13. November 1941: Brief an Paul Adenauer (Auszug)

Lieber Paul! Deine 30 M - herzlichen Glückwunsch zu dem ersten verdienten Geld - sind angekommen und auf Dein Sparkassenbuch eingezahlt (insgesamt 128 RM). Vielen Dank für Deine 1. Briefe, den vom 9.11. und den vom 10.11., der heute kam. Wir fühlen sehr mit Dir, und wir wissen, daß Du es oft nicht leicht haben wirst. Aber unsere Gedanken und unser Gebet reicht zu Dir hinüber, dessen kannst Du immer gewiß sein. Und dann trägst Du ja in Deinem Innern einen Quell der Kraft, der immerfort strömt, auch wenn man es zuweilen nicht fühlt und sich ganz verlassen vorkommt, wenn man sich ihm nur mit Vertrauen und Ergebung nähert [...] Am allermeisten machst Du Eindruck und wirbst Du für Deine Lebensauffassung, wenn Du wirklich dementsprechend lebst, das gilt insbesondere für Betätigung der Nächstenliebe auch bei kleinen Anlässen und in jeder Form [...] Am Sonntag war auch hier ein strahlender Tag, als wir hier 8 Uhr zur Kirche gingen, herrliches Morgenrot. Ich habe Deiner gedacht [...] Das Conviktsgebäude ist jetzt ganz vom Heer beschlagnahmt, das Convikt wohnt zur Miete in seinem eigenen Hause, das Priesterseminar muß fort, es geht nach Honnef-Selhof. Prof. Neuß rechnet mit 3 Hörern [...] Nelke* war bei den Schafen von Riese, nach einer halben Stunde war sie wieder hier. Wir bekommen für sie Futterrüben, aber kein Heu [...] Der Wald hat noch immer ziemlich viel Laub. - Ich wünsche Dir von ganzem Herzen etwas Sonntagsruhe und Sonntagsfrieden. Sei herzlich gegrüßt! Wie immer Dein Vater.

*das Milchschaf der Familie Adenauer

Quelle: Paul Adenauer: Briefe Konrad Adenauers an einen Sohn im Reichsarbeitsdienst 1941/42. In: Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. [Bd. I:] Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. Hg. von Dieter Blumenwitz u.a. Stuttgart 1976, S. 160.