31. Mai 1952: Brief an Robert Pferdmenges, Bad Kissingen

Robert Pferdmenges (1880-1962), Dr. rer. pol. h.c., 1931 bis 1955 Teilhaber des Privat-Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie, 1950-1962 MdB (CDU), Vorstandsmitglied von Frak­tion und Bundespartei, finanz- und wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzler Adenauer.

Lieber Herr Pferdmenges!

Herzlich danke ich Ihnen für Ihren lieben Brief. Bonn und Paris waren große, aber auch anstrengende Tage. Der Unterzeichnung in Bonn gingen noch recht aufregende Stunden voraus, die aus französischen Forderungen her­rührten. Es verlief aber dann in der letzten Sitzung am Sonntagmorgen zur allgemeinen Überraschung alles har­monisch und glatt.

In Paris habe ich Herrn Pinay etwas ausführlicher gespro­chen und habe aus der Unterredung mit ihm einen sehr guten Eindruck gehabt. Die französische Wirtschaftslage hat sich nach Auskunft der Herren unseres General­konsulats außerordentlich gebessert.

Jetzt geht hier der Kampf los. Ich glaube, dass die Ausstände der Gewerkschaften abflauen werden. Es ist den leitenden Leuten selbst nicht wohl dabei.

Lassen Sie mich, nachdem wir den Deutschlandvertrag und den Vertrag über die Europäische Verteidigungs­gemeinschaft glücklich unterschrieben haben, Ihnen sagen, dass man derartige Werke nicht fertigbekommt, wenn man nicht von seinen Freunden gestützt und geför­dert wird. Ich weiß, dass Sie unter diesen Freunden an vor­derster Linie stehen, und bin Ihnen von Herzen dankbar dafür.

Am Pfingstmontag kommt Abs zu mir. Ich bin gespannt, was er bringt. In Paris habe ich auch mit Goldmann ge­sprochen. Die Judensache müssen wir in Ordnung bringen.

[...]

Ihrer Frau und Ihnen wünsche ich recht erholende schöne Wochen dort.

Ich werde versuchen, mich über Pfingsten etwas zu pfle­gen, aber viel kann ich nicht tun.

Ihrer Frau und Ihnen herzlichste Grüße

Ihr

(Adenauer)

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 137f.