6. Oktober 1945: Brief an Robert Pferdmenges, Köln

Robert Pferdmenges (1880-1962), Dr. rer. pol. h.c., 1931 bis 1955 Teilhaber des Privat-Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie, 1950-1962 MdB (CDU), Vorstandsmitglied von Fraktion und Bundespartei, finanz- und wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzler Adenauer.

Lieber Herr Pferdmenges,

eben wurde mir von dem Brigadier beim Oberpräsidium der Nord-Rheinprovinz eine in scharfem Ton gehaltene Verfügung vorgelesen, in der mir mitgeteilt wurde, dass ich das in mich gesetzte Vertrauen wegen Wohnungsbau, Schutt, der Versorgung vor dem Winter nicht gerechtfer­tigt habe und daher ab heute meines Amtes enthoben sei. Zum kommissarischen Vertreter der Stadt Köln ist Bürgermeister Suth ernannt, dem ich die Geschäfte zu übergeben habe. Ich habe bis spätestens 14.10.45 die Stadt Köln zu verlassen.

Jede direkte oder indirekte politische Betätigung ist mir verboten, bei Zuwiderhandlungen werde ich vor das militärische Gericht gestellt.

Nach der Verlesung erklärte mir der Brigadier, der Ton sei vielleicht schärfer als sie gewollt hätten. Ob ich etwas zu sagen habe. Ich habe geantwortet: Nein. Habe den Empfang der Verfügung quittiert und packe ein. Nächste Woche komme ich nochmals zu Ihnen und hoffe Sie dann zu sehen. Mit vielen Grüßen an Ihre Frau

Ihr

A[denauer]

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 28.