9. Dezember 1941: Brief an Paul Adenauer (Auszug)

Lieber Junge! Gestern kam Dein Brief vom 5./6.12. an. Es tut uns sehr leid, daß Du Dich verletzt hast. Ich hatte von vornherein etwas Derartiges befürchtet, diese Loren sind vertrackte Dinger. Hoffentlich tut es nicht mehr sehr weh. Ein neuer Nagel braucht ziemlich lange Zeit zum Wachsen; inzwi­schen wirst Du wohl zum Schütze eine kleine lederne Kappe an dem Finger tragen müssen. Wie schade, daß am Nikolaustag die Päckchen nicht dort waren, sie sind zeitig genug abgegangen, inzwischen werden sie wohl angekom­men sein [...] Nun kommt auch langsam Weihnachten heran. Wir werden sehr an Dich denken und Dich sehr vermissen. Im Geiste sind wir eng miteinan­der verbunden. Leider ist es auch nicht viel, was wir Dir schicken können, es gibt nichts mehr, die Verknappung hat sehr stark zugenommen. In den Läden gibt es nichts mehr. Auf dem Büchermarkt sieht es ganz besonders traurig aus. Nun, wir haben ja noch so viele schöne und gute Bücher, die wir noch nicht gelesen haben, daß wir es noch eine Zeitlang aushalten können. Wir wollen für Schorsch* das kleine Kino durch Anschaffung einer neuen Lampe wieder gebrauchsfertig machen. Kleine Filme kann man nicht mehr bekommen, nur 45 m lange, die man zerschneiden müßte, um sie auf die kleinen Spulen, die wir haben, zu bekommen, sie sind sehr teuer, RM 15,-. Haben wir schlechte Filme, die wir von ihren Spulen abnehmen könnten, um Platz für diese neuen zu bekommen? [...]

* Adenauers jüngster Sohn Georg

Quelle: Paul Adenauer: Briefe Konrad Adenauers an einen Sohn im Reichsarbeitsdienst 1941/42. In: Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. [Bd. I:] Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. Hg. von Dieter Blumenwitz u.a. Stuttgart 1976, S. 161f.