25. September 1947: Brief an Johannes Rings, Köln

Johannes Rings (1856-1950), Kölner Journalist und Zentrums­politiker, 1900-1933 Mitglied der Stadtverordnetenver­sammlung, 1919-1931 Parteivorsitzender in Köln, 1922 bis 1932 Chefredakteur des „Kölner Lokalanzeigers" bzw. der „Rheinischen Volkswacht".

Lieber Herr Rings!

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre lieben Worte vom 19. d. Mts. und die „Neue Zürcher" Zeitung. Wenn man die Dinge ruhig an sich vorüber gehen lässt und die ganzen Verhältnisse in Europa und in der Welt betrachtet, so sollte man allerdings verzweifeln. Aber schließlich muss man sich immer wieder emporraffen und versuchen, alles zu tun, was man kann, damit wieder Ordnung in das Chaos kommt. Ich freue mich, dass Ihr Enkel aus England zurück gekommen ist. Hoffentlich kommt auch der ande­re bald zurück. Wie ich ziemlich zuverlässig gehört habe, kann man damit rechnen, dass die deutschen Kriegsgefan­genen in Russland im Laufe des Jahres 1948 alle zurück­kommen. Ich freue mich, dass die tapfere Familie Rings den Versuch macht, ihr altes Heim wieder aufzubauen. Ich hoffe, dass es mir doch bald möglich sein wird, mich durch einen Besuch bei Ihnen von dem Fortgang der Arbeit zu überzeugen.

Mit recht herzlichen Grüßen von Haus zu Haus, wie immer,

Ihr

(Adenauer)

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 71.