5. September 1945: Brief an Staatssekretär a.D. Dr. Hermann Pünder, Münster

Lieber Herr Pünder,

Ich freue mich mit Ihnen, daß Ihre beiden Jungens zurück sind und daß Sie auch für Ihren Schwiegersohn etwas haben tun können. Meine beiden Söhne sind noch nicht zurück. Der Älteste ist noch in Norwegen, von dem Zweiten haben wir jetzt wenigstens eine Spur. Ich hoffe, daß Sie sich weiter erholt haben und daß kein Rückschlag in Ihrem Befinden eingetreten ist. Daß Sie bezüglich Ihrer weiteren Verwendung noch nichts gehört haben, bedauere ich sehr, aus persönlichen sowohl wie sachlichen Gründen. Ich glaube, daß Sie recht daran tun, die nachgeordneten Stellen abzulehnen. Ich würde an Ihrer Stelle ruhig noch etwas warten. Die ganzen Dinge sind noch außerordentlich in Fluß. Gelegentlich werde ich von amerikanischen Mitgliedern der Interalliierten Kontrollkommission um Namen wegen Besetzung leitender Stellen, allerdings in Berlin, gefragt. Hätten Sie Interesse für den Posten eines Staatssekretärs für Wirtschaft oder Finanzen? Außerdem kommt nur noch ein Staatssekretär für Verkehr in Frage. Die politischen Stellen sollen einstweilen nicht besetzt werden.

Hoffentlich hat Ihre Frau sich in der Zwischenzeit etwas erholt. Weder Petersen noch ich haben etwas gehört über die Einrichtung der von uns in Anregung gebrachten Zentralstelle. Es geht alles dort "very slowly".

Halten Sie mich bitte auf dem Laufenden und seien Sie herzlichst gegrüßt von

Ihrem
(Dr. Adenauer)
Oberbürgermeister

Quelle: BArch NL Pünder Nr. 606. Abgedruckt in: Adenauer. Briefe 1945-1947 (Rhöndorfer Ausgabe). Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Berlin 1983, S. 95.