7. November 1941: Brief an Paul Adenauer (Auszug)

[...] Wie ist Euer Trinkwasser? Gibt es dort Süßwasserquellen? Diese Nacht war hier starker Sturm und schwerer Regen, heute vorübergehend Sonnen­schein, ich habe an Dich gedacht, was dort diese Nacht der Sturm gebraust haben wird! Wie ist denn das Wattenmeer, ich meine die Strecke zum Festland hin, wie bei Ebbe, wie bei Flut? Hier ist es diese Woche nachts sehr ruhig gewesen, ich denke, bei Dir auch. - Schläfst Du durch? Wie lange brauchen die Briefe? Ich möchte Dir immer gern zum Sonntag einen Brief schicken [...] Nelke* werden wir zu Riese bringen; wie Dr. Colling sagt, genügt der dortige Bock, weil wir ja auf die Nachzucht keinen Wert legen [...] Die Tage der Besinnlichkeit werden Dir sehr gut getan haben. Die große Kunst, die man lernen muß, ist, das innere eigentliche Sein niemals vom Getriebe des Tages ersticken zu lassen. Das war auch die große Gefahr meiner früheren Tätigkeit, gegen die ich immer mit Gewalt ankämpfen mußte. Man lernt es aber, glaube mir, nur nie den Mut und auch nicht die Geduld mit sich selbst verlieren! [...]

*das Milchschaf der Familie Adenauer

Quelle: Paul Adenauer: Briefe Konrad Adenauers an einen Sohn im Reichsarbeitsdienst 1941/42. In: Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. [Bd. I:] Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. Hg. von Dieter Blumenwitz u.a. Stuttgart 1976, S. 159.