2. Februar 1949: Brief an Dora Pferdmenges aus Rhöndorf

Liebe Frau Pferdmenges!

Herzlichen Dank für Ihr freundliches Anerbieten hinsichtlich der Rosen. Ich hatte keine mehr, ich habe aber im Herbst durch einen Gärtner einige pflanzen lassen. Welche Sorten er gepflanzt hat, weiß ich nicht. Ich habe fast kein Interesse mehr am Garten, eine erstaunliche und wenig erfreuliche Veränderung! Wenn ich aus Ihrer Reise nach Zoppenbroich entnehmen kann, daß es Ihnen doch wieder besser geht, so würde ich mich darüber freuen.

Mir ging es, als ich unlängst bei Ihnen war, nicht gut; ich bin auch sofort, ohne meinen recht kranken Schwager zu besuchen, nach Rhöndorf gefahren. Rausch und tiefe Müdigkeit, das sind die sich abwechselnden Phasen meines Daseins. Vielleicht werde ich mich meinem früheren Ich wieder mehr nähern; die Stunden in Ihrem Hause werden dazu beitragen.

Dem Ehepaar von Stein habe ich heute Glück gewünscht. - In Bonn werden zur Zeit wichtigste, für die Zukunft Deutschlands entscheidende Gespräche - Verhandlungen - geführt. Daß ich vom Geschick in meinem Alter dazu verurteilt bin, eine maßgebende Rolle dabei zu spielen, ist mir alles andere als eine Freude. Aber es bleibt einem keine Wahl: man muß den Platz auszufüllen versuchen, auf den man gestellt ist. Aber beneidenswert ist der Mensch, der ein persönliches Leben führen kann.

Ich hoffe, daß Sie sich in Z[oppenbroich] gut erholen; sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt, werde ich kommen, mich davon zu überzeugen. - Bitte teilen Sie mir rechtzeitig mit, wenn Sie Bishopdort haben, ich werde dann gerne versuchen, zu kommen.

Seien Sie recht herzlich gegrüßt!
Ihr

K. Adenauer

Quelle: Freundschaft in schwerer Zeit. Die Briefe Konrad Adenauers an Dora Pferdmenges 1933-1949. Bearb. von Hans Peter Mensing und Ursula Raths. Bonn 2007, S. 150.