24. Juli 1945: Schreiben an Thomas Esser, Euskirchen

Sehr geehrter Herr Esser,

Wie ich zu meiner großen Freude gehört habe, haben Sie alle Schwierigkeiten der Zeit gut überstanden. Man sagt mir, Sie seien so frisch, wie Sie lange nicht gewesen wären. Ich freue mich aufrichtig darüber und hoffe, daß es auch Ihrer Gattin gut geht. Wenn es Ihnen gesundheitlich so gut geht, werden Sie sich sicher auch Interesse an öffentlichen Angelegenheiten bewahrt haben. Ich darf Sie daher auf Folgendes aufmerksam machen.

Die Handelskammer Bonn arbeitet daraufhin, den Kreis Euskirchen in ihr Arbeitsgebiet zu bekommen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Interessen Euskirchens eine Verbindung mit der Handelskammer Köln dringend verlangen.

Falls Sie meine letzte Ansicht teilen, so bitte ich Sie, doch in diesem Sinne in Euskirchen zu wirken. Infolge der starken Zerstörung der Stadt Köln machen sich allenthalben Tendenzen bemerkbar, Leichenfledderei zu treiben. Ich nehme an, Sie werden mit mir darin übereinstimmen, daß es auch zur Wahrung höherer Interessen dringend nötig ist, Köln seine Stellung als Metropole des Rheinlandes wiederzugeben.

Mit vielen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Dr. Adenauer)
Oberbürgermeister

Quelle: HAStK2/355a. Abgedruckt in: Adenauer. Briefe 1945-1947 (Rhöndorfer Ausgabe). Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Berlin 1983, S. 61f.