29. Dezember 1941: Brief an Paul Adenauer (Auszug)

Lieber Junge! Nun schreibe ich Dir schon zu Neujahr 1942! Was doch die Zeit dahingeht! Wir wollen mit Vertrauen in die Fügungen Gottes in dies schicksalsschwere Jahr hineingehen. Er hat uns alle im Jahr 1941 gnädig in seinen Schutz genommen, auf Ihn wollen wir auch weiter vertrauen. Sicher wird es ein schweres Jahr werden. Aber wir wollen den Kopf obenhalten. - Heute kamen Deine beiden Briefe an, in denen Du schilderst, wie Du den ersten Weihnachtstag verbracht hast. Ich freue mich sehr, daß Du ihn bei diesem Herrn verbringen konntest und so doch Weihnachtsfreuden gehabt hast [...] Übrigens werde ich am Montag, dem 5.1., 66 Jahre alt; sende mir ein kleines Gedicht (wenn es geht) [...] Eigentlich müßtest Du zur Garten­bestellung einmal Urlaub bekommen [...] Der Schnaps war vergessen worden. Er geht heute morgen als Päckchen ab, vielleicht ist er dann Mittwoch dort. - Ich hoffe, daß Du Dich den weltlichen Freuden doch nicht zu sehr entziehst. Der Mensch, und namentlich ein junger wie Du es bist, braucht auch diese [...] Ich schließe mit dem herzlichen Wunsche, daß uns das Ende des Jahres 1942 alle vereint in Rhöndorf sehen möge! Mit einem herzlichen Kuß bin ich Dein Vater.

Quelle: Paul Adenauer: Briefe Konrad Adenauers an einen Sohn im Reichsarbeitsdienst 1941/42. In: Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. [Bd. I:] Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. Hg. von Dieter Blumenwitz u.a. Stuttgart 1976, S. 163f.