8. Juli 1948: Brief an Wim J. Schmitz, Heemstede, Niederlande

Wim J. Schmitz (1907-1977), Dr. rer. oec., niederländischer Kaufmann, seit seiner Kölner Studienzeit in den 1920er Jahren der Familie Adenauer freundschaftlich verbunden, nach 1949 Kontaktperson des Bundeskanzlers in den Niederlanden.

Lieber Wim!

Inzwischen werden Sie aus der Schweiz zurück sein, hof­fentlich nebst Ihrer Frau recht gut erholt. Wie Sie sich denken können, haben wir infolge der Währungsreform und der Umstellung der gesamten wirtschaftlichen Ver­hältnisse, auch infolge der Verschärfung der politischen Probleme besonders unruhige und schwierige Zeiten. Das gilt insbesondere auch für mich, da ich ja infolge meiner politischen Stellung von allen solchen Fragen besonders ergriffen werde. Bis jetzt ist die Währungsumstellung und die wirtschaftliche Umstellung ein Erfolg. Es sind nicht so große Reibungen und Schwierigkeiten eingetreten, wie wir es befürchtet haben. Allerdings herrscht jetzt doch in wei­ten Kreisen, nachdem die Kopfquote aufgebraucht ist, große Sorge für die Zukunft. Das gilt vor allem von alten Leuten und von den Vertriebenen und Ausgebombten, die ihre letzten Sparpfennige durch die Geldentwertung ver­loren haben. Auch die Lage der Studenten ist außer­ordentlich kritisch geworden, weil etwa 80% von ihnen von Hause her keine Unterstützung erwarten dürfen. Es ist in Aussicht genommen, von Staats wegen den Studen­ten wenigstens in etwa zu helfen, aber ob die Länder dazu in der Lage sein werden, ist noch keineswegs sicher. Die Lage in Berlin ist sehr kritisch. Ich brauche Ihnen darüber nichts zu sagen. Lola steht vor dem Umzug nach Köln. Dann wird es hier noch stiller werden. Sie war dann 5 Jahre bei uns. Andererseits freut es mich aber doch, dass Konrad und Lola nun endlich eine eigene Häuslichkeit bekommen. Ich denke noch immer mit Freuden zurück an den Aufenthalt bei Ihnen, an Ihre Frau und Ihre Kinder. Ich möchte Ihnen auch nochmals danken für die Gaben, die Sie mir damals mitgaben, besonders auch für die große Mühe, die Ihre Frau und Sie sich persönlich dabei aufer­legt haben.

Recht herzliche Grüße Ihrer Frau, Ihnen und Ihren Kindern von uns allen

Ihr

(Adenauer)

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 78f.