23. Juli 1945: Brief an Captain Albert C. Schweizer, Augsburg

Lieber Captain Schweizer,

Haben Sie vielen Dank für die Übermittlung des Briefes von Professor Hertha Kraus vom 21. Juni 1945. Es würde schon viel gewonnen sein, wenn Professor Hertha Kraus zu ihrer Information vorübergehend nach Deutschland käme und 8 bis 14 Tage in Köln bleiben würde. Wenn Sie in der Lage sind, ihr meiner Frau und meine herzlichsten Grüße zu übermitteln und ihr diese Bitte mitzuteilen, so bin ich Ihnen sehr dankbar.

Über meinen Sohn Max habe ich nichts mehr gehört. Wir fangen an, uns Sorge zu machen. Seine Frau, meine Schwiegertochter Gisela Adenauer, hat wahrscheinlich in der nächsten Zeit Gelegenheit, nach Pforzheim zu fahren. Sie will dann Captain Newman, der, so viel ich weiß, dort Gerichtsoffizier ist, aufsuchen, um ihn zu bitten, ihr bei ihren Nachforschungen nach dem Verbleib ihres Mannes zu helfen. Daß er im Lager Ludwigshafen gewesen ist, scheint mir sicher zu sein. Ob er von Heilbronn wieder weiterverlegt oder ob er erkrankt ist, wissen wir natürlich nicht. Wie ich höre, sind die Verhältnisse des Lagers Heilbronn, verursacht durch seine Größe und seine Überfüllung, ziemlich schlecht. Sie werden daher es mir verzeihen, wenn ich Sie in der Angelegenheit immer wieder behellige.

Wie ich höre, hat Colonel Patterson unlängst von Aachen aus den Schweizerischen Generalkonsul von Weiss in Godesberg besucht. Er scheint also auf dem Wege der Genesung zu sein.

Mit ergebensten Grüßen
Ihr
A

Quelle: StBKAH 07.03. Abgedruckt in: Adenauer. Briefe 1945-1947 (Rhöndorfer Ausgabe). Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Berlin 1983, S. 60f.