2. März 1947: Brief an August Dresbach, Gummersbach

August Dresbach (1894-1968), Dr. phil., Redakteur der „Köl­nischen Zeitung" (1925-1939) und der „Frankfurter Zeitung" (1941-1943), 1945-1951 Landrat in Gummersbach, 1949-1965 MdB (CDU).

Lieber Herr Dresbach!

Ihren Brief vom 22.2.47 habe ich erhalten. Die Verwirrtheit und Unruhe unserer Zeit zeigt sich natürlich auch bei den Anhängern der Selbstverwaltung. Im übrigen wird ja eine Selbstverwaltung in dem von Ihnen verworfenen Sinne von den Engländern gefordert; aber ich glaube wie Sie, dass auch schon in Bälde die finanziellen Fragen hier eine entscheidende Rolle spielen werden.

Ich stehe prinzipiell auf dem Boden des Föderalismus. Ich bin z. B. überzeugt, dass Hitler nicht zur Macht gelangt wäre in einem Bundesstaat. Letzten Endes werden ja aber die Alliierten unsere Staatsform bestimmen.

In unserer Partei herrscht ja keine starre Parteidoktrin, und deswegen ist es sehr gut, wenn Sie Ihren entgegen­gesetzten Standpunkt mit der Ihnen eigentümlichen Kraft vertreten.

Darf ich Sie bitten, falls Sie irgendwie Zeit haben, doch in unserer Parteipresse, insbesondere auch in der „Kölnischen Rundschau", Artikel über akute Themata zu schrei­ben?

Mit vielen Grüßen

Ihr sehr ergebener

(Adenauer)

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 64.