26. Juni 1951: Schreiben des Bundeskanzlers Adenauer an Bundespräsident Heuss

Sehr verehrter Herr Bundespräsident!

Obgleich ich Sie morgen Nachmittag aufsuchen darf, möchte ich Ihnen doch sofort auf Ihren Brief vom 19. Juni antworten.

Vor einiger Zeit waren drei Herren vom Olympischen Komitee bei mir, um mit mir die Angelegenheit der Zuziehung der Ostzone zu besprechen. Im Laufe dieser Besprechung kam die Rede darauf, was gespielt werden solle, wenn die deutsche Mannschaft einen Sieg erringe. Ich habe darauf erwidert, ich würde dann an ihrer Stelle das Deutschlandlied spielen lassen, da ein anderes Lied im Auslande nicht bekannt sei. Übrigens haben die Herren vom Olympischen Komitee mir nichts davon gesagt, dass sie mit Ihnen über die gleiche Frage gesprochen haben.

In Rom ist folgendes gewesen: Ich wurde in einer Pressekonferenz gefragt, ob die italienische Regierung mit mir darüber gesprochen habe, was sie bei meiner Landung spielen lassen solle. Es war doch eine militärische Formation mit einer Kapelle auf dem Flugplatz angetreten. Ich habe darauf den Herren erwidert, ich hätte den Vertretern der italienischen Regierung sagen lassen, ich bäte nichts zu spielen. Ich habe den Journalisten dann weiter gesagt, Deutschland sei noch nicht genügend zur Ruhe gekommen, dass die Frage der Nationalhymne gelöst werden könne. Eine Nationalhymne müsse ja von dem Bewusstsein des ganzen Volkes getragen werden. Ich bitte Sie also, den Satz, den die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bringt, als den Vordersatz, und den entstellten Satz, den "Die Welt" bringt, als Nachsatz zu bringen. Dann erst wird der Sinn meiner Äußerung verständlich.

Ich darf mir erlauben, morgen auf die Angelegenheit zurückzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr sehr ergebener

Adenauer

Quelle: Heuss-Adenauer. Unserem Vaterlande zugute. Der Briefwechsel 1948-1963. Bearb. von Hans Peter Mensing. Hg. von Rudolf Morsey, Hans-Peter Schwarz. Berlin 1989, S. 74.