21. Oktober 1941: Brief an Paul Adenauer (Auszug)

[...] Ob es möglich sein wird, Zahnpasta zu besorgen, ist sehr zweifelhaft, es gibt keine mehr. Sollen wir Dir evtl. Schlämmkreide besorgen? Oder sonst ein Zahnpulver? - Langsam wirst Du Dich jetzt dort eingewöhnen. Wenn die ersten sechs Wochen vorüber sind, liegt wohl der mühevollste Teil hinter Dir. Ich bin sehr froh, daß Du so guten Mutes bist, und ich denke auch, es wird wohl schon gehen, Du hast ja ausgezeichnete Kraftquellen. Etwas Sächsisch wirst Du inzwischen auch gelernt haben, so daß allmählich doch der Kontakt mit den andern kommt. Darunter werden sicher auch einige gute Kameraden sein. Natürlich muß man einen fremden Menschen erst sehr genau kennenlernen, ehe man ihn in der richtigen Weise bewerten kann. Daran wirst Du ja immer denken. Wenn ich nicht irre, habe ich Dir neulich als von Professor R. stammend erzählt, daß das Sächsische als des deutschen Volkes unwürdig verschwinden soll, es darf nichts in der Mundart gedruckt werden, und es werden zunächst in den Fabriken Deutschkurse abgehalten [...] Froh bin ich, daß das Essen gut ist. Hast Du auch genug? Kannst Du nachhaben? Ich könnte mir denken, daß die Seeluft höllischen Hunger auslöst. Wieviel Mahlzeiten habt Ihr und wann? Wieviel Brot bekommt Ihr außerdem, auch Brotaufstrich? [...]

Quelle: Paul Adenauer: Briefe Konrad Adenauers an einen Sohn im Reichsarbeitsdienst 1941/42. In: Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. [Bd. I:] Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. Hg. von Dieter Blumenwitz u.a. Stuttgart 1976, S. 157f.