10. Januar 1948: Brief an Gussie Adenauer, St. Johannes-Hospital, Bonn

Gussie Adenauer geb. Zinsser (1895-1948), zweite Frau Adenauers (Heirat 1919), am 3. März 1948 an den Folgen ihrer Inhaftierung im Kölner Gestapo-Gefängnis Brauweiler (Herbst 1944) verstorben.

Liebe geduldige Frau!

Dass die Blutuntersuchung das Vorhandensein von Neu­bildungen ergeben hat, ist m. E. die beste Nachricht seit Beginn Deiner Erkrankung. Offenbar haben also die Blut­transfusionen so anregend auf Deinen Körper und damit auch auf Dein Knochenmark gewirkt, dass dies wieder anfängt zu arbeiten. Nur jetzt nicht zu früh nachlassen!

Ich soll noch zu Bett liegen, weil ich noch etwas Tempe­ratur habe - gestern Abend 37,8, heute früh 37,2-, es geht mir aber viel besser. Ich nahm Kopflichtbäder, eine für meinen Kopf sehr unangenehme Prozedur. Ich habe eine scheußliche Kopfschmerzneurose hinter mir.

Heute ist es viel besser. Ich hoffe, Dich Montag oder Dienstag besuchen zu können und freue mich sehr darauf. Es küsst Dich von ganzem Herzen mit dem sehnlichen Wunsche auf baldigstes weiteres Fortschreiten Deiner Genesung wie immer

D[ein] K[onrad]

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 74.