23. August 1945: Rundschreiben an die Oberbürgermeister der größeren Städte (der Städte über 80.000 Einwohner)

Die Auflösung des Deutschen Gemeindetages durch das Gesetz Nr. 5 der Militär-Regierung gibt die Arbeit der kommunalen Spitzenverbände, die durch das nationalsozialistische Gesetz über den Deutschen Gemeindetag zur Untätigkeit verurteilt waren, wieder frei. Da der letzte Vorsitzende des Deutschen Städtetages verstorben und vom engeren Vorstand außer mir offenbar niemand mehr amtiert oder erreichbar ist, halte ich mich für verpflichtet, die Arbeit des Städtetages wieder in Gang zu bringen. Leider ist auch der geschäftsführende Präsident des Städtetages, Herr Dr. Oskar Mulert, z. Zt. nicht erreichbar. Ich habe deshalb den 1931 berufenen Vorsitzer des Vorstandes der s. Zt. vom Städtetag und den kommunalen Wirtschaftsverbänden gegründeten Wirtschaftsberatung Deutscher Städte (jetzt: Wirtschaftsberatung Deutscher Gemeinden), Herrn Dr. Peter van Aubel, gebeten, bis auf weiteres das Amt eines Geschäftsführers des Städtetages mit wahrzunehmen. Die Geschäftsstelle befindet sich vorläufig in Bad Godesberg, Rheinallee 69.

Ich darf wohl annehmen, daß auch Ihre Stadt an der Tätigkeit des Deutschen Städtetages auf der alten Grundlage interessiert ist, und bitte Sie, dies der Geschäftsstelle oder mir persönlich alsbald zu bestätigen. Ebenso sind Anregungen für die Erfüllung vordringlicher gemeinsamer Aufgaben erwünscht.

Dr. Adenauer

Oberbürgermeister

Quelle: Adenauer. Briefe 1945-1947 (Rhöndorfer Ausgabe). Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Berlin 1983, S. 80.