Auferstehung, die Befreiung von allem Drückenden. - Ich denke, die Passion und das Osterfest werden Ihnen gut tun.

Mit herzlichsten Grüßen

stets Ihr Konrad A.

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 140.