11. November 1953: Schreiben an Frans van Cauwelaert, Brüssel

Frans van Cauwelaert (1880-1961), belgischer Politiker der Katholischen Partei bis 1945, der Christlich-Sozialen Partei ab 1945, 1939-1954 Präsident der belgischen Abgeordneten­kammer.

Sehr verehrter Herr Präsident, mein lieber Freund!

Ihr Brief vom 29. Oktober, in dem Sie in so herzlichen Worten mich ansprechen, hat mich sehr gefreut. Ich danke Ihnen aufrichtig dafür. Ich glaube in der Tat, dass das deut­sche Volk, insbesondere durch diese Wahl, deutlich gezeigt hat, dass es mit links- oder rechtsradikalen Elementen nichts mehr zu tun hat. Die Wahl ist auch ein Sieg des Gedankens, christliche Grundsätze in der Politik maßgeblich sich auswirken zu lassen und insofern wohl für alle christlichen Parteien in Europa erfreulich. Nach den Verlusten, die die christliche Partei Italiens bei den im Juni stattgefundenen dortigen Wahlen erlitten hat, ist der Sieg der CDU/CSU für die Geltung des christlichen Gedankens natürlich besonders wertvoll. Ich hoffe, dass diese Wahl auch einen stärkenden Einfluss ausübt auf die christlichen Parteien in anderen europäischen Ländern.

Ich erkundige mich, so oft ich Belgier sehe, nach Ihnen und Ihrem Befinden und freue mich über die guten Nach­richten, die ich dann erhalte. Da ich aus Ihrem Brief ent­nehme, dass Sie gelegentlich in Deutschland weilen, würde es mir eine ganz große Freude sein, wenn Sie mich bald einmal aufsuchen würden, mögen Sie nun als Privatmann kommen, als offizielle Persönlichkeit oder in beiden Eigenschaften. Sie werden mir immer sehr willkommen sein.

Seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem sehr ergebenen

(Adenauer)

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 162f.